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THE GIFT OF

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Geſchichte

des

Preußiſchen Staates

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Erläuterungsblatt zu dem Bildtitel.

Die Umrahmung des Bildtitels if entnommen dem Evangeliar, welches Kaifer £othar der Kirche des hl. Martin zu Met (oder Tours) fchenfte; dasfelbe fam dann in die Bibliothef zu Blois und befindet fi jet in der Nationalbibliothet zu Paris Mscr. lat. 266). Die Inſchrift „Gedichte des Preußiſchen Staates“ ift von Ansgar Scoppmeyer im Stile der Zeit hinzugefügt.

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DD 347 ‚b52

Geſchichte

Preußitiien & Staaten

Don

Dr. Ernft Berner

Kgl. Preuß. Hausarchivar

mit 17 Tafeln und Beilagen in Sarbendrud, 92 Buchdrudbeilagen, eima 400 Abbildungen im Tert und 7 Rarten.

Münden und Berlin, 1891

Derlagsanftalt für Kunft und MWiffenfchaft vormals Sriedrid; Brudmmann.

Alle Rechte vorbehalten

Die Zeichnung der Einbandbede wurde von Ansgar Schoppmener in Berlin ausgeführt und zeigt den kurbranden Burgifcjen, ben Töniglich preußtichen und ben Baiferlidh beutichen Adler.

Bapter von der München Dacauer Alttengefeifaft für Mafchinenpaplerfabrifatlon. Draft der Brudmans’iden Bud: ur Runftöruderel in Münden. frarbenbrude von 9. @. Gripiche In Leipzig und C. C. Meinholo + Söhne Im Dreiden. Halyicalı von Brend’amour & Comp, In Düffeldorf, TH. Rucfing in Münden u. a-

Hnband von Guflan Geipfge In Leipäig.

*

Trj. Aex. Ziwer r

106-22-23

Borivort. Ciegt dir Geflern Mar und offen, Wirkt du beute fräftig frei, Kannf auch auf ein Morgen hoffen, Das nicht minder glädiid; ſei. Gorıke,

Nog liegt die Zeit nicht algumeit hinter uns, in welcher wir die Kenntnis der

fremden Staaten für weıt notwendiger als die des eigenen hielten. Der preußiſche Staat-

galt ja nichts anderes als eine Epifode in der Geſchichte der Jahrtaufende, welche dem Drange nach Erfenntnis des Univerfums, wie er der Wiſſenſchaft eigen iſt, ein würdiges Feld nicht zu bieten ſchien. Man überfah, daß, wie Goethe fagt, feine Yation ein Urteil gewinnt, als wenn fie über fid} felb urteilen fann. Steilih, fo feht Goethe kinzu, „zu diefem Dorteil gelangt fie aber fehr fpät“. Bente, da das gute Schwert Kaifer Dilhelms uns die nationale Selbfändigfeit und Geltung mwiedergemonnen hat, wendet fi umgefehrt das Ausland dem Studium unferer Gedichte zu. Und wenn es den fremden Gelehrten bei aller Bereitwilligfeit, die männifchen Tugenden unferes Staates anzuerfennen, doch wicht gelingen will, feine Eigenart, fein Wefen recht zu erfaffen, fo ſcheint dies darin begründet, daß fie ebenfo, wie dies bis vor furzem in Deutfhland gefhah, das allmähliche Wachstum des Staates fi im Grunde doc nicht anders als aus einer, duch Glüd und Talente begünftigten, herrſchſucht erflären können. Das Wefen unferes Staates ift in Wirflidfeit ein folher Anfchauung ganz entgegen- gefegtes. Wie die Gegenwart das Erzeugnis der Dergangenheit, fo ift auch die Der- gangenheit nicht ohne Kenntnis der Gegenwart zu verfiehen. Mit Recht if darauf hingemiefen, daß Kant die Lehre vom Fategorifchen Imperativ nur in Preußen aufftellen tonnte. Denn, welde Jrrtümer diefer Staat, als ein Gebilde der Menfchenhand, auch aufweift, fo iſt das treibende Motiv feiner Entftehung in der Chat nichts anderes als eine bis zur Stunde fortgefete Erfüllung der jeweiligen Pflicht. Ja, wenn die Pflicht als „die Forderung des Tages” erläutert wird, fo haben die Herrſcher aus dem Hohenzollernhauſe in ftaunenswerter Solge, mit faum nennenswerten, die Regel beftätigenden, Ausnahmen nicht nur der Befriedigung der wahren Bedürfniffe ihrer Zeit gelebt, fondern, den Zeitgenofien voran, neue Forderungen, nene Bedürfniffe geihaffen. Sie haben, indem fie im ihrer herrfchenden Stellung nicht fomohl ein nutzbares Recht als vielmehr ein verpflichtendes Amt erfannten, indem fie neben dem materiellen vorzüglich das fittliche wie ſtaatliche Wads« tum des Dolfes leiteten, das Gebot der Pflicht zuerft ihrem Eeere, dann ihren Beamten und zulegt ihrem ganzen Staat eingepflanzt. So haben fie einen Staat gefhaffen, wel- der, ohme „zu den uralten nationalen Potenzen“ gu gehören, dod dem nationalen Gedanken die reinfte Geftaltung gab, welder ſowohl die Einheit zwifhen Negierung und Unterthan, wie die von Arifioteles geforderte Einheit zwifhen Ethif und Politif zur lebendigen Wahrheit macht und in der politifhen zugleih die fittlihe dee zur Er- f$einung bringt. Die Erfüllung des Pflichtgebotes ift fomit recht eigentlich das Wefen unferes Staates, und darin, fo fheint uns, liegt der eigentümlice Neiz wie die erziehende Kraft feiner Geſchichte. Darin liegt die Bedeutung, welche das haus Hohenzollern und der preußiſche Staat für die Entwidelung und die fittlihe Dervollfommnung des deut- fen Doites, ja der Menſchheit überhaupt gewonnen habeu.

Diefe Geſchichte darzuftellen, wird daher immer wieder die Aufgabe der tät« ſten Kräfte bleiben, und wenn ich troßdem einen verſuch wagte, fo möge dies 2 feine Erklarung finden, daß die Wahrheit nicht oft genug gefagt werden fann. « billige Beurteilung wird, fo hoffe ic, die faft unüberwindlichen zeitligen und raum Li Schwierigkeiten, mit denen id; neben den in der Sache liegenden zu fämpfen Er freundlich berüdfihtigen. Einen großen Teil der mir nur fnapp bemeffenen Srift ı men überdem die mannigfahen Anforderungen in Anfprud, weiche durd die zahlrei lluftrationen aller Art an mich geftellt waren. Das Derdienft für diefe gebührt ind« der opferwilligen Derlagsanftalt, deren redaftioneller Leiter, Herr Fritz Schwartz, be ders in der Aufſuchung der weit zerftrenten Dorlagen fi als unermädliher Mitarbe erwies. Da aber meine Anſichten bei der Auswahl der Jlluftrationen nigt immer entfheidenden waren, und mehrere Bild-Erlänterungen mir nicht vor dem Drude ı gelegt werben fonnten, jo muß ih neben dem Derdienft auch die Derantwortlichfeit den illufrativen Teil wie das Regifter der Derlagsanflalt zumeifen.

Berlin, im September 1891.

Ernft Berner.

Den obigen Worten des Herrn Derfaflers wollen wir unfern Dan? für alle hinzufügen, welde uns bei der Auffuchung und Benrteilung des Jlluftrationsmateric unterftügt haben. Dornehmlih haben wir den Direftoren des Königlihen Geheim Staatsarchivs und des Königlichen Hhausarchivs in Berlin, herrn Wirklihen Geheim Ober · Regierungsrat Profefior Dr. von Sybel und herrn Geheimen Ober-Regierungsr Grafen von Unrah, für die uns erteilte Erlaubnis zur Benugung der gedachten Archi ehrerbietigft zu danken. Kerr von Sybel hat auch die große Beneigtheit gehabt, dur den Herrn Derfaffer uns das ganz befonders wertvolle Bild König Kriedrihs IL. ar der Aheinsberger Zeit zu überweifen und uns dadurch in hohem Maße verpflihte Ebenfo danken wir dem Diteftor des Hohenzollernmufeums, herrn Geheimen Regierungsrc Dohme, der uns durd den alleit entgegenfommenden Heren nfpektor Franke die reihe: ihm anvertrauten Schätze zugänglih machte, ferner den Dorftänden und Beamten de Königlichen Bibliothef, des Kupferftihfabinetts und des märfifhen Provinzialmufenms in Berlin, der Bof- und Staatsbibliothef und des Kupferftichfabinetts zu Münden, des Ger maniſchen Nationalmuſeums in Nürnberg, dem Herrn Geheimen Bechnungsrate Warneck und den Herren Amsler & Authardt in Berlin für die leihweiſe Überlaffung einer Reih feltener Blätter aus ihren Sammlungen.

Mit befonderer Dankbarkeit aber haben wir die Namen der herren Ardivrat Dr. Sellc in Oldenburg, des Direftorialaffiftenten der Kgl. Mufeen zu Berlin, Dr. J. Springer, und vorzüglich des Ardivrates Dr. Sriedländer in Berlin zu nennen, welcher andauernd und in Hiberaus bereitwilliger Weife mit feinem Hat unfer Streben beförderte. Ebenfo hat der bewährte Kenner altbrandenburgifcher Geſchichte und Altertümer, Herr Archivrat Dr. Sello, uns feinen fahfundigen Rat erteilt und feine reihen Sammlungen uns zur Derfügung geftellt. Für die erfte Zeit lieferte uns das befannte Bud; von Zurbonfen „Quellenbud zur brandenburgifc-preufifhen Geſchichte (Berlin 1889) eine erwünfcte Anleitung, deren wir ebenfalls dankbar gedenken.

Münden, Oftober 1891. Die Derlagshandlung.

Inhaltsverzeichnis.

Vorgeſchichte. 789 - 1411.

Seit 1. Die Eroberungsverluche des deutſchen Königtumes 2. Die analtinifche Marlaraflhaft - = > 2. 220000 0.07 3. Der Zerfall der andaltiniihen Martgraflhalt . 2 229mm en i Exſtes Buch. Der Tandesſtaat. 1411—1640. 1. j1 der Hohenzollen 35 ne der Mark durch die Hoßengollem . © 2 2.2220. = 43 i 58 2. 3 4. 6. 6. 7. ® 9. 10. Zweites Bud. Der Staat des Grofen Rurfürften. 1640—1713. 1. Der Große Kurfürit. Bom Regierungsantritt bis zum Beitfälifchen Frieden. > 137 Tom Beiälifden Srieben 6.6 zum grieben von Dliva. . > - >... - 149 Bom Srieden von Oliva bis zum Srieden von S. Germain. . . : - . . 172 Das legte Jahrzehnt. - © > > 2 2 2 ne 204 2. Kurfürft Sriebrid) IN. König Friedrich 1. Die furfürftliche Beit- - = > = 22020 226 Die öniglihe Bit. 222220000 > ne 77 Prittes Buch. Der Staat des Groken Könige. 1713—1807. 1. Die Begründung durd König Friedrich Wilhelm I. Auswärtige Rolitititt 257 a 281 Pau EEE Pr 324 Pa Er 359 Er 382 FE 412 426 Pa 455

VII

Piertes Buch. Der Staat unter König Friedrich Wilhelm III. und König Friedrich Wilhelm IV. 1807—1861.

> Die Wiedergeburt des Staated - . > 2 22 nn nennen dd Die Sefreiungötriege en .. ..5 Die Begründung der preufifcen Eingeit . 5 König Fri Wilhelm IV. Die Einführung der Verfaffung 6 Preußens Berjuche zur Einigung Deutſchlands. Rrimtrieg 6 Fünfter Bud. Die Begründung des deutſchen Reiches durch Rönig Wilhelm I. 18(57)61—1871. FH zum Wiener Frieden . . 73 um Prager Srieden und zur Gründung de des noiddeutien 8 vlundei a > % des deutſchen Saifertums . nn. 73 Nachwort . 3 Verzeichnis der Einſchaltbilder und Beilagen. Bildtitel. mit Erläuterungsblatt. Bor dem Seupttite, Titelblatt: Vorgeichichte, mit Erläuterungsblatt . . ... bor 1 Übergang Karld des Großen über die Cibe 789, mit Erläuterung3bfatt gegenüber 2 Urtunde: König Otto I. gründet und dotiert das Biötum Brandenburg 949° „4 Urkunde des Markgrafen Albreht v J. 1155, mit Erläuterungsbfatt . „8 Das Eiftercienjerklofter Lehnin. . . 10 Martgraf Otto IV. und (?) jeine Gemahlin Hedwig, mit Exläuterungsblatt*) 14 Beratung der fieben Kurfürften zur Kaifermahl Heinrichs VII. 1308, mit läuterungäblatt . . 1 Vermählung des Markgrafen Sigmund von Brandenburg mit Dacia don Ungarn 1385, mit Erläuterungsblatt . . . „236 Zitel des eiten Buches, mit Erläuterungsblatt . . Br m 3 Kurfürft Friedrich I. und Kurfürſtin Eliſabeth von Brandenburg . . „4 Klagebrief Dietrich von Quitzows v. J. 1414, mit Erläuterungöblatt . . „488 Urfunde: König Sigmund überträgt dem Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg die Mar? Brandenburg mit der Kurwürde 1415, mit Erläuterungsblatt. . . Pa

Belehnung Friedrichs I. aus dem Haufe Hoßenzollern, mit Eriauterungsbl. 52 1. Seitlicier Umzug am Morgen des Belefnungstages. 2. Friedrich I. begiebt fi zur auf bie fönigliche Tribüne. 3. Die Belehnung Kurfürjt Friedrichs

Eigenhändiges Postscriptum des Kurfürften Albrecht (Achill), ca. 1479 7% XHronfiegel Kurfürjt Joadims I... . 66 Ablahbrief des Eib. Albrecht von Being, 1a, mit Erläuterungsblatt . . . 9 de Brief Kurfürft Joachims II, mit Erläuterungsblatt „98 Eigenhänd. Brief Dr. Martin Luthers an Hoadim IL, mit Grläuterunget. 100 Hinrichtung des Miünzmeifters Lippold zu Berlin 1973 . 102 Newezeittung aus der Türdei zc. ꝛc.“ auß d. J. 1578 „104

„Manefie-Cober* wurbe nicht. mie eb auf dem Erläuterungsblatt zu ann Barkenbruß hei, durd den —E Zrübner in Bondon, fondern dur Wermittlung des Wuchändlers A. Trübner in Stragburg zurüdgekauft.

Aufzüge und Ringrennen gelegentlich der Taufe Markgraf Sigismunds zu Köln a. d. Spree 1592, mit Erläuterungöblatt . . Antımit des Königs Chriftian IV. von Dänemark in Berlin 1595, mit Srläuterumgäblatt. . . Feuerwerk anläßlich der Anweſenheit König” Chriſtians w in Bein 1595, mit Erläuterungsblatt . . B . Die Gefandten beihwören den Frieden zu Münfter 1048. . Kurfürft Friedrich Wilhelm mit feiner Gemahlin Luiſe Henriette mit Er⸗ läuterungäblatt . . Erſte und Seite des eigenhänbi " nieder; eſchriebenen Berichtes des Kurfürſteu Friedrich Wilheim über die —— bei arſchau 1656, mit Erläuterungöblatt . . Bantett auf dem Römer in Frantfurt a IM. Titelblatt und erjte Seite der Denfirift 0 Ktren Friedrich Witteln an den „Ehrlichen Teutfchen“ v. $. Erite Seite der ei jenhändig Hosen * Bälericen Ermahnung· des Kurfürſten Friedrich Wilhelm v. J 1667, mit Grläuterungsbiatt Georg Freiherr von Derfjlingr . . Eigenhändiger Brief des Kandgrafen Friedrich don Hefien- Homburg dom 15. Juni 1675, mit Erläuterungsblatt Sieg des Kurfürften Friedrich Wilhelm bei Beiröenin, mit | Githuterugebtati Eroberung von Stettin 1677 . . Belagerung von Stralfund 1678 . . Kurfürft Friedrich Wilhelm, mit Kamenzfatfimile” 5 Dentmal des Kurfürſten Friedrich Wilhelm zu Berlin . . . König Friedrich I. und Königin Sophie Charlotte, mit Namen; atfim Siebente Seite der eigenhändig Napa Ag „Bäterlichen Ermah- nung“ des Kurfürjten Friedrich III, mit Erläuterungsblatt . . Salbung bes Kurfürjten Friedrich IN. zum König in Preußen 1701, mit Häuterungsblatt . König Sriedrih I. und Königin Sophie charlotte im Krönungszuge Die Luſtyacht (Liburnica) König Friedrichs I. zus tugblatt über Die Hinrichtung des Goldmachers ‚Snjtni zu Küſtrin 1709 önig Friedrich Wilhelm ]., mit Namensfatfimile . - . Sulammentunf der Könige Fuedrich Wilfelm I. und Auguft II. i J. 1728 reiben Friedrich Wilheims I. an den Feldprediger Müller v. J. 1730 Eine Seite des eigenhändig niedergeſchriebenen Teitamentes des Könige Friedrich Wilgelm I. v. I. 1722, mit Erläuterungsblatt . Eigenhändige Randbemertung des Königs Friedric Wilgelm I. v. 3. 1716, mit Erläuterungablatt . . Einzug der Salzburger roteftanten dirth das Hallifhe Thor in Berlin 1732 Kronprinz Zriedrid von Preußen . Schreiben des ‚Rönigs Sriebri II. an J &. Reinbed "1740, mit Erlau⸗ terungöblatt . - Eigentändiges Schreiben des Königs Üriebrich I. an feinen” Winter Sram von Rodewild v. 3. 1740, mit Erläuterungsblatt . . Die Per bei Mollwig 1741, mit Erläute blatt . . Empfang der Brinzeffin ilpelmine von Hefien-Cafjel am Berliner Hof 1752 Beierliche Auffahrt des Königs driedrũh I und de8 Prinzen, Heinrich zur Barade in Berlin . . . elle rnunle Die Schlacht bei Leuthen 1757 . a Die Schladht bei Kunersdorf 1758 . Cinzug de? Königs Siebe II. in Berlin 1763... . . Sönig Friedrich II. von Preußen, mit Namensfatfimile . König driedrich II. und feine Generale von einem Manöver urüdtehrend „Bieten figend_vor feinem König“, mit Erläuterungsblatt . . Anfang und Schluß des eigenhändig niedergeichriebenen Teſtamentes des Königs riedrig II. v. I. 1769, mit ‚Ertäuterungsblatt BR König Friedrih Wilhelm IT., mit Namenzfatjimile .

gegenüber ©.

5

2.

3223322

—235

IX

106 108

110 146

148

324

336 362

364 396 404 410 428 430 450

452 456

x Schluß des eigenhändigen reibend_deö Königs Zitelm II.

an a Tinifte van von deryberg dv. 14. Suli 1 .. . gegenüber Königin Luife und ihre Schwefter . . .. Dur "

Zarbendrud: Königin Luife von Freuen .

Die Königliche Familie i. J. 1806,. mit Erläuterungablatt ur RTEE)

Smpleng des Keiſers Alexander von Rubland in Memel i. 3. 1802 . .

Der Tod des Prinzen Louis Ferdinand in dem Gefechte bei Saalfeld 1806

Einzug Napoleons in Berlin i. I. 1806 . .

Eigenhändiges Schreiben der Königin Luiſe v. I. 1807, mit Erläuterungsbt.

Bulletin, betreffend den Frieden zu Zilfit 1807, mit "Erläuterungsblaft

König Friedrich Wilgelm I. von Preußen, mit Namensfafjimile .

Königin Luiſe von Preußen, mit Namensfaffimile .

Erite der in niebergefihriebenen dentſchrift des Winierꝛ

reih. v. Stein v.

Schluß des eigenhändigen —S König Friedri⸗ Wilhelms I. an den Minifter Freiherrn vom Stein vom 24. overnber 1 1808, mit Erläuterungsblatt . . 9

Einzug König Friedrich Wilhelms IM. in Berlin 1809°

Echleſiſche privilegirte Zeitung“ v. 20. März 1813 .

Eigenhändiger Brief Th. Körners v. 28. N 1813 .

Tagesbejegl des franzöfiihen Kommandanten v. Glogau v. 28. Ott. 1813

„Seldzeitung Nr. 7“ v. 30. Oltober 1813, mit Erläuterun, erungöblatt . m

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Betanntmachung v. Bülows v. 24. Februar 1814, mit Erläuterungäblatt Einzu⸗ ug der Verbündeten in Paris 1814. Die Befreier Europas, mit Erläuterungsblatt Der Biener Kongreß, mit Erläuterung3blatt Die Schlacht bei En Belle Alliance 1815, mi Erfäuterungsblatt Eptrablatt der Berliniihen Nadrihten d. 24. Juni 1815 . Eigenhändiger Brief des Kronprinzen Friedrih Wilfelm an Wiezander v.

Yumboldt dv. J. 1831, mit Erläuterungsblatt . . 59 Die Iepten Augenblide Friedrich Wilgelms II. . .

Seroerarraay

König Friedrich Wilgelm IV., mit Namenzfatfimile 64 Die erfte Niederfejrift der „Wacht am Rhein“, von Mag Schnedenberger „» 64 Betanntmadung ded Königs Friedrich Wilgelm IV. v. 19. März 1848 . 65 König Friedrich Wilgelm IV. beſchwsrt die Verfaſſung 1850, mit &: läuterungsblatt . - 66: Cigenbänbiges Chreiben des Bringen von Preuhen an Frei Ev. tillfried von 26. Mai 1849, mit Erläuterungsblatt . . . 66€ Die Krönung König Wügelmd I. in Königäberg am GB. Oktober 861. 2 > 0% Cigenbändige ie Aufzeichnung König Wilhelms I. dom 31. Dezember 1866, mit Erläuterungdblatt . . - 728 Depeiche des Königs ilgelm I. an die Königin Auguſia dom 18, Aug. 1871 m 736 Die Kaiferproflamation zu Verfailleg am 18. Januar 1871 . . 738 Der Berliner Kongreb 1878... . 740 Die Taufe des Prinzen Wilgelm zu Potsdam am 11. Juni 1882. . on 22 Wilgelm I., deutſcher Kaifer und König von Preußen, mit NRamensfatfimile m 744 Friedrich III., deutjcher Kaifer und König von Breugen, mit Namenzfattrmile 746

Wilhelni IL, Veuticher Kaiſer und König von Preußen, mit Namensfakſimile 748 Augufte Littoria, deutſche Kaiferin und Königin von Preußen, m. Ramensfali.

Printed in Germany

Erläuterungsblatt zum

Titelblatt: vorgeſchichte.

Der Titel ift entnommen dem Evangelium, welches Godesfcalc 781 für Karl den Großen und deffen Gemahlin Hildegard angefertigt kat. Die Shriftverzierungen find noch nicht eigentlich farbig, fondern mit Gold, Silber und Rot auf Pupurgrund aufgetragen. Später der Abtei St. Sernin in Louloufe gehörig, wurde die wertvolle Handfhrift von der Stadt Tonlonfe Uapoleon I. übergeben und befindet fi jet in der Xational- bibliotkef zu Paris (Nour. acqu. lat. 1993). Der Titel beginnt mit dem Worte »INITIUM« (Anfang). Das Wort Dorgefcichte ift von Ansgar Schoppmeyer im Stile der Seit hinzugefügt.

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#Signum (Monogr.) Caroli gloriosissimi regise Signum Kaiſer Karla des Großen (verfleinert auf */, Gräfe) Bon einem Origtnalbiplom d. d. Düren, 25. Oft. 775, im f. Gtaatsardiv zu Marburg

Ser Beziehung der Uirfunde Ramen KAROLUS barfielenden Monsgramm Die zu biefem diwede os Gefreiber anbgelaffene Raute mit Ihren Onerftricen (O-a—7 M) eigenfänbig Hinzugefügt

Vorgeſchichte. 789-1411 1 Die Eroberungsverfuhe des deutfhen Königtums. 789 1115

on allen Bedingungen, die zufammentreffen und auf einander wirken müffen, um eine ftaatliche Gemeinschaft zu ermöglichen, ift das Vorhandenſein H von Land und Leuten die wichtigfte. Der preußiiche * Staat hat fich diefe erfte Grundbedingung, die den meiften Staaten gleichſam von Natur gegeben ift, ſelbſt ſchaffen, erwerben und erarbeiten müſſen. Die Arbeit, ftrenge und gerwifjenhafte Arbeit, Tiegt daher im Weſen dieſes Staates. Mas dem Settioneriom des Bilcofb Das Land, auf welchem ſich der preußiſche Ui won Augäburg. 11. Ich. Staat aufbauen follte, find die Gebiete an der De Bat nen Havel und Spree zwiſchen ber mittleren Elbe und Oder. Die Bewohner dieſes Landes waren urſprünglich, foweit bie Geſchichte weiß, Dentiche, Senmonen, ein Teil de3 großen Sueven-Stammes. Diefe verließen jedoch in der Beit der großen und allgemeinen Völkerwanderung ihre Heimat, und jlavifche Stämme aus dem Often rüdten heran, dag frei gewordene Land in Bei zu nehmen, die wenigen zurüdgebliebenen Deutſchen ſich unterthan zu maden. Jahrhunderte hindurch bewohnten nun die Wenden, wie ein, mehrere flavijche Stämme umfafjenber, Name Iautet das Land bis zur Elbe bin, rüfteten fich jogar, die Sachſen auch aus ben Gebieten weſtich der Elbe Bezer, Gel. d. de. Etaotes

2 Kaiſer Karl der Grohe

Taufe der fabelfaften Sarhfenfönige Helfis und Sigeniort in Siegburg. Griſaille aus »Conqussten de Charlomazucı Handfehrift des 15. Jahrhunderts In der 2. Vibllothet zu Brüfie

zu vertreiben. Die Sachſen aber waren damals troß zähefter, unter der Führun ihres Herzogs Widufind geleifteten Gegenwehr von Kaifer Karl den Große unterworfen, Herzog Widufind in der faiferlichen Pfalz zu Attigny zur A nahme der hriftlichen Taufe genötigt worden. Ein Angriff der Sachſen dur die Wenden galt aljo zugleich dem fränkifchen Reich.

IN} Im Jahre 789 überjchritt daher Karl der Große die Elbe, befiegte di Wilzen, drang bis zur Peene vor, gründete mehrere Burgen und behauptet troß verschiedener Aufftände feine Herrichaft. Unter feinen Nachfolgern zerfiel je doch fein Neich, und länger als ein Jahrhundert währte num wieder die un

is bedingte Herrichaft der ſlaviſchen Wölfergruppen. Erft als Herzog Heinrich de Sachſen deutſcher König geworden, wandte ſich das deutſche Königtum ber Auf gabe zu, den deutjchen Norden für Deutfchland wieder zu gewinnen. Tai Heer, das ſich König Heinrich für den Kampf gegen die Ungarn gebildet,

Grläuferungsblaft

zu

Annales Einhardi: Ubergang Karls des Großen über die Elbe 789.

Einhard (auch Eginhard genannt) wurde um 770 im Maingau von edlem Geſchlecht geboren. Nachdem er im Klofter Fulda und in der hofſchule Karls des Großen zu Aachen eine für damalige Zeit ungewöhnliche Bildung ſich angeeignet, wurde er oberfter Leiter der Bauten Karls des Großen, ſowie deffen vertrauter Freund. Er ſchrieb ein Leben Marls des Großen und wahrfceinlih auch die Annalen, aus welhen wir nachſtehend die Stelle betreffend Karls des Großen Übergang über die Elbe 289 mitteilen. Sein Katein ift das befte des Mittelalters.

Nach Karls Eode diente er noch deffen Nachfolgern und 309 ſich gegen 827 auf den vom Kaifer ihm geſchenkten Candſitz Micelftadt im Odenwald zuräd. für die hier auf- zuführende Hirde verfhaffte er ſich die nad den Begriffen jener Zeit unfgägbaren Gebeine der Märtyrer Petrus und Marcellinus mit vieler Kift durd feinen Schreiber Ratleif, den fpäteren Kanzler Sudwigs des Deutſchen, aus Rom. Ihrer Überführung nad; michelſtadt hat er 830 ein mit vielen Wundergefhichten verfehenes Wert gewidmet. Nadydem Einhard im Jahre 836 feine geliebte Gattin Imma (Schwefter des Biſchofs Bernhar von Worms, nicht, wie die fpätere Sage erzählt, Karls des Großen Tochter) verloren, ftarb er felbft am ı4. März 840.

Cransſtription und Überfedtn aus „Annales

g des nebenftehendeu Cextes Einhardi“

Anfang des Berichts über das Jahr #9 auf fol. 77& verso:

Natio quaedam Sclavenorum est in Germania, seden« super litus oLeani &s gibt in Deutſchland ein felavenifäjes Volt, das am Strande des Meeres wohnt

Fol.

quae propria lingua Welatabi, francica autem Wiltzi vocatur. Ea Francis semper inimica, et vi cinos suos qui Francis vel subiecti vel foederati erant, odiis insectari, belloque premere ac

lacessire solebat. Cuius insolentiam rex lon gius sibi non ferendam ratus, bello eam adgre di statuit, conparatoque ingenti exercitu Rhenum apud Coloniam traiecit. Inde per

Saxoniam iter agens, cum ad Albiam pervenisset castris in ripa positis, amnem duobus pontibus

iunxit, quorum unum ex utroque capite vallo

munivit, et imposito praesidio firmavit. fluvio transito, quo constituerat exerci

Ipse

tum duxit, ingressusque Wiltzorum terram cuncta ferro et igni vastari iussit. Sed gens

illa, quamvis bellicosa et in sua numerositate

confidens, impetum exercitus regii diu susti nere non valuit, ac proinde, cum primum civitatem Dragawiti ventum est nam is caeteris Wiltzorum regulis et nobilitate generis

et auctoritate senectutis longe pre

minebat extemplo cum omnibus suis ad re gem de civitate processit, obsides qui impe

DCCLXXVIIII recto.

und in feiner eigenen Sprache die Welatabı fränfifh aber

die Wiltzen heißt. Daſſelbe war von jeher ſi ſeůg gegen die Franten

verfolgte feine Nachbarn, die den Franken u iworfen oder verbündet

mare, mit Haß und juchte fie unaufhörlich mit S beim.

Solchen Uebermuth glaubte der König nicht län

dulden zu dürfen und beſchloß die Wilgen zu betrieg

Er bot eine große Heeresmacht auf

umd jepte bei Köln über den Rhein. Von da ; er durch

Sachſen, ſchlug, als er an die Elbe gekommen w

an ihrem Ufer ein Lager und dann zwei Brüd über den Strom,

don denen er die eine an beiden Enden durch Ve ſchanzungen

und eine hineingelegte Vefapung ſchirmen lieh.

Hierauf jeßte er über den Fluß, rücte mit feinen Heere

in das Land der Wilken ein und lich alles

mit Feuer und Schwert verwüjten. Das Bolt dr Wilgen

vermochte, obwohl kriegeriſch und auf jene groß Zahl pochend

den Ungeii des königlichen Heeres nicht lange

auszuhalten, und jobald man vor die Stadt des

Dragawit fam, der vor den ü

Bilpenfürften durch den Adel jeines Geſchlechts

wie durch die Würde des Alters weit hervorragte

erjchien diejer mit alten jeinen Leuten vor dem König

ſtellie die verlangten Geißeln

Schluß des Berichts über das Jahr 789 auf fol. 779 verso:

rabantur dedit, fidem se regi ac Francis servaturum iureinrando Quem ceteri Sclavorum primores ac reguli omnes

dicioni subdiderunt. Tum ille, subacto illo po- ;s quos dare iusserat Acceptis, eadem via qua venerat ad Albim regressus est, et exercitu per pontem redu rebus quoque ad Saxones pertinentibus secundum tempus positis, in Franciam reversus est, et in Wormacla ci talem Domini et pascha celebravit

!und verfprad) eidlich, dem Stönig und den Franten ren unt | geborfam zu fein, Seinem Yeipiel folgten ale übrigen Zürter und Häuptlinge der Siaven und unzerivarfen fich der Herricha‘ "des. &önipe. Nachdem er nun diries Kolt untert up du | @eißeln, welde er gefordert. in Gmpfang genommen hatt. 308 €€ auf bem nämlichen Wege, ben cr gelommen ıyar, wirber Nan die Gibe, führte fein Heer über die Brüde zurül. Heinte dann, hadem, er noch ie fcffhen Singer {0 out ch Die Zeit erlaubte, in Crdnung gebracht harte, ins | Franfenfand Heim und feierte im der Ctadt Worma Bei ı nadjten und Litern.

“rn X

Deelxxum 8 Welataba quae propri lngua uuelarabi‘francıca aune uuilt vocturtafancıt‘ ſepimica &ın cmoſſuoſ cui frociſuclſubiechuel foedentri eat odufınfechri‘ belloq premere ac Lacefire ſolebat· Curuſ iſolentã rexlon Quſ ſibi non ferencã vxruſ bello eamadarı Aflanır conpanırog Ingenm exercemu rbenum apud coloma truecn inde per Yaxonız ırer. agenf dum acl albiã perucuiſſ llnfınrıpapofinfAmn&duob; ponmbuf tunen · quorũ una eœrutroꝙ caprreuallo mumurn &mpoftro pfidio firwaurt: ipſe fiiiaao un quocon —— zum dixert )n uſq- uuilthorũ terram cumch ferro —— ılla quãauuſ bellicoſ &ınfaanumerofare confıdenf: Impeyi ecerertuſrexui du ſuſti nere nonualurt · Acpinde cum primum “5 Nam —— Diagasa ds obilmte gentri nechmflonge pre‘ ıommb; infadre Obfidefqunmmpe in Über die Elbe 789.

doſbibliothet zu Wien. Fol. 779 recto. Berlagsanf. |. Kunft u Wiſſenſch. Münden

(3

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König deinrich I. 3

jollte fich die erften Lorbeeren in einem Angriff auf die Heveller zu beiden Seiten der Havel und Spree erwerben. In mehreren Treffen Sieger, rüdte Heinrich bis vor die Hauptvejte des Volkes, Brennabor (927/28), das heutige ver Brandenburg, eroberte, durch eifige Kälte und Hungersnot unterjtügt, dieſelbe und zwang Damit den ganzen Stamm zur Unterwerfung, ja, während er jelbft

Heinrichs I. Kämpfe gegen die Slaven 927/28,

Saft gleichzeitiger Bericht aus Widufinds von Gorbey »Res gestae saxonicae« (R, Bibl. Dredben). Winutins, ein Mönd) Dei Mofterd Gorven, ſchrieb feine Gefcichte der Sachfen, die wichtigſte deutſche Geſchichtequelle für die erite Hälfte des 10. Jahrhunderts, etwa 907. Muf *— ** der Rame Vrennabuig (Brandenburg) zum erfienmale

im der .

Transskription: - Überjegung: Tali lege Tau lege ac ducylma cu Reh —8 ls cum cives am > cueſ. aſſuefacet. repente rrum ſuꝑ ſlauoſ —R et er nal rast super Slavos qui , pe ‚bie Slapen her, Sauer Hera, gusdicune heuelli · muluſeos Plus farı - ai mean, en

mokis eos prelüis fa- bete_fie durd viele

2 ie - x id Ib» hiens ganf.demä bıeme afprıma caftııs füper Baer em ehe : —— - J dem Ei inf

glacepofius.epwurbequedrbrenna Say. nach,

iur Brennaburg, weige Orenneburg ame, ferro, frigore. burg. famefernw sılla urbe Samen um Rdie. Camque illa urbe po- ji frigore. Gung; ——ãA cr mi ener

- 9 2 > Stadt das ganze Band —eS Sieb 5 a ponronm&regiond.fignaimesuadala Mena kamastiam, adversus 2 * 24 1 * wi 6 genen Dala- un an in manuã. aduſus qmiam olim relujc ei par gut ei pater militiam; - en 2. 7 ; bel

= ein wen ulaz-Tobfidenfurbequedikıemı. Banana

—— vicesima tandem die Woangighen Tage. Die ——— werfmarande dıevepırea.Predaurbifim Era ezid den bis miliciibes tradi e) “s derung, alle Grmadife: paberer omnes iner- Inh uadıra puberf‘ oihsınifech.pueriac 1a Shan, Secti, poeri ac puelle madt, nal um sepictsi era elle, feruaw Pohec For bc apnunan) -Frbespragam ad cum omai exer- geiff er Prag, bieStadt.

<as, Boemiorum ur ADUT omu geremuboeinoy urbe regẽq; Ser Böhmen, mit feiner

dus 8 en eimdedrmondauprr:dejquedämmabila Sn, 25 a mim Pehcant- quege füpbamus filenuougum it. mi See Se cam Fra ai erar bolzlas.quu mon En Sun nr boemioſ rhurarios facend.reitfusgf: Shin Aienade muonũ. BE

1

4 Kaifer Otto det Grofe Markgraf Gero

ſich fühlich gegen die Dalminzier wandte, drangen feine Heere gleichzeitig fieg reich gegen die Redarier, Wilzen und Obotriten bis zur Dftfee vor. „Aber mit unbändiger Wildheit erhoben ſich alsbald ſämtliche wendiſch v2» Stämme, und vor ber wendiichen Veſte Lenzen kam e3 am 4. September 921 zu einer der blutigften Schlachten, die je geichlagen find. Markgraf Bernhard ber erfte Markgraf der Nordmark, und Graf Thietmar erfochten zwar, trotzden fie faft überrafcht wurden, den volliten Sieg, aber weber beugte dies furcht bare Blutbad die Wenden, noch hielten fie die zahlreichen, von Heinrich an gelegten Burgen wie Tangermünde, Arneburg, Werben im Zaum. Kaum war vielmehr König Heinrich geftorben, und fein jugendlicher Sohn Dtto zu feinem Nachfolger erwählt, jo empörten fich auch die Wenden aufs neue, und obwohl durch den Grafen Hermann Billung völlig geſchlagen (936), benußten fie doch die ſchweren Zeiten, in die der König durd) die Empörung feiner Brüder geriet, zu immer neuen Aufftänden. Eine wirffame Gegenwehr fanden diefe fortdauernden Aufftände erft feit Graf Gero den Oberbefehl gegen die Wenden erhalten und 939 zum Mark- grafen der Norbmarf ernannt war. Erft jet am, möchte man jagen, Syſtem in Die Pläne des Kaifers, diefe alten deutfchen Länder wieder zu erobern. Ein Mann von rüdfichtslofer Energie und gewandter Schlauheit, Hat Markgraf Gero in jahrelangen Kämpfen den Sieg des Deutſchtums und des Chriftentums bis zur Oder ausgebreitet. Weber die Tapferkeit der Wenden im Felde, noch ihre Lift und Verfchlagenheit in Zeiten fcheinbarer Ruhe fchredten ihn. Als er von einem heim: tückiſchen Anſchlag erfuhr, den fie gemacht, ihn zu ermorden und mit diefem Morde Die Herrichaft der Deutihen überhaupt abzufgüt- ten, vergalt er ihnen durch gleiche Heimtüde. Dreißig ihrer Häuptlinge Iud er zu feftlichem Gelage, machte fie trunfen und ließ die Trun- fenen niederftechen. Den Aufftand, der über ſolche Unthat losbrach, wußte er, durch den König zeitweife unterftüßt, wieder nicht nur mit dem Schwerte, fondern and) mit Lift nieberzufchlagen. Namentlich gewann er durch kluge Beitehung eines Fürften der Heveller Brandenburg wieder. So gelang e3 Gero feften Fuß zu faflen, und da ziemlich gleichzeitig auch Markgraf Billung die Wenden an der Küfte von der Trave bis zur Peene befiegte, fo ſchien die . Unterwerfung des Landes gefichert zu fein, und FR man ging daran, das Land als eine Mark, eine

a he oc Grenzprovinz Deutſchlands, zu germanifieren

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Kaifer Otto der Große Markgraf Gero 5

und zu hriftianifieren. Rein militäriich, auf Die Zwecke des Angriffs und der Ver: teibigung berechnet, mußte die Verwaltung des Landes natürlich jein. Im Gegenſatz zum deutjchen ‚Heerbann, der nur auf den Auf des Königs unter die Waffen trat, bildete der König Hier eine Kriegsſchar, die von ihm befoldet oder mit Grund- beſitz ausgeftattet, zu ftetem Kampf gerüftet fein mußte. In und um die zahl- reihen Burgen, die man zur Sicherung des Landes wieder anlegte, wurde diejelbe angefiebelt; den Burgen und ihren Bezirken, den fog. Burgwarden, wurden Burggrafen oder Kaftellane vorgefeßt, und wieder dieſe unterftanden dem Markgrafen, der, bald als dux et marchio, als Marfherzog bezeichnet, nur um fo mehr in jeder Beziehung unumſchränkt gebot, als der Beſitz des Landes von der Kraft feines Armes allein abhing. Nur dem Kaifer war er unterthan. Das war indefjen ſchon Har, daß man auf einen dauernden und friedlichen Beſitz des Landes nur hoffen fünne, wenn bie Slaven zum Chriftentum be fehrt, und ihr blutdürftiger Heidnifcher Gottesdienft völlig ausgerottet fei. Vor— nehmlich der Kaifer Otto der Große ſelbſt, bejeelt von wahrhaft frommen Eifer, erkannte, daß nur fo die Aufgabe, die Deutſchland Hier geftelt war, gelöft werden konnte. Er gründete daher 946 für die Nedarier das Bistum Havel- berg, 949 für Die Heveller und Liutizen dag Bistum Brandenburg, und 968 0 endlich gelang e3 ihm, feinen Lieblingsplan auszuführen und, in treuem Ge deufen an feine zärtlich geliebte erfte Gemahlin Edith, ein befonderes Erzbistum für die flavifchen Länder, das von Magdeburg, zu begründen. 973 feierte der Laiſer hier das Ofterfeft und ftattete, wie ſchon vorher die beiden Bistümer, fo and das Erzbistum mit den reichſten Gütern aus.

Do nur zu bald nad; dem Tode des mädjtigen Kaiſers ſollte ſich zeigen, wie wenig gefichert dieſe Länder noch immer für Deutichland waren, wie ihr Bei abhängig war von der äußeren Gewalt, mit der das beutiche Königtum felbft feine Macht zur Geltung zu bringen wußte. Denn als Kaifer Ottos Sohn Otto II. von den Arabern 982 jene furchtbare Niederlage in Unter-Italien er: o82 Titten hatte, da erhob ſich auch das ganze Wendenvolf wie ein Mann, und mit erihätternder Gewalt kam aller Haß und Ingrimm der Slaven gegen die fie verachtenden Deutihen und den CHriftengott zum entſetzlichſten Ausbrud). Am 29. Juni ftürmten die Liutizen Havelberg, drei Tage ſpäter Brandenburg, serftörten die Städte, raubten und plünderten die Schähe ber Kirche, machten wieder, was ihnen entgegen trat und drangen unter wüſtem Kriegsgeſchrei über die Elbe bis zum Tanger vor. Einem weiteren Vorgehen ward freilich durch ein beutjches Heer Halt geboten, aber die Bistümer waren völlig vernichtet, das Heidentum, doch nur äußerlich unterbrüdt, lebte neu auf, und ein großer Zeil der Nordmark, das ganze Gebiet öftlich ber Elbe, war verloren. Auf anderthalb Jahrhunderte hinaus gab es nun zwar noch deutſche Markgrafen, aber ihre Macht war gebrochen, und jenjeits ber Elbe Herrfchten wieder Na Häuptlinge. Auch Biihöfe von Brandenburg und Havelberg wur:

den wieder eruamnt, aber ihre Sprengel auch nur zu betreten, wagten fie

ai

6 Die frantiſchen Kaijſer

Ein Markgraf, Werner von Walbeck, nötigte zwar im Frieden von Werl 1005 1005 die Wenden zur Anerkennung der deutſchen Herrichaft, und Kaiſer Heinrich wahrte diejelbe ſowohl durch Verhandlungen zu Werben, Arneburg und Walle leben, al3 durch energijches Einfchreiten gegen bie fortwährenden Räubereien u durch Wiederherftellung ber- deutjchen Grenz-Burgen. Doc; gerade Heint mußte es ſtillſchweigend anerkennen, daß alle Hriftlichen Einrichtungen zerſt blieben, der alte Gögendienft fich behauptete. Noch einmal flammte dann d Intereffe für die Germanifierung und Chriftianifierung unter dem hochftrebent Erzbifchof Adalbert von Bremen auf, und das fühne Unternehmen biejes waltigen Kirchenfürften ſchien um fo mehr Ausficht auf Erfolg zu haben, < ſich ihm ein chriftlich erzogener Obotritenfürft Namens Gottſchalk anfchloß, u diejer, begünftigt durch innere Streitigkeiten zwiſchen verjchiedenen wendiſch Stämmen, im Begriff ſchien, ein einheitliches, großes Wendenreich chriſtlich Belenntniffes zu errichten. Aber das heidnifche und wendiſche Element ti ſolchen Veftrebungen trogig entgegen, die Liutigen griffen 1055 die Deutſch 10 mit Erfolg an, und am 10. September 1056 erlitten die Deutſchen bei Prizlar eine ber ſchimpflichſten Niederlagen. Und dieje war um fo folgenreicher, als Reich es waren die letzten Tage Kaiſer Heinrichs III. von großen Gefahr heimgefucht wurde, und die folgende Regierung Kaiſer Heinrichg IV. gew nicht geeignet war, ben völligen Zerfall der Nordmark zu verhindern. Au Gottſchalls Reich war bald dahin, am 7. Juni 1066 ward der Fürft zu Lenz erſchlagen, und mit feinem Tod erloſchen auch die Iegten Spuren des Chrifte tums unter den Wenden. . Erft unter Kaifer Heinrich V. hören wir wieder von einem Siege di Deutjchen, aber nicht der Kaiſer oder fein Markgraf, fondern ein Graf Dti soon Ballenſtädt, der Reiche zugenannt, erfocht denfelben am 9. Februar 111: wenige Tage vor jener Schlacht am Welfesholze, in der das deutſche Künic tum von dem deutſchen Fürftentum jo ſchwer getroffen wurde.

Nunmehr konnte es in Frage kommen, ob ein einzelnes deutſches Fürfter haus, etwa das des Grafen Dtto, die Aufgabe, die dem deutſchen Weſen hie im Norden und Often geftellt war, und die das deutſche Königtum, erfüllt vo andren Plänen, nicht hatte löſen fünnen, zu vollführen im ftande fein werde

Bendenpfennig. Als Probe der Münzen, wie fie um das Jahr 1000 in den Ländern rechta der Elbe in Umlauf waren.) Im Größe des Originals ‚Site dm R. Müngtabinett zu m

2 Die anhaltinifde Martgrafihaft Brandenburg. 115—1319

a3 Haus Ottos des Reichen, urfprüng- lich wohl aus Schwaben ſtammend, hatte am Harz reiche Befigungen er: worben, war aber zu größerer Bedeu⸗ tung erft durch die Heirat Ottos mit einer Erbtochter aus dem Haufe der Billunger Markgrafen gelangt. Aus diefer Heirat war dem Haufe namentlich ein gewiffer Anfpruch auf das Herzogtum Sachſen und auf bie Nordmark entftanden, ebenfo aber aud) durch die Lage der Befigungen an den

felpieets, 11. Japıh. wendifchen Grenzen die Notwendigteit

ee Surfen, demsatfer auferlegt, die unruhigen Staven zurüd: zubrängen. Jenen Anſpruch haben fie

eitweife durchzuſetzen vermocht, diefer Aufgabe aber

fange gerecht geworden. Hatte jchon Dtto nad) jener

feit3 der Elbe Fuß gefaßt, jo war es fein Sohn

der den Slaven die uralten deutſchen Gebiete weſtlich

ıteiß, auf die Dauer diefelben dem Deutſchtum wieder

eine Kultur⸗Aufgabe von der allergrößten welthiftoriichen

anzte damit das Samenkorn

dereinft der preußifche Staat,

ich erwachjen follte.

ıft von Albrechts glänzenden

triegstüchtigfeit zu bewähren

Monate nad) dem Tode

w es ihm im engeren An: 2123

othar von Sachſen gelungen,

auſitz zu erfämpfen und fich

er den vornehmften Fürften

en Dieſe Stellung mußte

hoffen, mit der Erwählung

Könige eine noch bevorzugtere Siegel aus dem 14. Jahrhundert, nen erwachte Glaubenseifer, einen wenbiihenfrieger barftellt.

em Modrud von dem Eriglnal: der Heilige von Bamberg N ————— au Berlin

8 Morigtag Albrecht der Br

Bu ber nebenftehenben Rünze Vribislaws

1) Abers: Der tzarn bewaffnet mit Gchlid uud fra eimem fplpem Selm auf dem Saxpte, zu Bierde, im Mäder Stern. Umfcrift rädwärts: (EDINRICUB.

M Revers: Ein Geiftkger mit der Tonfar, mit fegue essen, tn ber Rinten dab Goengelienbud, haltend, Aber 1 2 Kam Se Eiem. —BEMEIOT .... Die Darellung der Rüdfelte be; Minze ih wohl auf einen Bifcof vom Brandenburg. Du Größe da Dritnalß (the) {m 2. Mängtbtect in Berlin

die Iange vernachlaͤſſigte Chriftianifierung ber ſlaviſchen Völker unternaf (1127), und die Albrecht nach allen Kräften unterftügte, fchien der Ausdehnu feiner weltlichen Herrſchaft förderlich fein zu müffen. Aber wie ihn die Hoffnun auf das ſächſiſche Herzogtum täufchte, fo täufchte ihn auch zunächft Die auf Die Nor mark. Lothar, der die letztere einem Grafen Udo übertrug, ftellte Albrecht ſoga wohl infolge der deshalb zwiſchen beiden Grafen ausgebrochenen Streitigfeite vor ein Fürftengericht, daS dieſem felbft die Laufig und einen Teil der Oſtma abſprach. Doc ſcheint der König ihm fchon damals Ausſicht auf Entſchädigun eröffnet zu haben, jedenfalls begleitete Albrecht den König auf dem Römerzug

ns und dieſer belehnte ihn nad Udos Tode 1134 zu Halberftabt mit di Nordmark. Damals gerade waren die Slaven wieder über Die Elbe vorgedrunger fo daß Albrecht alsbald mit diefen in Kampf geriet. Ein Furzer aber glänzende Zug führte (1136) jedoch den Markgrafen bis an die Mündung der Elbe, erwar ihm die Priegnitz. Freundſchaftliche Beziehungen, bie Albrecht ſchon vorhe mit einem cpriftlichen SIavenhäuptling Pribislaw von Brandenburg angefnüp| hatte, bewährten fi außerdem jo ſehr, daß Albrecht von biefem Häuptlin die Zauche als Patengeſchenk für feinen Sohn, für fich jelbft aber di Anwartſchaft auf das ganze Erbe des Häuptlings erhielt.

Dieſe günftigen Erfolge wurben indefjen nach Lothars Tode längere Zei wieder vollfommen in Frage geftellt. Doc) erhielt Albrecht im Frieden von Frank furt (1142) wenigftens die Nordmark und zwar als erblichen Beſitz zurüd, und ei verftand ſich von jelbft, daß er für das verlorne fächfische Herzogtum von jegt an im Often Erſatz ſuchte. Und in diefem Streben ſchien ihn nun die allgemeine Welt: Tage wieder zu begünftigen. Denn num gefchah es, daf Abt Bernhard von Clairvauz und ber Papft nicht nur gegen die Sarrazenen, jondern aud) auf die Wenden das Kreuz predigten, und die allgemeine Begeifterung, von ber die ganze dhrift: liche Welt dadurch aufs tiefite ergriffen warb, ſich auch auf die heidniſchen

u Slaven richtete. Aber fo großartig der Kreuzzug gegen die Wenden (1147) auch angelegt war, fo jcheiterte er doch völlig. Da war es benn von weient- licher Bedeutung, daß Albrecht, beim Tode des Häuptlings Pribislam (1150), deſſen Erbſchaft, zu der namentlich Brandenburg gehörte, wie es ſcheint, völlig friedlich antreten Tonnte. Ein Verwandter Pribislaws, Jaczo mit Namen, ſoll zwar noch einmal Brandenburg überrumpelt haben, von Albrecht jedoch wieder zurückgeſchlagen worden fein. Jedenfalls war mit ber Erwerbung diefer Spree: und

Erläuterungsblatt zu der Arfunde des Markgrafen Albrecht 4. d. Aſchersleve 1155,

durch welche derfelbe im öffentlichen Landgerichte die von Seite eines ge-

wiſſen Nivta erfolgte Schentung von drei im Dorfe Hohendorf gelegenen

Hufen Eandes mit ihrem Zubehör an das Stift St. Simonis und Judä zu Goslar beftätigt.

In halber Größe des Originals im Stadtarchiv zu Goblar.

Übertragung der nebenstehenden Urkunde Markgraf Albrecht des Bai

In nomine sancıg et individug trinitatis. Ea precipue oportet scripto commendare facta. ad posteros necessarla est memorlA. | Ego Marchio Adelbertus notum uolo esse omnibus christl hoc priulleglum legentibus uel lecturis. quod quidam christi delis NivtA nomine. ad altare domini | nostri ihesu christi. elusque genitricis, perpetug uirginis mArig. et beatorum Apostolorum et Jude. ot mathyg, et Banctorum martirum Rüstiei et Venantii. Necnon et electorum | confesso: et Serastil. in goßlarls constructum, „tree mansos cam seplem arels sulsgue pertinentlis in propri geult et contradidit. sitos in uilla händorp nominAtA. | consentiente quidem et collaudante hei et ecelesig aduocato uidelicet Heinrico tarcio. imperatore secundo. ceterisquc. quorum collau testimonlum ad hoc erat necessarlum. | Tradidit autem eo pacto. ut goclesia predicta „prodium ‚ed predictus NivtA in beneflelum ab gccigsia obtineat. post eumque contectalis ilfus rümüt. eiu: Alloramque primi flil. post quos geclgeig penitus uacet, Interim uero, qulcumque eorum predic dum gcelgsig in benoßcium obtincat. singulis annis in inuentione protomartiris | Stephani statu! sum id est solldum unum geclesig persoluat. per quem ei ssionom suam recognoscat. Quod | suis temporibus Adeilter compleuerant. ‚Posseält itanue | goclgsla predickum preäium plus ausm p4 inte annos. usque ad men Tempora quieta ponsessione, ot jam omnibus {is defancis, qui ad bei

jesignati erant. omnino | uacat gcelgaie, Vnde ego Marchio Adelbertus goslariensis ecclosig Pont Aduocatus, comesque comici In dus pröälcte possansio elta out. ilam gceiesie goslariensi | recognd banno regio In placlto proninciali eonfrmo. et priuflegii mei aitestacione. ot sigilli mel Impressio; boro. ut ocelgsia possessionem suam utpote penitus | sibl uscantem libere possideat. nullusque successor siue meus. nullusque allus eam de predicta possessione Inquietare presumat. Aut si quf de la pulsaro | attemptanerit, ob testimonlum hoc uoritätls ulmum sponte desistat. nel Innitus su Nomina autem testium qui hulc confirmationi affuerunt. hec sunt. | Ruodolfus de snetlingen. Bu: comes de valkenstein. Frithericus de hacaburnen, Linderus de grobene. Volcmarus de minori anı leue, et eius | flil. Conradus. Gero. Otto. Ruothardus de snetlingen. Erpho de snetlingen. et elus Wichelmus. Liudricus de smetlingen. tlingen | et aiti de snetlingen eorum co: ‚Bruno de sethorp. et alif ipeius consimiles. Fridericus de widestorp. et alil liberl de widestorp et thorp. Euerhardus de | reinsteden. et alli liberl in eadem uflla manentes, Thiäricus de ascher Arnoldus de redere. Burchardus de gersthorp. et eins flius Ruotholfus. frithericus | de gatersleue. ei eus conciuis. Eluericus et Geuehardus. et Ali scophenen de winnengen. Friderieus de hardestorp. Wardus de hacaburnen: Heinricus de | annenthorp. fhthorleus et oius frater Liuderus de ellwarde Bomnhardus de wilmarsiorp. Otto ct elus frager Conradl Allus, Wicoch ot eins frater. Bigelogus ot Adelı et all | nobiles. Bruno de gittenateln. et Bernhardi fill de sgelingen. Iso et Adelbertus frater elt querenbeke. | Burchardus comes de ualkenstein. Esicus de burnensted. Cono de wipera, Comes Bote Io Gebelonze. et elus frater Eluerions de merengen, Conradus de dromthorp. | Gardolfus de Hathaı leuen. Eckehardus de burmen(t) et fllus fratris elus Heinricus. Rotherlcus de gundersleuen. et frater Rothardus. Guntherus de wigeleuen. et nepos elus | Radulfus. Adelbertus de orsleuen. Hildewardt Waltherus de arnstede et Conradus et Adelbero flil patrul sul. Willehelmus et Othelri Gerhardus de thietvorde. | Data in aschersleus Anno dominicg jincarnationis millesimo c.

Überfegung. .

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Markgraf Albrecht der Bär 9 Zu den nebenftehenden Münzen Jaczos:

N) Des bürtige Brußbtib im Profil, mit ber Rechten das Gämert geiäuitert haltend, hinter ihm zwei Gterne, mit der wor Ah einen Balmenpweig haltend, vor dem Barte ein Eiern. Die Umfarift Iemtet .. .. LAOZA:DEOOPNIO. . 0. +

M Der palfden zwei Zärmen anf einem Eeffl thronende

bärtige BärR, mad reif gewendet; mit Der Nechten daß

mis Der &inten einen Bweig Haltend, neben der Ghmert- 1 2

fmine ?—, Minter Ihm ebenfalß ein }. it yore nun eat) Jans du Röpenii

Im Größe der Driginal (Bilder) Im. Münplabinett zu Berlin

Havelländer zur Norb- und Altmark der Grund zur Mark Brandenburg gelegt, " und Albrecht, der fchon vorher die Teilnahme an der Königswahl, vielleicht aud die Erztämmererwürbe bes deutſchen Reiches gewonnen hatte, führte feit dieſer Zeit regelmäßig den Namen eines Markgrafen von Brandenburg. Noch aber war nur das nadte Land erobert, und für dasſelbe mußte ein Bolt fozufagen erft geichaffen werben, und dies Vol mußte in feinen wirt: Ichaftlichen und ftaatlichen Verhältnifſen fo geftellt werben, daß es befähigt war, das ſlaviſche Volt, ſoweit es fich nicht zurücgezogen Hatte, zu überwinden. Es mußte ſich wohl fühlen im Lande und dem Boden diejenigen Erträge ab- gewinnen können, bie derfelbe hervorzubringen im ftande war. So ftraff das wilitärifhe Regiment Ottos geweſen, fo voller Feuer und Eifer die Thätigfeit der Biichöfe und Mönche in der ottonijchen Zeit: das Hatte ihr Zerfall gelehrt, daß fie nicht augreichten, ein chriftlich-deutjches Fürftentum zu errichten. Das

Bauern, ein Dorf anlegend der 1216-1220 angeiertigten Handideift des Gadıfenipiegels in ber Univerfitätsbibfiotfet zu Heidelberg

Ser! Basern roden den Wal aus, cin dritter (dlägt ein Han auf, und der Banermeilter empfängt vom Grandhern Die (rege Dei muila dejmians)«) mit Daranhängendem dreicfigem Giegel. Der Budltade 8 bezicht Mh auf den Tnlang Dei za Der Büimietur gehäreden Bauern x.) Über ben Gadzienfplegel vergl. den Zegt auf ©. 16.

10 Gertmanifierung des Landes

hatte man erkannt, daß ein foldes nur mit einer deutſchen Bevölkerung bildet werden könne. Schon an andern Orten hatte man daher, wo | nicht nad) Art Herzog Heinrichs des Löwen die Wenden mit dem Schwerte nichten wollte, den Plan gefaßt, deutihe Männer in das Land zu rufen,

und da folden Plan aud) zur Ausführung gebracht. Diefen Plan nun mc Albrecht zu dem feinigen, und indem er demfelben die breitefte Grundlage, weitefte Ausdehnung gab, erwarb er fich, unterftügt hauptſächlich Durch

thatkräftigen und hochbedeutenden Erzbiichof Wichmann von Magdeburg

Ruhm, für die Wiedergewinnung diefer Lande für Deutjchland das meijte than, den deutſchen Küften ein ficheres Hinterland und fomit dieſe felbft Deutſchland gerettet zu haben. Wie einjt die dentichen Völker aus dieſen genden ausgezogen waren, jo begann jetzt eine umgefehrte Völferwander aus Sachſen, Schwaben, namentlich aber aus Holland nad, Brandenburg ı während bie Slaven auswanderten oder fi in die Wälder zurüdzor jesten ſich Sachſen, Seeländer und Vläminger an der Elbe und Havel, auch an der Ober feit.

Gefördert durch eine günftige Dorfverfaffung, die volle Freiheit gewäl und nur geringfügige Abgaben verlangte, machte der deutſche Bauer das urbar. Die Altmark, die bisher „voll langen Rohres” ftand, die Priegr die ein einziger undurddringlicher Urwald war, die wilden Bruchgegenden der Havel und Spree, die wüſten, jandigen, von Wäldern und Sümpfen dun zogenen Gegenden, einft die unzugänglihen Schlupfwinfel der Wenden ı dem deutſchen Schwert: fie wurben durch dieje Einwanderungen einer völligen U wandfung unterzogen, und beutjcher Fleiß entlodte dem faft jungfräulichen Bot fo viel Früchte, daß die Anfiedler zu ungeahnt ſchnellem Reichtum gelangt: Ermuntert durch zahlreiche Privilegien wie durch den Schuß ſieggewohn Waffen erblühten an der Elbe und Havel, jpäter an der Spree und Od Städte auf Städte, und deutſches Gewerbe und deutſche Kaufmannschaft trug deutſches Leben, deutſchen Handel und Wandel in bunter Mannigfaltigkt brachten Wohlftand und Gelittung in die bisher fait ftädtelofen Gegenden. Geſtärkt dur) die Notwendigkeit des weiteren Kampfes gegen die bena barten Slaven, augejpornt durch die Ausficht auf reichen Gewinn an 2

lehnungen mit Land und Leuten, Zehnten und ander Nutzungen, brachte eine zahlreiche Ritterſchaft deutic GSefolgihaftstrene, die ganze Begeifterung für d Ideale der damaligen Zeit des Gehorſams und Diencı in hriftlicher Frömmigkeit und Demut, brachte di Sinn für vittermäßige und höfiſche Sitte, brachte de Verſtändnis für die Verwaltungsgeſchäfte des Lande brachte endlich mit ihrem guten Schwert dem Kaufman Brofteat Mbrcöts des Bären, ig und Bauern die Sicherheit des Dafeins, die Möglichtei und feine Gemahlin baritellend. feinem Berufe gerecht zu werden. Gehoben und b

en gern. teichert durch auferorbentlich große Schenkungen und d

Germantfierung des Landes 1i

Marienlirhe auf dem Harlunger Berge zu Brandenburg.

Boßendet wm 1140 unter Bribiölam, in der Gier abgebilbeten Form jedoch angehörig ber zweiten Hälfte des 13. Yahıh.; er getiiche Anbau lint auß dem 15. Jahıh. Rad) einem Gemälde in der Gobeharblirdhe dafeldft von 1586.

Die Katnen der Barienfirche, des wertvolften Denfmals frühmiitelaiteliger Badfteinbaufunft in ber Mart, wurden trop der Gesravorfelinngen deb Rates zu Brandenburg anf Beichl Mönigß Griedrid Wilhelm 1. 1722-38 abgebroden. Ipre Gteine wurden zum Bau Ded großen Milltärmaifenhaufes In RoiMdanı verwendet,

volle, namentlich auc beim Neubau der Kirchen zu Brandenburg und zu Havelberg bewieſene, Gunft des Landesherrn, unterſtützt auch Durch Kaiſer und Papſt, ſowie durch den ganzen Sinn der damaligen Welt, brachte endlich die Geiftlichkeit, bracjten die Biſchöfe und Mönche, fowie die Ritter des Templer und Johanniter:Ordens das Chriftentum und mit ihm die ganze Summe deſſen, was dasjelbe au irdiichen und geiftigen Gütern umfaßt und im fih ſchließt. Insbeſondere haben die Klöfter des Cifterzienfer- Ordens, der mehr al3 der ber Benediktiner und Prämonftratenfer in der Mark fich anfiedelte, für die Pflege des Landbaues eine außerordentliche Bedeutung gewonnen, und namentlich die Klöfter Lehnin und Chorin find Mittelpunkte für die Vers breitung der Kultur in der Mark geworben,

So erfüllte fi) das für Deutfchland wieder gewonnene Land aud mit deutichem Volt, mit einem Volk, deſſen einzelne Schichten wirfam einander unterjtügten in bem bewußten Streben, chriftliche Lehre und deutſches Wejen im Lande zu verbreiten, einem Wolfe, mit dem und für welches ein chriftlich- deuticher Staat aufzubauen möglich war. An der Spitze des neu ſich gründen ben Staatöwejens ftand der Markgraf mit ansgedehnter Gewalt. Selbſt dem

12 Die martgeäffice Gewalt

Eifterzienferffofter Chorin von der Weftfeite Crbaut 1270-72 in feüßgotifgem Stil Rad) einem Lichtbilde

Kaifer gegenüber war derſelbe, da er ja fein Land nicht von diefem erhalten, fondern demfelben erſt hatte erobern müffen, freier als andre deutſche Fürften. Gleichwohl ſah er feine Macht noch durchaus als ein kaiſerliches Amt an und war in ber That auch durch fein eigenes Intereffe zum engeren Anſchluß an das Kaiſertum genötigt. Der Markgraf war vor allen Dingen oberfter Kriege: herr. Auf den Kriegsfall mußte ja die ganze Verfaffung zugefchnitten fein und auf ben ritterlichen Adel mußte fie fi) daher wejentlich ftügen. Diefer bildete, wenn auch für die Verteidigung des Landes eine allgemeine Wehrpflicht galt, das Heer bes Markgrafen, aus feinen Reihen berief der Markgraf aber aud auf beſtimmte Beit feine Ratgeber, feine höchften Verwaltungsbeamten, den Kämmerer, Truchſeßen, Marſchall und Schenken. Von einer Teilnahme der Stände finden wir unter Albrecht nur geringe Spuren, aber ſobald die Iandesherrlichen Ein: nahmen für die Bedürfniſſe des Krieges und der Verwaltung fich als unzu- länglich erwiefen, und die Erhebung von auferordentlichen Steuern, der fog. „Bede“ notwendig wurde, mußte ſich auch eine, wie immer geartete, ftän- difche Vertretung bilden. Der Markgraf war weiter auch oberfter Geridts- herr, er „dingte bei fein felbft Hulden“. Ebenſo Hatte er auch ber Kirche gegenüber eine große Machtvolltommenheit, denn Bistümer und Klöſter be durften andauernd feines Schupes, von ihren Behnten gebührte ein Teil dem Landesherrn, ihre Sprengel lagen in feinem Territorium und wurden jo

Die martgräfliche Gewalt Albrechts Nachfolger 13

jeht als dem Landesherrn ſelbſt zugehörig betrachtet, daß die Stadt Branden-

burg 1170 gleichlam zur Hauptftabt des Landes erklärt werben konnte. 1170 Auch waren die brandenburgiichen Lande nicht durch reichsfreie Städte oder durch Gebiete reichäfreier Herren oder Stifter durchriſſen, vielmehr erſcheint der Markgraf allein auch als oberfter Grundherr. Das Land jelbft wurde, abgeſehen von den geiftlichen Gebieten in etwa 30 Vogteien geteilt, deren Vor⸗ fteher, der Vogt, vom Markgrafen auf gewiſſe Zeit ernannt wurde. Der Vogt hatte die militärifchen, gerichtlichen und Verwaltungs» Befugniffe des Landes: bern auszuüben, er mußte für die Sicherheit der Burgen, für die landesherr⸗ ichen Güter forgen, die Abgaben und Gefälle aller Art einziehen.

Alles in diejer Marfgrafichaft Albrecht? war Leben, war Bewegung und vorjchreitende Entwidlung, und ein günftiges Geſchick wollte, daß Albrecht nicht nur fein Land, fondern auch feine Tüchtigkeit einer zahlreichen Nach- tommenfchaft vererbte. Faſt immer treu auf der Geite des Kaifers ftehend, durfte fich diefe mancher Förderung durch die Kaifer erfreuen. Nach dem Sturze Heinrichs des Löwen erhielt Otto I. Herzogliche Rechte auch über die Altmark umb erwarb die Erzfämmererwürde, die Albrecht, wenn überhaupt, jo nur für feine Berfon innegehabt zu Haben ſcheint, als ein ber Markgrafichaft ſelbſt zuſteheudes Recht. Auch joll Otto, der mehrfach gegen die Pommern vor- gebrungen war, 1182 die Lehenshoheit über dieſes Land erworben, und Kaiſer Friedrich II. 1217 dieſelbe beftätigt haben; mit Sicherheit ift dieſe Lehensũbertragung indeſſen erjt in das Jahr 1231 zu fegen. Ein dauerndes 151 Berdienft um Deutſchland erwarben fi die Brüder Otto IT. und Albrecht IL. durch die große Energie, mit welcher fie die Dänen, die ſich an ben deutſchen Küften feitiegen wollten, befämpften und ihnen die Herrichaft über die Siüb- tüfte der Oſtſee entriffen. Andrerſeits aber mußte Otto, durch Firchlichen Bann, wie e3 fcheint, ſtark gefährdet, weite Streden dem Erzbistum Magde- burg zu Lehen auftragen, wodurch für die Folge ſchwere VBedrängniffe und heiße Kämpfe heraufbeſchworen wurben.

Seine Söhne Johann I. und Otto III. wurden in den Streit ber Hohenftaufen und Welfen tief Hinein- gezogen und erwarben ſich um beffen Beilegung, nachdem ihnen der Kaiſer nach mannigfachen Weiterungen 1231 1281 die Belehnung mit Brandenburg und zugleih mit Bom- mern erteilt hatte, erhebliche Verdienfte. Auch war ihr An- fehen im Reich ein fo großes, daß Marfgraf Otto bei der Braten Srarleraf Kaiferwahl von 1257 gewählt werben follte. Bon größter mag dem Oriinaie (einen Bedeutung für das Land ſelbſt waren ihre Ermwerbungen: \m®- Mintasint u Bern die Oberlaufig im Süden, die Länder Lebus, Sternberg, „mn any een

die Gebiete an ber Warthe und Netze. Denn damit war Merle 1 ber Achten Die der Grund zur fpäteren Neumark gelegt und feit der Grün- SSH, af dem ein nad nennt dung ber Stabt frankfurt der Handel auf der Ober in ditchen Daritellungen märfifche Hände übergegangen. Ueberhaupt ließen ſich beide "* Wemenusien

14 Albrechts Nadfolger

Markgrafen gerade die Pflege des Handels, ſowohl des Abſatzes der Erzeugnil des Landes, wie der Durchführung fremder Erzeugniffe beſonders angelegen jet Ein fehr günftiges Handelsprivileg König Wilhelms (1252) eröffnete de brandenburgifchen Handel den Teichteften Eingang in die Niederlande und m 1250 der erfolgreichen Bekämpfung der Pommern (1250) wie mit der Belehnur über die wichtigfte Handels: und Seeſtadt Lübeck durd) König Wilhelm e langte Brandenburg, obwohl die Stadt die Belehnung nicht anerkannte, ein hervorragende Machtftellung an der See, die zugleich für den Handel und de Wohlftand des Landes tiefgreifende Folgen hatte. Mit dem leichteren Abſc ftieg der Wert des Acker- und Waldbaues, mit ihm und dem ausgedehnt Durchgangshandel hob fich aber namentlich d Macht der Städte zu immer größerer Bedeutun Eine große Anzahl von Städten wuri neu gegründet, anbre erhielten weitgeheni Privilegien, die ihnen namentlich die eiger fommunale Verwaltung gewährten. Die G famtheit aller ftädtiichen Rechte ftellte man fin bildlich in den Rolanden, jenen gewaltiger unſchönen Rittergeftalten, die man nod) jegt i vielen Städten wie 5. B. Brandenburg finde dar. Berlin erhielt diefe ſtädtiſchen Rech— wahrſcheinlich bald nach dem Regierungsantrit: der beiden Brüder und zwar nad) dem Vor bilde von Brandenburg, das feinerjeit3 au die Gerechtigkeit von Magdeburg gegründ: war. Und ſchon in der zweiten Hälfte de Jahrhunderts war die Stadt jo widhti, geworden, daß fie von Frankfurt um ein Mitteilung über das in ihren Mauern herr ſchende Recht gebeten wurde und dieſer Bitt entſprechen konnte. Überhaupt ift dieſe Zei zu einer fchriftlichen Aufzeichnung des Rechte: geneigt, und dies ift um fo wichtiger, als dieſ Aufzeichnungen noch rein deutjches, von miſchen Grundfägen unberührtes Recht geben Die wichtigfte derfelben war aber die dei Sachſenſpiegels. Es ift dies zwar mın eine Privatarbeit eines Ritters Eife von Rep kom, aber indem fie das thatfächlich in Übung befindliche ſächſiſche Landrecht wiedergab, er Der „Roland“ vor dem neuftäbtifchen Rat langte fie allmälig auch volles gejegliches An: ee jehen, wie in ganz Nord: und Mittel-Deutic: land, jo auch in der Mark.

Erite Seite der Oldenburger Handſchrift des Sachjenipiegels. Einzige Handicrift des Sachſenſpiegels mit niederdeutſchem Texte, vollendet 1336 von bem Raſteder Mönd deinrich Gtoyeften, auf Beranlafjung des Grafen Johann von Oldenburg. And dem Original im Der Brivatbibllotßet ©. &. dohen des @rohßerzogd von didendura In halber Größe reproduglert, Übertragun

Ted beulgen Geiles Behune, Die härte meine Sinne, Dah Id Acht und Unreät der Sachfen beheide nad Gruuts Qulden

Der Mair Prommen, "Tas Tamm 14 olein niat velßringen, Darım ohie I@ zu Sühe due niten Lens, Die Men de

arın wenn meend cine Hechtslache begegue, Die mein dummer Sinn auslafle und movon bicje3 Wuch mich fpricht, dafı He dat #33 Sean beiariben mach ihrem Sinne, wie fie ed redt miffen. Bom Recı fol Niemanden abienten weder Lich nah te weder Jura no Gab ber gereht, Darm if Ihm Secht Üeb; deshalb follen fich ale variehen. denen cin Ger

daß Wotteh Horn und fein Geriät gnäbinlic über fe ergeben möge. Gott,

te au allererit Himmel und &rde (und (uf Den Mengen auf Erben und

16 Markgraf Otto IV.

Mit dem Tode der beiden markgräflihen Brüder teilte ſich Geſchlecht in zwei Linien, ohne daß doc) daraus ein weſentlicher Sche für da3 Land erwachſen zu fein ſcheint. Vielmehr erfolgte noch Vergrößerung desſelben, indem die Mark Landsberg, die Niederlaufig, ber Folge noch weitere Gebiete mit Großenhain, Torgau und Dresben di Kauf und Pfand erworben wurden. Einen befonderen Ruhm erwarb ſich Markgraf Dtto IV. dadurch, daß er an feinem Hofe ber Dichtkunft ı gaftfreie Stätte bereitete und ſelbſt als Dichter von Fieblichen und dufti

Minneliedern auftrat. ' ihn hat denn auch die S ihre Netze geſchlungen, ı namentlich der zähe Wit ftand, verbunden mit ſchem, faft übermütig Selbſtbewußtſein, den gegen den Erzbiichof x Magdeburg einſetzt, in def Gefangenfhaft Otto in I Schlacht von Frohe geri at die Sage auf wund bare Weiſe ausgeftatt Nichts anderes als ein we verwahrter Schatz, von di fein treuer, alter Dien „ſein heimficher Rat" J Hann von Buch feiner 6 malin Hedwig gemeldet, un den dieſer gehoben, ha ihn aus der Gefangenjch erlöft. Ohne Biweifel w Siegel Marfgraf Ottos IV. mit dem Pfeile Dito eine Perföntichteit, di a ann IE er e8 im Selbe unb a Turnieren befundete, fi durch rittermäßiges Heldentum und fröhliche Sangeskunft eine Stätte im Herze feines Volkes bereitet hat. Den Beinamen mit dem Pfeil hat ihm ber Volk. mund gegeben, weil ein Pfeil, der fein Haupt in einem Kampf getroffe längere Zeit nicht hat entfernt werden Können.

Noch redenhafter und gewaltiger als Dtto erſcheint ber letzte Fürft au Albrechts Stamm in Brandenburg, der Markgraf Woldemar. Durch ei überrafchend ſchnelles Sterben aller feiner Vettern und Stammesgenofien ihrer neunzehn follen einft fi) auf dem Marfgrafenberge bei Rathenor zufammengefunden und beratichlagt haben, wie das Land eine jo große Anzah Zürften ernähren könne war Woldemar Alleinherrfcher der gefamten Marken

Erfäuterungsblatt zu

Martgeaf Otto IV. und () feine Gemahlin Bedwig.

Das nadftehend farbig wiedergegebene Blatt befindet fih auf der Dorderfeite von BL 15 der berühmten großen Heidelberger Minneſänger · Handſchrift (fogen. Manesse Codex), die anf 429 Pergamentblättern etwa 2000 Strophen von 140 Dichtern und 137 eine ganze Seite einnehmende Jlufrationen enthält. Die handſchrift ift im 14. Jahrhundert in der Schweiz von verfciedenen Händen geſchrieben. Geſchichtüch zuerft nahweisbar ift fie um 1600, wo fie im Befite der Freiherren von Hohen · Sax auf der Burg Forſteck bei St. Gallen anftandt. 1608 für die furfürftlihe Bibliothef zu Eeidelberg erworben, fam fie im Dreißigjährigen Kriege merfwürdigerweife nicht mit den übrigen entführten Handſchriften nach Rom, fondern nad; Paris in Privatbefi und fpäter an die Ylationalbibliothef dort. Don dert gelangte fie im Jahre 1888 dur Dermittlung des Buchhändlers Trübner im Kondon in die Univerfitätsbibliothef zu Heidelberg zurüd. Ihren Zamen führt fie anf Grund eines in der Handſchrift enthaltenen Liedes des Züricher Dichters hadlaub, worin diefer zwei Mitglieder der Züriher Ratsherrnfamilie Maneffe wegen ihres Eifers zum Sammeln von Kiedern preift. Ihnen ſchrieb Bodmer die Herftellung der Hand-

zu.

Otto IV. iR abgebildet als jugendlicher Kürft mit feiner jungen frau Hedwig von Hoffen, die ihn aus der Haft des Erzbifhofs von Magdeburg befreite. An fie ift vieleiht auch fein auf S. ı9 abgedrudttes Minnelied gerichtet. Das Par ergötzt fi am Schadfpiel; im Dordergrunde Spiellente. Der rote brandenburgifhe Adler im filbernen Felde fehrt mehrmals wieder; über dem Fürſten der Helm mit Adlerflug als Kelmzier.

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Transskription Von Brandenburg der markis Wart in der selben schar be- kat. Er fearı ein stebello gewant Daz iker als ein spiegel schein. Den Ip bei er und bein Mir lichten ringen wol be- * —. Kin kunk von richer ort Fuort er von baldekein dor obe. Näch eines werden fürsten ode Gezieret was er vaste genuoc. Den shit den fort er unde

Verderket mit bermine, Dar dr nach wunneklichem schle

Ein glantser adelar sich böt.

Der was von lichten kein röt

Und Iuhte daz velt wis als dam

Geriten kam er Af den cl& Und zoo des plänes melme Mit eime türlichen heime, Den rwine fügele zierten; Die glisren unde smierten

Üz eiare swartzen varwe

Webertragung Der Marfgref von Branden-

Ward tn derfelben Schar ers Bannt.

Cr führt ein Bäblernes Gewand, Das glänzt in fpiegelfiarem

Jen war der feib und beide Beine

Wis Ihdrten Bingen wohl verr wart.

Ein _Wazpeura von reicher An

Is Bagpavin In Dan... Bean dr gereicht

WDar'er geirert (kön genug. Daran ——— Ein blanfrr Kar dem Aug’ fh Der wer von Diem Ketipes Das ED

Gerizzn kam er in den Klee Und asf den Plan von Stande

mu eiarm Beime töRlich reich,

Marfgraf Otto IV. 17

at huhre du velr vons als em ſue jenen kam er vf den de“

—, im Turnier von Nanteis ‚ante in der Bretagn im) I der Bürgbunger Biberandfgnlt (Be. 6a ea) Unierui —* ur Minden

18 Markgraf Otto IV.

Transjteiption und Übertragung zu dem Minneliede Ottos mit dem Pfe aus dem fogenannten ManefiedEoder, auf S. 19 (Über den Mancfie-Godez f. Erflärungsblatt zur vorhergehenden Tafel)

Übertragung

1. Winter, deine trüben Stunden, Deine Kälte mannigfalt, Bätt? den Sauber ich gefunden, Daß fie würden fchöngeftaltet, hieß’ es um die lange Nacht nd um die viel Minniglice, Die mir $reuden viel gebracht.

2. Als ih fie in reihem Kleide £ieblic, vor mir ftehen ah, Ward id} frei von allem Seide, Da mir folhes Glück z Mund, der feinen Gruß mir bot, uchte mir von folder Röte Wie ein Feuer, das da loht. 3. ad, Berr Gott! in deiner Güte pise diefer holden Frau Ind in Treuen fie behüte, Send’ ihr deines Segens Taul Solches hat fie doch fürwahr Um die ganze Welt verdienet: Gott und Kerr, nimm ihrer wahr!

4. ©, wieder will der Mai entfpringen, Der madt fröhlih mand Gemüt. Bunte Blumen will er bringen,

Wie fie holder nie erblüht.

Dogel fang tönt mannigfalt, Wohlbelaubet fteht der Wald,

Des wird fehr traurig mein Berze bald.*)

5. will nad} ihrer Liebe ringen Alle Er Zebenstage. Wird mirs aber nicht gelingen, Seht! fo fterb’ ich fonder Klage, Tröftet fie mic, nicht zur Stund. hr durdleuhtig roter Mund, Davon Tieg’ ich todeswund.

Transskription

1. Winter, dine trüben stunde und din kelte manigvalt,

ob ich das erwenden kunde,

daz sin wurden bas gestalt

Das liesse ich dur die lange naht, und durh die vil minneklichen

diu mir froeiden vil hat braht.

2. Ich sach die vil minnekliche : vor mir stan in richer wat. zehant do wart ich froeiden riche ; davon min müt vil hohe stat. mich gruoste ir minneklicher munt;; der duhte mich in solher röte, sam ein fuerig flame enzunt.

3. Hey, Herre Got, durh dine güte. ruoche der minnekliche pflegen. Mit steten trüwen si behüte. und sende ir dinen süssen segen. daz. hat si verschuldet gar. wol gegen al der werlte gemeine ey Herre got'nu nim ir war.

4. Uns kumt aber ein liehter meie, der machet manig herze fruot.

er bringet bluomen mangerleye.

wer gesach ie süsser bluot.

vogelin döne sind manigvalt.

wol geloubet stet der walt.

des wirt vil trurig herze balt.

5. Ich wil nah ir hulde ringen. alle mine lebenden tage.

sol mir niht an ir gelingen.

scht so stirbe ich sender klage. sie entröste mich zestunt,

ir durliubtig roter munt

hat mich uf den tot verwunt.

*) Weil es ſich nad) bem Winter ſehnt (j. Strophe 1).

Markgraf Otto IV. 19

EÄTEN Inter dine wilt avone-ond A| dinkeltemangvatsobıch das exwendẽ kunde. do (io war“ By || & vbas geſtalt · das helle sch wre lange naht duch die vil mãuelu og du mur kroͤde vu hat braht · EB ely toch die vl mineliliche ge mir fan ion” er wWat · Zehand do wart ich tebidẽ nche da I min möß vılhobe Mad. muchgräte ni” = neklich mim: der duhte much Tfolyerwte 3

1 fam em fütıg fanme enz unt · 3] 5 Heegor durh dine ghee ruͤche ð ire mit Reid truͤwe⸗ fubehiite. DP Vivlenze u dınen Füßen ſegð do has fevlchnl Vet gan wolgegt al der ite gemeine &y o nv mim ıc wars, # n8 kumtabec einlielfe meie · der mocher manıg Ihe frũt. er bget binẽ ningen “wer gelach ve (oler bie. vogehn ine” id manıgvalt. wor gelben ſter dwnilt. def rer vılteurg hee bald. s ch wilnahıe Halte rin ge oue mine lehẽden ir (sl mir neht an ir geNgen · ccht ſo ſurbe ch) Fender lage. fentinte mich e ſtũr ir dur iahng wier mvnt had mich oc lot huunt.

Minnelied Martgraf Ottos IV. mit dem Pfeile Muß der großen Heidelberger Minnejängerhanbigrift (fogen. Wanefie · Coder) in ber Univerfitätßbibfistgel zu Keibelberg. (Bol. 18 verso.)

20 Markgraf Woldemar

geworben, und die Schärfe ſeines Schwertes Hatte alsbald die unruhigen Ma barn gelehrt, was fie von ihm zu gewärtigen hatten. Al daher Witzlaw von Rügen und ber König von Dänemark die Stadt Straljuı bebrohten, Markgraf Wolbemar aber der Stadt feine Hilfe zufagte, da ſchloſij ſämtliche Fürften ringsum einen Bund gegen Woldemar. Dem Könige v Dänemark, den Fürften von Rügen und Meflenburg ſchloſſen fi i Herzoge von Sachſen ⸗Lauenburg, Braunſchweig, Lüneburg, die Grafen v Holſtein und Anhalt, eine große Zahl geiftlicher Fürften, ja aud Schwed und Polen an, aber Wolbemar eröffnete felbft den Krieg und führte denferb mit foldem Erfolg, daß er im Frieden von Templin im weſentlichen ſei Rechte behauptete.

1219 Aber in der Vollkraft feines Lebens ftarb Markgraf Woldemar (131 und kurz darauf folgte ihm im Knabenalter fein Mündel Heinrich, der letz der anhaltinifhen Markgrafen. Ohne die tief greifenden Folgen für fe eigenes Land ahnen zu fünnen, hatte aber Woldemar durch feine Zuftimmarr zur Wahl König Heinrichs VIL aus dem Iugemburgiichen Haufe (1308) g holfen, einem Haufe ben Weg zu bahnen, bag für die Mark von größter B deutung werben ſollte. Zunächft war jedoch, wie ſich bald ergab, mit Dei Erlöſchen des Herrichergefchlechts auch ber Beftand des Landes jelbft i Frage geftellt.

Ültefte Giegel der Stadt Berlin. Um 1272 Bon einer Urkunde deb ftäbt. Archts zu Granffurt a. O., in welder bie Stadt Berlin der neu gegründeten Stadt Pranffurt ihre Rechte mitteilt. Das in Originalgröße wiebergegedene Giegel zeigt ein getürmteß Stadt Ahor und In der auß brei Salbbögen gebildeten Thoröffnung ben Brandenburger Mer

nfgrlft: (MIOTLLUM- DE BERLIN BUROCEMECN, Man Acht afo no eae Bpar von Dem ern Wappen der Stadt, dem Bat

DEF oerjau oer AUHALINIMEN UarIgranmpan. 9 41

nter ben Askaniern hatten die Marken eine hohe Blüte- zeit durchlebt, unter den beiden Fürftengefchlechtern, die jenen im vierzehnten Sahrhundert folgten, wer- den Ddiefelben mit einer zeitlich nur zu kurzen Aus: nahme gefennzeichnet durch die Zerftörung jeder ftaat- lichen Ordnung, jebes ftaat- lichen Bufammenhanges, durch Zuchtlofigkeit und Negelfofigfeit in allen Ver-

Initial U eineh Wölnäbriefes für bie Nitolattirche zu Berlin hältnifien, durch wüfte

ehe, ur Di meiäde Dar IE Dre De AL Margarete, Der An nit da BL. Gore den berbften Eigennuß klei⸗ 7F7 nerer Gemeinſamkeiten im

Staate, durch den Verluſt alles landesherrlichen Anſehens, aller fürſtlichen Gewalt durch Verpfändung und Hingabe aller landesherrlichen Einnahmen und Befugnifſe. Die immer ſchneller vorwärts ſchreitende Schwächung der Iandes- fürftlichen Gewalt, der Zerfall der marfgräffichen Verfaſfung führte das blähende Land, fo ſchien es, rettungslos dem völligen Untergange entgegen. umderbar genug aber zeigte ſich in dieſen troftlofen Beiten doch wieder in Adel und Bürgerichaft eine urwüchfige Kraft, ein Selbftgefühl und eine Fähig- feit des Schaffens und Geftaltens, die, wenn fie zu wahrem Patriotismus ſich erhoben hätte, wohl hätte dem Lande Rettung bringen können. Aber gerabe

22 Die Markgrafen aus dem Haufe Witielsbach

daß es troß dieſer Fülle von guten Eigenichaften des Volkes nicht zu ein

neuen ftaatlichen Bildung kam, zeigte die Notwendigkeit einer Iandesfürftliche

Negierung, und fünf Jahre einer, wie auch immer zu beurteilenden jo doch tha

kräftigen und zielbewußten Herrſchaft inmitten diejes Zeitraumes mußten d Erkenntnis davon zu einer allgemeinen machen.

Nah dem Tode Woldemar? wurde da

fürftenlofe Land die Beute der benachbarte

Fürften, die jener im Templiner Frieden g:

demütigt hatte. Ludwig der Baier belehnte zwar

nachdem er in der Schlacht von Mühldorf fein

Anerkennung als König errungen hatte, feine

jungen Sohn Ludwig mit der Marf, und e

glüdte auch den Verhandlungen des Grafe:

Berthold von Henneberg, einige der abgerifjeneı

Länder wieder zu gewinnen, andre aber mußt

man den Eroberern überlaffen, und als Ludmwiı

im Verlauf feines heftigen Kampfes mit der Kuri

um die GSelbftändigfeit der deutſchen Königs

frone vom Papfte mit dem Banne belegt uni

entfegt wurde, waren bie bitterften Leiden für die

Marken die Folge ihrer unmittelbaren Verbin

dung mit dem deutfchen Königtum. König Wla

dislaw von Polen verwüftete auf den Auf dei

Feinde Ludwigs die Marken mit grauenhaftefter

Gründlichkeit. Weithin gaben rauchende Dörfer,

zerftörte Kirchen und Klöfter Kunde von dem

Wüten der polnischen Scharen. Nur um fo Ieb:

hafter betrieben natürlich die Feinde der Marl

aus ber Zeit Woldemars ihre Eroberungspläne,

und von dem Verluft andrer Landſchaften abge:

fehen, mußte Ludwig aud) auf die Oberlehens-

herrlichfeit über Pommern, die ſchon von den

Herzogen dem Papfte angeboten war, gegen das

Net der Nachfolge in Pommern, verzichten.

Bedenklicher war fait noch, daß die Bevölferung

Berlins, empört über den Übermut bes Papftes

und begeiftert für das gute Necht des Kaiſers, ſich

eng fomeit hinteißen Lie, einen Gefonders verhaßten

Bon’der Bafabe nes Aarnberger Sau ham Geiftlichen, ben Propſt Nicolaus von Bernau,

zu erichlagen, daß die Frankfurter, von derjelben

Wut ergriffen, und überzeugt, daß der Biſchof Stephan von Lebus den Ein-

fall der Polen veranlaft habe, deſſen Kirche in Görig verbrannten und römiſch

gefinnte Priefter vertrieben. Bann und Interbift waren Die geiftlichen Strafen,

Die Markgrafen ans dem Haufe Wittelsbach 23

die das fromm und gläubig gefinnte Wolf tiefer trafen, als jede Art weltlichen Gerichts. Mit vielen Opfern haben beide Städte erft nad Jahren die Kirche zu verjöhnen vermocht.

Auch erbitterte Ludwig die Kurie bald aufs neue gegen ſich durch eine Handlung, die gerade wieder für die Mark von Bedeutung wurde. Indem er nämlich die Ehe des Herzogs Johann von Luxemburg und der Herzogin Mar— garete von Tirol ohne Rüdficht auf das der Kirche zuftehende Necht trennte und die gejchiebene Herzogin mit jeinem älteften Sohn, dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg, vermäblte, erregte er nicht nur den vollen Zorn des Papſtes, fondern verjuchte zugleih eine Verbindung zwilchen Tirol und der Mark Herzuftellen, ebnete aber dadurch in ber That nur dem Herzoge Karl aus dem ihm feindlichen Haufe der Lugemburger den Weg zur deutichen Königskrone.

Diejer kluge und vielgewandte Karl IV. richtete, nachdem er nach Ludwigs Tode deutſcher König geworben, fein Augenmerk darauf, von des abgejchiedenen ısı7 Kaiſers Hausmacht joviel als möglich, vornehmlich aber die Mark Brandenburg, feinem Haufe zu erwerben. Durfte er doch hoffen, mit biefer die Macht feines Hauſes, das uriprünglid nur im Weiten Deutichlands die Herzog: tümer Lügelburg und Brabant bejeffen, nun aber im Often durch die Herrſchaft über Böhmen, Mähren, Schlefien das entichiedene Übergewicht erhalten hatte, einen Schlußftein einzufügen, welder ber Iugemburgiihen Macht in

d über Deutſch · überwiegenden die Dauer zu

die Waffen zu 3 Streitroß zu var nicht nad) verſchlagenen LZuremburger3. Ein Märchen vielmehr, Das auf die tiefe Sehn- jucht der Märfer nad) einer Renordnung der immer mehr ſich zerrüttenden Verhältniſſe, auf ihre Abneigung gegen die Wittelsbacher und ihre Anhäng- lichleit an Das angeftammte Fürſten haus berechnet war, follte vorerft den Wittelsbachern Ber- legenheit in der Mark bereiten. Ran ließ einen Mann wie & heißt einen Müller Namens Jakob Nehbod der mit Siegel des ſalſchen Woldemar

dem verfiorbenen Matgefen 9 m SEHE Er oma m

24 Der falſche Woldemar

Woldemar Ähnlichkeit hatte, auftreten, verbreitete vor ihm her die Behauptum, er fei der Markgraf Woldemar, der fäljchlih feinen Tod habe anfage laffen, um einen Zug ins gelobte Land anzutreten, num aber, die Marke zu retten, zurüdgelehrt fei. Das breifte Gaufelfpiel zu erhöhen, erfannten Kar und die Feinde der Wittelsbacher den Prätendenten förmlich als Markgrafe: an, gebot der König der Mark, denfelben als ihren Herrn auf und anzunehmen Und nur zu richtig Hatte man die Zuftände beurteilt; bis auf wenige Städt huldigte die ganze Mark dem angeblichen Woldemar, der zum Zeugnis feine Unechtheit an Karl die Lauſitz abtrat, den Herzogen von Sachſen, den Grafeı von Anhalt die Erbfolge in der Mark zuficherte. Auch Half es den Wittels

Tangermünde. Nach dem Stiche von ©. P. Buſch

bachern wenig, daß fie dem König Karl in der Perſon bed Grafen Günther von Schwarzburg einen Gegenkönig aufftellten, und Karl nun, um dieſen zu 1350 befeitigen, feinen faljchen Markgrafen fallen, für einen Betrüger erklären ließ (1350). Boten ihm doch die Streitigkeiten im Haufe der Wittelsbacher felbft hinreichende Gelegenheiten, feine Pläne auf die Mark auszuführen! Ludwig ber Römer und Dtto der Faule, denen ihr Bruder Ludwig ber ältere jchon 1351 im Vertrage zu Ludau die Mark abgetreten Hatte, gejtanden aus Haf gegen ihren Bruder Stephan 1363 dem Könige die Erbfolge zu; nach Ludwig bes Römer Tode, der wenigftens nicht unthätig im Lande geweſen war, trat Otto dem Kaiſer 1368 die Niederlaufig ab, begab fich unter deſſen Bor- mundſchaft und überließ endlich im Vertrage von Fürſtenwalde vom 15. Auguſt

Erläuterungsblatt zur

Vermählung des Markgrafen Sigmund von Brandenburg . mit Maria von Ungarn. Aus der Breslaner Prachthandſchrift der Chroniken des Jean Froiffart.

Jean Froiſſart, ein altfranzöfifcher Dichter und Hiſtoriker (1333 bis ca. 1400) hat uns eine Reihe von Chroniken feiner Zeit (1322—1400) hinterlaffen, die als eine fehr wertvolle und zuverläffige Quelle anzufehen find. Die nachſtehend reproduzierte Miniatur iR einer prächtigen Handfchrift entnommen, melde die Breslauer Stadtbibliothet als einzig volffländiges Ezemplar der Gefamtwerfe Sroiffarts aufbewahrt. Diefelbe iſt auch dadurch merfwürdig, daß man bei der Einnahme Breslaus durch die Franzoſen 1806 der Skat den Beſitz durch einen befonderen Artifel der Kapitulation ficherte. Die franzöfifhe Winietermalerei erreicht in der etwa 1468 verfertigten Breslauer Handſchrift ihren Eöhe- gast; Me Darftellungen find eine wichtige Quelle für das höfiſche und Friegerifche Teben der Zeit.

Auf dem nachſtehend reproduzierten Bild fieht man im Bintergrunde die Der- mählung, während im Dordergrunde Sigmund feinen foeben eingetroffenen Mitbewerber £udwig von Orleans begrüßt und ihm erklärt, daß er zu fpät fomme.

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Naiſer Karl IV. 25

1373 den Söhnen bes Kaiſers gegen eine Geldſumme von 500,000 Gulben 1873 die ganze Marl. So niederdrüdend das Gefühl für die Märfer fein mochte, als Handelsgegenftand jchmählicher Habſucht verkauft worden zu ſein, ſo mochten ſie doch zuvörderſt die Hoffnung auf eine kräftige, das Land hebende Regierung als einen Gewinn anjehen. Denn in jchredlicher. Weile Hatte ber Mangel an jeder Fürforge für das Land feitens der Wittelsbacher, hatte der Kampf zwiichen den Wittelsbachern und Lugemburgern die inneren und äußeren Berhältniffe des Landes zerrüttet. Umgekehrt aber war Böhmen unter Karla Leitung ſchnell emporgeblüht, und an dieſem Aufblühen mußte num auch die Mark teilnehmen. Denn wie ſehr auch der eigenfte Vorteil Mittelpunkt der glatten Politik Karls, der zunächſt ftatt feiner unmündigen Söhne die Regierung übernahm, war, fo zeigte das Aufblühen Böhmens doch, daß Karl ganz richtig in ber Hebung bes Landes feinen wahren Vorteil erblidte. Ebenſo ſprach für Karl, daß er 1356 jenes große Neichögejeh, die Goldene Bulle, wie man ıse dasſelbe nach der angehängten goldenen Siegelfapfel nennt, erlaffen hatte, welches nicht nur die Markgrafen von Brandenburg unter die vornehmften, allein zur Königswahl berechtigten fieben Fürften, die Kurfürften, ausdrücklich aufgenommen, jondern and die Einheit und Unteilbarfeit der Kurmark ge: fepfich feftgeftellt Hatte

Im der That wußte Karl in unglaublich fehneller Zeit alle Nachbarfürſten, welche die Notlage der Mark zu Einfällen und zur Eroberung von Grenz gebieten benußt Hatten, zu Sriebendverträgen mit. der Mark zu bejtimmen, und die gewaltige Stellung, bie derfelbe ala Herr des ge jamten Nordens und Oſtens zu einfichtsvollfter Beförde⸗ rung bes ganzen Handels von Lũbeck bis Krafau und Kon- ftantinopel Hin benußte, ge- reichte gerade den Marken zu bejonderem Nugen. Frank: furt und namentlih Tan- germünde erfreuten fi ſogar feiner bejonderen Gunft, und von der glänzenden Zeit, welche dieſe Stadt als Reſidenz des deutichen Kaifers durch⸗ lebte, geben noch heute er- haltene Reſte der Ietierfihen Burg bdafelbft Kunde. Un lathaus zu Tangermünde pmeifefßeft aber wird bie

26 Kaiſer Karl IV.

Freude an den ſchönen Bauten des Kaiſers ſich Hier erhalten haben, und fie mag auch im folgenden Jahrhundert noch zu dem Entichluffe beigetragen haben, jenes oft bewunderte Rathaus der Stadt zu erbauen. Für Die Schifffahrt auf der Oder und Elbe wurden umfaflende Maßregeln ge: teoffen, und namentlich wurde ein Verzeichnis aller Ortſchaften nach deren Leiftungsfähigfeit und Abgaben-Verpflihtungen aufgeftellt. Es ift dies das fogenannte Landbuch Karla IV. Unter den Räten Kaiſer Karla aber, die für die Mark Bedeutung haben, ift Dietrich von Portitz, mit dem Beinamen Kagelwit beſonders hervorzu⸗ heben. Erſt Mönch von Lehuin, dann als Ketzerrichter vom Biſchof von Bran: denburg verwendet, feit 1353 Bifchor von Minden und feit 1361 Erzbifchoi von Magdeburg Hat Dietrich im Rate Kaijer Karls ange Jahre Hindurd die einflußreichfte Stel: lung befleidet. Aber der Blid, der fih an diefen Jahren erſtarkender Kraft erfreuen möchte, wird trübe, Angebliches Bilbnis des auß Etenbal gebürtigen Erzsifkofs Dietrich Kagelmit wenn er gewahr PURIBER. nv 5. RR wird, daß die Mart 1374 (1374) von Karl und zwar im inverftändnis mit den Ständen, welche nur bie Vorteile der Verbindung mit dem großen Neiche fahen, der Krone Böhmens ein- verleibt wurde. Damit hörte Brandenburg auf, ein felbftändiges, beutiches Fürftentum zu fein, es wurde vielmehr böhmiſch, ein Teil des ſlaviſchen Königreichs. Und ftatt des erhofften Aufblühens fich erfreuen zu können, ſah ſich die 18 Mark bei dem zu ſchnell erfolgten Tode Karls (1378) nur gefeffelt an bie böhmifche Krone und hineingezogen in deren Streitigkeiten und verwidelte Be— ziehungen zu Polen und Ungarn. Sigmund, der zweite, noch unmündige, Sohn Karls, dem nad) dent väterlichen Teftament die Marken zugefallen waren, geftattete den Städten der Alt:

Martgraf Jobſt von Mähren 27

mark und Briegnig, nicht nur fi in den Schuß fremder Fürften zu begeben, fondern, faum zu feinen Tagen gelommen, wies er dem Lande fofort diejenige Stellung zu, die diejelbe in feinen Plänen auf die ungariſche und polniiche Königskrone einnehmen follte. Hatte er fi, um dieſe zu erlangen, ſchon mit der ältejten Tochter des Königs von Ungarn verlobt, jo erfannte er in der Mark auch nur ein Nebenland, das für die Gewinnung jener Kronen die er- forderlichen Geldjummen aufbringen ſollte. Er verpfändete daher 1385 bie Altmark und Priegnig, demnächſt, nad) häßlichen Verhandlungen mit feinen Brüdern König Wenzel und Herzog Johann, 1388 die gejamte Mark feinem 1335 Better Jobſt von Mähren für mehr als eine halbe Million Goldgulden.

Mit diefem Aft des eigenen Landesherrn ift nun der Zuftand der Gefeh- Iofigfeit im Innern, der Wehrlofigkeit nad) Außen, welchen die wittelsbachiſchen Zeiten im Lande erzeugt und die zehn Jahre nad) Karls IV. Tod weiter und weiter ausgebildet hatten, gleichſam zu einem zu Recht beftehenden geftempelt worben. Der Pfandherr Jobſt ſeit 1397, da ihm die Pfandfumme nicht zurüdgeftellt werden konnte, Markgraf und Kurfürft war ein Fürft jo ım- fürftlicher Art, wie e8 wenige gegeben hat, und wenn Sigmund die Mark als Pfandobjekt dahin gegeben hatte, jo fannte der „große Lügner”, wie man ben Markgrafen Jobſt genannt, fein anbres Beſtreben, als das dahingegebene Kapital aus dem Lande wieder herauszupreffen und Wucherzinjen obenein.

Es ift ohne weiteres Mar, daß ohne eine fichere finanzielle Grundlage, ohne regelmäßig fließende Einnahmen eine Regierungsgewalt nicht denkbar ift. Nun aber gab es ſolche in den Marken nur nod in ſehr bejchränktem Um: fange. Schon durch den ſog. Bedevertrag von 1280, noch mehr aber durch die Zugeftändniffe, die man 1345 den Ständen hatte machen müfjen, war die Steuerkraft de3 Landes erheblich beſchränkt worden. Gefahrvoller noch war, daß unter den bayerischen Markgrafen die Unfitte eingeriffen war, in finanziellen Berlegenheiten Kapitalien aufzunehmen und für diefelben dem Gläubiger Iande3- herrliche Güter und Schlöffer ala Pfand hinzugeben, damit er aus demfelben beliebige Zinſen erhebe. Allmählich, ala Schlöffer, Güter, Dörfer und Städte nicht mehr ausreichten, auch die Verpfändungen ganzer Gebiete an auswärtige Fürften (namentlich der Neumark 1402 an ben deutſchen Orden) das Geld- bedũrfnis nicht dedten, gab man auch Ianbeöherrliche Rechte wie Gerichts- ſporteln, Zölle und Steuern dahin. Und dieje Unfitte bildete nun Jobſt mit folcher Birtuofität aus, daß ordnungsmäßige Einnahmen für den Landes: fürften kaum noch übrig blieben.

Wie follte die obrigkeitliche Gewalt unter ſolchen Verhältniſſen ihres Amtes walten! An eine irgendwie erfolgreiche Abwehr äußerer Feinde, von benen bald diejer, bald jener Teile der Mark heimfuchte, war gar nicht zu denen, und faft begnügte Jobſt fich in dieſer Hinficht mit der Erlaubnis für feine Unterthanen, fih den Schuß fremder Fürften zu erkaufen und zu erbitten. Es verfteht ſich auch, daß, ohne die notwendigen Auslagen machen

zu können, bie Obrigkeit nicht im ftande war, eine thatfräftige Verwaltung,

28 dehdeweſen in der Mart

Polizei ober Juftiz zu üben, und weder für die Ergreifung noch die Ber urteilung des Verbrechers, noch für die Vollftredung der etwa erfannten Strafi Sorge tragen konnte. Dazu erteilte aber der Landesfürft für die Gewährun: von Gelbmitteln Befreiungen von den ordentlichen Gerichten in maßlofer Weile ja gab, wie freifich auch früher ſchon gejchehen, die höchſte Gerichtsbarkeit den Blutbann, gegen bare Münze, unbefümmert um die Folgen, einzelner Körperihaften dahin.

Die Folgen aber konnten nicht andre fein, als die, daß ſich der Einzelne der nun im orbentlichen Gerichtöverfahren fein Recht nicht mehr erlanger fonnte, dies felbft zu verſchaffen fuchte, umd daß der menſchlichen Natuı und dem Geift der Zeit gemäß jeber wirkliche ober auch nur fchein bare Eingriff in das Recht dem Gefränkten fofort die Waffen in die Fauf brüdte.

Ganz natürlich verwirrten fi) weiter die Begriffe dahin, daß nicht nu Kampfesluft und Waffenfreudigfeit für etwas Edles und Nitterliches galt fondern daß die Fehde an fich, ohne Rüdficht auf ihren Grund, ja ſchließlich gemeiner Straßenraub und Plünderung als etwas berechtigtes angejehen wurde Die Unfähigkeit der Obrigfeit, das Recht zu wahren, führte mit Notwenbigfeit dahin, das Unrecht, fofern es nur die Gewalt für fich Hatte, zum Recht zu machen. Und eben dahin war es num, wie vielfach in Deutichland, fo gan; befonders in der Mark gelommen. Raub und Fehdeweien, Gewalt und Un thaten aller Art waren die, das allgemeine wie das bejondere Leben beftim: menden und beherrichenden, Faktoren geworben. Selbſt die Stäbte fchredten vor oft ſchwerſter Gewaltthätigfeit keineswegs zurüd, gewichtiger aber trifft den damaligen Abel der Vorwurf, das ſchlimmſte Fehdeweien geübt zu Haben. Auch wird ſich das Verhalten der Städte meift mit dem Zuftand der Motwehr und Verteidigung erklären Iaffen, andrerſeits aber wird man nicht außer adıt laſſen dürfen, daß mit der, namentlich von Karl IV. dem Handel gewährten Begünftigung, in den Stäbten ein Reichtum fich gebilbet hatte, vor dem die frühere Bedeutung des, in feiner finanziellen Lage nicht beförberten, Adels zum Schaden bez lehteren zurüdgetreten war. Der damals natürliche Gegenſatz beider hatte fich dadurch in hohem Maße verihärft. Ferner war den Nittern der Gebraud der Waffen Lebensberuf, der Lebensberuf der Stäbter aber Hatte gerade friedliche Zuftände zur Vorausſetzung. Und wenn ber Abel bie Bauern zu leibeigenen Untertanen Herabzubrüden wußte, fo ging aud das Be ftreben der Städte dahin, durch landesherrliche Rechte und Güter bie eigene Herrſchaft d. h. die ber regierenden Geſchlechter zu erhöhen. Gewiß zeigte fih in den Städten eine äußerft rühmliche Kraft und Schaffensfreudigkeit, eine Munterfeit und Stetigkeit der Entwidelung aller Verhältniffe, eine Beobachtung von Recht und Ordnung, die gerabe in jener Zeit der Not ſtaunenswert ift. Aber mit abftoßender AÄusſchließlichleit und wirtſchaftlicher Engherzigkeit be sieht ſich die Sorgfalt von Bürgermeifter und Rat nur und lediglich auf bie alleinigen Intereffen der eigenen Stadt, ja nur der, im der eigenen Stadt

hertſchenden, Geſchlechter. Die andren Städte aber zu fchädigen und zu frän- fen, gilt für kluge Politik, und den gemeinen Mann zu fnechten und zudrüden, verfteßt fich für ben ehren“ feften Bürger gerade jo gut, wie der Schloßge ſeſſene e8 unternimmt, den Bauern zum Hörigen her- abzubrüden. Gewiß be geht andrerſeits der Adel duch Raub und Mord,

allerflinmften Art, aber unter ihm ragen Geftal- tem hervor, die wie Hüner von Königämart, wie Lip- polb von Bredow, wie Kaſpar Ganz zu Putlik, wie Wedego von Webel und Balthaſar von Schlie ben, wie ſelbſt, gelegent- lich und in gewiſſem Sinne, die Quitzow in dieſen Zeiten des Verfalls Proben von ritterlicher Tapferkeit, von politiſcher Unficht, ftantsmännicher Tüctigfeit und vater:

lãndiſcher Gefinnung ge ben, die wahrhaft rüß- menöwert find. Und ge rade dieſe Brüder Dietrich) und Johann von Quitzow find es, bie, wie fie aus ben Berhältniffen ihrer Zeit erwachſen find, wie- derum dieſe in fo hohem haratterifieren,

daß man biefelbe nicht

Die Quißow

Auf der Mprehfelte:

Po get

Drohbbrieſ Dietrich von Auikews au Die Bauern zu Lichtenberg um 1400

Gu Lichtenberg)

In Grdde bed Originals im Berliner Stabiarchid

8

von Berlin mir genommen haben, fo (erwarte) @uere Natwort! Geldrieben

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Überfegung

< H s # 8 E 8 s 2 & ö Ei 2 J u

Wietzi) bon Auitzom.

Transskription Wetet schulte vnd bare tn Lichtenberge, wo gy van stundan nichten komen med Tuwen waghenen

tn Botisom vod furen my holt und bringen —— Aye plloht, äye my Juwe berem van den Berlin gunomen hebben ka Kopenick, so wil Ick I namen

alle, dak gy habben. Des Iuwe antwert. Boreuen rader myn Ingelagel.

Dyderick van Quleisom.

30 Die Quitzow

nad dem umbebeutenden Landesgeren, fondern nad) ihnen wohl zu nenne befugt ift.

Einer der Familien des niederen Adels der Priegnig entiprofien, ver ftanden es beide Brüder, den überfommenen, ſchon nicht unerheblichen, Grund befiß jo außerordentlich zu erweitern, daß fich derjelbe ſchließlich faſt über all Teile der Mark erftredte. Nur jchredten fie in dieſem Beſtreben jo weni: vor ben verwerflichiten Mitteln zurüd, daß dieſe faft als Die einzigen ericheinen Von ihren zahlreihen Schlöffern und Burgen mit ihrer Mannſchaft herab ziehen, dem reifenden Kaufmann den Hinterhalt Iegen, ihn feiner Ware be rauben, ihn jelbft und feine Leute gefangen nehmen, auf die Burg ſchleppen für die Gefangenen ein hohes Löfegeld erprefien, oder Dörfer, jelbft Städte „aus pochen”, den Bauern bie Herben forttreiben, die Hütten und Häufer in Bran! fteden, die Saat- und Getreibefelder niederreiten: das jchienen ihnen würdig Mittel, um reichen Geldgewinn zu erzielen, mit dieſem wieder von dem ftet: geldbebürftigen Landesfürften Schlöffer, Güter und Rechte zu erwerben umi Straflofigkeit ihrer Unthaten zu erlangen. Im dieſem Syſtem Hatten bi: Quitzow die Meifterjchaft erworben, und nit nur Bauern und Bürger er zitterten vor ihnen, fondern auch die Nachbarfürften mußten die Kraft ihres Armes fühlen und wußten ihre eigenen Intereffen und die ihrer Unterthaner oft nicht anders vor dem gewaltthätigen Treiben der Brüder und ihrer Genofjen zu ſchützen, als durch fürmliche Bündniffe und Verträge, bie fie mit ihner abſchloſſen. Einen eigentlich politiihen Gedanken, wie etwa die Gründung eines Fürftentums oder etwa gar die Übertragung der Markgraſſchaft auf ihr« Familie feinen dagegen die Quitzow troß aller Macht und Mittel nicht ge habt zu haben.

Bei den naturgemäß in dieſer Zeit fehr häufigen Einfällen der Nachbar: fürften in die Mark wobei ſich befonders der Erzbifchof von Magdeburg einmal durch empörende Graufamfeit auszeichnete bot fich indeſſen auch ber Quitzows öfter Gelegenheit, ihren Landsleuten gute Dienfte zu leiften, und in dem fie dies thaten, konnte es fcheinen, als ob fie ihre außerordentliche Macht ftellung auch zum Nuten der Heimat verwerten könnten, wenn ſich die Um: ftände jo anliegen. Neben dem Abel waren nämlich notwendigerweile aud; die Städte zu großer Macht gelangt, und wie unter jenen bie Quitzow, je ragte unter dieſen Berlin-Kölln weit hervor. Die Eiferfucht und der Neid, den beide Nachbarftädte, jo gut wie etwa die Alt: und Neuftadt Brandenburg, gegen einander empfanden, führte zwar auch hier nicht jelten zu Kämpfen, und die Herrſchſucht der vornehmen Gejchlechter zeitigte eine Unzufriedenheit der unteren Klaſſen, bie bedenkliche Gefahren in ſich ſchloß. Aber dieje Um: ftände hatten die vom Landesheren jelbit geförderte günftige Entwidelung zu bedeutender Macht doch nicht wejentlich beeinträchtigen fünnen. Vielmehr erlangte Berlin-Kölln durch die ungewöhnlich günftige Lage mitten zwifchen den beiden, durd) Spree und Havel verbundenen, Flußſyſtemen der Elbe und Oder einen bebeutenden Einfluß auf den Handel, ber fich über Magdeburg, Hamburg

Die Cuigow und Berlin-Kölln 31

und Lübel bis zu den Niederlanden, der ſich über Oberberg bis nad) Stettin,

über Frankfurt bis nad) Breslau und in die polnifchen Länder, der enblic) ! über Leipzig und Wittenberg bis nach Prag ſich eritredte. Den Reichtum, i der fih durch diejen Zwilchenhandel anjammeln mußte, hatte nun Berlin 3 Kölln ebenfalls zum Erwerb politiſcher Rechte benutzt, und mit der Zu⸗ ſicherung des Landesfürften, feine Truppen in die Stadt ohne beren Be willigung zu legen, mit ber Feſtſetzung ber Steuerhöhe für alle Fälle ber Auferlegung einer ſolchen, mit der Münzhoheit, mit der Übertragung der höchſten Gerichtsbarkeit und des Blutbannes an die Stadt und endlich mit dem, durch den Reichtum ermöglichten, Auftreten einer eigenen bewaffneten Macht war Berlin in der That über die früher erworbene kommunale Selbftändigfeit weit hinausgeichritten. Die Stadt war ein auf fich jelbft geftelltes, freies Gemeinweien, ein Staat im Staate, ganz jo wie die Quitzow, geworben. Die Macht Berlind war aber um fo bedeutender, al3 die Stadt in Bündniffe trat mit einer großen Zahl andrer Städte, und als ihr Anſchluß an die Hanja ihr and deren Hilfe in gewiſſem Maße verbürgte. Zugleich aber hatte die Notwendigkeit, dem bürgerlichen Berufe des Handels und Gewerbes eine fefte Grundlage zu geben, die Erkenntnis von der Heilfamfeit eines geſchriebenen Rechtes gezeitigt, und man legte in dem heute noch vorhandenen Stadtbuch eine Reihe von Rechtsgrundſätzen und getroffenen rechtlichen Entjcheidungen wieder.

Es fiegt num in der Natur der Dinge, daf zwei jo gewaltige, nad} der vorherrichenden Macht ftrebende, aber auf jo verichiedenen Grundlagen be- tuhende Gewalten wie die der Stadt Berlin und die der Quitzow ohne eine fie zwingende, über ihnen ftehende Gewalt mit einander in Kampf kommen mußten, und daß ihre Macht ftatt dem Ganzen zu nützen, demfelben ſchädlich werben mußte. Doc) diefe überragende Gewalt fand fi. Nur, daß es bei weitem nicht der Landeshere war, ber dieſe beiden Mächte dem Ganzen dienftbar machte, fondern die Not, die beiden gemeinfamen Intereffen, und daß dieje ihre einigende Macht eben nur jo lange bewährten, wie diejelben vor- berichten. Hier nun trat jener Zeitpunkt ein, wo die Bereinigung Berlins und der Duigow ber Mark eine Rettung aus ber troftlofen Zeit durch die Mark jelbſt bringen zu können ſchien, und es bleibt ein Verdienſt Berlins, dies zuerft erfannt, die erjten Schritte zur Vollziehung ber Einigung gethan zu haben.

In ihren Hanbelsintereffen nämlich durch bie von den Pommern im Bunde mit den Quitzow erfolgte Wegnahme der Städte Straufberg und Bötow bedroht, trug Berlin den Quitzow ein Bündnis an. Und dieje, durch bie von Jobſt vollzogene Ernennung des Grafen Günther von Schwarzburg' zum Berwejer der Mark in ihrem, zwiichen ihnen und dem Erzftift Magdeburg immer ftreitigen Beſitz des Schlofjes Plaue ebenfalls bedroht, gingen auf das Angebot ein. In umbefangener Anmaßung der Iandesherrlichen Rechte wurbe 1104

Dietrich zum Feldern, Johann zum Hauptmann der Mittelmark ernannt. Die meiften andern Städte fügten fi, und die, namentlih durch ben Abt

32 Die Quigow und Berlin⸗Kölln

Heinrich Stich von Lehnin geleitete Oppofition der havelländiichen Städte fam u fo weniger zur Geltung, als die Siege der Quitzow über die Pommern ur die magdeburgifchen Stiftsvaffallen den Iebhafteften Jubel in der Mark hervo tiefen, und bie Gefangennahme des Herzogs Johann von Stargard dur Dietrich die Gegenpartei empfindlich ſchädigte.

Nur zu bald aber zeigte ſich, daß die Intereffen, von ganz verjchiedene Richtungen ausgehend und nad ganz andren Zielen trachtend, nur in eine: Punkt zufammengetroffen waren, daß gerabe das zeitweilige Zufammengehen di doc) einander widerftrebenden Mächte zum Kampfe führen, daß die Geſetzloſigkei der Mangel einer, alle Parteien zwingenden, Yanbesfürftlichen Gewalt zu Vürgerkriege führen müfje. Dietrich fagte der Stabt Berlin ab, und dieſe ve fuchte es zwar, den ausgebrochenen Streit durch richterliche Entſcheidung zu Austrage zu bringen, beging aber babei den Fehler, bie Natur bes Streite zu verfennen. Denn Nicht um eine Rechtöfrage, fondern um eine Machtfrage Handel: es fi ſowohl für Dietrich von Quitzow wie für Berlin. Dietrich wollte di eroberten Städte und Schlöffer Straufberg, Bötzow, Köpenid und Saarmund fi) behalten, Berlin aber wäre durch diefen Beſitz von allen vier Himmel: richtungen her umflammert, und der Stadt die Möglichkeit des freien Handel abgeſchnitten, ihr die Lebensader unterbunden gewefen.

In dieſem Kampf der einzelnen Teile bes Landes hätte nun ber Lande: herr einfchreiten ſollen. Aber das eben wagte dieſer nicht und konnte es nid wagen bei dem Mangel am jeglichen Mitteln und: jeglichem Anfehen. Ihr galten vielmehr beide Parteien nur als finanzielle Kräfte, mit feiner wünfch! er e8 zu verberben,: und jo beichränkte er denn feine Thätigfeit, wenn er übeı haupt.-einmal in die Mark kam, anf die Erhebung der erreichbaren Gelt fummen, für die er unbefümmert immer weitere Schlöffer und Rechte ver pfändete, und auf die Ernennung von Statthaltern. Waren diefe au, wi der vortreffliche Lippolb von Bredow, wie Wilhelm von Meißen, Johann vo: Stargard, Günther von Schwarzburg, Suantibor von Pommern und deſſen hoc, bedeutender Stellvertreter Kaſpar Gans zu Putlitz an fich durchaus nich untüchtig, fo mußten fie doch, ohne die Mittel zur Hebung des fürftlichen Anfehens, dem Emporwuchern der revolutionären Elemente in Abel uni Bürgerſchaft ruhig zuſehen. Und diefe nahmen fo überhand, daß auch die einzelnen Gliedern lebende Kraft und Gefundheit nur dazu dienen konnte ſich gegenfeitig aufzureiben und zu zerfleiichen. Schon rüftete Berlin ernftem Streit, ſchon machte fi auch Herzog Suantibor von Pommern au das dringende Mahnen ber Städte bereit, „mit Macht” gegen bie Friedens

- ftörer zu verfahren. Das, zwar überall, aber doch ohne rechten Bufammen bang bisher aufgetretene Fehdeweſen und Stegreif-Rittertum mußte nun Bu: fammenhang gewinnen; ein gejchloffener Kampf auf der ganzen Linie zwiſchen dem Abel und ben Städten mußte entbrennen, umd bei der Energie des gegen: feitigen Haſſes war vorauszufehen, daß in dieſem Kampfe auch der letzte Reſi von Wohlftand und Gefittung, den die obrigkeitsloſe, Durch den ganzen Sammer

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34 Tod des Martgrafen Jobſt

jener grauenhaften Krankheit, des ſchwarzen Todes, verderbte Zeit gelaſſen, dahin ſchwinden mußte.

Laut auf ſeufzte da wohl die gequälte Menſchenſeele und ſuchte Troſt für das irdiſche Elend in überirdiſchen Dingen. Und wenn die Kirche gegen die Waldenſer trotz ihres frommen und ſtillen Wandels mit der Inquiſition auch in der Mark einſchritt, da ſie abweichende Lehren verkündeten, ſo gab ſich die, noch unmittelbar und naiv empfindende, Menſchheit nur um ſo mehr dem Glauben an Zauberei und Wunder hin. Eine ganz ungeheure Verbreitung fand namentlich der Glaube an die Heilkraft des Wunderbluts zu Wilsnad, und gewaltige Scharen pilgerten jelbft aus Böhmen und Ungarn zu dem Heinen märkiſchen Städtchen, um dort Vergebung ber Sünden, Befreiung von allen Leiden zu erlangen. Aber ein Teil der Geiftlichfeit trat dem offenkundigen Betrug ernft entgegen, und jedenfalls heilte das Wunderblut weder das bejonbere Elend der einzelnen, noch heilte es die ſchwere Krankheit, an der das märkiſche Staatsweſen jo ſchnell dahinfiechte.

au Da ftarb zum Glück der Markgraf Jobſt. Und voll banger Zweifel mochte ſich der Blick der Märker weit nad Süboften, nad) Ofen, richten, wo Sig: mund, der num wieder ber rechtmäßige Landesherr war, Iebte, voll banger Zweifel mochte man überlegen, ob der, nun zu feinen Mannezjahren heran- gereifte, Sigmund jetzt etwa im ftande fein würde, ein neue Morgenrot über das Land aufgehen zu Lafjen.

Üttejtes Siegel der Neuftadt Brandenburg. In Grdbe des Originals im Stodtarchiv zu Brandenburg. S' » (igillum) BVRGENSIYM - NOVE - CIVITATIS - IN . BRANDE(MBURG (Radbildung des Brager Stadtflegels; ein Beweis für bie nahen Beziehungen Brandenburgs au Böhmen in der Belt der Markgrafen Johanns 1. umd Dttoß III.)

Erläuterungsblatt zum

Titel des erften Buches.

Das nadftehende Titelblatt if einer Pergamenthandfarift „Latein. Gebetbud der Pfalzgräfin Margarethe von Simmern“ entnommen, welche das Kupferſtichtabinett zu Berlin aufbewahrt. Margaretha, Tochter des Herzogs von Geldern, vermählte fi 1454 mit dem Pfalzgrafen Sriedrih von Simmern (geb. 1417, }1480) und ftarb 1486.

Das in den Jahren 1481—82 von einem deutſchen Miniaturmaler hergeftellte Gebetbuch gehört zu den geſchmackvollſten Sierhandicriften, die Deutſchland im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

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Burg Hohenzollern. a.a⸗in are der Naficht von Gechingen, Mupferftid von IR. Merian In »Topographla Sueriae« jranffurt a. iR. 1648.

Erftes Bud

Der Tandesftaat. 1411 1640 ı

Aurfürft Sriedrich I. Y4m)—1440 Die Berufung der Hohenzollern.

8 war eine weit über Die eigenen Grenzen hin- ausgreifenbe Aufgabe, welche Brandenburg für das Reich, für die Entwidelung und Ausbreitung des Deutſchtums zu erfüllen Hatte, und ihre Löfung mußte wieder auf

| das übrige Deutichland beftimmend ein- wirken. Die Mark war das Hinterland

für die deutſche Herrichaft auf der Oſtſee,

wie für die Staaten, die fich an den Küften

von der Trave bis zum Memel gebildet

hatten. Und nur infoweit, als fie Hr

Ländern einen feften Rüdhalt und Fräftigen

der a re —— Schuß gab, konnten dieſe ihre Macht gegen in 2. Rupferfißtabinett gu Bänden, auswärtige Feinde behaupten. Mit ber völligen Vernichtung der Iandesherrlihen Gewalt, jeder ftaatlichen Ordnung war aber für die Mark naturgemäß die Löfung einer folchen, weite Gebiete

*

36 Bedeutung der Mark für da Reid,

des Auslandes umfafjenden, Aufgabe unmöglich gemacht, und es war voraus- zuſehen, daß Brandenburg ſowohl wie jene Länder dem Reiche demnächſt ver- Ioren gehen würden. Das aber wäre, zumal bei der unenblic, tief greifenden Bebeutung, die die Mark für den gefamten Handel und Verkehr im Reiche gewonnen hatte, nicht nur eine :politiiche Macht-Einbuße, jondern ein außer⸗ ordentlich ſchwerer wirtihaftlicher Schaden für das Neich geweſen.

Eine Zeit hindurch Hatte e3 allerdings jo ſcheinen können, ala ob die Hanſa mächtig genug ſich entfalten werde, um den Schuß des Deutfchtums zu übernehmen. Aber auch fie, einft bie Königin des Meeres, Hatte Durch Streitigkeiten innerhalb de3 Bundes, fowie im Innern ber einzelnen Städte fo fehr an Macht verloren, daß fie der gewaltig vordrängeuden, jeit der Kolmarer Union geeinten ſtandinaviſchen Welt bei weitem nicht mehr zu widerftehen ver- mochte. Nicht einmal das unfelige Fehdeweien, das fih vom Lande aud) auf das Meer verpflanzt hatte, konnte fie bejeitigen; vielmehr machte die See räuberei der jogenannten Sitalienbrüber jeden geordneten Hanbelsverfehr zur See unmöglih. Eine Hoffnung Hatten nun freilich gerade noch Die Hanfaftäbte ; Rettung, fo Hofften fie, würde ihnen entftehen in jener ftaunenswürdigen Grün- dung der deutſchen Orbengritter im Preußenlande. Denn in gewaltigen Käm- pien Hatten die Ritter des deutſchen Ordens, feit fie unter Hermann von Salza im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts nach Preußen gekommen waren, Hier einen deutſchen Staat geichaffen, der in feiner Verfaffung zwar wejentlich auf den Statuten des ritterlichchriftlichen Ordens begründet war, der aber in der Verbreitung des deutſchen Weſens zugleich dem beutichen Handel das ganze Gebiet der Weichfel und die Oftküfte der Oſtſee erſchloſſen Hatte. Doch auch diefe Hoffnung hatte fich als eitel ſchon erwieſen. Denn wie dort die Sfandi- navier, jo hatten ſich Hier die Slaven wieder zu einem entjchiedenen Vorgehen gegen die Deutſchen erhoben, und ſeit ber Vereinigung von Polen und Lit- thauen bebrängten diefelben den Orden aufs Iebhaftefte, ja brachten ihm im

10 der Schlacht von Tannenberg die folgenjchwerfte und erjchütterndfte Nieder lage bei. Und als nun die Skandinavier den Slaven die Hand reichten, fi) mit ihnen verbündeten, ba konnte man nicht zweifeln, daß dem vereinten Bor gehen berfelben das ganze Norddeutichland zum Opfer fallen werde, wenn nicht die Mark einen Fräftigen Wiberftand entgegenjegen konnte. So trat die Bedeutung Brandenburgs für das Reich als beffen Mark wieder einmal grell hervor; man mußte erfennen, daß Die Wieberherftellung frieblicher, georbneter Verfehrsverhältniffe, die Neubegründung eines feitgefügten Staatsweſens, einer machtoollen Ianbeöherrlichen Gewalt nicht nur für das Land jelbit, fonbern für Die deutſche Herrichaft auf dem Meere, für den Ordensſtaat, ebenjo aber auch für das Reich, für die politische Machtſtellung wie für das wirtichaftliche Gebeihen der Nation bringendfte Notwendigfeit jei.

Man wird nicht zweifeln fünnen, daß König Sigmund dieje Bedeutung Brandenburgs jehr wohl erfannte. Die Unterbredung des Handels, melde die Heillofen Buftände dafelbft verſchuldeten, machte auch in Ungarn, fowie in

König Sigmunds Pläne 37

Böhmen, Mähren und Schlefien, welche Länder dereinft auch Sigmund zu- fallen follten, fich lebhaft fühlbar. Das Vorbringen der Polen aber gefährdete den König aufs auferordentlichfte, und überdies ſchloß Polen ein Bündnis mit der Republit Venedig, umklammerte jo gewiſſermaßen die Stellung Sigmunds in Ungarn, und das nictönugige Regiment feines Bruders, des Königs Wenzel, Hatte diel uxemburgiſche Herrſchaft in Böhmen ſelbſt gelodert.

Mit der Wahl König Sigmunds zum römiſchen König mußten aber auch jene Gründe für die Bedeutung der Mark noch lebhafter auf ihn einwirken. Dazu kamen nun aber noch welthiſtoriſche Geſichtspunkte, die gerade für Sig: mund ſchwer ins Gewicht fielen. Es war jene Zeit der entſehlichen Kirchen fpaltung und der faum minder fchlimmen Spaltung bes Reichs, da drei Päpfte und drei Kaiſer die auf das ärgfte verwilderten Gemüter noch mehr ver- wirrten, da fittliche Würde und Frömmigkeit, da Zucht und Sitte jo völlig erftorben jchienen, daß der Auf nad) Reformen, nad) einem allgemeinen Konzil, das die Beſſerung aller geiftlichen und weltlichen Verhältniffe in bie Hand nehmen follte, immer lauter und lauter ertönte, und bei den Beten der Beit, bei Fürften und Geiftlichen, bei Adel und Bürgerfchaft den Iauteften Wieder: Hall fand. Kein Zweifel, diefem mit urwüchſiger Kraft auftretenden Ber- fangen mußte Genüge geleiftet werden. Das aber fühlte man deutlich heraus, daß die deutjche Reichsgewalt bie einzige auf Erden war, die fo viel Macht, jo viel Aırtorität entfalten konnte, um den Widerſpruch einzelner Fürften, die in dem allgemeinen Chaos ihren Vorteil ſahen, niederzufchlagen, um vor allen den Widerftand ber Kurie zu bredien. „So lange”, meinte man, „es feinen geredjten, ftrengen, allgemeinen römijchen Kaiſer oder König giebt, wirb das Schisma nicht bloß dauern, jondern man muß bejorgen, da es immer ärger wird.”

Freilich war dies eine ungeheuer ſchwierige Aufgabe, aber Sigmund war gemillt, fie zu erfüllen, ja er Iebte und webte vecht eigentlich in Plänen, die auf ihre Löſung beredjnet waren. Erſichtlich war jedoch, daß er fie um fo leiter erfüllen könne, je mehr er der Zuftimmung der vornehmften beutjchen Fürſten, der Kurfürften, ficher war. Aber wie war dies möglich bei dem ſchnellen Wechſel in den Perſonen der brei geiftlichen Kurfürften, ben ver- ſchiedenen Strömungen, denen biejelben ausgejegt waren? Wie war es mög ih, fo Iange der Kurhut Böhmens auf dem trägen Haupte des unberedhen- baren Wenzel ſaß, jo lange Kurſachſen in Freundſchaft mit Wenzel verbunden war, fo lange die Kurftimme Brandenburgs nicht durch einen kräftigen Arm den erforderlichen Nachdruck erhielt? Und Sigmund ſelbſt, dem die Erhaltung der Siebenzahl ber Kurfürften ohnehin von Bedeutung war, war ohne Zweifel außer ftande, der brandenburgifchen Stimme dieſen Nachdruck zu geben, wenn anders er den hohen Pflichten, die beſonders in jener Zeit der Fünigliche Beruf feinem Träger auferlegte, gerecht werben und zugleid) feinen weitgehenden Tugem-

burgifchen Plänen nachgehen wollte. Denn in der Mark mußte, fo viel war flar, ein Fürſt an die Spige geftellt werben, ber Herr im eigenen Lande zu

38 Burggraf Friedrich VL von Nürnberg

werben, und ber zugleih, worauf es Sigmund wejentlih ankam, Durch dad Sewicht einer überragenden Perſönlichkeit durchgreifenden Einfluß im Kur- tollegium zu üben verftand. Hier mußte ein Fürft an die Spige geftellt werben, ber die außeinanber ftrebenden Gewalten im Innern des Landes nieber- zubeugen, fie dem Ganzen dienftbar zu machen wußte, ber ben Frieden im Innern der Mark nen herftellte, dieſelbe wieder zu einem Schugwall für Deutich- Iand gegen Norden und Often, zu einer Vormauer für alle, auf Wiederbe- lebung und Entfaltung beutfchen Geiftes und deutſcher Arbeit, gerichteten Be- ftrebungen machte. Das war die Forderung, die bag Gebeihen der Mark ſelbſt an einen neuen Landesherrn ftellte, aber es war eine Forderung, beren Er: füllung andrerſeits wieder auf das gejamte ftaatlihe und wirtſchaftliche Leben des beutichen Volkes befruchtend einwirken mußte.

um So ergab fi denn für Sigmund, als märkiſche Abgeordnete unter Führung des Kafpar Ganz zu Putlitz zu ihm nad Ofen kamen, „der Lande Mißſtand und Notdurft” zu Magen, „mit demütigen Bitten ihn baten, perſönlich in die Mark zu kommen und Rat zu finden, daß ſolche Unfteuer, Krieg und Schaden hingelegt und niedergehalten werben möge”, die zwingenbe politifche Notwendigkeit, auf diefe Klagen einzugehen. Er erfannte, daß die Erhaltung und Befeftigung feiner eigenen Macht als deutſcher wie als ungariſcher König fordere, dies Land dahin zu geben.

Und wenn er Umfchau hielt unter den Fürften, die in Betracht kommen fonnten, fo mußte fein Blick haften bleiben am Burggrafen Friedrich VL von Nürnberg aus dem Haufe Hohenzollern, feinem „heimlichen Rat“,

ısosder ihm geholfen zum Beſitze Ungarns, der in wilden Schlachten fein Heer geführt, bei Nikopolis ihm das Leben gerettet, der unter den denkbar fchwie- rigften Umftänden allein ihm bie beutiche Königskrone erworben, ber im Gegenjag zu den andern Fürſten ber Zeit in feiner Fürſtenwürde zuerft das Amt ſah, das er vom Kaiſer führe zur Veförberung des Wohles ber Unter: thanen, zur Hebung und Mehrung bes Neiches, der überhaupt mitten in jenen Plänen auf Befeſtigung der Reichögewalt, auf Befferung der Kirche ftand, der in ber That ald der geiftige Vater all jener Pläne ericheint. Denn lediglich, weil Friedrich hoffte, daß Sigmund troß aller Fehler der geeignetjte Fürft zur Ausführung jener Pläne war, Hatte er ſich in deſſen Dienst begeben, 1ao deſſen Wahl zum römijchen König befördert. Für Sigmund war daher bie A Aufnahme diefes durch die höchſte ftantsmännifche Begabung, durch rriegeriiches Geſchick, durch einen friedliebenden und doch energijchen Charakter ausgezeich neten Fürften ein wejentliches Erfordernis. Hinzu kam aber bie hervorragende Be- deutung, welche Friedrich Haus, welche die Hohenzollern fich jeit ihrem erſten Auftreten in der Geſchichte im Dienfte für Kaifer und Reich errungen hatten.

Das Haus der Hohenzollern entftammte, wie man wahrſcheinlich zu machen gefucht Hat, dem Stamme der alten ‚alamanijchen Herzoge der Burkardinger. Nach dem Stammfi, der Burg Zollern, werben zuerft Wezel und Burfard ala »de Zolre« 1067 genannt, doch ift diefe Familie am Ende

39

Mofter Alpirsbach im Schwarzwald.

Bon Mbalbert von Bollern nebft einigen andren Edlen 1094 geftiftet. And ber Ethographie eineß unbefannten Mänftiert In d. GrläfriedB „Alterth. m. Aunftbenten.b. Q- Hohengollern“. Btuttgart ısar.

des Jahrhunderts ſchon jo bedeutend, daß Adalbert von Zollern als der Hanptftifter des Kloſters Alpirsbach im Schwarzwald bezeichnet wird. Der fromme Sinn, der fi} in diefer Stiftung zeigt, war indeſſen damals der all- gemein herrſchende, die ‚Hohenzollern aber haben fi) durch hervorragende Eigenſchaften ſchon frühzeitig einen bejonderen Namen unter ihren Genofien

verihafft: durch große Wirtichaftlichkeit, Durch regen, auf Zufammenhalten der Güter gerichteten Familienfinn und vornehmlich durch treueften Anſchluß an die Reichsgewalt und ftrenge Pflichttreue in der Ausübung ihres fürftlichen Amted. Der Dienft für das Reich war recht eigentlich der Leitende Grundſatz des ganzen Haufe geworden, als demjelben am Ende bed zwölften Jahr hunderts die Burggrafſchaft von Nürnberg übertragen worden war. Im Gegenſatz zu andern fürftlihen Familien, die in ihrer, auf einem gewiſſen Landgebiet beruhenden, fürftlihen Stellung nur die Veranlaffung zu weiterer Ausdehnung ihres Machtgebietes auf Koften von Kaiſer und Reich fahen, war dies fürftliche Amt gerade die Veranlaffung zum innigften Anſchluß an bie Reichsidee und Das, diejelbe darftellende, Reichsoberhaupt. Denn das Wer ſentliche der Burggrafichaft von Nürnberg war das mit berjelben verbundene taijerliche Landgericht. Die Burggrafen hatten „ohne Mittel an eines römifchen Kaiſers oder Königs Statt zu richten”, und dieſes Gericht erftredte ſich über Sadjen, Franken, Schwaben und die Aheinlande d. h. faſt das geſamte Reich.

40 Die Hohenzollern

Dies fürftliche Amt bot feinen Trägern keine Veranlaffung zu ber fonft in Deutſchland üblichen Ausbildung eines in ſich abgeſchloſſenen fürftlichen Territoriums, wohl aber eine jo lebendige Beziehung zum Reich, daß bie Burggrafen wie naturgemäß in der Stärkung des Reichs zugleich die Hebung ihres eigenen Anſehens fahen und in der von andren deutſchen Fürften ertrebten Schwächung der Reichsgewalt zugleich die Verminderung der Bedeutung ihres Landgerichts erkennen mußten. Zwiſchen dem Amt ber Burggrafen von Nürnberg und dem Reich waltete daher eine beftändige Wechſelwirkung, 'und im Sinne der Reichstreue und der Pflicht Hatten mithin die Hohenzollern den Hohenftaufen gedient, hatte Friedrich III. die Wahl Rudolfs von Habsburg betrieben, Hatte Friedrich IV. dem König Ludwig von Bayern in der Schlacht bei Mühldorf den Thron gerettet, hatte Friedrich V. zur Beit Karla IV. Das Neichöpannier hochgehalten, in diefem Sinne hatte vornehmlich aud) Friebrih VL ſelbſi bisher gewirkt. „Hohenzollern“, jo durfte daher der Dichter fingen :

Übertragung Bohenzollern, Du mehrhaft Baus, Die weit haft Du gefchauet hinaus! AU überall im Schwabenland Warft Du vor allen Hufen befannt, Daß alle, Die Dich je gefehn, Wohl mögen ſprechen und gefteh'n : Das werlicher Huf in dem Kand nit gewefen IR | Ein wehrhafter Baus im Kand nicht gemefen iR, Denn da biß her gemefen bif Als Du bisher gemefen biR!

Saffimile (Originalgr.) aus „Ein Lied von grave Friederih von Zolre“ von Konrad Silberdraht (1416) Bapterhandfiheift d. 15. Jahrh. in der Fürf. Gürftenbergifchen Wibliotgek in Donaueſchingen. 6. 18

Trangffription Bohenzolc du werliches huß, ie wrt Kaoft du gefehen viber of AU omb und umb in fwanbenland Waert du ob allen huifern befant Daz all die dich in hand gefehen Wol muigent ſorechen vnd tehen

Dieſe traditionelle hingebende Treue der Familie der Hohenzollern für das Reich gab daher die Sicherheit, daß auch Friedrichs Nachkommen, wie dieſer ſelbſt in der Kurwürde nur neuen Anlaß finden würden, die Reichsgewalt zu ſtärken und zu feſtigen. Hinzu kam, daß die Lage der Beſitzungen bes Burg grafen im Herzen Deutſchlands auf die Wechſelwirkung des Reichs und feiner nördlichen Mark einen günftigen Einfluß ausüben konnte, und hinzufam endlich,

Peer

Antwort König Sigmunds an die märtiſchen Abgeordneten 4

Stadt und Burg Nürnberg. Aus Gonrad Geltis »Quatuor libri amorum« Nürnberg 1502. (Bruder unbelannt. daß fi Hier dem Könige eine Gelegenheit bot, feiner Dankbarkeit für bie groß artigen Dienfte des Burggrafen einen würdigen Ausdruck zu geben.

Ungefucht fand fich unter folhen Verhältniffen für Sigmund die Antwort auf die Klagen ber märkiſchen Abgeordneten. Selbſt könne er wegen ber Gejchäfte der Reichsregierung, der Herftellung ber Eintracht in der Kirche nicht in die Mark tommen ; ftatt feiner aber wolle er ihnen den Bürggrafen Friedrich jenden, der werde all ihrem Elende ein Ende zu machen wifjen. Und freudig leifteten die Abgeordneten diefem die Huldigung und ſchworen ihm Treue und Ge- horſam. Rur die Rückſicht auf das Erbrecht feines Bruders Wenzel, dem gerabe ber Burggraf als Beförderer der Königswahl Sigmunds nicht die will- tommenfte Perjönlichkeit fein konnte, nötigte Sigmund, nicht fofort mit feinem Plane, der Erhebung Friedrich zum Kurfürften hervorzutreten. In der Ur kunde vom 8. Juli 1411 ernannte er den Burggrafen Friedrich daher mur 1m zum „oberften Verwejer und Hauptmann der Mark”, aber mit der Befugnis, von bem Kurrecht bei der Wahl eines römiſchen Königs abgejehen, alle Iandes- berrfichen Rechte nach eigenem Ermeſſen auszuüben und mit dem Nechte der. Vererbung dieſer oberften Hauptmannſchaft auf alle feine Nachkommen. Der Burggraf erhielt die oberſte Gewalt in Finanz, Sehens, Gerichts: und Militär: jochen, kurz „volle und ganze Macht im allgemeinen und bejonderen, alles zu thun, zu fchaffen, zu Halten, zu ſetzen, zu ordinieren, was wir oder ein jeg- licher warer Markgraf zu Brandenburg zu thun hätten: denn unfre wohl- erwvogene Abficht ift, nichts auszunehmen, befjen wir nicht dem Burggrafen

42 Burggraf Friedrich „obrifter Verwejer und Hauptmann ber Mart“

volle Gewalt geben, allein ausgefchloffen die Kur eines römifchen Königs und was dahin gehört, das ung vorbehalten bleibt”. Und unzweidentig ergiebt fid als der wichtigſte Zweck diefer Maßregel, „biejelbe unfre Mark und die dazı gehörenden Länder und Leute aus folhem kriegeriſchen und verberblichen Weſen worin fie Iange Zeit, was wir beflagen, ſich bejunden Haben, befto befier zu bringen, und das Fürftentum der Marken in ein ordentlich Weſen und gutı Saſſe deſto geruhlicher zu bringen“.

Nur Eins mußte Sigmund wenigſtens formell noch mit Rüchſicht auf feinen Bruder König Wenzel vorbehalten: die‘ Möglichkeit des Widerrufs biefer Uber: tragung. Da aber jede thatkräftige Regierung in den Marten mit der Ein: löſung ber verpfändeten Iandeöherrlichen Güter und Rechte beginnen, alfo ſehr erhebliche Aufwendungen machen mußte, fo. verftand es fich von jelbft, daß der Widerruf geknüpft wurde an einen, wenigftens teilweijen, Erjag der gemachten Geldaufmendungen. Eine Pauſchalſumme, die man erſt auf 100,000, fpäter. als es durch Vermählung einer fähfiichen Prinzeflin mit dem älteften Sohne des Burggrafen gelungen war, Kurſachſen auf Sigmunds Seite zu ziehen, auf 150,000 Gulden feitfegte, wurde dem Burggrafen für ven Fall der Rück⸗ forderung zugefichert. Sigmund ſchob dadurch etwaigen Gelüften Wenzels, die Mark zurüczubegehten, einen feften Riegel vor, dachte aber weder, was man früher behauptete, an einen Verfauf, noch was felbft iebt zuweilen behauptet wird, an eine Verpfändung ber Mark. Weber von biefer, noch von jenem ſpricht die Urkunde mit irgend einem Wort, und es verfteht fih, daf König Sigmund ſich 1411 nicht mit einer Summe begnügt haben würde, die um das Fünffache geringer ift al3 diejenige, welche er vom Markgraf Jobſt 1388 erhalten hat. Die Übertragung der Marken an die Hohenzollern ift vielmehr fach“ lich nichts andre, als die durch König Sigmund fraft königlichen Rechts erfolgte Ausleihung eines Kurlandes, auf das der Lanbesherr Markgraf Sigmund Verzicht geleiftet Hat; nur daß ber König Sigmund aus Rüdfiht für die Verwandten des Markgrafen Sigmund die Ausübung des Kurrechts nod) vorbehält, die feierlichen BVelehnungsformen zunächſt noch hinausſchiebt.

Groſchen Kurfürjt Friedrichs I. Im Größe des Originals (Gilber) im 2. Miüngtabinett gu Berlin.

Umfrift. Avers: eFR’DERC'MAR . P'CEPS - ELECTOR + (Fridericus marchio princeps elector) Reverd: GROSSYS - MARCH - BRADENBURG + (Grosus marchionis Brandenburgensis)

Die Befitznahme der Mark durch die Hohenzollern

einahe ein volles Jahr nad ber Berufung Friedrich ſollte noch vergehen, ehe ber erjte Fürft aus dem Haufe der Hohenzollern die Mark betrat. Am 21. ober 22. Juni 1411 ritt Burggraf u Friedrich VI. von Nürnberg, gefolgt von den Herzogen Ru- dolf ımd Albrecht von Sachſen, dem Grafen von Schwarzburg und einer Anzahl fränfifcher Nitter, unter denen ber Graf von Hohenlohe hervorragte, in die Stadt Brandenburg ein. Noch vor der Ernennung hatte zwar König Sigmund den Edlen Wend von Ileburg in die Marken gejandt, und Fried⸗ rich hatte diefe Sendung Wends Detiäe * * di Eifung duch Bönhterden In feines WVB ion Bene! arfteliend. noch zweimal wiederholt, damit sh derjelbe die Huldigung für ihn eimmehme und bie Einlöfung der verpfändeten Güter und Rechte beginne. Aber jo ſcharf und beitimmt Sigmunds und Friedrichs Geleitöbriefe Gehor- fam verlangten, fo wenig fonnte der Unterhauptmann ohne kriegeriſche Unter- ftügung, wie er war, foldhen erzwingen. Man lachte vielmehr aller Befehle und verweigerte jebe Herausgabe der Pfänder. „Gulde it Hant oder Fut, wy hebben die Schlote in vnſer Hut, by ſchal vns nicht verjagen.” Man verhöhnte den Burggrafen als „Tand von Nürnberg“, und meinte, Kaſpar Gans ſei Mark- graf genug, ober man hielt ſich wohl noch an Herzog Suantibor von Pom- mern als ben rechten, von Markgraf Jobſt eingejeßten, Landeshauptmann.

Es war in der That die höchfte Zeit, daß der neue Landesherr fich frei machte von den Gejchäften des Königs und felbft in den Marken erichien. Denn ohne die perjönliche Anweſenheit des Landesherrn mußte in ber That die Meinung entftehen, daß feine Ernennung eine jo folgenlofe fein werbe wie bie

44 Burggraf Friedrichs erſte Anmwejenheit in der Mart ®

Jobſtens und feiner Statthalter gewefen war. Und dem Burggrafen hulbiger ihm, der als erfte Forderung die Einlöfung ber Iandesherrlichen Schlöffer un Rechte ftellte was hieß e8 anders, als ben eigenen Neichtum, die eigen Macht, das fo trefflich begründete eigene Anfehen untergraben? Generationen Hin durch war man aufgewachjien, ohne eine Obrigkeit zu fühlen, und ficher hatt man fi nur nad) Maßgabe ber eigenen Kräfte gefühlt. Sollte die Ide der Obrigkeit von Neuem in den Vorftellungen der Menichen Platz greifen, | mußte dieſe erft wieber ihren Beruf erfüllen, erft ein Verſtändnis für dieſen Beruf, das Gefühl ftaatlicher Zufammengehörigkeit in der Bruft des Menjcheı wieder erweden.

Burggraf Friedrih nun befaß den politiichen Scharfblid und dei ſtaatsmänniſchen Takt für Die VBebingungen, unter denen in der Mar ein Staat geichaffen werden fonnte, und wenn bie SHerftellung be: Friedens der Zwed bei der Übergabe der Mark an ihn war, fo ergab fid ihm, daß auch die Mittel friedliche fein müßten. Ein nur thatfräftiger abe der ftaatsbildenden Begabung entbehrender Fürft Hätte wohl meinen können in einem entichlofjenen Eriegeriichen Vorgehen gegen die Feinde der Mark in Innern und nad Außen das geeignete Mittel zu finden, und die Anſchauunç ber, Beit, die Sehnfucht aller Gebrüdten nad; Frieden, Recht und Ordnung hättı ihm Beifall zugejubelt. Aber felbft wenn es gelungen wäre, die zu einem folchen Kriege notwendigen Gelbmittel zu erlangen, jo wäre ein Eriegerifches Vorgehen fozufagen nur die negative Löfung der Aufgabe geweſen. Es wärı die Behandlung eines feindlichen Landes geweſen, das man auf ſolche Weil: zu einem bejtimmten Friedensſchluß nötigen wollte, e8 wäre aber nicht die Behandlung eines Landes geweſen, deſſen man felbft Herr und Landesfürf: fein wollte. Es Hätte die Vernichtung der eigenften Kraft des Landes, nich: aber die Erhaltung und Stärkung desſelben bebeutet; nicht Treue und An ſchluß der Unterthanen an ben neuen Herrn, fondern Haß und Widerwillen Gewalt und Wiberftand gegen denjelben Hätte es erzeugt. Burggraf Fried rich hatte einen andren Mörtel zur Hand, mit dem er Stein auf Stein fügtı zum feften Unterbau bes Staates. Mit auferorbentlicher Energie empfant er das Amt, das ihm der König in diefem Fürftentum gegeben. Als „Gottes ſchlichten Amtmann im Fürſtentum“ fühlte er fi Gott und dem Könige für das Land verantwortlich, und je Iebhafter er fein Handeln von biefem Pflicht- gefühl abhängig machte, um fo mehr mußte das Land den Segen feiner Herrichaft erkennen; je mehr Treue er dem Lande erwies, um jo mehr mußte er auf die Treue des Landes rechnen können.

Mit großer Schonung überſah Friedrich daher den feinem Unterhaupt- mann entgegengejegten Ungehorfam völlig, berief vielmehr, ſich felbit ftreng an die beutjche Geſetzesanſchauung haltend, die Stände zum 10. Juli nad Brandenburg, ihm die Huldigung zu leiften, und begab ſich inzwilchen jelbft nach ber bedeutendften Stadt des Landes, Berlin-Kölln, deren Beiſpiel ver- mutlich für die übrigen Städte des Landes beftimmend fein würde, und die

Huldigung Berlins Landtag in Brandenburg 45

zu gewinnen daher von bejonderer Wichtigkeit war. Bwiftigfeiten, die inner halb der Bürgerfchaft felbft beftanden zu Haben jcheinen, ficherten ihm von vornherein eine Partei; auch mußte ja die Herftellung bes Friedens vor- wiegend den Städten von Nutzen fein, und dieſe konnten überbies hoffen, durch den Anſchluß am den neuen Landesherrn eine Stüge in ihrem Kampfe gegen den Abel zu gewinnen. Und indem Friedrich die für Berlin bren, nende Frage, nämlich die Einlöfung Köpenicks vorerft nicht berührte, auch das dem Landesherrn von der Etadt verweigerte jogenannte Offnungsrecht noch unentfchieden ließ, dagegen die Privilegien der Stadt im allgemeinen ;beftätigte, erreichte er wenigſtens foviel, daß die Bürgerſchaft Berlins am 7. Juli 1412 12 ihm die Huldigung leiſtete. Tas war das erfte Gelübbe ber Treue und des Gehorſams, das den Hohenzollern in ber Mark geleiftet wurde. Spandau und Nauen, die Friedrich auf der Rückkehr nad) Brandenburg berührte, folgten am 8. umd 9. Juli dem von Berlin gegebenen Beifpiel.

Aber in Brandenburg, wo Friedrich am feſtgeſetzten Tage wieder eintraf, fand er nur einen Heinen Teil der Stände, die Nitter der Lande Teltow, Lebus und Eternberg, ſowie die Etädte der Mittelmart und von Sternberg und bie beiden Biſchöfe von Brandenburg und Lebus anweſend und bereit, ihm zu huldigen. Auch Kaspar Gans war als Vertreter der Altmark und Priegnig zwar erigjienen, aber nicht, um, wie man von ihm, der mündlich die Beſehle Sigmunds in Dfen entgegengenommen Hatte, erwarten mußte, bie Huldigung zu leiften, fondern um ſich Abſchrift der königlichen Urkunde aus- zubitten. Denn er müſſe dieſe erft ben Ständen der Altmark und Priegnig zur Prüfung vorlegen. So überrafcht Burggraf Friebrih von diefem Verhalten gewejen fein mag, fo erfüllte er doch das Begehren, meldete dasſelbe aber gleich- zeitig an Eigmund, der dann ſeinerſeits in einem jehr entichiedenen Schreiben die von den Ständen der Altmark und Priegnig ihm vorgelegten Fragen zu- rũdwies und ihnen die fofortige Anerfennung des Burggrafen befahl. Troß- dem verweigerten fie biejelbe auch jegt noch, und Iebhafter noch war bie Widerfeglichfeit der Nitter im Havellande, die ſchon ihre Burgen neu ver- ſchanzten, fie mit „Büchſen“ verjahen, um auch im Kampfe dem Burggrafen begegnen zu fönnen. „Und wenn e3 ein ganzes Jahr Burggrafen vom Himmel regnete“, fo äußerte damals Johann von Quitzow, „jo würde er fein Schloß

u

Inzwiſchen aber Hatte Burggraf Friedrich die ganze Mittelmart bis nad) Frankfurt durchreiſt und in den Städten, denen er, entgegen ber hergebraditen Eitte, unentgeltlich ihre Privilegien beftätigte, ſowie bei der Geiftlichkeit An- erfeunung gefunden. Ebenſo Ieifteten auch von ben Schloßgejeflenen immer etliche, fo die von Uchtenhagen, von Buch, von Gröben, von Schlabberndorf die Hnlbigung, und am 14. September ritten ſogar in Berlin, wo Friedrich fi damals aufhielt, viele Ritter des Havellandes, jo bie von Knoblauch, Retzow, Barbeleben, Arnim, Döberig, Ribbeck, Lindow ein, ſchwuren ben Huldigungseib und empfingen dafür Die Beſtätigung ihrer Lehensbefigungen.

46 Friedrichs gütliches Verhandeln

Ein weſentliches Verdienſt um dieſe Sinnesänderung des havelländiſchen Adel hat ſich der Abt Heinrich Stich von Lehnin erworben. Das meifte aber tha dazu Friedrichs eigenes Verhalten, feine imponierende Perjönlichkeit, feine Ar erfennung aller rechtlichen Anfprüche, fein gütliches Verhandeln über die ein zelnen Anſprüche an die verpfändeten Schlöffer und Güter. „Sachtmobige vn Iympfite“, durch „janftmütige und glimpfliche Teidigung“ fuchte der Burggra den erneuten Befehl Sigmunds, „Friede und Ruhe wieberzubringen, Land un! Leute befto befier zu ſchirmen, und bie Straßen im Frieden zu Halten“, in Ausführung zu bringen. Und, bezeichnend genug, wenigftens foviel erreicht er, daß bie wiberjpenftigen Vaſſallen nicht wie gegen frühere Landeshanptleut offenen Krieg zu beginnen wagten, fondern, troß ihrer unter einander einge gangenen Verpflichtung, gemeinfam wider den Burggrafen zu ftehen, mi paſſivem Widerjtande ſich begnügten. J

Dieſer aber war für den Burggrafen um fo weniger nachteilig, als e ihm gelang, mit den meiften Nachbarfürften in ein gutes Einvernehmen fommen. Wenn die Erftartung der Mark den Hoffnungen Pommerns au die Udermark, Meklenburgs auf die Priegnig, Magdeburgs und Braunſchweig auf die Altmark, Anhalt? auf die Mittelmarf, jogar auf die Kurwürbe, andre Länder auf dieſen oder jenen Teil der Mark ein Ende zu machen ſchien, ſ ift es geradezu erftaunlid, daß es den Verhandlungen Friedrich glüdte, mi den meiften Nachbarländern wie Magdeburg, Braunfchweig, Anhalı Vommern-Wolgaft, Werle, ben beiden Meklenburg, Kroffen und Glogau Bündniffe abzufchließen, oder doch in jo nahe Beziehungen, wie mit Sachſen und dem beutjchen Orben zu treten, daß er ihres Beiſtandes gewiß fein konnte Ebenſo erſtaunlich ift es, daß ber einzige Angriff, den von Außen ber jeb der Burggraf durch die Stettiner Herzoge Otto und Kaſimir zu erleiden hatte zwar zu einem mehrtägigen Gefecht auf dem Kremmer Damm (24. Dftobe und folgende Tage) führte, in dem fo manche feiner Getreuen aus Franken wie ber Graf von Hohenlohe, dahinſanken, der aber doch durchgefochten wurbe ohne daß einer der Nachbarfürften, die widerfpenftigen Städte oder der einge jeffene Abel den Herzogen die erwünſchte Hilfe geliehen Hätte. Unb went auch ein Teil der Edelleute ohne Rüdficht auf ein Abkommen Friedrichs mi: dem Magdeburger Erzbiichof die Zeit dieſes Kampfes mit Pommern zu einen umfaffenden Einfall in magdeburgiſche Orte benußte, fo war doch Friedrich Stellung eine fo befeftigte geworben, daß nunmehr fid die Städte ber Alt mark und Priegnig ihm unterwarfen.

Um aber alle Mittel des Friedens zu erichöpfen, hatte Friebrich gegen die Widerfpenftigen ſchon Klage bei König Sigmund’ erhoben, und da bei Prozeß, den der König nun einleitete, ohne Zweifel mit dem Verluſt ber Lehensbefigungen für die Verklagten enden mußte, fo ſchien denfelben in der That allein die bebingungslofe Unterwerfung unter den Burggrafen übrig zu bleiben. Gleichwohl verftand man ſich auch jegt noch nur zu Verhand: lungen, Friedrich aber ging darauf ein, geftand wie von Anfang an

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Hufbigung der Vaſſalen Erneute Sriedenftörungen 47

zu, daß Die Einlöfung der Pfänder Iediglich gegen die Rückgabe der Pfand» ſumme erfolgen folle, forberte dagegen bie fofortige Einlöfung von Tangermünde, das Kafpar Gans, und von Straußberg und Saarmund, das die Quitzow in Händen hatten. Und die Wahl gerade diefer Orte ift für Friedrichs Politit infofern eine Höchft bezeichnende, als diefelben für den freien Verkehr des Handels in der Mark, beſonders der Stadt Berlin, von heroorragender Be deutung waren. Auf Grund diefer Verhandlungen erfolgte nun endlich die Unterwerfung des gejamten Adels, im April 1413 Ieiftete berfelbe, die Quitzow mit eingefchloffen, die Huldigung und den Eid der Treue. Nur wie weit war man doch noch davon entfernt, in dieſer Huldigung zugleich die Verpflichtung zum Gehorfam gegen den Landesheren und deſſen Gebote zu erfenneni Mit nichten glaubte man insbeſondere durch bie Anertennung des Landesheren etwa bie hergebradite Sitte des Fehdeweſens abgefchworen zu haben. Als Schwäche vielmehr deutete man, was vorfichtige Maßregel war, den Frieden zu erhalten, und bie Zeitgenoſſen meinten, „fie hulſdeten und ſchwuren betrüglih”. Zwar einem Gebot Friedrich zu einem notwendig gewordenen Zuge nad) Krebbin leiſtete der havelländiſche Abel, auch beide Brũder Quitzow, Folge. Aber vom Lager des Burggrafen zogen ſie fort ins Magdeburgiſche, plünderten ein Dorf des Kloſters Zinna und entzogen ſich nicht nur der Rechenſchaft, die Friedrich forderte, ſondern nunmehr ſchloſſen fich gauze Scharen des Adels aus den verſchiedenſten Teilen der Mark unter der Yührung von Kaſpar Gans zuſammen, fochten auf eigene Fauſt im Magdeburgiihen und gegen ben Biſchof von Brandenburg, und die magde- burgijchen Baffallen vergalten der Mark dieſe Einfälle jo reichlich wie möglich. Noch einmal blühte das jalte Raubweſen neu auf, und das Auspochen der Dörfer, die Wegnahme des Viehes, Plünderung der Ortichaften, Gefangen- nahme ber Beraubten, Erpreſſung Hoher Löfegelber warb wieder in alter Beife geübt. "Aber nad) erfolgter Huldigung, in ber die Huldigenden fich verpflichtet hatten, vornehmlich den „Frieden und Unfrieden“ des Burggrafen zu halten, Hatten bieje Gewaltthaten einen ganz andren Charakter als vor ber- felben angenommen. Bon einem politiihen Widerftand, wenn man von einem überhaupt reden will, fonnte nun nicht mehr gejprochen werden, jondern noch von Widerjeglichkeit und Ungehorjam gegen die Ianbesherrlichen Ge- Jetzt noch friedliche Verhandlungen, ein gerichtliches Verfahren einzu- leiten, war nicht nur völlig ausſichtslos, ſondern ein fo klares Zeichen der Schwäche, daf auch der Abfall der Treueiten zu bejorgen war, die landes- berrfiche Autorität für immer in Frage geftellt ſchien. Der Burggraf zögerte mmumehrt auch nicht Tänger, und ber wohlvorbereitete Kampf glüdte in fürzefter Beit.

ER

Während diefer Vorgänge im Innern hatte nämlich der Burggraf nament- lich mit dem Erzbiſchofe von Magdeburg und dem Herzog Rudolf von Sachſen gemeinfame Mafregeln gegen bie Friedensſtörer verabredet, die Beziehungen zu den anbren Nachbarmächten waren durch die ſchon oben erwähnten Verträge

118

48 Erneute Friedensftörungen

fo geregelt, daß wenigftens eine Parteinahme berfelben gegen Friedrich nic zu fürdten war. Es wurde ber Erzbiſchof von Magdeburg mit den al maãrkiſchen Edelleuten vertragen. Anleihen wurden aufgenommen, Mannſchaft⸗ berbeigezogen und das nötige Belagerungsgeſchüz unter bemfelben jeı „große Büchfe”, welcher der Vollsmund den Namen der „faulen Grete” gegebe hat, angeſchafft. Ein glüdverheißendes Ereignis war, daß der Hauptführ ber Wiberftrebenden Kaſpar Gans eben damals von dem brandenburgiſche Stiftshauptmann Hans von Nebern gefangen genommen war. Ein Angebr das Dietrih von Quitzow machte, fi jet dem Gerichte der Stände füge zu wollen, fonnte felbftverftändlich nunmehr um jo weniger Gehör finden, a noch im Januar Friedensverfuche von den Quitzow zurüdgemwiejen zu fe ſcheinen.

Der Erfolg des Kampfes war natürlich abhängig von der Einnahme d mãchtigſten Schlöſſer, und dies waren Frieſack, wo Dietrich von Quitzor Plauen, wo Johann von Quitzow, Golzow, wo Wichard von Rochoꝛ Beuthen, wo Göße von Predöhl den Befehl führten und endlich die Sta‘ Rathenow, bie ebenfalls noch die Fahne des Aufitandes trug. Aber übe raſchend ſchnell erfolgte Die Bezwingung der Burgen. Trotz ungünftig Witterung

Dat weder was gar ungeftaldt, It regende, fnyde und was gar Faldt heißt es im Liede waren ſie ſämtlich im Laufe weniger Wochen des Mona 1414 Februar gebrochen, Dietrich entflohen, Johann gefangen.

Das war in der Tat ein unerhörtes Ereignis; wie mit einem Schla, waren die Machthaber und Friedensſtörer, die den Ruf der Unbefiegbarte fo lange aufrecht erhalten, vor denen ſich alle in Schreden und Furcht gebeu hatten, niedergeſchlagen, vernichtet. In ganz Deutſchland erſcholl daher de Gerücht von diefer glorreihen Niederwerfung der Räuber, aller Orten feier man Friedrichs Namen, vornehmlich aber in der Mark. Ein märkiſcher Dichte Nikolaus Upſchlacht, preift des Himmels Güte, die diefen Fürften der Ma

eben: .

aeg Der milder chriſt vom hemelrich Der marte zu trofte ſicherlich Bat geben marggraff friederic, Den edlen furften lobefamen. Ay ift ein furfte von hoger ardt; Ben vnd hen war hy ſich kardt, Hy fei leie ader wolgelardt Dy loben alle finen nahmen, Dy werlid wol zu loben ftadt. Gott felber in finer majeftadt Mit des ganten hemels radt Den furften hat erwedet.

Aber fo Hell der Glanz ber Friegerifchen Leiftung leuchtete, fo hatte ma als das Wefen der burggräflichen Politik, als das befte Zeugnis, wie ernj

Erläuterungsblatt zu dem

Rlagebrief Dietrih von Quitzows

an die Stadt Brandenburg fowie an fämtliche Städte und Gemeinden der Neuen Marf wider den Burggrafen Friedrich von Nürnberg wegen des von diefem ihm angeblich zugefügten Unrechtes.

Aus dem Jahre 1414.

Transffription und Überſetzung des nebenftehenden Briefes von Dietrich von Quitom.

Wetet Ratmanne thu brandeborch vnd alle stede meynlyken yn der ganczen nygen marke nd alle werken vnd meynheden dar sulwens: Ik lage iw over den borchgrewen, dat dy stylie swygenden is getogen vor myne slote vnd heft my dy aff gewunnen, so als ik myns heren des koninges man was vnd syne bode ny vor seyten hadde vnd 20 ik vor der teyt by deme borchgrewen was thu ezerwest, dar hy my sekken Iyt [hy en wuste neyne schulde thu my]*) hy welde my eyn dach ledken in der marke, vor myns heren hern man- nen vnd steyden; hedde hy denne thu spreke thu my, dar scholde ik em thu antworden; dar ik thu seyde, dat ik dat gerne duen wolde, vnd vor boyt my thu der sulwen teyt thu Iyke vnd thu rechtte, alze ik vor der teyt dycke vnd mennech werue my gegen iw ok vorboden hadde, vnd my noch wor byde gegen alle hedderwe Iude, dat my alle nicht helpen kan. Wen den recht dach, den hy meynde, den leyde hy my vor fryzeke wn- Warwaret syare eren, vnd stylleswigende er dy synen dar wor legen. wen kan ik iwer vnderwy- synge nicht ge nyten, alzo dat my dy borchgreue dat myne wedder gewe, zo mut ik em ower schrywen, wu hy den gancz vor raden (?) heft, alze dat leyder war is, vnd wu hy met hanse, my- nen broder dedingede vmme plawe, dar dat myn broder em dat dun scholde, zo wolde hy em buten laten vnd al syn gereyde, dat hy thu plawe ane hadde, dar thu scholde myn broder loos weysyn synre fengenysse. Do dy borchgrewe do plawe hadde, do hyt hy hancze loos laten, wen hy greyp eyne vp der stede wedder, ok be hylt hy buten sulwen, vnd hylt myne broder al dat nicht, dat hy em ge secheyt hadde, dar hy plawe mede frue () kreyth. dy bosheyt mut ik deme borchgreuen ower schriwen vmme myne manynghe wyllen, weynt an dy tyt, dat hy my dat myne weydder gyft. Geschreven vnder myn ingesegel.

Dyderyk van quytczow. s. h. etc.

Wiſſet Ratmannen zu Brandenburg und Städte insgeſamt in der ganzen Neumarf und Gewerle und Gemeinden daſelbſt: Ich Hage ( über den Burggrafen, daß derſelbe ftillihmeis vor mein Schloß gezogen ift und mir 8 a nommen hat, obmol ih meines Herrn des Kir Bafall war und defien Gebote niemals verlegt hatte vor einiger Zeit bei dem Burggrafen zu Be war, wohin er mid rufen ließ (und er feine Sct gegen mich wußte). Er wollte mich zu einem T in ber Marf geleiten vor meines Herrn Serı Mannen und Städte. Hätte er dann Beſchuldigun gegen mic) (vorzubringen), fo ſollte ih ifm die Halb Rede ftehen. Dazu fagte ich, daß id) das g tun wollte und erbot mid) zu derfelben Zeit Gleich und zu Recht, wie ich mid) ſchon vor Zeit oft und mannigfach aud gegen Euch erbo Habe und mid; noch gegen alle Biedern Seute erbie was mir (aber) alles nicht Helfen fann. Denn d Rechtstag, den er meinte, den legte er mir x (dad Schloß) Friefad, unverwahrt (— unbeſchad feiner Ehre, und legte ſtillſchweigend die Sein davor. Wenn id) Euren Beiſtand nicht erlangı kann, damit ber Burggraf mir das Meinige wiedeı gibt, fo muß id) ihm öffentlich bejcputdigen, dah « mid) vollftändig verraten hat (?) was leide wahr it umd wie er mit Hans, meinem Brude wegen (des befagerten Schiofies) Plaue unterhande hat, dab, wenn mein Bruder ihm dasſelbe übe: geben würde, er ihn herauslaſſen wollte, mit a feinem Geräte, das er dafelbft hätte; außerdem ſoll mein Bruder feines Gejängnifies erlöft fein. A (num) der Burggraf Plaue (bejept) Hatte, Sieh ı Hans frei laſſen, aber er ergriff ihn auf der Stel wieder und behielt denjelben draußen (gefangen und bielt meinem Bruder alles das nicht, was « ihm zugefichert Hatte, wodurch er (der Kurfürji Plaue frühzeitig erhielt. Dieſer Bosheit muß ic den Burggrafen, meiner Forderung wegen, öffentlic beſchuldigen biß zu der Zeit, ba er mir das Deinig wiedergibt. Geſchrieben unter meinem Infiegel.

Dietrih von Quitzow. Steine) Hanbferitt.

*) Die eingeflammerte Stelle if im Originale burihgeftrichen.

JERSNERDRERTLAT

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Friedrichs Verhalten nach dem Siege 49

Die Erftürmung einer Burg. Golgfepnitt nad; eines Zeichnung von Hans Sqchaeufelein (um 1430-1540), aus Petrarcha „Bon der ardneh bayber @lüd“. Yugsburg 1532, gebrudt von deynrich Stehner.

haft er jeine Pflicht gegen die Mark auffaßte, doch ſchon die Wahrung und Beleftigung bes Friedens jo allgemein anerfannt, daß ber Dichter nicht richtiger den Fürften zu verherrlichen meinte, als durch die Betonung feiner Friedensliebe.

Na ſtriden jagete hy gar ſachte,

xifflichen mit em fofete vnd lachte,

Na frede ſtund au ſein beger.

Air Reit nad} guden freden.

Wie treffend dieſe Anſchauung war, zeigte denn auch wieder das Ver— halten des Burggrafen nad dem Siege. Nicht aus Ianbeöherrlicher Macht, wie es wohl natürlich gewejen wäre, beitrafte er bie Friedbrecher, fondern ben

Berner, Geld. d. Br. Etnateh Fr

50 Der Landjriede von 1414

Landſtänden überließ er auf einem zum 20. März 1414 einberufenen Tage die Entſcheidung, welde Strafen jene treffen follten, ja hob fpäterhin bie erkannten Strafen faft fämtlih im Gnadenwege auf. Um jedoch den „mannig- faltigen Schaden, welcher den Landen der Mark Brandenburg durch Mord, Raub und Brand bisher geſchehen und zugezogen ift, mit Gottes Hülfe vor- zubeugen und zu wahren, und das Land für die Zukunft nad Kräften in friedliche Lage zu bringen”, errichtete der Burggraf mit Zuftimmung ber Stände, der geiftlichen und weltlichen Herren, Mannen und Städte das Landfriedens 141 geje vom 20. März 1414, durch welches an Stelle der Selbfthilfe nun endlich wieder das ordentliche Gericht des Landesheren geſetzt, vorzüglich aber auch der Macht der Selbftherrlichleiten und ber Zerftüdelung der Mark in einzelne Herrichaften ein Ende gemacht war. Der Landesherr war in Wahrheit wieder Herr des Landes geworben. Und welchen Einbrud mußte e8 in dieſem, bis- ber jelbftherrlichen und rechtloſen, Lande machen, al3 Werner von Holzendorf dem berumftreifenden und tolllühn wieber auf Raub und Mord ausziehenden Dietrich von Quitzow bie Hilfreiche Hand bot, und Friedrich bie Übertretung des Landfriedens durch dieſen gerade beſonders begünftigten Vaſſallen nicht mit der im Lande gewohnten Gewalt ahndete, fondern ein fürmliches Rechtsver- fahren gegen ihn einleitetel In aller Form Rechtens ward Werner durch ein Lehensgericht, zu dem auch frühere Anhänger ber Quitzow als Beifiger zugezogen wurden, zum Verluſt feiner ſämtlichen Lehensgüter verurteilt.

Mit diefem Aft durfte Friedrich die Vefignahme der Mark, die Be: friebung derſelben, die Begründung frieblicher Zuftände als zunächſt gefichert anfehen. Denn auch die einzelnen Gerichte machten nun, da e3 möglich war, freien Gebraud von ihrer Pflicht, die Friedrich als den eigenften Beruf des Fürſten bezeichnete, „das Recht zu ſtärken und das Unrecht zu Fränfen”.

Während biefer meifterhaften Thätigleit Friedrichs in der Mark Hatten jedoch Sigmunds Hoffnungen auf Ausführung der Reformpläne fi der- geftalt verringert, daß der König mutlo8 geworden und zur Niederlegung der deutichen Krone bereit war. Die Verwirklichung diefer Abficht hätte num aber das Reich in unabjehbare Verwirrung ftürzen müflen, und Friedrich, mehr noch als Sigmund für jene Pläne begeiftert, zog daher zum König nad} Nürnberg, ermutigte ihn zum Ausharren, ermöglichte die Krönung in Aachen und begab

1sfid) von da nad) Konftanz, wo er wenige Tage nad) Sigmund am 5. Januar 1415 eintraf. Hierher war nämlich das Konzil, jene großartige Verſammlung weltlicher und geiftlicher Würbenträger der ganzen Chriftenheit, berufen, von der man ein neues Heil der Welt und der Kirche erwartete. Und wenigftens einem Lande follte hier das wahre Heil erjtehen der Mark Brandenburg. Denn eben hier vollzog Sigmund die Ernennung des Burggrafen Friedrich zum Rurfürften von Brandenburg.

Friedrich, der im „Hohen Haufe” de Heinrich von Tettikow am Fiichmarki Wohnung genommen, widmete ſich zunächſt mit dem Eifer, der ihn auß: zeichnete, ben Reichsgeſchäften, Tieß fich aber auch die Intereffen der Kirche umt

Erhebung des Burggrafen zum Erzfämmerer und Markgrafen von Brandenburg 51

die Beſeitigung der huſſitiſchen Ketzerei Iebhaft angelegen fein. In bem be rühmten Prozeß des Johann Huf hat er dagegen jelbftthätig nur in geringem Mafe eingegriffen, denn das war nicht feines Amtes. Doc das Anjehen des Konzils und des Königs aufrecht zu erhalten, das war ſeines Amtes, und als Herzog Friedrich von Oſterreich im Bunde mit dem Bapfte Johann XXIL beiden offen Hohn fprah, war es Friedrich, der jenen zur Demütigung unter den König zwang.

Nächft dem Könige ſelbſt war daher unter allen weltlichen Fürften der Burggraf weitans der bedeutenbfte, er erfchien wie das natürliche Haupt ber- selben, dem wohl einmal die beutfche Königskrone zufallen müffe, der jedenfalls eines Kurhutes würdig ſei. So zögerte denn auch Sigmund nicht länger, feine urſprũngliche Abficht auszuführen, und am 15. April 1415 vollzog er dies zweite jener Urkunden, auf denen die Herrichaft der Hohenzollern beruht, jener Urkunden, die für das ganze Reid) von grundlegender Bebeutung werden follten.

Er erhebt den Burggrafen zum Erzlämmerer des deutſchen Reichs und Markgrafen von Vrandenburg „in Betracht der Redlichkeit dieſes Fürſten, jeiner Vernunft, Macht, Feſtigkeit und der fonftigen Tugenden, womit ber allmãchtige Gott feine Perjon reich geziert habe“. Er hebt die eigene Un- möglichkeit, dem Lande vorzuftehen, und die Notwendigfeis, das Kur- tollegium zu erhalten, hervor und fährt dann fort, „da num ferner auch landtundig ift, wie mit Hilfe des allmächtigen Gottes gedachter Friebrich durch feine Bernunft, mit feiner Macht, Arbeit und Wagnis, fowie auch mit großen Aufwendungen und Koften, die er aus feinem eigenen Ber- mögen gemacht bat, die genannte Mark in einen fo trefflichen Zuftand des Friedens und guter Orbnung gebracht, namentlid) Raub und andre Unthaten dermaßen unterbrüdt und ausgerottet.hat, daß wir ſowie auch alle Einwohner der Mark, wovon wir wohl unterrichtet, dadurch ſehr zufrieden geftellt find; da es und auch billig zu fein bünft, daß wir ihm für folche feine Arbeit ung dankbar erweilen, und daß ihm der gemachte Koftenaufwand wieder erftattet werde; ingleichem in Erwägung feiner willigen, nüglichen und getreuen Dienfte, die er und lange Zeit fleißig und unverbroffen gethan, täglich thut und fortan uoch thun foll und kann“, habe er die Erhebung Friedrichs vollzogen. Eine iolche feierliche Erflärung aus dem Mumde des beutichen Königs läßt wahr- lich ertennen, welde überaus eriprießliche Thätigfeit Friedrich geübt haben muß. Als Zweck der Erhebung ſpricht aber wieder die Urkunde mit unfehlbarer Deutlichkeit die Erhaltung bes Friedens aus „jo wie endlich in ber Ab. fit, daß der Friede und die Beſſerung, welche die Mark und deren Bewohner in den Zeiten feiner Hauptmannſchaft durch Gott und des gedachten Friedrichs Arbeit, Redlichkeit und Macht gewonnen, erhalten bleibe und zumehme, und die Mark nicht unfre Abwefenheit entgelte” barum Habe er mit Buftim- mung der Kurfürften und vieler andrer deutſchen Fürften „dem vorgebachten Friedrich und feinen Erben die vorgebadhte Mark und, das Kurfürftentum mit der Kur und mit dem Erzfammermeifteramte und mit allen und jeglichen

52 Erhebung des Burggrajen zum Erzlämmerer und Markgrafen von Brandenburg

andren Würben gegeben und ihn auch zu einem wahren und rechten Mart- grafen darüber gemacht”.

Man begreift, daß eine Staatengründung, als deren Zwed immer wieder die Herftellung georbneter und friedlicher Verhältniffe betont wird, auch nur durch friedliche Mittel werde erhalten werden können. Man hofft, daß eine, alle andre Fürften feiner Zeit jo weit überrngende, Perjönlichkeit, die zudem aus einem durchaus reichötreuen Haufe ftammte, auch Erben haben werde, die, den Zußftapfen der Ahnherren folgend, in der Wahrung des Friedens, der Reichstreue und des Plichtgefühls Hervorragen werben. König Sigmund hat dieſer Hoffnung gelebt, die Geſchichte hat fie in einer Weiſe erwiejen, die weit hinausgreift über das Verſtändnis jener Zeit. Was die Gedanken der Beit immerhin als ein politiſches Ereignis von nationaler Bedeutung bezeichnen mochten, haben die Jahrhunderte zu einem welthiftorifchen Akt geftempelt, dem nur wenige an bie Seite zu ftellen find.

Kurfürft Friedrich begab fi, nachdem er den König Sigmund auf feiner großen Reife durch den Weiten Europas bis nach Bern Hin begleitet Hatte, zurüd in die Mark und empfing allerdings mußten einige rechtliche Be-

zus denfen ber Städte noch bejeitigt werden am 21. Oftober zu Berlin bie all- gemeine Erbhuldigung als rechter Erbherr. Unterftügt durch die vom fönig: fichen Hofgericht über die Herzoge von Stettin ausgeiprochene Acht, ordnete er die Beziehungen zu Pommern und Mektenburg und nahm vor allen Dingen, feinem wohlwollenden und vertrauenden Herzen nachgebend und feine frieb- fichen Abſichten recht auffällig offenbarend, faft alle widerſetzlichen Vaſſallen in feine Gnade auf. Durch} feierlichen Eid verpflichtete fich Dagegen die Mann- ſchaft dem Kurfürften zu Gehorfam und Treue und verfprach, jede Selbfthilfe zu unterlaffen. Und wenn fpäterhin es ſich zeigte, daß die jet geübte Milde noch zu früh erfolgte, und noch immer nicht ale Vaſſallen der Pflicht ihres Eides gemäß zu handeln gelernt hatten, jo lag diefe Milde doch in der Richtung der gejamten Politik Friedrichs und erhöhte nur das Recht der Obrigfeit gegen die Friedbrecher.

Indeſſen mußte der Kurfürft nur zu bald zurüd nad) KRonftanz, wo im Gegenſatz zu der glänzenden konziliaren Reife Sigmunds, wie man fie genannt bat, innerhalb des Konzils ſtarke Bwiftigkeiten ausgebrochen waren, von deren Beſeitigung die weitere Durchführung der firchlichen Pläne abhängig war. Gerade nad der verföhnenden und vermittelnden Richtung war Friedrich nun thätig, und unter feiner Obhut ward das Konflave der Karbinäle abgehalten, aus dem Martin V. als neuerwählter, nunmehr alleiniger Papſt hervorging. Papſt und König ehrten daher Friedrich als den vornehmften und mächtigſten Fürften der Zeit, und unter den zahlreichen Belehnungen ber deutfchen Reichs: ftände, die jeht erfolgten, war infolge befjen auch die Belehnung des Kurfürften Friedrich I. mit der Mark und dem Exzlämmereramt der Kur Brandenburg die bedeutungsvollſte.

ur Nachdem ſchon am frühen Morgen des 18. April 1417 zwei Banner-

Erläuterungsblatt

zu den folgenden vier Einfhaltbildern

„Die Belehnung Sriedrib I. aus dem Baufe Bohenzollern mit der Mark Brandenburg 1417“

aug Mirich van Aichenthals Chronik.

utrich von Richenthal (Reichentgal) war zur Zeit des Konzils ein angefehener Bürger der Stadt Konſtanz und befleidete wahrſcheinlich eine Stelle im jtädtifhen Kanzleiweſen. Er fand während desjelben vieljad mit den zum Konzil anweſenden Fürftlicfeiten in Verbindung und hat und eine, augenſcheinlich meift auf perfünlichen Beobachtungen ober doch guten Infor= mationen beruhende, höchſt anſchauliche und lebendige Geſchichte der Ereignifje Hinterlafien, welche ſich damals in feiner Baterftadt abfpielten. Die Niederſchrift dürfte auf Grumd von Togebugjnotigen und Aten nad Schluh des Konzils etwa in den Jahren 1418 und 1419 folgt fein.

Unter den auf uns gekommenen Handidriften der Chronik, weiche der Sitte der Beit gemäß vielfach mit figürlihen Darftellungen von hohem fitten- und koſtümgeſchichtlichen Wert, jowie Bappen geſchmüct find, fteht ber in der Weſſenbergiſchen Stadtbibliothek zu Konſtanz

aufbemwagrte Codex wegen ber künftlerifhen Ausführung feiner Bilder in erfter Reihe. Ihm Yaben wir die folgenden Abbildungen entnommen:

1) den Holzſchnitt, der den feftlihen Umzug am Morgen des Belehnungstages barftellt j den Tat auf ©. 53);

2) brei Farbendrudbeilagen, deren erjte Friedrich I. darftellt, wie er inmitten ziveier jejtlich geffmüdten Begleiter, welde Banner mit dem nürnbergiſchen bezw. brandenburgifchen Bappen tragen, ſich anjchidt, die Belehnungstribime zu befteigen, aus deren Lichtöffnungen der

gefrönte Kaiſer und zwei feiner Würdenträger herniederjehen (f. den Tert auf ©. 53).

Die zweite und dritte Zarbendrudtafel jtellen den eigentlichen Belehnungsalt dar, (f. den Tert ebenda), während das Zalfimile auf ©. 56 eine Probe der Schrift der Chronik und zwar vom der auf die Belehnung bezüglihen Stelle gibt.

Im Drud erſchien Richenthals Chronit zuerit 1483 zu Augsburg bei Anton Sorg; diem Drud find die Mbbildungen auf ©. 54 und 55 entnommen.

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Belehnung Friedrichs I. aus dem Haufe Hohenzollern mit der Mark Brandenburg 1417. Feſtlicher Umzug am Morgen des Belehnungstages. End U. v. Mientpals Chonit im ber d. Böefienberg’jcien Stadtbibliothet gu Konflany, auf etwa */a verkleinert. Berner, Geil. d. Brrub. Etanteh Berlagsanft. f. Kunft u. Wiſſenſch. Münden

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Belehnung des Kurfürften mit der Marl 53

träger mit dem Wappen der Mark Brandenburg und der Burggrafichaft Nürn- berg, in Begleitung einer großen Schar von Nittern und Knechten aus ben fürftlichen Gefolgen und unter dem Schall der Pojaunen und Pfeifen, die Stabt dreimal durchzogen Hatten, Holten gegen 8 Uhr früh alle anwefenden Fürften und Grafen den Vurggrafen aus feiner Wohnung im „Hohen Haufe” am Fiſchmarkt ab und geleiteten ihn nach dem oberen Markt, wo vor dem „Hohen Hafen”, der Wohnung Sigmunds, eine prunkvoll geſchmückte Tribüne errichtet war. Hier ftand der Thron, auf dem Sigmund, umgeben von den Kurfürften von der Pfalz und Sachen, von Kardinälen und vielen andren weltlichen und geiftlichen Fürften und Herren, Platz genommen hatte. Kurfürft

Friedrich ftieg mit feinem VBannerträger die Treppe hinauf zum Throne umd beugte zweimal die Kniee vor dem König. Der Kanzler, Biſchof Georg von Paſſau, verlas unter allgemeiner Stille des zahlreich verfammelten Volks ein Schriftftüd, welches die Rechte und Pflichten eines Kurfürften darlegte, und Sigmund richtete darauf die Frage an Friedrich, „Herr Kurfürft des Heiligen römischen Reichs, Tieber Obeim, wollt Ihr das beſchwören?“ Mit den Worten, „Mäcjtiger König, gerne”, erklärte Friedrich feine Bereitwilligfeit und Ieiftete den Eid. Num ließ fich ber König das Banner von Brandenburg reihen und gab e3 in die Hände Friedrichs, demnächſt nahm er das Szepter bes Reichs: und ben Reichsapfel vom Pfalzgrafen entgegen, endlich auch

das Banner von Nürnberg und Iegte auch diefe Symbole in Friedrichs Hand. Fünfzehn zahlreiche Chöre fielen mit Pfeifen und Poſaunen ſchmetternd ein

54 Belehnung des Kurfürften mit der Mart

und beenbeten bie feier- Die leitet künig Sign: un bucgalE Gele liche Handlung, der ſich c vichen von rei chat zu ein von Friedrich dem Könige und allen Fürften auf der Ratäftube dar- gebotener Imbiß anfchloß. Im jenen Beiten, da Selbſtſucht und Selbit- herrlichkeit vieler deutſcher Landesfürſten die Schwä- Hung ber oberften Reichd- gewalt anftrebten, ge» währt diefe eier noch einmal das Bild der frei- willigen Unterordnung eines Lanbesfürften unter die königliche Gewalt, eines Triumphes ber Königlichen Autorität, her · beigefüßrt durch den Kur- fürften, der in feiner Zür- ſtenwürde noch das vom König Heritammende Amt erblidtel Aber das Be zeichnende dieſes Mo: ment? war doch, daß er weientlih auf den beiden fürftlichen Perjün- lichkeiten Sigmunds und Friedrichs beruhte, daß dagegen alle Pläne, die man für die Neubegrün Die Belehnung Friedrichs I. aus dem Haufe Hohenzollern mit

dung des Reichs, für der Mark Brandenburg. eine, bie Macht und Be- Rap dm * u 53 ‚gi Be za von Kar Ridenthals Konzilimabud.

beutung des Reichs zur Geltung dringende, Erneuerung feiner Verfaffung ergriffen Hatte, zu nichte ge- worben waren. Sigmumb jelbft fühlte jo lebhaft, wie ungebrochen doch noch die fürftliche Auflehnung gegen das Königtum war, daß er felbit jetzt feinen eigenen Iandesfürftlichen Intereffen nachging, fi) von den Reichsgeſchäften zurüdzog und diefelben dem Markgrafen übertrug. Er ernannte Friedrih, wiederum übrigens beffen befondere Begabung für die Herftellung des Friedens betonend, zu feinem „Statthalter und Verweſer des römiſchen Reichs in deutſchen Landen”, es ſcheint fogar damals feine Abficht geweſen zu fein,

Friedrich, Statthalter des römiſchen Reiche 55

nad) feiner eigenen Krö- nung zum Kaiſer, Fried⸗ richs Wahl zum römischen König zu betreiben. Friedrich rechtfertigte jedenfalls auch in ſeiner neuen Stellung das all⸗ gemeine Vertrauen, und er ſelbſt „ift deffen von " den Gnaden Gottes ſicher und fröhlich, daß er feinem gnädigften Herrn getreu lich gedient und fein Beftes nad) beftem Vermögen und Verſtãndnis beftelltHabe”. . Aber unter ber Sorge für die Allgemein- heit litt doch das Be fondere. Denn nicht ſo⸗ bald Hatte Friedrich die Mark verlafien, ala es ſich zeigte, daß feine den Friedbrechern erwieſene Gnade und Huld doch deren Sinn- und Den- kungsart noch nicht Hatte ändern können. Und zu den Stegreif · Fehden, die namentlich in den märkiſch · magdeburgiſchen

v art „Grenzgebieten ausgefoch⸗ a a rau" ten wurden, gefelen ih

Bad Dan Seite im schen Drad yom a uun 3 Paullensng, auch neue Kämpfe mit a ae © Mae den meflenburgifchen und

pommerjhen Herzogen, die wieber die allgemeine Bedeutung der Mark für Deutſchland erfichtlich machten. In dem Umftande nämlih, daß in Konftanz die Velehnung ber Stettiner Herzoge nur unter beftimmter Wahrung der brandenburgijchen Lehenshoheit über Bommern vollzogen war, mußten die Herzoge nicht nur bie Mficht Friedrichs, fondern auch Die des Königs erkennen, der Mark, welche bie eigene Herrſchaft der Herzoge und die Zugehörigkeit Pommern zu Deutichland erft ficherte, auch einen maßgebenden Einfluß auf Pommern zu erhalten. Kur freilich, war die Anerkennung dieſer Lehenshoheit zugleich ein Ausflug

56 Etandinavich laviſche Gefahr

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Übertragung: Am aditen Tage nad) Oftern empfing Burggraf Briebri von Nürnberg vor dem Imbiß um bie adıte Etunbe fei ‚ein

bis an bie Senfter und "dor ben denſtern eine "rohe Tribüne, worauf wohl ee Mann ftehen konnten). Die Belefmung Friedrichs I. a. d. Haufe Hohenzollern mit der Mart Brandenburg 1417. Aus Ulrich von Ridenthals Konziliumbuc, Hanbiehrift 1. d. v. Weſſenbergſchen Stadtbibliothet zu Komflanz. In" Größe.

des Prinzips einer ſtarken Reichsgewalt und widerſprach damit ben Anfchauungen der pommerſchen und anderen Nachbarfürften des Kurfürften. Es kam daher, nad der Gefangennahme des Herzogs Johann von Stargard zu einem großen Bunde ber „Niederländifchen Herren“ d. h. des Herzogs von Schwerin, zu- gleich für den von Stargard, der Herzoge von Braunfchweig-Lüneburg, Sachſen Lauenburg und den bis dahin Friedrich ergebenen Fürften von Werle. Und indem dieje nun fi} auf der einen Seite mit Dänemark, auf der andern aber mit Polen, das feinerfeitS gegen den deutſchen Orden und die deutiche Herrſchaft in Böhmen vorgegangen war, verbündeten, bedrohte dieſe ſtandinaviſch-polniſche Kom- bination die Deutſchen überhaupt. Trotz mancher Herrentage, bie zu fchieblicher Beilegung des Streite8 abgehalten wurden, wogte der Kampf Hin und her. Und wenn aud die Märker den Feinden manchen empfindlichen Schaden zufügten, jo fchien das Unwetter der Mark jelbft um fo bebrohlicher zu

10 werden, als der Kurfürft im Dezember 1419 zwar bafelbft erſchien, aber ohne Aufenthalt ſich nach Breslau zu Sigmund begab. Denn bier follte ein Fürftentag über bie Bejeitigung der Huffitiichen Lehre und über die all- gemeine Gefahr beichließen, die der Herrichaft Sigmunds und der Deutfchen, ſowie dem Orden aus dem ſlaviſchen Vorgehen drohten.

1420 Anfang März 1420 gelang es jedoch dem Kurfürften, fich von dieſem Gefchäfte zu befreien, und überrafchend ſchnell traf er nach wenigen Tagen in der Mart ein, erſchien an der mellenburgiichen Grenze, nahm die zwei wichtigſten Feftungen dafelbft, Gorlojen und Dömitz, eilte von da in die Udermarf und gewann nach blutigem Kampfe die Stadt und das Schloß Angermünde. So gewaltig war der Eindrud diefer Siege, daß bie Verbündeten ſich zum Friedens: Schluß ober doch mehrjährigen Waffenftillftand bereit erklärten und Verzicht auf jegliche SelbftHilfe und Unterftellung ihrer Anſprüche unter rechtliche Ent: ſcheidung verſprachen. Verhandlungen mit dem Erzbiihof von Magdeburg

Bejeitigung derjelben 57

und feinen Vaſſallen führten auch an dieſer Grenze geordnetere Buftände Herbei, und mit ben beiden Herzogen von Braunfchweig-Tiineburg fam es durch eine, zwiſchen dieſen und zwei Töchtern des Kurfürften gejchlofjene, Eheverabrebung ſogar zu einem dauernden Freundſchaftsverhältnis. Und in diefen Kampfen hatte die Mannſchaft, Hatte namentlich Kaſpar Gans unter den Fahnen des Lan- desherrn gefochten, für diejen Kampf Hatten auch die bebeutendften Städte der Hanfa, hatten Hamburg und Lübed, in voller Erkenntnis von der Bedeutung einer feiten Macht in der Mark für den Hanbel, ſich dem Kurfürften verbindet.

Nunmehr erft konnte die Beſitznahme der Mark durch die Hohenzollern, zugleich aber !die Neubegründung eines geordneten Staatsweſens, einer, ihre Aufgabe erfüllenden, Obrigkeit und die Herjtellung frieblicher Verhältniffe zu den Nachbarfürſten "als vollzogene Thatſache gelten. Und dag wurde nun von großer Wichtigfeit. Denn ſchon war ein Unkraut in die Halme gefchoffen, welches überhaupt das deutſche Leben zu erftiden drohte.

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= Die Buffitenzeit

ig Sigmunds und des Burggrafen Friedrich ver-

trautes Verhältnis war, wie wir fahen, gegründet

auf die Pläne, welche beide zu einer Reform bes

Reichs und der Kirche gefaßt Hatten. Bisher war

bie Reform bes Reichs überhaupt nicht gelungen und

die der Kirche, halb nur begonnen, follte ſich als

eine völlig trügerifche erweilen. Nach dem Tode

König Wenzel war nun Sigmund auch Iegitimer

Bon einem Eingefbtatt des König von Böhmen geworben, fonnte aber als ſolcher

Mändner Rupferftihtabinetts. im Lande feine Anerkennung finden, mußte vielmehr

bejorgen, daß die böhmifchen Verhältniffe aud in

feinen übrigen Reichen nachteilige Folgen hervorrufen würden. Daher gab er ſich

jest endgiltig nur feinen luxemburgiſchen Hausplänen Hin und verzichtete auf

all jene großen Aeformpläne. Damit verichoben fich jedoch die europäiſchen

Verhältniffe überhaupt, und wurde insbeſondere Kurfürft Friedrich genötigt, allein an jenen Neformplänen weiter zu arbeiten.

Hatte nämlich ſchon Wenzel heftigen, nationalen Wiberftand in Böhmen gefunden, jo mußte biefer gegen Sigmund, der die Mark Brandenburg und das Herzogtum Brabant der Krone Böhmens entzogen, der aber hauptſächlich den Helden und Märtyrer des böhmiſchen Volkes Johann Huß troß des zugeficherten freien Geleites den Flammen überantwortet hatte, zu einem weit heftigeren werben. Indem nun die Kurie in kluger Weife einen allgemeinen Kreuzzug ber ganzen Chriftenheit gegen die böhmiichen Ketzer prebigte, gewann fie in der Chriften- beit wieder eine überragende Stellung und mit der Hilfe, die fie Sigmund erwied, veranlaßte fie zugleich den König, ihr entgegenzufommen und von jenen, auf konziliarem Boden erwachjenen, Reformen der Kirche immer mehr und mehr abzujehen. Je größer aber die Gefahr wurde, in die Sigmunds eigenfte Königreiche gerieten, um fo ſchärfer Ienkte er in die Bahnen der Anfchauungen des Lanbesfürftentums ein.

Der Bejig Böhmen durch Sigmund war indeffen ein Verlangen, das Friedrich ſchon deshalb unterftügen mußte, weil allein dadurch Deutſchland vor dem Verluſt eines jo mächtigen Reichsgebiets, wie Böhmen war, bewahrt bleiben konnte. Die tiefe veligiöje Bewegung, von ber die Böhmen ergriffen waren, Hatte zugleich auch deren Brüder im ganzen Slavenftamme ſich be- mädjtigt, und ebenſo fand der nationale Widerwille der Böhmen gegen die deulſche Herrſchaft bei deren flavijchen Brüdern überall den entſchiedenſten Beifall. Ram es jest zum Kampfe, jo war vorauszufehen, daß es fi um Sein oder Nichtfein Handeln werde, und in diefem Kampfe war, fo ſchien es, bei dem

Friedrichs Stellung zu Sigmund Kämpfe gegen die Huifıten 59

Mangel jeber verfafjungsmäßigen, vorzüglich jeder militäriichen Ordnung die Niederlage Deutſchlands wahrjcheinlih, der Sieg des Slaventums aber, bei der gewaltigen Begeifterung der Slaven faft gewiß. Und ficher war, daß, wern in Böhmen die Macht in ſlaviſche Hände überging, nicht nur von hier aus die Anſprüche auf die Mark erneuert werben würden, jondern daß bie Bolen, Pommern und Meflenburger im Bunde mit den Dänen alsdann mit

bereit fein würden, zu helfen, daß die Marken dem Reich entriffen würden, ja ſchon drohte in dem Plane der Vermählung eines pommerjchen Herzogs mit der Erbin der polniſchen Krone, die Mark von ſlaviſchen Händen umlammert zu werden.

So war der Gegenjaß, in den Friedrich durch die Entwidelung der Ber- hältniffe gerathen war, ein überaus eigentümlicher, gewiß ein unendlich ſchwer zu überwinbender.

Vorweg ergab fic ihm, daß die Befeitigung diefer Gefahren fih nur auf friebligem Wege ermöglichen laſſen werde. Im wiederholten Sendungen er- mahnte er daher Sigmund, die politiichen Interefien Böhmens von ben firhlichen zu trennen und, geftüßt auf die noch vorhandene deutfche Orbnungs- partei in Böhmen, zunächſt fich den Thron zu fichern, die Entſcheidung über die Firchliche Frage aber auf ein Konzil zu verſchieben. Infofern Sigmund dieſen Rat befolgte, erreichte er fein Ziel, fette er es duch, daß er zum König von Böhmen gekrönt wurde; infofern er über diejen Rat hinausging und mit einem Heer die Böhmen zu zwingen fuchte, gewann er nur Schaden. Die Eroberung Prags wurde vergeblich verſucht, am Bisfa-Berg erlitt man eine furchtbare Niederlage (14. Juli 1420) und dag Heer mußte den Rückzug an 1020 treten. Sa, indem Sigmund und die Kurie troß ber erneuten Mahnungen Friedrichs den Weg friedlicher VWerftändigung völlig aufgaben und einen allge- meinen Reichskrieg gegen bie Böhmen, dem auch Friedrich fich anfchließen mußte, ins Werk festen, erlebte da3 Germanentum (1421, Oktober) eine der ſchimpf· ucı Üichften Niederlagen, und faft das ganze Deutſchland feufzte nun lange Jahre hindurch unter den unerhörten Gräuelthaten ber entfefjelten Wut der wilden Huffitenſcharen. Wohl raffte man ſich noch mehrmals zur Verteidigung auf, aber jebesmal ward man gejchlagen, und die überlegene Fechtweiſe der Slaven feierte jo glänzende Triumphe, daß allmälich doch Friedrichs Rat und Friedrichs Verfuce, mit den Huſſiten friedlich zu verhandeln, allgemeine Anerkennung finden mußten.

Imzwifchen aber Hatte Markgraf Friebrich auch einen Schritt gethan, der wenigitend bie Hauptmacht der Slaven, Polen, von ber böhmischen Sache zu trennen, geeignet ſchien. Die Böhmen Hatten nämlich in richtiger Berechnung des flaviichen &emeingefühls ihre Krone dem König Wladislaus von Polen angeboten. Diefer Hatte fie zwar wiederholt abgelehnt, doch aber feine Buftim- mung dazu gegeben, daß fein Neffe, ber Großfürft Witold von Litthauen, diefelbe annahm. Gelang es biejem auch in ber Zukunft nicht, die Uner- kennung ber äuferften Partei in Böhmen zu erringen, jo fieht man doch, wie

60 Brandenburgiſchpolniſchet Vermahlungspian

Electores ſeptem ſacrlimperii torglorioſus ——— Arie asın Wein, Der Kaifer und die 7 Kurfürften des HI. römifhen Reiches. eine gar.

bebeutfam dieſer Schritt auf die Vereinigung der flaviichen Stämme wirken mußte. Beachtet man Hierzu noch jenes oben erwähnte polniſch-pommerſche Heiratsprojeft, jo erfennt man, welche Bebeutung es hatte, daß Friedrich jetzt dem Plane, eine eheliche Verbindung zwifchen feinem zweiten Sohne Friedrich) und der Erbtochter des polnifchen Reiches zu fchließen, näher trat. Denn durch diefe brandenburgifch-polnifche Vereinigung wurde nicht nur. der Wieder- erwerb der Neumark vom deutſchen Orden erleichtert und bie pommerjch- polnifche Umzingelung der Mark befeitigt, fondern in die Gemeinjamfeit und Bufammenfaffung des Slaventums ein Keil getrieben, deſſen Kraft von großer Bedeutung fich erweiſen follte. Die allgemeine flavifche Gefahr wurde dadurch zu einer nur böhmifchen für Deutichland gemacht. Sigmund freilich, obwohl Anfangs einverftanden mit diefem Schritt Friedrichs, ward über benfelben, da er jeine Anfprücde auf Polen beeinträchtigte, aufs höchſte erzürnt.

Höher aber noch follte Sigmunds Zorn gegen Friedrich ſich fteigern, als diefer, um den immer ärger werdenden Ausjchreitungen deutſcher Fürften und Städte, der immer deutlicher zu Tage tretenden Unluft und Unfähigkeit Sigmunds, im Reich das Regiment zu führen, ein Ziel zu fegen, nunmehr

112 (1424) durch eine Vereinigung der Kurfürften die Obrigfeit im Reich von der Perſon des Königs hinweg in ben höchften Nat des Königs zu verlegen ver- fuchte. Dies war freilich ein Mittel, daS ben bisherigen Beftrebungen Friedrichs

r

Konzil zu Bafel - 61

Serena

Böhmen viau Sadfen Brandenburg,

Der Kaifer und die 7 Kurfürjten des HI. römiſchen Reiches.

“u „Liber Gheonicarum“. (mitten und ge Wide Wolgemut UTETE) m Reel Btepermenf (um 1408, Ddenberg 108 gehru Don Ban Kabunger u

Regte daifie.

ereenteie ſchien, aber indem er die Form änderte, in ber fich bisher

feine Pläne für die Größe des Neiches bewegt hatten, war es doch dieſelbe Sade, für die er eintrat. Natürlich, dak Sigmund dem Surfürften zürnte, zumal gerade damals feine Beziehungen zum Often fi ſehr günftig geftaltet hatten. Aber gerabe diefe bewieſen ja, wenn ein folder Beweis überhaupt noch nötig war, wie entdeutjcht alle feine Pläne, Hoffnungen und Entwürfe jegt waren.

Zugleich aber gelang es auch dem Kurfürften, die wieber ftolz einher- ſchreitende Macht des Papfttums wenigftens für den Augenblick unter bie Oberhoheit des allgemeinen Konzils zu beugen. Das endlich nach Bafel berufene nene Konzil erklärte ſich als eine über dem Papſt ſtehende geiftliche Autorität, merkarinte die Notwenbigfeit, auf Friedrichs immer wieder betonte Vorſchläge zu friedlichen Verhandlungen mit den Hufliten einzugehen und beauftragte Friedrich ſelbſt, diefe zu führen. Mit peinlicher Gewifjenhaftigfeit Hat fi Friedrich dieſer Aufgabe unterzogen, und indem fie ihm glüdte, löſte er eine Frage, die von äußerfter Wichtigkeit für die gefamte Stellung bes Ger- manentums gegen das Slaventum war, befreite er insbeſondere auch die Marten von der Gefahr, wieder ſlaviſch zu werben.

So ift e8 doch ftaunenswürdig, wie Friedrich in jener furchtbar ver- widelten Lage die von Außen drohende Gefahr zu beſchwören vermochte und

62 Neue Kämpfe mit den Nachbarfürſten

zugleich für die von Innen her drohende neue Geftaltungen und Formen fand, die dieſelbe zu paralyfieren geeignet ſcheinen konnten. Nur das kann man zu- gejtehen, daß Friedrichs eigene Lande unter diefer, auf das ganze Deutichland gerichteten, Thätigfeit nicht die volle Berüdfichtigung ihres Landesherrn finden Eonnten. Und zu bezweifeln ift es doch nicht, daß, wenn Friedrich nach dem Beifpiel jeiner Mitfürften im Neich die eigene landeöfürftliche Stellung zum Velten nur feines Haufes hätte ausnügen wollen, die Werlegenheiten ber Krone Böhmens, die Ohnmacht des deutſchen Ordens, der Ehrgeiz Polens und Dänemarks ihm wohl günftige Gelegenheiten geboten Hätten, im Nordoſten feinem Haufe die bedeutungsvollfte Stellung zu gründen.

Aber gerade darin wird man auch wieder einen Ruhmestitel Friedrichs zu fuchen haben, daß er ftet3 die eigenen Interefjen Hintanfegte, wenn es galt, den Nutzen des Reiches zu fürdern. Die Kur von Sachſen, auf die Fried- rich gerechte Anfprüche hatte, übertrug Sigmund auf das Haus Wettin, und Friedrich, ftatt wie Sigmund erwartet hatte, zum Schwert zu greifen, litt lieber das Unrecht, als daß er das Neich unter neuen Kriegen hätte leiden laffen. Die wüſten Schmähungen des Bayern-Herzogs, die Leidenſchaftlichkeit, mit der Friedrich in die Streitigfeiten des bayeriichen Fürftenhaufes Hinein- gezerrt wurde, fuchte er durch Gelaſſenheit und friedliche Verhandlungen ab» zuwehren und beichränkte fich auf die notwendigfte Verteidigung.

Die Mark endlich ward immer wieder von den mellenburgiihen und pommerjchen Fürften und deren Vaſſallen angegriffen, ohne daß Friedrichs Gemahlin, die vom Volke „bie ſchöne Elfe” genannte Kurfürftin Elifa- beth, welche ftatt des Kurfürften die Regierung führte, mit Erfolg ihnen ent gegen treten konnte. Zwar den Schweriner Herzog gewann Friedrich durch Die Hingabe von Dömig und Gorlofen völlig, aber die Stettiner Herzoge erneuerten den alten Bund mit Dänemark, Stargard, den Herren von Werle, ja wußten auch die Hochmeifter in Preußen und Livland, jogar den König Sigmund jelbft auf ihre Seite zu ziehen. Nunmehr mußte Friedrich perfönlich wieder in die Marten kommen, aber noch ehe er einen Erfolg errungen, folgte er der Weiſung besjelben Sigmund, der nicht nur die Oberlehensherrlichkeit Brandenburgs über Pommern wieder aufgehoben, die Neumark mit dem deutfchen Orden vereinigt, fondern mit Friedrichs Feinden fich gegen dieſen

126 verſchworen, zu einem Reichstag nad Wien. Und fein Sohn Johann, den Friedrich auf dem Landtage zu Rathenow zu feinem Statthalter in der Mark ernannt hatte, mußte im folgenden Jahre unter wenig günftigen Bedingungen mit Pommern und Meflenburg Frieden fchließen, damit nur die Kräfte der Mark frei würden für einen neuen großen Reichskrieg gegen bie Hufliten.

Doch wenn Kurfürft Friedrich wir fennen nicht recht feine Gründe fi) nun ganz von der Mark zurüdzog, fo durfte er boch die Überzeugung Haben, nit nur im derfelben die einzelnen Selbjtherrlichfeiten niebergebeugt, bie Obrigkeit wieder bergeftellt zu Haben, ſondern auch in dem Schub des Reiches zugleich die Erhaltung der Marken ermöglicht und wieder in der Erhaltung

Tod Friedrichs I. 63

der Marten dem Reiche einen Schutzwall neu aufgerichtet zu haben. Was die Marken gewonnen, bewährte fi als ein Gewinn bes Reiches, und in der Rettung des Reichs lag zugleich eine Kräftigung der Marken.

Nur mit zunehmend fchmerzlicher Enttäuſchung konnte der Markgraf da- gegen ben ungeachtet all feiner Bemühungen weiter vorfchreitenden Verfall im Innern Deutſchlands, die Mißerfolge der kirchlichen Reform-Verfuche verfolgen. Schon die Wahl Herzog Albrechts zum römijchen König (1438), deſſen Inter 110 eſſen noch mehr als die Sigmunds im Often Yagen, ftatt der vom Wolfe erwar- teten Wahl Friedrichs, war ein Iebendiges Zeichen für das Schwinden der Bedeutung ber Obrigkeit. Die Wahl Herzog Friedrichs von Öfterreich (1440) 140 aber war redjt eigentlich ber Triumph aller der zuchtloſen Beſtrebungen, welche auf Löfung des Unterthanenverhältniffes der Reichsglieder hinausliefen. Dagegen durfte Friedrich in diefen Wahlen doch wenigftens die Hoffnung auf das Übergewicht Deutſchlands über die flaviſchen Völker fehen, und fein Sohn Albrecht, der junge Achill, war es, der in Schlefien die wieder vorwärts drän genden Polen zurüdwarf. In der Mark aber wies fein zweiter Sohn Fried⸗ rich die meklenburgiſchen Fürften, den Herzog von Lauenburg zurüd, demütigte den Biſchof von Halberftabt, den Herzog Wilhelm von Sachſen, und ber Name dieſes Sohnes wurde ſchon fo gefeiert, daß er „allen Guten ringsumher fehr verehrungswürdig, Straßenräubern und Friedensſtörern ein Schreden war”, weshalb er auch des Kaiſertums würdig geachtet wurde. Wahrlich, wenn das Mißlingen jener großen Pläne auf eine nationale Reform des beut- ſchen Reichs den Tod des alten Markgrafen, der am 21. September 1440 auf 140 der Kabolzburg erfolgte, j wer machte: im Hinblid auf ſolche Söhne durfte er an der Zukunft des Vaterlandes nicht verzweifeln, durften auch die Märker auf Vollendung des großen Werkes hoffen.

Schloß Kadofzburg. Rad, einem Aquarell von O. Grünewald.

64

2

Rurfürft Sriedrih IL. 1440—1470

ftament von 1437 Hatte Friedrich feine Länder

ter feine vier Söhne fo geteilt, daf die fränfifchen

figungen feinem älteften und feinem dritten Sohne

hann und Albrecht zufielen, die Mark aber zunächſt

geteilt auf feinen zweiten Sohn Friedrich überging,

während dem vierten, ebenfalls Friedrich genannten,

Ab der 42 zeifigen Bibel Sohn ein bedingter Anfpruch auf die Altmark und

ge Priegnitz für bie Beit feiner Großjährigkeit zuge

ſprochen wurde, ein Anſpruch, der indefien, vor-

übergehende Verhältniſſe abgerechnet, eine Bedeutung für die Mark nicht erlangt hat.

Friedrich I. war ein im bejondren Sinn friebliebender, doch in vollftem Maß feit entfchloffener Charakter. Die geniale Art, mit der der Vater im Mittelpunkt einer, durchaus auf das ganze Deutſchland gerichteten, Politik ftand, Tag ihm zwar fern, aber durch Abgrenzung der brandenburgifchen Länder und namentlich duch fefte Begründung der Ianbeöherrlichen Macht hat er Bebeutendes geleiftet.

Die ritterlichen Selbftherrlichkeiten, die der Obrigfeit fpotten zu dürfen geglaubt, Hatte Friedrich I. jo völlig zerichlagen, daß fich dieſelben fügen

147 gelernt Hatten. Nunmehr galt es auch die Städte zum Gehorjam zu zwingen,

fie zu lehren, daß nicht das felbfteigene Interefje dieſer oder jener Stadt auf Koften der andern Städte und des platten Landes, fondern das Wohl der gejamten Marfgrafihaft das Enticheidende fei, daß nicht der Reichtum einzelner Gejchlechter, fondern „das geruhfame Wohlleben” aller Unterthanen das Biel fei. Denn wenn ſich die Städte an Friedrich I. angeſchloſſen Hatten, jo waren fie doch weit davon entfernt gewejen, dies aus Achtung vor der Obrigkeit oder in dem Wunfche, über ihrer eigenen Hoheit eine Iandesherrliche Gewalt zu Ichaffen, gethan zu haben. Vielmehr fahen fie, wie bemerkt, in dem neuen Markgrafen nur einen Verbündeten in ihrem Kampf gegen die Duigow, ben | Adel überhaupt. Denn nad) diefer Richtung Hin, der „Verdrüdung und Ber

Erläuterungsblatt zu „Aufzüge und Ringrennen nad} der Kindtaufe am Furfürftlichen Hofe zu Hölln a. Spree, 11.—13. Dezember 1592” und zu den 5. 108/9 und IiO/III _ eingefchalteten beiden Bildertafeln.

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ab au bie fäutier anfangs, benen wie Sie Sretzatiomen vertan Io mein Die Ari en, —— ei Rouen Besseren Agnierten Rupfer I 6‘ Tationen nl elter Hin. Wicnbat wunde, zmilden 1565 umb 1070, du Srantfurt a. 30. geboten, empfing jenen Eu Tanfteri ilgen untere dem er Malct ben Grharmer, Sileıe Ni jedac meie na ac) den altem Yrutiden Sein erfteß

&r malte für bt Frankfurt mehrere Setoratioe Bilder und ganlerie für Kran Futter Berieger, lieferte aud) viele Belgningen a aid Babierungsvorlogen; auß Teıut men einige Gtaflellbiber einer San.

& teens 1689 Neben dem berühmten A. (Elaheimer war ber oben {don genannte Bat ‚org Reller fein Eigeler. Brrjelbe wurde vor 1876 zu Branffurt a. SR. geboren umb flarb, zu Aürnberg um 160, Ei It —** —— feiner Ön milch bach, amt auß bem —— le I

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jur geeidnet, fonbern auch robert baben. Da ir feine Seidmung von anbrer Hand an Ort Ber ber Hot Sauıtenba bermites Js, en, f

t einen geiftlihen Amtöbruber, benn bie Auterungabläter abdruden, geben offenbar ı Ervaukberg wWohnenben efien Branbenburgiihen aberudt /Bieeiht hat der ale dem and I, im oem Geil int dat, Biat

Tert zu dem folgenden Einfchaltbilde „Aufzüge und Ringrennen ıc.”

Am 20. tag Weinmonats (sie) warb zu Cölln an der Epree Marggraffe Eigijmunbt von Brandenburg, Herrn or; Georgen Marggraffen ond Ehurfürften von Brandenburg, 2c. vnd Eitjabeth gebornen yüritin von Anhalt feines Bemapts, (& Teiblicher Cohn ‚gedonen. Die inbtaufe aber ward allereft den 10.ton Ghritmomata bakihft im Gihlab gend Nattlich gehalr in bepfein der dreg jungen Serrlein don Gallen, Herhog Blei) von Medielburg, deß Herogen von Holftein, Herr Yaodis Bopuf von Brag, Diettrrichen von ber Gchulenburg, Graffe Brunonis von Mansfeibt, Bernhardt von Aren Sandvogte, Nr der in bot Sachen, Derbogin mon Weceiburg, ber Grälfn von bes Schauenburg, tn der Grälfin non Solberm, D2

errichtet Zauff murden die folgende 4. Tage bih an den funffgehenden tag gemelbtes Konate alierley Ritteripiel auff cin Ban geräte, (ren Rennbahn an der Spree mit Apurmieren, Bingrenten, Cäifen wand Due, Seuwermerd“ un fen gepalten.

‚Hu forderft warb ein Patent an das Schlohthor geihlagen, darinn zwern Manbinatores oder Ritter am Ehurtüiz lichen Bronbenburgiichen Hoff ernennet, weiche allen Rittermälfigen Perjonen mit Bingrennen vmnb andern Ritterlich Spielen im Ramen der Gpur Brandenburg, vnd nach inhalt gemeldtes Batents wilfabten folen unnd_molten. Die Ren gab warb alerneäft unter dem Gchioß ben, bem ZBafe bir Eorer, aenennt, angerüßet, und mit grünem Baub gezier Darauff waren fünf fHöner Echmwipbogen auffgerichtet, vnnd mit (hönen Gemätden und Hiftoien verfehet, wie mit Rum. 2.8.4. 0m. vergeiinet. Buff jeber Geuten |unben gu oberit 9mo Schlangen, ein paar Tauben, und ein gerp In den zu: den mit geicloffenen Händen, welche baß Gerh hielten, bedeutet die Borfichtigfeit und Siebe ober Ereme. Rum. 6. Auft de fünfften Bogen, fo mitten aufl ber Rennbagn gegen dem grünen Jubiciechauß ober geftanden, Rum. 7. hieng der Ring, de

man gereinet, und Darüber ein Rbnigiche Kran, um. 8, zu abert auf diem Bogen funkt bie Gartuna vom go jemadht, auff einer runden Kugel, Die Bielte in der Sand eine Falınen, darinn geicrieben Bictorua, Mu. 9. zu beyben jent Funken „mern Römer, vn zu Ühten Büffen ein gemalter Greif, Kum. 20. Die gemeibte [ünft Cihoipbogen waren mit folge en Berfen bejährieben.

‚Zu ehren dem Churfärftlicen Stam, ' Darumb and) hierzu Diß Bitter gut

So da glädlid fein fommen an, Gelaffen fein auß freyem mut,

Damit fie ih ergehen mögen, ‚Zu fempffen, reiten gegn jederman,

i ! Dur “n* mol bewegen, I So mögen fommen auff den plan, Zu Gottes Eh, | Sein GIäd zu fuchen ob mög erlangen, Der jet noch mehr Die der ehren FAr jhm thut hangen, „Das Töblidh vandenburg, | Und von den berden. > ern gut, Gang vehrr dadurch, Behalten wird in gutem muth, mit einem zart, * _ Sortuna wirds erlanben wol, Den z en ward. Dietort wer fie haben fol, Daramb me Auch Judicierer geordnet eben, Exfrem... _... „... —Ader auffs neme. ie adhtung folln bierber geben, Die Kitterliä Zufammenfanfft, Darmit mar gefäiehe feim pnreät, Derurfacht. hat Die redht Dernunfft, Der mags Aitterlid; treiben tet.

DIS Zitterfplel zu ordnen an,

Churfärkt Johann Georg hat machen lahn,

Am 11. tag Chriſtmonats fieng man an algemad; ſic auff der Bahn zu vben vnnd zunerjudien. Es ward aber nicht fonberlich8 fürgenommen. Den folgenden Tag, morgen umb 12. ®hren find die gween Ritter oder Wanbinateres, als nem li Joft von Dopen deb Ghurfürken von randenburg Gamnet Sunder, und Galpar Gchlefier Churficüiier Branbenburgiice Stadmeifer, in fünarbem Comer ynb, mit, grosfeien glbenen Rofen berbseme, begleiten brep Opiebiungen au ir fSiwargem Sammet, und mit gülden Ketten gepleret, onb gmeen anbere Ritter, jeder für fi jelbft, fo Patronierer genenncı morden, aufgexgen. War ihnen ber Kitten Au forberft vier Zrommeter mit (dmargen vab weilen Bahnen, darauf Bald neun Gelenbäteute, je breu vnnd drep in einem @lied gefolget, Item, fonft andere 9. Trommeter, auleht hat man zmölff jhöne gelattelte und berbedte Bierbe an der Hand gelegtet. Rum. 11. 12. 13. 14. Is nun die Manbinatores mit foldhem @elend auff den Rennplap tommen, find die neun Gelehbäfeut wiber abgegogen, bie zmölff verbedte Pferde aber in zimn barzu auf

lagene Zelten gefühtet, und barinn, biß Die andern müde wocben, verwahret worden. u. 16. und 17.

Wald ift ein anbere Partey, wie Kürden gelleget, auffgefügret morben, melde gegen den amepen Nittern gerennet unnd Haben fid) gemelbte Ritter gegen den Wermumbten Grrren fo bapffer gehalten, dab fie den beiten Gewinn Daruon getragen.

Am 13. tag CHriftmonatö inb jept gedachte Ritter oder Manbinatore® auff borgemelbte zeit vnnd weih miderumb suflgeiogen, bmnd murben ihnen dur bie Öelegbäisute in Part auf Lürdilhe art geindet, augrlühet, gegen meiden Hi Ritt) gehalten, 8.18. ond, 19.

Nach ihnen if ein ander Kuffzug in ſchwarhem Gammet, mit fübern ſtrichen Tommen, melde ſich auf Ringrennen wol verftanden bnd geübet. R. 20,

Bum dritten fam auff der Spree herauff ein wolgerüftes Schiff, mit drey Mabbäumen, R. 21. alles rot vnd weiß

jemalet, barinn ein Tiebliche und {höne YRufica war von Herren und Cbeleuten. &o bald die an bie Brüden tommen, Tiefien ein herrlich Seioriverd, and) etliche grofie (äläge, ald buppel Galdnetlein abgeen, giengen darnad) zu Land_rot Und weih geteibe, gagen mit grofee Beriigtet,auf, enneten nac dem Ringlein, un {o Bald fe baß getroffen, war, bem Stüfmenn cin Beiden geacden, dab er ein groß Grid Ioß gebrennet. Im megtahren Tiefen fie au efih« Greisdenitüß vn Games abgehen. N. 22. BE. un Brcbten 309 ener Im getit eineb Mofsomitterb auf bie Bahn, ber ich au im Bingrennen mof aebrauät, 8,3 um fünfften Tamı eine Parten in grün gefleibet fampt einem Poftbotten auff bie Bahn, weldher, fo bad fein Kerr getroffen, jein Dorn gar lächerlich geblaen.

'Der Sedhfte Auflpug war in grün Ganmet, mit Gllber verbremet, ftattridh geffeibet,

Die im fiebenden Muffzug waren in Löftlich graw Gewvandt gefleidet, und mit hübfden Wücien, graw Kranichefedern uff ihren Häupten und Bferden geseret. . .

‚Bum achten joge ein Bartey auff, in aller getallt wie bie Fiſcher gelleidet, in gram Gewand, Yiidieräfiiefiein, Tedern Schößtein, gramen Filheröhüten, barauff an flat der Webbern die Radeln, damit man bie fiicherägarn ftridet, dren Beine Sit ehe, Turge Stangen, welche fie gefüßret ald ein Regimentitab. or ihnen her ritten dren Jundern oder Einfpennigen in gleicher ‚Nienbung, welche an ftat der breuen Rennipeeren mit einer Siicherfröde unb ameen Rubereirmen dor ihnen geführet, baranfl rin

ander Haufl Bilcher geloige, weidhe_aierieg Bichergeräßte mi gieien Eiimmen gelungen, als fe auf den Zfurnierplab formen.

&8 zogen auc) siveen Orhfen auff einem Gchlitten einen Zilcer Rachen, darinn lebendige Fiſch vnnd ein Shiffnedt. welcher fih_geftellet als wann er ruderte. uff einem Ocfen jah ein Weib einer Bärorin gleich, welche die Ochien fort getrieben. Wornen auff dem Radpen ein Weertah an einer Ketten. Gind alfo in guter Ordnung, und mit grofem gelächter de Bolds uff bie Rennbahn tommen, vnnd etfid) gegen ben Dandinatoren gerennet, vnnd ais fie den Ring getroffen, damit fie denn etliche Gewinn Dauon gebradit, haben fie darauff nod) einen Werk, von bem vorigen Filherdlieh gelungen. u. 24

In dem neundten Aufzug waren Gegduden, ihre Gpieleut waren rot und weiß gekleibet, hatten che Qmüttel, pfeiffen und eine Meine Bauden, die man auff begden feyten (chläget. Baraufl_dren gefoget nad Vendutiicher art, in wei

etfeibet, fo bie Rennfpieß geführet. Item, drep Gerren in roten Cammet auff Hendudiiche wei gefleidet, tele fi auch im ingrenhen wol gehalten. I nur it bien bet Abend mit ingfallen, hat man van hen Kingtennen äbgeiaffn, mund find

alle obgemetbte Partenen, jo nod) vor! gewefen, in guter Orbmung aljo Bermumbt wiberumb abgezogen, dund_ bat jeder

feinen Binz dor Jüm getragen, au fet Find auch Die Manbinatoreb in ser Debmung, wie Te aufgeogen, mi ben Ratten oinmen gefolget. Rum. 25. .

Tun 14° 1ap Ghrftmenats warb nichts ſondertiches außgericte, denn dak man einem Jundern, zu dof auf dem Echlon Hochzeit vnd Beylager gehalten.

(Aus Jac. Francus »Historicae relatisnis continuatio 1593*. fol, go melo

Aufzüge und Ringrennen gelegentlich des am 20. Nov. 1592 geborenen Sohnes des Kurfürften Johann Georg um U

Originaltadierung in ber Urt des Philipp Uffendad;, auf %/s/verfleinert,, Räpereh über) viefe Altefte ! Rad einem Eremplar im Befipe Berner, Geſch. des Preuß. Staates u)

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Der „Berliner Unwille“ 65

treibung alle Adels”, war bie Politif der Städte im ganzen Deutſchland ge- richtet, und in erfter Linie zählte ja der Landesherr zur Nobilität. Dieſen möglicäft bei Seite zu ſchieben, fi unabhängig und auf Koften des Landes felbft zu einem eigenen Heinen Staatsweſen zu machen, bildete fortgefeßt das Ideal der ftädtiichen Politik. Ein Landesftaat aber, der alle Intereffen des Landes umfaſſen follte, konnte ſelbſtverſtändlich ſolche Bildungen, die das Gedeihen des Ganzen ſchädigten umd oft genug wilde Empörungen des ge: meinen Mannes gegen ben regierenden Rat hervorriefen, nicht dulden.

Eine ſolche Empörung brad nun in den, zwar zu einem Gemeinwejen geeinten aber auf einander eiferfüchtigen, Städten Verlin-Kölln aus. Aber, und das ift das Bezeichnende, die „Viergewerfe und die Gemeinde” wandten fich an den Kurfürften um Hilfe gegen ben Rat über „ungewohnte Beſchwerung, die ihr geſchehe“. Alſo der gemeine Bürger wußte, daß Abhilfe feiner traurigen Lage nur beim Landesherrn zu finden fei. Und joweit war befien Anſehen auch ſchon befeftigt, daß felbft der Rat, der ſonſt dem Fürften jeden Eingriff in die ſtädtiſche Selbftregierung verjagte, auch feinerjeitd die Vermitt- lung des Fürften anrief, „die Gemeinheit zum Gehorjam gegen den Rat zu zwingen”. Der Kurfürft vertröftete beide Parteien mit guten Worten bis zu feiner Ankunft und gab, nachdem diefelbe erfolgt war und vielerlei Verhand- Inmgen ftattgefunden Hatten, den, num wieder getrennten, Städten eine ganz nene Verfaffung, die bei aller Wahrung kommunaler Selbftändigfeit doch meh- vere ber ftaatlichen Hoheitsrechte dem Landesheren wieber zuficherte. Außer dem mußten die Städte Land hergeben, auf welchem der Kurfürft ein Schloß zu bauen anfing, von dem jeder wußte, daß e3 den Mutwillen der Bürger ıu2 brechen und biejelben im Zaum halten follte. Aber wie wenig waren doch die Geichlechter in der Stadt gewillt, auf den erften Wurf Hin ihre troßige Selbſtherrlichleit aufzugeben! Überall vielmehr, „binnen und außer Landes bei Fürften, Herren, Mannen und Städten”, fuchten fie Bündniffe gegen den Landesherrn abzuſchließen, warfen ber fürftlichen Burg gegenüber Befeftigun. gen auf. Friedrich aber, ftatt mit Gewalt gegen die Aufſtändiſchen einzu. ſchreiten, erbot ſich zum Schiebögericht, forderte, als Berlin dies ablehnte, die Stadt zu „Gleih und Recht“, ja fogar, als Berlin daraufgin den kurfürſt lichen Richter gefangen ſetzte, die Kanzlei des Kurfürften ftürmte und dieſem jelbft die Thore der Stadt fperrte, zögerte Friedrich noch mit gewaltfamen Mitteln, ſchlug friedliche Verhandlungen durch andere Städte vor. Erſt als Berlin auch diefe abſchlug, glaubte Friedrich, alle friedlichen Mitten erſchöpft zu haben und bejegte einige Stadtbörfer. Und, merkwürdig genug, fo trogig Berlin alle Mittel des Friedens von fich gewieſen Hatte, fo ſchnell ſchwand der Mut vor bem Erſcheinen des kriegeriſch gerüſteten Markgrafen. Denn ſobald ber Markgraf vor den Thoren der Stadt erichien, gaben die Ratmannen nad) und erflärten nunmehr fi dem Spruche der Stände fügen zu wollen. Selbſt jet noch wünfchte Friedrich nämlich nicht von feiner Macht Gebrauch zu machen, fonbern verlangte den rechtlichen Ausſpruch der Stände, „damit ein

Berner, Geld). des Pr. Staates. 5

66 Innere Entwidelung

Seglicher erfennen möge, wie gar gütig, rechtlich und aufrichtig wir Uns gegen die Unfren in Köln und Berlin gehalten, und anders nicht als Recht begehrt

aus und gejprochen Haben”. Und wenn Friedrich ſich mit der Ausmweijung ber Nädelsführer ald einziger Strafe des Aufitandes begnügte, der Stadk dagegen die 1442 gegebene Verfaſſung beließ und nur einige rein landesherrliche Rechte wieder an fi nahm, jo erfennt man deutlich die Richtſchnur des Kur- fürften. Es Handelte fih nur darım, die Übermacht der Patrizier zu brechen, aber gewiß nicht in das materielle Emporblühen der Städte einzugreifen. Den Städten denn in Berlin war der felbftherrliche Dünkel aller Städte ge- brochen war die Stelle im Staat angemwiejen, in der fie dem ganzen Lande Nugen und Segen bringen follten und fonnten.

Leichter noch als die Städte wußte Friedrich auch die Biſchöfe in den ftaatlichen Organismus einzugliedern, und in dem Geifte aufrichtiger Frömmig- teit, der Friebric) bejeelte, gründete der Kurfürft für den Adel den Schwanen- orben, der das Bekenntnis der chriftlihen Wahrheit durch die That fein und ein Vorbild wahrhaft adeligen Wejend und Lebens abgeben ſollte. Wenn fpäter diefem Orben die Stiftung einer Brüderſchaft für das Bürgertum folgte, eine ftrengere Sonntagaheiligung befohlen wurde, jo fieht man, wie Fried⸗ ri bemüht war, fittliche Anſchauungen in der ganzen Bevölkerung wieber zu weden.

Aber in dem an bie Gutsherren gerichteten Verbot der Sonntagsarbeit Tag zugleich die Fürſorge für den gemeinen Mann auf dem Lande, der die Arbeit zu verrichten Hatte, eine Fürforge, die Iebhafter no) in der Verordnung und entgegentritt, daß die Bauern „feinen andern Dienft oder fonft was thun follten, geben oder verpflichtet fein, ander3 als vor Alters gewejen und daneben mit nichts bei hwert werden in feinerlei Weile“. Wie der gemeine Mann in ben Stäbten vor dem Übermut der Geſchlechter, fo wurde auch der Bauer vor Übergriffen der Gutsherren durch den Kurfürften geſchützt.

Kurz, überall im Innern herrſchte bie lebendigſte Fürforge, die ſchärfſte Aufmerkſamkeit auf alles, was den Menſchen zu irdiihem Wohlbefinden, wie zu einem chriftlich ernften Leben Hinzuführen geeignet ift. Natürlich bedingte aber das Gedeihen auch möglichfte Sicherheit von Außen, und nicht nur dem Charakter de3 Kurfürften, ſondern auch dieſer Lage der Sache entſprach es, wenn Friedrich in der auswärtigen Politit vornehmlich den Frieden zu er— Halten juchte.

Freilich das war gerade die ihm eigentümliche Meinung, daß ihm, als „Ortsfürften an diejem Ende beuticher Lande gegen Polen und Preußen ge- ſeſſen, mehr zufallen müſſe“, aber das Motiv war ihm nicht ein ehrgeiziges Streben nach größerer politiicher Macht, ſondern feine Meinung ergab fih ihm aus ber Veftimmung ber Marken, „damit deutſchen Landen und dem Heiligen Neich nicht mehr an dieſem Ort zu fremden Zungen entzogen werde”. Die Streitigkeiten mit den benachbarten Fürften fuchte Friedrih durch Nachgiebig- keit zu beendigen, und namentlich Meklenburg und Pommern gegenüber begnügte

67

Bürgerliches Leben im Mittelalter. Aus dem „ittelalterfichen Hausbud”. Wilderfanbicheift des 15. Jahrhunderis im Germanifchen Rationafmufeum zu Rürnberg. Unterer Zeil des Blanetenbilbes Merkur mit den unter feinem Einfluß ftehenben Gewerben. Auf 6/7 verfleinert.

Zins uuten ein Golbfhmied, Darüber ein Behrer einen Equitaaban zäctigend, daraber ein Uhrmacher; tequts Davon ein Ergel- Bauer, meiter redtß ein Maler, basunter ein junges Weib mit Beiaßrtem Ehemann beim Mahle einem jungen Bildhauer unter Broteft deb Manneb Wein reichend.

5.

68 Auswärtige Politik

er ſich ftatt der bisher behaupteten lehensherrlichen Anjprüche mit der Zuficder rung des Nacjfolgerecht3 nach dem Ausſterben der Herzöge von Meflenburg und der von Pommern-Stettin.

Schärfer aber noch tritt diefe Friedenzliebe uns entgegen in der Richtung, die Friedrich in der allgemeinen großen Politik des Reichs einnahm. Die Leiden- ſchaſt und Heftigkeit, mit der die ſlaviſche Welt zur Zeit feines Vaters dem deutjchen Wejen gegenüber getreten war, änderte fich zwar während der Regierung Friedrichs II. in ein Fühl berechnendes, aber darum nur um fo gefähr- licheres Vorgehen. Und fie nahm einen fo allgemeinen Charakter an, daß fie der Zeit überhaupt das Gepräge geben follte. Um die Mitte bes Jahr: hunderts war nämlid bie Zerrättung des beutjchen Drbeng eine fo tief gehende geworden, daß feine Auflöfung bevorzuftehen jchien, jhon boten ſogar Mannſchaft und Städte dem Könige von Polen an, ihm den Orbensftaat auszuliefern. Da fonnte e8 wohl an ber Zeit, konnte es als eine Er- füllung der Aufgabe der Mark erfcheinen, mit gewappneter Hand das „neue Deutſchland“, wie man es nannte, für Deutichland zurüczugewinnen. Der Kurfürft aber beſchied fich, im richtiger Würdigung der Verhältniffe das zu erreichen, was ohne Blutvergießen möglih war. Für 40,000 Gulden faufte er die von Kaifer Sigmund dem Orden verpfändete Neumark zurüd und rettete dadurch nicht allein dies Land für immer vor ber Gefahr, polonifiert zu werben, ſondern bewahrte zugleich der Mark den Frieden zu einer Zeit, wo Die Länder ringsum in Heftigem Kriegszuſtand waren, und, was mehr noch war, bewahrte zugleich die Mark ſelbſt vor dem Schidfal, unter flavifche Botmäßigfeit zu kommen. Denn eben die plante man da» mals in Polen fowohl wie auch in Böhmen, und in den furchtbaren DVer- widelungen, die der Tod des jungen Königs Ladislaus von Böhmen (1457) für lange Jahre hervorrief, erregte es gerabezu Bewunderung, daß es troß aller Einbußen, die Friedrich wie fein Bruder Markgraf Albrecht erlitt, gelang, aus dem Sciffbrud, den das Reich infolge der auffteigenden Macht des VBöhmen- Königs Georg Podiebrad entgegen trieb, im Frieden von

1462 Guben (1462) die Marken zu retten. Auf die jehnfüchtige Gier Böhmens, die Marken zu gewinnen, wies jet felbft der Papſt hin, als er feinerfeit3 dem Kurfürften die böhmifche Krone anbot. Friedrich aber Iehnte unter Buftim- mung ſeines Bruders Albrecht ein folches Angebot, welches Brandenburg wieber zu einem Teil Böhmens gemacht hätte, ab, gerade wie er ſchon 1446 dieſelbe böhmische und 1447 die polnische Krone zurüdgewiejen hatte. Aller dings mochte die Ablehnung ſolch ausfichtsreicher Anerbietungen den deutſchen Zürften damals unverftändlih fein, aber man fieht auch barin, wieweit voraus die Hohenzollern vor andren Fürftenhäufern waren, wenn fie immer wieber den eigenen Vorteil ihres Hauſes dem des Staates und den beutichen Intereffen opferten.

Aber gerade durch das Hinzuthun des deutſchen Kaiſers follte nun Die ſlaviſche Bewegung doch noch eine Geftalt befommen, die, indem fie bie

Auswärtige Politik 69

ſlaviſchen Stämme wieder zufammenführte, zumächft wieder Brandenburg be- drohte. Inzwifchen waren nämlich die Herzoge von PBommern-Stettin ausge: ftorben (1464), und ber Herzog von Pommern-Wolgaft Hatte fi, ungeachtet 1164 der brandenbur- giſchen Erbver⸗ träge, in den Befig des Lar- des gelegt. Die- fer aber trug nunmehr, unter Betonung feines ſlaviſchen Blu tes dem Könige Rafimir von Bolen, der in- zwilchen in Preußen völlig Herr über ben Orden geworden und das Land, {eibft fprachlich, ilavifiert hatte, feine Länder zu Lehen auf. Da aber auch bie Hanja jeinem Unternefmen bie Hilfteihe Hand bot, fo ſchien in der That, wie Frieb- rich es aus: drůckte, „der ganze Seeſtrand ſchier zu Grabe

mitt be en Goaſtmahl eines Fürften im 15. Jahrh. je. DEM Holghuitt nad) Beiinung von Michel Wolgemut (1484-1619) aub dem „Fchatzsepelter auch das Reich?» @ber fdhrein ber Waren reicptilmer def Heiif”.

oberhaupt, ob» Mürnberg, Anton Roberger 1491.

wohl dem brandenburgiichen Rechte anfangs geneigt, überjah im Born darüber, daß Friedrich und Albrecht nicht, wie der Kaifer wünſchte, mit Macht ‘gegen Böhmen vorgingen, fowohl die Vorteile, die deren freundliches Berhalten gegen Georg Pobiebrad für Deutſchland bot, fondern au das

70 Tod Friedrichs IL

deutſche Interefe an ber Seeküſte. Der Kaifer vernichtete den zu Soldin mit feiner eigenen Buftimmung zwiſchen Brandenburg und Pommern vorläufig geſchloſſenen Vergleich, unterftügte und ermunterte den Herzog von Wolgaft. Ia, indem er den König Mathias von Ungarn zum Kampfe gegen Podiebrad aufreizte, trieb er auch diefen zum Bunde mit Polen. Friedrich mußte daher ſchließlich nicht nur troß aller diplomatiſchen Verhandlungen fein gutes Recht über Pommern der Entſcheidung des Polenkönigs anheimftellen, fondern zu allen Heftigen Wirren, unter denen das Reich Franfte, trat wieder eine ſla⸗ viſche Kombination, die Polen, Ungarn und Böhmen denn aud) bie beiden legten näherten ſich in Unheil verkündender Weife umfaßte.

Aufs Tieffte gebeugt durch fo ſchwere Verhältniffe legte Friedrich, deſſen kluges Verhalten doc feines ſcharfſichtigen Bruders Albrecht „Gefallen von Anfang, Mittel und Ende” gefunden Hatte, die Regierung nieder, im ber Hoffnung, daß fein Bruder denn Söhne hinterließ er nicht Mittel und Wege finden werde, aus diefem Labyrinth die Marken herauszuführen. Nur wenige Monate noch waren ihm felbft beſchieden, am 10. Februar 1471 ift Friedrich IL. im Klofter Heilsbronn verftorben.

Totenſchild Friedrich II. mit der Kette des Schwanenordens. In der Manſtertirche zu Heifäbronn 1. 3. 1471 aufgepängt.

6) Rurfürft Albrecht. 1470—1486

ur die Hälfte der fränfifchen Beſitzungen, das Heine Marfgrafentum Ansbach, Hatte Albrecht beim Tobe feines Vaters geerbt, aber die ganz außergewöhnliche Tüchtigkeit, die ihn auszeichnete, und die er, in den verwideltften Lagen und im Mittelpunkt des politiichen Getriebes ftehend, ſtets aufs glänzendfte bewährt, hatte es dahin gebracht, daß er längft und unbeftritten ala das Haupt des deutſchen Fürftenftandes, die Bierde der Nitterjchaft galt. Haus „Eofenfpegel” Drud von Joach Die Nebel, die hei der Entjagung des Kurs uetiel, Stendal 1428. Brühefer Drud fürften Friedrich II. den politifchen Himmel Bran- denburgs verfinfterten, teilten ſich allmälig, denn durch die ſchnellen Fortſchritte und Rückſichtsloſigkeiten des Ungarn-Königs, ſowie durch den, von Georg Podiebrad ausgeſonnenen und von den deutſchen Fürſten aufgenommenen, Plan der Abſetzung des „unnützen Kaiſers“ und der Wahl Herzogs Karl des Kühnen von Burgund zum deutſchen König ward der Kaiſer fo Hart bedrängt, daß er auf den Kurfürſten Albrecht wieder angewieſen war. In der That rettete diefer dem Kaifer die Krone und führte die Dinge zu jenem glanzvolliten Reichstag der Regierung Kaifer Friedrichs III. zu Regensburg (1471). Wenn aud) die Reform des Reiches, für die Albrecht wie fein Vater alle 1471 Thätigkeit einjegte, nicht gelang, jo durfte Albrecht doc auf einen Gewinn hoffen. Als nämlich nad dem Tode König Georg Podiebrads (22. März 1471) der polniſche Prinz Wladislaus zum König von Böhmen gewählt worden, entbrannte zwißchen diefem und König Mathias von Ungarn, den die tatholiichen Stände Böhmens zum König wünfchten, ein heftiger Kampf, in- folge deſſen das Intereffe Polen an dem pommerfchen Exbfolgeftreit erheblich abnahm. So entichieb denn aud der Kaifer jetzt gegen die pommerjchen Her- zoge, und dieſe ſchienen fi zu fügen. Im Vertrage von Prenzlau (31. Mai m 1472) erfannten fie die brandenburgifche Lehenshoheit an und geftanden bie Erbhuldigung wie den Beſitz mehrerer Ortihaften an Brandenburg zu. Doch in ber That dachte weber Herzog Wladislaus, noch dachten die pommerſchen Städte daran, dieſen Frieden nun auch zu halten; vielmehr drohte dieſer pom- merſche Streit eine Wendung zu nehmen, die die Herrichaft der Hohenzollern in ber Mark überhaupt in Frage ftellte.

72 Krieg mit Pommern

Zunãchſt erhob fich der Feind im Innern: die Stäbte verfagten dem Landesfürften die erforderlichen Mittel, ja neigten fi) jogar den Pommern zu. Um die Schuldenlaft zu befeitigen, ſchlug der Kurfürſt auf dem erften Herren»

untage, den er in ber Mark hielt (Januar 1471) eine Steuer auf Bier und Wein für vier Jahre vor. Doc die Städte verweigerten eine folde in- direfte, Ungeld genannte, Steuer, die bie Ianbesfürftliche Macht ftärten und fie finanziell unabhängiger machen mußte. Und Albrecht verzichtete trotz der, 1456 dem Landesherrn ausbrüdlich gegebenen, Taiferlichen Erlaubnis auf feinen Vorſchlag, überließ den Ständen ganz die Art, wie fie ihren Anteil an der Dedung der Schuld aufbringen wollten und übernahm felbft den drittes Teil derjelben, die er auf eine dem Lande möglichft bequeme Weife einziehen werbe. Aber wie war man entjegt, als der Kurfürft nad bem, ihm vom Kaifer felbft gegebenen Recht zur Bezahlung jener Summe einen neuen Zoll einführen zu wollen erflärtel Indeſſen entſchied ein ſtändiſches, auch von bem Städten bejettes, Schiebögericht völlig zu Gunften des Landesherrn, und dei Kaiſer beftätigte Dies Urteil. Mit diefer rechtlichen Anerfennung des Prin zips begnügte ſich Albrecht und unterließ es demſelben Nachdruck zu geb erreichte aber dadurch nur, daß der doch nicht unterdrückte Widerwille, doch ungebeugte Ungehorſam der Städte den Angriffen der Pommern im ſelbſt Förderung gewähren konnte.

Ein zweiter Umſtand, wodurch die pommerſche Gefahr einen fo bedenl lichen Charakter annahm, Tag wieder in ihrer Beziehung zur ſlaviſchen X wegung und in ben genaueren Verhältniffen, in die Albrecht durch feine Iaı jährige Unterftügung der böhmiſch⸗ungariſchen Politik bes Kaiſers zu b Wirren in Polen, Böhmen und Ungarn getreten war. Infolge diejes Halten am Kaiſer Hatte Albrecht nämlich Wratislav al3 König von Böhm anerfannt und war den, auf die böhmifche Krone gerichteten, Beſtrebungen de Königs Mathias von Ungarn entgegen getreten. Der hierdurch entftan! Gegenſatz zwilchen beiden Fürſten erhielt aber eine beſondere Schärfe noch, der Schwiegerjohn Albrecht, Herzog Heinrich von Glogau, ftarb, und deſſe Land vertragsmäßig von Albrecht für feine verwitwete Tochter Barbara ü Anſpruch genommen wurde, gleichzeitig jedoch ein Verwandter des verftorbene: Herzogs, Johann von Sagan, ber wilde Hans genannt, das Herzogtum ir Befih zu nehmen ſuchte. Denn mit diefem Herzog Hans trat num der Könii Mathias in Verbindung und veranlaßte denfelben eine gleiche Verbindung mi den pommerjchen Herzogen zu fuchen. So geftaltete ſich denn ein gemei fames Vorgehen ber Feinde der Marf von Pommern bis nad) Ungarn hi und bald unterlag es auch feinem Zweifel mehr, daß felbft Sachſen ſich Mathias anſchließen werde, daß auch der deutſche Orden nur deshalb wie! Anſprüche auf die Nenmeri zu erheben wagte, weil er in Mathias feinen Ged noſſen erblidte: eine Verbindung, die mit der Einnahme Schlefiend durch Mathias ihre volle Bedeutung erhielt.

Hinzu kam endlich, daß Albrecht, durch die burgundiſchen Pläne des

72

Krieg mit Pommern

Kurfürft Albrecht Achilles.

Nah) dem RKupferfich von Dominicus Auſtoa in Gcrend v. Rodings »Augustisimorum imperatorum, renissimorum regum atque archiducum, illustrissimorum priacipum etc. etc. verissimae imagines«. Innsbrud. 1601.

Lob Remensjeifimile nad) einem Original () des a. Br. Geh. Gtoatbarchloß zu Berlin.

73

74 Krieg mit Pommern, Sagan und Ungarn

Kaiſers Iebhaft beunruhigt, an dem, in Berfolg derjelben an Deutichlands

175 Weitfeite ausbrechenden, Kriege teilnehmen und denfelben in einen trieben auslaufen Iafien mußte, der nur das habsburgiſche Hausinterefie wahrte und mit der Verleugnung jedes nationalen Gebanfens gerade Albrecht3 Anfehen im Reich ftark verringerte.

Gleichwohl ging Albrecht auf die ihm wiederholt gemachten Anerbietungen bes Königs Mathias, in ein Bündnis mit ihm zu treten, nicht ein. Es ſchien zwar bie ficherfte Hilfe gegen bie ringsum anftürmenden Feinde barin zu liegen, wenn man ben mächtigſten berjelben zu ſich Herüberzog; aber ohne Zweifel wäre Mathias infolge eines folhen Bundes in Ofterreich, wo Kaifer Friedrich Herrihaft ohnehin ſchwankte, eingebroden, und die öſtlichen Mächte hätten, um die Mark Öfterreich verftärkt, nur um fo fchneller die Herrſchaft über Deutjchland gewonnen. Das nationale deutſche Intereffe wog bei A: brecht ſtärker als augenblickliche Hilfe aus noch fo dringender, eigener Not, denn er erkannte, daß das Intereſſe ſterreichs wie der Mark dasſelbe ſei, daß beide zufammen die Schugwälle Deutſchlands gegen die Slaven bilden mußten.

Inzwiſchen war aber ber Kampf ausgebrochen, und Markgraf Johann, der ihn einftweilen beftehen follte, war arg ins Gebränge gekommen, und nur mühſam hielt er Hin und her verhandelnd die fiegreich vorgehenden Feinde Hin, bis endlich der alte Achill ſelbſt wieber erichien, denn ſchon ſah er deut⸗ lich, daß man ihn „zu nichte machen wolle”. Aber gerade Hier wieber be währte der Markgraf feinen alten Ruhm: je größer die Zahl feiner Feinde, um fo waffenfreudiger nur, um fo umfichtiger nur ericheint er in der Zurüftung zum Kampfe, wie in der glanzvollen Ausführung des Krieges. Und zugleich zeigt ſich hier mit vollſter Mlarheit die unbedingte Herrichaft des Landesherrn. Auf einem Herrentage zu Kölln an der Spree wurde bie allgemeine Rüftung des Landes beichloffen, und alle Stände, Nitter, Biſchöfe und Städte mußten ſich jegt in Gehorfam dem Landesheren unterordnen, die geforderten Mann: ſchaften ftellen. 20,000 Mann, fo giebt ein gleichzeitiger Anfchlag an, waren beifammen, ein Heer, wie e3 die Mark kaum gejehen, und unter dieſem die nötige Anzahl von Gefchügen, die die Städte zu ftellen hatten.

1078 Von der Neumark her warf fich Albrecht auf Herzog Bogislav von Pommern, verjagte ihn aus den eingenommenen Städten, eroberte die feften Plätze und zwang ihn zur Unterwerfung. Demnächſt rüdte er gegen Herzog Wratislaw über die Randow, nahm Vierraden und nötigte auch Wratislam zu einem „fteten chriftlichen Frieden“ bis zum nächiten Jahr. Doch beließ Albrecht, wieder feine politiihe Umficht bethätigend, Garz den Pommern. Denn ſchon rüdte Hans von Sagan vor Krofien, erflärte Mathias, nun auch mit Böhmen verftändigt, an Brandenburg den Krieg und ließ 9000 Mann Ungarn heranrücken. Mit feiner ganzen Macht wandte ſich Albrecht gegen Hans, ſchlug ihm volftändig, rieb auch die ungarischen Scharen völlig auf. Doch troß diefer Siege wurde die Haltung des Königs Mathias immer bedroh-

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76 Friedensſchlüſſe mit Pommern, Ungarn ımd Sagan

licher, und vor der gewaltigen Macht besfelben, die den Kaiſer gebeugt, der Frankreich, die Eidgenoffen in der Schweiz, die Kurie, ja viele Fürften in Deutſchland ſelbſt zujubelten, fchienen Albrecht? Erfolge nur augenblidliche, deren Aufrehthaltung wenigftens noch Ströme Blutes Toften würden. Da ſchloſſen die Venetianer mit den Türken einen rieden, „bes ber Teufel Iachen

werde”. Dadurch) war Mathias genötigt, gegen bie Türken Front zu machen und mit Brandenburg folgeweife einen Vergleich abzufchließen. Für die Anſprüche der Tochter Albrechts, Barbara, auf Glogau follten 50,000 Dufaten gezahlt werben, bie herrſchende Stellung des Königs aber in Schlefien unangetaftet bleiben. Die Pommern waren fchon vorher beim Beginn ber Annäherung zwiſchen Mathias und Albrecht zu einem feften Frieden genötigt worden, der ihnen zwar Garz wieder überließ, aber die übrigen Schlöffer und Städte der Mark zujprad und vor allem die brandenburgiiche Lehenshoheit über Bommern anerkannte.

Diefe Erfolge Albrecht Hatten im Reich die mächtigfte Wirkung, und mit um fo größerem Eifer fonnte ſich nun Albrecht den Bemühungen Hingeben, eine Reichshilfe gegen die Türken ins Werk zu fegen. Er felbft ftellte regelmäßig

10 fein Kontingent, trieb auch die auf dem Nürnberger Reichstag, wo er wieder als „ber Fürften Haupt” erſchien, bewilligte Kriegäftener jogar von den Geift- lichen ein, worüber ihn allerdings ber päpftliche Bannftrahl traf, der ihn indeſſen nicht tief befümmerte. Und wenn ſich die Reichshilfe nicht nur gegen die Zürfen, ſondern gegen Mathias ſelbſt richtete, fo konnte ihm dies nur erwünscht fein, denn jede etwaige Niederlage des Königs Mathias in ſterreich ver- ringerte dieſem die Möglichkeit im Norden gegen die Mark vorzugehen. Umfo- weniger war baher der Kurfürft damit einverftanden, daß fein Sohn, Mark- graf Johann, mit Herzog Hans von Sagan einen Vergleich ſchloß (September

14821482), der der Mark ftatt des glogauer Herzogtums nur Krofjen, Züllichau und Schwiebus überwies. Uber der erfolglos fortichreitende Kampf bes Kaiſers ließ es doch auch dem alten Kurfürften zulegt rätlich erjcheinen, auf dieje Bedingungen hin fich zu verftändigen.

Mit diefem Abkommen war die Mark im Wefentlichen aus dem Chaos, in das die emporjchwellende Macht des Oſtens Deutſchland zu ftürzen ſchien, ger