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Allgemeine Gartenzeitung,
u“ Herausgegeben . vom L Ä Professor Dr. Karl Koch, Generalsekreiair des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königl. Preuss. Staaten.
Berlin, 1857. Verlag der Nauck’schen Buchhandlung.
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No. 1.
Preis ıles Jahrgangs von 52 Nummern nit 12 color. Abbildungen 6 Thlr., ofine dieselben "5.
Durch alle Postänter des deutsch-öster- reichischen Postvereins sowie auch durch den Buchhandel ohne Preiserhöhung zu beziehen.
Sonnabend, den 3. Januar.
BERLINER
1557
Mit directer Post
- übernimmt die Verlagshandlung die Ver-
sendung unter Kreuzband gegen Vergütung von 25 Sgr. für Belgien, von 1 Thlr. 9 Sgr. für England, von 1Thilr. 22Sgr. für Frankreich.
Allemeine Gartenzeilung,
Herausgegeben
vom
Professor Dr. Karl Koch.
General-Secretair des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den König}. Preussischen Staaten.
Inhalt: Die in den Gärten kultivirten Petola-Arten und Sammetblätter (Anecochilus und Physurus). von Karl Koch und Lauche. — Der Verein zur Belörderung des Gartenbaues in den Königl. Preussischen Staaten zu Berlin. — Lepachys colum- naris T. et Gr. 5 pulcherrima (Obeliscaria pulcherrima Cass., Ratibidia columnaris Sweet, Rudbeckia Drummondii Paxt.)
Die 1 in Gärten kultivirten Petola-Arten und Sammetblätter.
(Aneecochilus und Physurus.)
Von Karl Koch und Lauche, Obergärtner im Augustin- schen Garten bei Potsdam.
Auf hohen Bergen, besonders der Insel Amboina. die von den Molukken die Gewürznelken liefert. aber auch auf dem ostindischen Festlande, wächst im Schatten grosser, einzeln stehender Bäume und in der Regel von einer feuchten und nebeligen Atmosphäre umgeben. ein Pflänzchen, zwar klein und unscheinlich, aber mit einer Farbenpracht auf den Blättern, wie man sie sonst kaum bei Pflanzen findet. Die Eingebornen nennen es Petola, was sonst ein mit Far- ben reich geziertes seidenes Gewand bedeutet. Dieses Pilänzchen haben in der neueren Zeit Reisende der Hei- math entführt und wird nun in Gewächshäusern Europa’s wieder von jedem Gärtner, der so glücklich ist, das theure Kleinod sich verschaflen zu können, sorgsam gehegt und gepflegt, denn es ist sein Stolz. Seitdem haben sich noch ähnliche Pflänzchen gefunden und Prof. Blume in Leiden hat zuerst ihnen allen im Systeme den griechischen Namen Anecochilus (nicht Anoectochilus) gegeben.
Das Pflanzenreich besitzt wohl kaum noch eine Fa- milie, wo die hätie. sich so im Hervorrufen sonderbarer Formen gefallen Natur wie bei den Orchideen. Man darf sich deshalb nicht wundern, dass, obwohl seit längerer Zeit
schon einzeine Liebhaber sich ganz besonders mit der Kul- tur der Orchideen beschäfligten, in der neuesten Zeit die Liebe zu ihnen so zugenommen hat. dass es jetzt, und zwar nicht allein in England, Private giebt, die nur Or- chideen in ihren Gewächshäusern haben wollen; ihre Zucht gehört nicht mehr botanischen Gärten allein an, sondern ist Gemeingut geworden. Grosse Herren entsenden sogar nach dem tropischen Amerika und nach Ostindien ihre Gärtner aus. nur um Ürchideen zu sammeln.
In der Regel sind es jedoch die schönen, in ihren Formen häufig Insekten nachahmenden Blumen, — wir erinnern an unsere einheimischen Ophrys-Arten und an das Geschlecht Phalaenopsis — welche unser Wohlgefallen und unsere Bewunderung im hohen Grade in Anspruch nehmen. Viele Arten duften ausserdem noch weit hin. Sonderbar ist es nun, dass wieder eine Anzahl von Orchi- deen klein und niedlich bleiben, auch unansehnliche Blumen von meist weisslicher oder röthlicher Farbe besitzen. dagegen eine Farpenbracht, namentlich auf der Oberfläche der Blätter, haben, welche an das Wunderbare gränzt.
grösstentheils Arten aus
Es sind dieses der Gruppe der Physurideen, die weniger als Epiphyten die Stämme der Urwaldbäume bewohnen, als dass sie vielmehr auf der Erde vorkommen.
Den Petolen ahnlich wachsen aber auch in den heissen Ländern der Neuen Welt, besonders in Brasilien, einige Or- chideen, deren Blätter ebenfalls den Sammetglanz mit bunter Nervatur und Aderung besitzen und die sich jenen unmittel- bar anschliessen. Sie gehören dem hauptsächlich in der
Neuen Welt wachsenden Genus Physurus an, ein wenig ästhetischer Name, der Blasenschwanz bedeutet und der blasen- oder spornförmigen Erweiterung der Lippenbasis entnommen ist. Wir haben: im Deutschen den
mehr bezeichnenden Namen ;,Sammetblatt“ gegeben. en Physurus-Arten, welche jetzt in den Gärten
gewiss
Aus- ser einig vorkommen, wollen wir auch noch auleine Pllanze Java’s, auf Pogonia diseolor Bl., aufmerksam machen, da auch hier die Färbung des Blattes eine seltsame und prächtige ist, und die Art sich ebenfalls in ihrer äussern Erscheinung den Petolen anschliesst.
Wir besitzen einen Repräsentanten der Physurideen in unseren nordischen Klimaten, welcher hier und da im Wäl- dern vorkommt, auch sonst eine ziemliche Verbreitung in der nördlichen gemässigten Zone besitzt. Es ist dieses Goodyera repens R. Br. Betrachtet man die Blätter die- ser einheimischen Pflanze etwas genauer, so findet man auch hier eine interressante Nervatur und Aderung, wie sonst keine andere Pflanze unseres Vaterlandes hat. Aber auch die Art und Weise des Vorkommens und ihres Wachs- thumes giebt uns einen Fingerzeig, wie wir die verwand- ten tropischen Arten in unsern Gewächshäusern zu be- handeln haben. |
Wer nur einmal eine Petola gesehen, hat gewiss, wenn er Blumen- und besonders Orchideenfreund ist, ein Ver- langen, ebenfalls, wenigstens ein Paar von diesen Pflänzchen in seinem Gewächshause zu besitzen. Leider sind die Pflanzen aber noch sehr theuer, scheinen auch zunächst noch gar nieht wohlfeiler werden zu wollen; nur wenige Private können sich deshalb die Freude ihres Besitzes machen und ein und mehre Pfnnd Sterling für ein kleines Pflänzchen ausgeben. Es kommt noch dazu, dass sie alle wegen ihrer schwierigen Kultur mit Recht etwas gefürchtet sind und in der That auch oft schon sehr bald in den Häusern wiederum zu Grunde gehen, nachdem man sie vielleicht erst für schweres Geld gekauft hatte. Mancher Pflanzenliebhaber verzichtete endlich, wenn auch ungern, auf das Vergnügen ihres Besitzes. Um diesen jedoch ebenfalls die Mögligkeit zu verschaflen. soll hier das Verfahren angegeben; werden, dessen man sich in dem Garten des Oberlandesgerichtsrathes Augustin an der Wildparkstation bei Potsdam mit Erfolg bedient; es wird uns freuen, wenn wir dadurch einer grösseren Ver- breitung der Petolen und der Sammetblätter Vorschub ge- leistet haben.
Unsere einheimische Goodyera repens giebt uns, wie schon gesagt, die ersten Winke. Diese wächst nämlich in schattigen Wäldern, hauptsächlich unter Moos und in einer erst kürzlich aus verwitterten Pflanzentheilen bestehenden
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und diese zum Theil noch garık enhaltenden Erde.
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häufigsten findet man sie au Felsspalten oder auch auf stei- nigem Unterboden, wo sich beständig Feuchtigkeit sammeln und in Gleiehmässigkeit erhalten kann. Deshalb fülle ich zunächst den Topi, worin ich eine Petole oder ein Sammet- blatt einsetzen will und der vorher recht rein gewaschen worden ist, bis über die Hälfte mit Scherben oder Brocken von recht porösem Torfe und bringe eine lockere Mischung von Torfmoos (Sphagnum), Torf, Topfscherben und Kohle darauf. Am’ besten thut man, wenn man den Topf in einen etwas ungefähr 2 Zoll mehr im Durchmesser enthaltenden grössern setzt und den Zwischenraum, so wie den Boden. wiederum mit Torfmoos ausfüllt. Nur dieser Zwischen- raum muss, aber stets mit Vorsicht, in so weit gegossen werden, dass der Inhalt nicht allein feucht ist. sondern auch Feuchtigkeit an den Topf abgeben kann. Gespritzt darf nie werden. Auf die Oberfläche des innern Topfes, der die Pflanzen enthält, lege ich ebenfalls Torfmoos, aber nur die lebensfähigen Spitzen. Ich habe immer gefunden, dass diese weit besser die Feuchtigkeit erhalten, als nament- lich Selaginellen. Sie bleiben das ganze Jahr hindurch rün und überwuchern nie die Pflanze, welche doch immer Darüber setzt man nun eine Glasglocke. Da nie flüssiges Wasser auf
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5 im Topfe die Hauptsache ist und bleiben muss.
ein Blatt kommen darf, — denn wie dieses geschieht, bilden sich auf der Stelle, wo der Tropfen sitzt, Flecken, meist von scharlachrother Farbe, die immer grösser werden und zuletzt Löcher bilden, — muss man des Abends und des Mor-
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enen Schwamme abwischen und überhaupt bisweilen nachsehen, ob sich
nicht an der innern Wand der Glasglocke Wasser nieder-
gens das Innere der Glocke mit einem tro
geschlagen hat. Darin versehen es, meines Erachtens nach, die meisten Gärtner. Ist einmal ein Loch vorhanden, so frisst es immer weiter und das theure Pflänzchen geht zu Grunde.
Obwohl Erdpflanzen, so verhalten sich die Sammetblät- ter und Petolen doch mehr den auf Bäumen wachsenden, also epiphytischen, Orchideen ähnlieh. Sie bedürfen daher eine Zeit der Ruhe mit geringerer Temperatur und auchmit weni- ger Feuchtigkeit; man hat deshalb grade im Winter darauf zu achten, dass ihr diese Erfordernisse, nämlich 12 Grad, ge- boten werden. Im Sommer hingegen, also in der Periodeihres Wachsthums giebt man ihnen aber eine erhöhte Wärme (18 bis 20 Grad) und mehr Feuchtigkeit, schützt sie jedoch stets gegen die direkte Sonne. Viele verschen es dadurch. dass sie die Pflanzen im Winter warm stellen und fortwachsen lassen. Diese treiben dann allerdings weit mehr als im Sommer. spindeln sogar und gehen oft schon im Frühlinge zu Grunde.
Sollten sich die Anfänge von Blüthen zeigen, so thut man am bessten. diese abzusehneiden,. um dureh das Blü-
hen nicht die ganze Pflanze zu schwächen. Man erhält dureh dieses Verfahren dann auch Gelegenheit, sich neue Pflänzehen heran zu ziehen, indem sich nämlich in den untern Blatiwin- keln und am Rhizome Knospen bilden, die sich schnell ver- grössern und alsbaldabgenonımen werden können. Man kann die Pflanze in iher Neubildung noch dadurch untersiützen. dass man sie dieht am Winkel eines Blattes halb durch- schneidet und ihr etwas Bodenwärme giebt. Viele glauben, dass die Petolen und Sammetblätter, weil sie aus heissen Klimaten stammen, überhaupt der Bodenwärme bedüriten: dasist aber durchaus nicht derFall. Giebt man sie ihnen doch, so ist die Folge, dass, in sofern sienicht an und für sich selbst schon spindeln sollten, sie wenigstens mehr in die Höhe wachsen und dadurch die Blätter zum Theil den herr- liehen Sammetglanz verlieren. Je gedrängter die Pflanze aber wächst und je näher die Blätter stehen, um desto hervortretender ist die Farbenpracht.
Die Zahl der bis jetzt in den Gärten kultivirten Pe- tolen und Sammetblätter, mit Einschluss der Pogonia disco- lor Bl., beträgt 11; davon besitzt die eine uns unbekannte Art nur Veitch in England und eine befindet sich nur, in der Linden’schen und Augustin’schen Gärtnerei zu Brüssel und Potsdam. Beide sind, wie die Pogonie, noch nieht im Handel. deu
Die beiden Genera Anecochilus Bl. und Physurus ©. L. Rich. stehen sich sehr nahe. Alle Arten bilden kurze, etwas fleischige und mehr oder weniger walzenförmige Wurzelstöcke (Rhizome), welche unten allmählig absterben, nach vorn aber weiter wachsen und daselbst auch neue Knospen bilden, die sich zu kurzen und einige Zoll hohen Stengeln mit wenigen (3- @) und abwechselnden Blättern erheben. Die letzteren stehen wagerecht ab, sind mehr oder weniger eiförmig. bisweilen auch mit herzförmiger Basis versehen und gewöhnlich spitz zulaufend. Ausgezeichnet ist, wie schon gesagt, ihre Oberfläche durch den sammetar- tigen, bisweilen metallischen Glanz und durch die verschie- den gefärbte Nervatur und Aderung. Ein Blattstiel ist stets vorhanden, wenn auch in der Regel nur kurz; seine un- tere. Hälfte umfasst den Stengel scheidenartig. Die Blü- then erscheinen in einer endständigen Aehre oder Traube, sind in der Regel unscheinlich und von weisser oder rötlı- licher Farbe. 5
Anecochilus und Physurus sind auch im Habitus ver- wandt; sie unterscheiden sich hauptsächlich durch das Va- terland und durch die Färbung der Blätter, indem die Arten des zuerst genannten Geschlechtes nur in Ostindien, mit Einschluss der Inseln, zu Hause sind und einen intensiveren Sammetglanz mit röthlich-goldgelber. sehr selten weisser Aderung haben, die von Physurus hingegen mit geringen Aus-
nalımen der Neuen Weit angehören und neben der freudig- grünen Färbung einen Silberglanz besitzen. Der Blüthen- bau ist bei beiden ebenfalls sehr ähnlich. Bei Anecochilus be- finden sich an der Basis des Stigma’s meist noch 2 sogenannte Schwielen, die bei Physurus fehlen. Dieser besitzt hinge- gen einen deutlichen Sporn, während die Arten von Ane- eochilus nur eine sackförmige Erweiterung haben. Bei beiden ist übrigens nach der Basis zu die Lippe mit einer stielförmigen Verschmälerung versehen und diese nur bei Aneeochilus am Rande gezähnt oder mit langen, bor- Der oberste Theil der Lippe, die Platte, ist bei Physurus ausgerandet und besitzt eine kurze Spitze, bei Aneeochilus aber ist sie tief zweitheilig.
stentörmigen Wimpern besetzt.
Dagegen hat wiederum A. Lowii Hort. weder die obengenann- ten Schwielen, noch die tief-zweitheilige Lippe. Deshalb bil- deie Morren ein neues Genus „„Dossinia“ daraus, Lindley hingegen vereinigte die Art, zumal die Pollinien zweitheilig. nicht zweilappig sind, mit Cheirostylis, einem Genus, was dureh die eigenthümliche, tief zweitheilige, oben gekerbte und horizontal abstehende Lippe leicht erkenntlich ist. Aber auch dieses Genus hält Blume selbst, der es bildete, für zu nahe verwandt mit Anecochilus.
1.Aneeochilus LowiiHort. (Cheirostylismarmorata Lindl., Dossinia marmorata Morr.) Diese schönste aller Petolen wurde von Low auf Java entdeckt und kam be- reits 1947 direkt an Verschaffelt, der sie zu Ehren ihres Entdeckers Anecochilus Lowii nannte und sie unter diesen Namen verbreitete. Zuerst untersucht wurde sie von dem Herausgeber und Gründer des Belgique horticole, dem Profes- sor Karl Morren zu Lüttich, und erhielt, da dieser eben die Pflanze für generisch verschieden glaubte, in Annales de Gand. Tom. IV. t. 195 den Namen Dossinia marmorata. zu Ehren des Nestors der belgischen Botaniker, Dossin, in Lüttich. Nach Lindiey (Flore des serres IV. t. 370) jedoch gehört sie, wie schon gesagt, zu Cheirostylis. So erhielt die Pflanze in kurzer Zeit 3 Namen. j
Ich will nun versuchen, die Schönheit der oberen Blattfläche zu schildern, wenn es mir auch nur wenig ge- lingen sollte. Die Abbildung in Flore des serres, sowie in den Annales de Gand bleibt hinter der Wirklichkeit zurück. Auf schönem und dunkel-sammetgrünem Untergrunde, wo aber bei ältern Blättern ein röthlicher Schimmer sich zeigt, zie- hen sich zunächst ein zwar ziemlich breiter, aber in der Kon- tur nicht bestimmter Mittelnerv von karmoisin-grüner Farbe und ausserdem auf jeder Seite und in ziemlich gleicher Entfernung 2 andere scharf gezeichnete Nerven von rein- karmoisiner Färbung von unten nach oben. Weit feiner und mehr ins Grüne spielend sieht man aber endlich zwischen dem Mittel- und dem ersten seitlichen Hauptnerven noch 2
feinere, einen dritten zwischen den beiden seitlichen Haupt- nerven selbst und einen vierten zwischen dem äussern der letztern und dem Rande. Demnach sind auf jeder Seite zu- sammen 6, im Ganzen aber 13 Längsnerven vorhanden. Zu dieser wunderschönen Zeiehnung konmt nun noch eine Aderung in Form von ziemlich breiten, unregelmässigen und zum Theil mit einander. aber stets mit den Längs- nerven in Verbindung stehenden Querlinien von smaragd- grüner Farbe und röthlichem Schimmer. Das ganze Blatt wird bis zu 2 Zoll lang. hingegen nur 1! Zoll breit und bildet eine Wölbung mit übergebogener Spitze und Basis.
2. Anecochilus intermedius Hort. Eine. soviel ich weiss, noch gar nicht beschriebene Art, welche erst seit wenigen Jahren sich in den Gärten befindet und ohne Zwei- fel ebenfalls von Java oder von einer anderen der grössern Sunda-Inseln stammt. Hinsichtlich ihrer Schönheit steht sie dem A. Lowii kaum nach, in der Grösse gleicht sie ihr voll- kommen. Die Blätter stehen zwar ebenfalls horizontal ab. sind aber nicht gewölbt. sondern flach. Die Grundfarbe ist in der Jugend ein eigenthümliches Schwarzgrün mit Sammetglanz. wo aber schon zeitig sich ein bräunlicher Schimmer zeigt. bis endlich ein dunkelgrün-brauner Grund sich durchaus geltend macht. Ausser der Mittelrippe durch- ziehen noch auf jeder Seite 3 rothe Längsnerven die Blatt- fläche; endlich zeigt sich aber in der obern Hälfte derselben und zwar auf beiden Seiten des ebenfalls rothen Mittelnervs ohngefähr 13 Linie breit noch eine mehr oder weniger abste- chende, spahngrüne Färbung. Anstatt der unregelmässigen und zum Theil verästelten Querstreifen ist hier ein in der Mitte engeres. nach der Basis hin aber weiteres Adernetz von ebenfalls rother Färbung vorhanden.
3. Anecochilus Roxburghii Lindl. (A. Lobbianus Planeh.. A. latomaculatus und xanthophyllus Hort., A. se- taceus pietus Hort.. Chrysobaphus Roxburghii Wall.) In der Regel wird diese Art mit der nächsten verwechselt. von der sie aber hinlänglich verschieden ist. Ob in der That A. Lobbianus und Chrysobaphus Roxburghii identisch sind, muss spätern Vergleichungen mit lebenden Pflanzen über- lassen bleiben. Wallich fand die letztere an den Bergen Nepal’s, beschrieb sie. gab ihr den Namen zu Ehren Rox- burgh’s, eines Mannes. der sich um die ostindische Flora sehr verdient gemacht hat, und bildete sie in seinem Ten- tamen florae nepalensis t. 27 ab. Ausserdem wächst diese oder eine sehr ähnliche Pflanze auf Amboina. in Silhet und überhaupt in den Gebirgen der ostindischen Halbinsel. so wie endlich auf Ceylon. insofern man sie nicht wiederum mit der nächsten Art verwechselt hat.
A. Lobbianus ist eine zwar ebenfalls reizende. aber
weniger brillante Art. Van Houtte erhielt sie im Jahre
1848 von Th. Lobb (einen von Low verschiedenen Reisenden ziemlich derselben Länder.) und bildete sie in der Flore des serres. Tom. V. tab. 519 ab. Ob sie ebenfalls von Java oder vielleicht auch von Singapur kam, weiss man nicht genau. Wahrscheinlich gelangte die Pflanze später direkt nach England und wurde daselbst unter dem Namen A. latomaculatus in den Gärten verbreitet. Das Blatt ist etwas kleiner. aber im Verhältuiss zur Breite län- ger als bei den beiden bis jetzt genannten Arten. Ausgezeich- net ist die Pflanze durch die zwiefache Grundfarbe, indem ein elliptisches und nach aussen durch einen schärfer hervortre- tenden Nerven abgegränztes Mittelfeld eine spahngrüne, das übrige Blatt aber auf beiden Seiten eine dunkelgrüne Sam- metfarbe besitzt. Das Mittelfeld ist ausserdem auf beiden Sei- ten des Mittelnervs von einem deutlichen und meist noch von? undeutlichen Längsnerven, so wie von einer ziemlich dichten Aderung.welche mit jenen eine fahl-rosenrotheFärbungbesitzt, durchzogen. Der auf beiden Seiten des Mittelfeldes liegende und ziemlich eben so breite Theil des Blattes wird end- lich in seiner Mitte ebenfalls von einem und gewöhnlich noch gegen Rand hin von einem zweiten, aber weniger deutlichen Nerven durchzogen, die beide, nebst den weit- läufigen und den gegen die des Mittelfeldes schwächeren Querbändern der Aderung. eine mehr goldgelbe Farbe, meist aber mit karmoisinrothem Anstriche besitzen.
4. Anecochilus setaceus Bl. (Aneeochilus aureus Hort.) Der Herzog von Northumberland bekam diese nicht minder schöne Art im Jahre 1836 von der Insel Ceylon und sein Gärtner brachte sie schon im näch- sten Jahre zur Blüthe. Ein Jahr darauf erhielt sie auch der Herzog von Devonshire, sowie der botanische Garten in Kew. Seitdem hat sie sich von allen Arten in den Gärten des Kontinentes am meisten verbreitet, bleibt aber wegen. ihrer schwierigen Kultur und noch schwieri- geren Vermehrung immer noch eine theure und selbst sel- tene Pflanze.
In Form und Grösse, in Nervatur und Aderung des Blat- tes steht diese Petole der A. Roxburghii Lindl. am näch- sten, unterscheidet sich aber hauptsächlich dadurch, dass nur eine Grundfarbe und zwar die dunkelgrün-braune vor- hauden ist. Ausser dem Mittelnerven durchziehen noch 2 Längsnerven von gelb-fleischfarbenem Ansehen jede Seite des Blattes. Dazu kommen aber ein schwacher, längs des Randes laufender Nerv und ein zweiter. so wie ein dritter auf beiden Seiten nahe der Mittelrippe. Die ziemlich breite Aderung ist diehter in der Mitte des Blattes bis zum ersten Nerven, schwächer von da nach dem Rande zu.
5. Anecochilus argyroneurus Nob. Diese Pflanze befindet sich unter dem falschen Namen A. Lobbianus in
einigen Gärten, ist aber eine ganz bestimmt verschiedene Art, der wir einstweilen diesen Namen gegeben haben, da sie uns noch nicht beschrieben zu sein seheint.
Die Blätter sind im Durchschnitte etwas kleiner und haben, wenigstensim ausgewachsenen Zustande, eine stumpfe Spitze. - Die Grundfarbe ist ein dunkeles Sammetgrün, auf dem ausser der Mittelrippe noch auf jeder Seite 4 undeut- liche. zum Theil unterbrochene Längsnerven von fast sil- beriger Färbung in der WVeise vertheilt sind, dass die 3 innern Nerven ohngefähr 2— 23 Linien von einander ent- fernt sind, während der vierte doppelt so weit von dem dritten die Fläche durchläuft und zum Theil gar nicht deutlich unterschieden werden kann. Die unregelmässigen Querstreifen sind ebenfalls wenig markirt und auch weit geringer an der Zahl als bei A. Lowii.
6. Aneceochilus striatus Hort. Soviel uns bekannt ist, hat die bereits in mehrern Gärten befindliche und von den übrigen Arten sehr abweichende Pflanze noch keine bo- tanische Beschreibung erhalten. Ob sie überhaupt zu Ane- cochilus gehört, wird sich erst herausstellen können, wenn sie in Blüthe untersucht ist Wir haben sie zuerst von Booth in Hamburg erhalten, der sie wiederum Rollisson verdankt.
Die Blätter sind sehr schmal (3—4 Linien breit), da- gegen bis 13 Zoll lang, und haben eine schmal-elliptische Gestalt. Sie stehen wagerecht ab, und besitzen einen Stiel, der den Stengel umfasst. Ausser dem Mittelnerven sind keine anderen, noch ist eine Aderung vorhanden. Die Farbe ist ein dunkeles Sammelgrün; aber ausserdem zieht sieh genau in der Mitte ein schmaler und schmutzig-rosen- rother Streifen von unten nach oben.
7. Physurus pietus Lindl. (Anecochilus pietus ar- genteus Hort., Physurus pietus reticularis Rehb. fil., Miero- ehilus pietus Morr.) Nach Morren befindet sich diese Art schon seit 1805 in den Gärten und stammt von der zu Bra- silien gehörigen Insel Trinidad. Es scheint jedoch, als wenn sie im Jahre 1843 von Neuem direkt aus Brasilien wiederum nach England gekommen wäre und von da weiter verbreitet wurde. Eine ziemlich gute Abbildung mit einer sorgfälti- gen Beschreivung hat Karl Morren in Annales de Gand Tom. I, t. 18 geliefert. Die Blätter haben ohngefähr 1} Zoll Länge, aber nur gegen 10 Linien Breite und besitzen eine länglich-lanzettförmige Gestalt. Ein an der Basis ziemlich breites Mittelfeld von grau-silberfarbenem Glanze verschmälert sich in lanzettförmiger Gestalt nach der Spitze zu. Ausser dem vertieften und glänzend-grünen Mittelner- ven ziehen sich auf jeder Seite ein oder zwei andere und ' sehwächere nach der Spitze. Zwischen dem Mittelfelde und dem Rande befindet sich endlich auf grünsammetfarbigem
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Grunde ausser 2 schwachen Nerven noch eine grau-silber- glänzende Aderung.
8 Physurus arge ntenus Hort. (Ph. pietus holargyrus Rehb. fil.). Wiederum, wie es scheint, eine noch unbeschrie- bene Pflanze, die häufig mit der vorigen verwechselt wird und nach Loudon schon gegen das Jahr 1843 in die Gärten kam. Sie möchte sich aber wesentlich unterscheiden. Die Blätter sind eirund-zugespitzt und haben meist eine herzförmige Ba- sis. Ihre Oberfläche besitzt eine gleichmässige sammetgrüne Färbung, die aber auf jeder Seite durch 4, bisweilen auch > silberglänzende Nerven, so wie durch eine ebenso gefärbte, aber nur aus unregelmässigen, nicht oder nur wenig ver- ästelten und ziemlich breiten Querbinden bestehende Ade- rung unterbrochen wird.
9. SpiranthesEldoradolnd.etRehb.f. Erst in letztem Frühjahre erhielt Linden diese eigenthümliche und von den beiden bekannten Arten durch ihre Zeichnung abweichende Pflanze aus Brasilien und überliess ein Exemplar dem Au- gustin’schen Garten. Um sie einstweilen zu benennen, haben wir sie zu Physurus gebracht; es wäre aber wohl möglich, dass sie später einem andern, aber gewiss nahe verwandten Geschlechte zugezähli werden müsste. Steht auch die Art den übrigen Sammetblättern und den Peto- len an Eleganz und Reichthum der Farben nach, so gehört sie doch ohne Zweifel zu den schönsten und interessante- sten Neuheiten.
Die Blätter besitzen bei 10 Linien Breite an der Basis, eine Länge von 14—1}, Zoll und eine eirund-lanzettförmige Gestalt. Ausser dem Mittelnerven ist keine, weder sonst eine Nervatur, noch eine Aderung vorhanden. Dagegen befindet sich auf schmutzig-grünem, aber nicht metallisch- oder samimetartig-glänzendem Grunde eine aus kleinen, in Häufchen stehenden Flecken bestehende marmorirte Zeichnung von nicht. rein-goldgelber Färbung.
10. Pogonia discolor Bl. (Cordyla diseolor Bl., Rophostemon diseolor Bl. et Lindl.) Eine zwar schon von Blume auf Java entdeckte, aber erst in der neuesten Zeit durch Blass in Elberfeld an die Augustin’sche Gärtnerei übergegangene Orchidee, die jetzt, wenige Zoll hoch, nur ein einziges eirundes Blatt von 2} Zoll Länge und fast 2 Zoll Breite besitzt. Die dunkelbraune Oberfläche ist über und über mit hellrothen Borsten besetzt und ausserdem noch hier und da mit einigen grauen Nebelflecken versehen, während die Unterfläche eine violette Färbung hat. Von der Basis ziehen sich 7 erhabene und weissliche Leisten, allmählig mehr auseinander gehend, nach oben und verlie- ren sich im Rande. Dazwischen befinden sich seichte Längs- vertiefungen. so dass das Blatt schwach gestaltet erscheint.
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Der Verein zur Beförderung des hartenbaues im den Königlieh-Preussischen Ntaalen zu berlin.
Seit 36 Jahren hat sieh dieser Verein um die Gärt-
nerei grosse Verdienste erworben. Es gründeten ihm 12 Männer im Jahre 1821. die von der Wichtigkeit der ge- sammten Gärtnerei ergriffen, auch in jeglicher Hinsicht befähigt waren, ihren Ansichten Geltung zu verschaflen und einen Einfluss auszuüben. Von diesen Männern leben leider nur noch 2, beide aber geistig eben so frisch, als körperlich kräftig und gesund. Was der eine, namentlich für die ästhetische Seite der Gärtnerei, für das Landschaft- liche, gethan, das bezeugen nieht allein die Umgebungen von Berlin und Potsdam, sondern viele andere Anlagen, durch ganz Deutschland zerstreut, verdanken ihm das, was sie geworden sind. Neben dem Generaldirektor der Kö- niglichen Gärten, Lenne, dem einen der beiden noch lebenden Stifter des Vereines zur Beförderung des Garten- baues, ist der bereits im 92. Jahre stehende Oberhofgärtner Fintelmann in Charlottenburg bei Berlin fortwährend rüstig und steht dem ihm anvertrauten Garten noch auf gleiche Weise, wie vor 2 und mehr Jahrzehenden, vor. Für dieses Mal ist der Raum zu beschränkt, um aus- führlicher über genannten Vereim zu ‚sprechen. Er erfreut sich übrigens auch ausserhalb Preussen und Deutschland eines Namens und eines Ansehens, wie gewiss nur wenige Institute der Art. so dass er sehon an und für sieh hinlänglich bekannt ist, ohne dass man erst auf ilın aufmerksam machen müsste. Männer von Bedeutung suchen fortwährend eine Ehre darin, Mitglied desselben zu sein, und tragen eben dadurch nicht wenig bei. sein Ansehen zu vergrössern. Die wichtigsten verwandten Vereine, aber auch sonst wissen- schaftliche Institute und gelehrte Akademien. selbst über-
- seeische, stehen mit ihm in Verbindung und im Tausch-
verkehr der gegenseitigen Schriften. Der Verein veranstaltet jährlich 2 grössere Ausstel-
lungen, die eine am ersten Sonntage im April, we der
von Sr. Majestät dem Könige. dem erhabenen
Protektor, allergnädigst überwiesene Jahresbeitrag zu
Preisen bestimmt ist. die andere, die sogenannte Festaus- -
stellung. an dem den 21. Juni zunächst liegenden Sonn-
tage. Wenn in der ersteren namentlich die neueren Er- zeugnisse und Einführungen und die Einzeikulturen berück- siehtigt werden, so zeichnet sich die letztere hauptsächlieh dureh ihre Gruppen und sonstigen Zusammenstellungen aus; das Schöne in der Gesammtheit der Pflanzen tritt hier gegen das Einzelne hervor. Es ist gar keine Frage, dass die
Festaussiellung im Juni ganz besonders zu der jetzt weit
allgemeiner herrschenden Vorliebe zu Blumen und nament- lich zu Blattpflanzen beigetragen hat und fortwährend beiträgt.
Aber auch ausserdem werden von Seiten des Vereines kleinere Ausstellungen, und zwar am letzten Sonntage in jedem Monate (mit Ausnahme von März und Juni, da dann die grösseren stattfinden), veranstaltet. Jedermann kann das, was gerade im ausstellbaren Zustande sich be- findet, zur Kenntniss von Gärtnern und Laien bringen und. wird überzeugt sein, dass es seine Würdigung erhält. Auch hier wird jedes Mal wenigstens ein Preis zur Vertheilung gebracht.
‚ Mit dieser Monats - Ausstellung sind auch‘ Versamm- lungen der Mitglieder verbunden. Alles was dem Vereine von auswärts an Abhandlungen. Beriehten. Anfragen u. s. w. mitgetheilt wird, gelangt hier zur öffentlichen Kenntniss und hier und da zur weiteren Debatte. Hauptsächlich aber kommen von Seiten der anwesenden Mitglieder allerhand Beobachtungen, Erfahrungen u. s. w. zur Sprache. Dass unter solchen Verhältnissen manches Interessante und Wich- tige vorgetragen wird, leuchtet wohl ein. Ausführlich ist Alles in den jährlich drei Mal erscheinenden Verhandlungen des Vereines (im Durchschnitt jährlich 30 Bogen gross Oktav) mitgetheilt und erhalten alle Mitglieder die ein- zelnen Lieferungen frei durch die Post zugesendet, ohne alle weitere Entschädigung als dem am Anfange jeden Jahres zu zahlenden Beitrag von 6 Thaler für die in Berlin und 4 Meilen im Umkreise und 4 Thaler für die übrigen. Damit aber das. was in jeder Versammlung verhandelt wird. wenigstens im Auszuge und möglichst schnell, zur allge- meinen Kunde komme. wird ferner von Seiten des damit beauftragien Generalsekretärs ein kurzer Bericht gleich nach jeder Versammlung in 3 der gelesensten Berliner Zei- Der Redaktion der Berliner Allge- meinen Gartenzeitung*ist ebenfalls gestattet, gleich nach
tungen veröffentlicht.
‚den Versammiungen einen kurzen Berie!.t in diesen Blättern
um so lieber than. als der
Wer jedoeh sieh in
mitzutheilen, was wir auch Jnhalt dadureh nur gewinnen kann. | irgend einem verhandelten Gegensiande weiter belehren will, dem müssen wir füglieh auf die ausführlicheren Ver- handlungen verweisen. \
In der Versanımlang am 30. November berichtete der Gutsbesitzer v. Türk in Potsdam über eine von Seiten des Kreisgerichtsoffiziales Schamalin Jungbunzlau in Böh- ınen eingesendete Abhandlung über das durehaus netli- wendige Einstutzen der Obstbäumehen beim Ver- v. Türk meinte ebenfalls. dass man nie das Messer zu Beide Herren legten
übrigens auf die sogenannten Haarwürzelchen für die Er-
setzen: viel anwenden könnte.
nährung eines Baumes nicht allein gar kein Gewicht, son- ‚dern sprachen ihnen sogar allen Einfluss für die Ernährung ab.
Die Yams-Bataten (die rübenähnlichen Wurzel- gebilde der Dioscorea Batatas), welche der Obergärtner des Vereins, E. Bouche, zur Verfügung stellte, wurden später bei Tische zubereitet versucht. Die Nittelstücke waren sehr mehlreich und schmackhaft, vermögen aber doch keine gute Kartoffel zu ersetzen; die beiden Enden ‚erschienen dagegen sehr mittelmässig.
Der Obergärtner Gireoud im Nauen’schen Garten zu Berlin legte einen Zweig der chilenischen Myrtus Ugni mit einem Paar reifen Früchten vor. Genannte Pllanze wird jetzt der leiztern halber, da diese sehr schmackhaft sind, in England kultivirt.
Derseibe übergab auch 2 Kolben Lennea (Philodendron pertusum), von denen der eine reif war. Die einzelnen Beeren haben einen ausserordentlich ange- Man muss sich nur hüten, den so-
der Monstera
nehmen Geschmack. genannten Deckel, d. i. den dieht mit etwas stechenden Raphiden, (wie man die innerhalb der Zellen sich bilden- den nadelförmigen Krystalle nennt) beseizien dicken Griftel mit zu geniessen, sondern man muss diesen erst abstossen, was übrigens sehr leicht geschieht. Der &eneralsekre- tär des Vereines, Professor Koch, empfahl die Mon- stera als eine der schönsten und interessantesten Blatt- pflanzen für die Zimmer, da diese Art gar nicht emplind- lich ist und selbst eine geringere Temperatur aushält. Handelsgäriner sollten sieh überhaupt bemühen, besonders Pflanzen auf den Markt zu bringen, welche auch im Zimmer gedeihen. DiePriem’sche Gärtnereiin Berlin, deren Besitzer gegenwärtig war, kann von dieser Pflanze Liebhabern abgeben.
Der Obergärtner der Frau Banquier Friebein Wilmers- dorf, Pilder, legte sogenannte Rheinische Schwarz- wurzel vor, die jedoch der Vorsitzende, Professor Braun und der Inspektor des botanischen Gartens, C. Bouche für Haferwurzeln, also für die Wurzel von Tragopogon porrifolius erklärten.
Der Hofgartenmeister Borchers in Herrenhausen bei Hannover hatte eine Abhandlung über künstlichen Trüf- felbau eingesendet. Auch Dr. Klotzsch berichtete, früher im Thiergarten gelungene Versuche mit künstlichem Trüßlel- bau gemacht: zu haben.
Dr. Bolle, der erst vor kurzer Zeit von einer Reise von den Kanaren zurückgekehrt war, übergab dem Vereine eine Reihe höchst interessanter lebender Pilanzen, unter andern Euphorbia atropurpurea, Paneralium canariense, Statice brassicaefolia, mehre Aeonium’s, (wie die dorligen Sempervivum’s heissen), und ausserdem über 100 verschie-
. dene Sämereien. Er berichtele ferner über ımehre Kultur- pflanzen und ganz besonders über die Oueurbitaeee:Sechium edule.
Der Garteninspektor Bosse in Oldenburg theilte mit. dass er den in Gewächshäusern so lästigen Blasen- fuss (Thrips haemorrhoidalis), eins der schädlichsten Jn- sekten, durch Räucherung mit Persischem Jnsekten- pulver vollständig vertrieben habe. Nach Professor K och und Priem wird auch in hiesigen Gärten genanntes Pul- ver vielfach gegen Gewächshaus-Ungeziefer angewendet.
Der Öberhofgärtner Fintelmann in Charlottenburg berichtete über einen gefüllten Mandelbaum auf der Plaueninsel, der früher bisweilen einzelne saftige Früchte (also Pfirsiche) mit keimfähigen Samen getragen habe.
Der Gartenkondukteu® Hartwig in Ettersburg bei Weimar übergab eine Abhandlung über Anlagen von Fels- parthien, die zur Beriehterstattung dem Generaldirektor Lenne überwiesen wurde.
Schliesslich verkündete Braun, den Ausspruch der Preisrichter, wornach die Bill- Gartens den
der Vorsitzende. Professor
bergia Leopoldi des botanischen ersten und die Cattleya marginata Paxt., var. Pinelli den zweiten Preis bekam.
Es waren ausser den 30 und mehr Töpfen, welche jedes Mal zur Verloosung an die anwesenden Mitglieder kommen, noch 7 blühende Orchideen des Handelsgärtners Allardt und 18 verschiedene. fast durchaus blühende Pflanzen durcli den Inspektor des botanischen Gar- tens, C.Bouche&, ausgestellt. Unter den letztern befand sich ausser der in der That prächtigen und, wenn wir nicht irren, von van Houtte in Gent zuerst eingeführten Bro- meliacee: Billbergia Leopoldi Hort. mit ihren zinnober- rothen Deckbiättern und Kelehen, dagegen violetten Kron- blätternnoeh:Puya sulphureaHort. Herrenh.,die aber von der bereits unter diesem Namen im botanical Magazintab. 4696 abgebildeten Pflanze, welche ganz glatt und nieht bestäubt ist, verschieden zu sein scheint. Wegen ihres dichten Blüthen- standes und der auf beiden Seiten mit linienförmigen An- hängseln versehenen Eichen gehören beide zuNeumannia.
- Macrostißma Kih et Bouche gehörl mit der bekannteren Pleetogyne mit weissstreifigen Blättern zur Familie der Aspidistreen, welche sich durch
iupistroides
Habitus und grosse Narbe vor allen andern Liliaceen aus- zeichnen. Wegen der schönen und grossen, denen des Maises
mehr ähnlichen Blätter, die immer ihr frisches Grün be-
halten, verdient die Grossnarbe — denn dieses bedeutet Macrosti gma — mehr Berücksichtigung.
Centaurea gymnocarpa Mor. et Not. ist eine
Flokkenblume, welche bis jetzt nur auf der Jnsel Capraja.
die nicht weit von Elba und östlich von Korsikaliegt, gefunden wurde und wegen ihres silbergrauen Ueberzuges, so wie.we- gen der hübschen Form ihrer doppeltgefiederten Blätter nieht genug für das Kalthaus zu empfehlen ist. Sie ist weil schöner als die Cineraria maritima L. (Senecio Cineraria DC.)
Eupatorium biceps des Berliner botanischen Gar- tens ist eine mexikanische Pflanze für die Kalthäuser, die wegen ihrer in der That üppigsten Blüthenfülle in einer sonst an Blumen armen Zeit durch keine andere Pflanze ersetzt werden kann.
Endlich machen wir noch auf ein Pflänzchen aufmerk- sam, da’ es im Zimmer erzogen war und Monate lang darin wegen des Blüthenreichthumes eine wahre Zierde desselben darstellte. Es ist dieses die Gesneriacee: Oonradia flori- blunda Dne. (Rhytidophyllum floribundum Brongn., früher auch als Gesneria Libanensis in den Gärten). Der Magistrats- buchhalter Richter in Berlin, ein eifriger Blumenzüchter für das Zimmer, halte die Pflanze ausgestellt.
Lepachys columnaris T. et Gr. £. pulcherrima. (Obelisearia pulcherrima Cass. Ratibida eolum- naris Sweet und Rudbecekia Drummondi Paxt.)
„Diese ueue und ausgezeichnete harte Staude, (Obe- liscaria pulcherrima Paxt.), die in der November-Nummer des Florist, Fruitistund der Garden Miscellany abgebildet ist, wurde durch uns wieder eingeführt und blüht jetzt zum ersten Mal. Wegen ihrer lang andauernden Blüthezeit und wegen der brillanten Farben in der Blume, wie beilie- gende und von Andrew angefertigte Abbildung zeigt, ist die Pflanze ganz besonders zu empfehlen. Preis 5 Pfund Ster- ling über 35 Thaler) die Unze Samen.“
Diese Anzeige schickten englische Handelsgärtner mit
- der Abbildung nach dem Kontinente, und demnach auch
nach Deutschland, und forderten zum Ankaufe des Samens auf; wir ‘erlauben uns jedoch vor den Ankauf des Samens zu warnen, da die Pflanze in deutschen und beigischen Gärtnereien für 8 Sgr. zu haben ist. Sie war schon vor 2 Jahrzehenden in England und wurde alsbald von da nach dem Festlande gebracht. Beschrieben finden wir sie zuerst 1838 in Sweet british Flower Garden, 2. ser. Tom. IV. und als Ratibida columnaris 7. pulcherrima auch ab- gebildet auf der 361. Tafel. Ein Jahr später beschrieb sie Paxton in seinem Magazin of botany Tom. IV, p. 51, aber unter dem Namen Rudbeekia Drummondii. Die letztere Benennung kam übrigens, wie die Pflanze
selbst in England und in Nordamerika, bald wieder in Ver- gessenheit, der Name wurde sogar in der Flora von Nord- amerika von Torrey und Gray, wo die Art Lepachys colum- naris heisst, gar nicht als Synonym erwähnt, während die Pflanze grade mit ihm in Deutschland und in Frankreich fortwährend kultivirt wurde. Wir verdanken ihre Ein- führung dem unermüdlichen Reisenden Drummond, der leider auch später den Mühen unterlag und in Kuba an einem bösartigen Fieber starb. Er sammelte den Samen: 1834 in Texas und schickte ihn nach England, wo die Gärtnerei von Miller in Bristol im Jahre 1837 die ersten blühenden Pflanzen halte.
Lepachys columnaris T. et Gr. 3. puleherrima wird immer eine mehr seltene Pflanze bleiben, da sie eines Theils als eine an ein wärmeres Klima gewöhnte Art. besonders wenn der Herbst bald eintritt, gar keinen oder nur wenig Samen ansetzt, und andern Theils zu den süd- ländischen Pflanzen gehör:, welche zwar gleich im ersten Jahre ihrer Aussaat blühen, aber doch Stauden sind, in der Kegel jedoch nur eine kurze Dauer haben. Diese Art Pflanzen lassen sich auch nicht zertheilen, wie sonst die Stauden, und besonders die mehrjährigen Rudbeckien, sondern man schafft sich in Deutschland nur durch Aus- saaten Vermehrung, während man in Frankreich Steck- linge macht, die leicht anwachsen und schnell blühbare Pflanzen geben, weshalb wir dieses Verfahren auch hei uns empfehlen. Bei der Aussaat muss man sehr früh- zeitig anfangen und die Samen schon im März in ein halbwarmes Mistbeet bringen. Von da setzt man die Pfläuzchen einzeln in Töpfe und dann Ende Mai in das Land.
Besagte Pflanze, Obeliscaria pulcherrima Don. unter- scheidet sich von Rudbeckia columnaris Pursh, jetzt Le- pachys columnaris T. et Gr., also durch die nicht durch- aus gelben. sondern "zum Theil braunen Strahlenblüth- chen, und wird deshalb nur als Abart betrachtet. Die Hauptart scheint jedoch eine ächte Staude zu sein, die einen wahren und leicht zu zertheilenden Wurzelstock
(Rhizom) bildet.
Samen-Katalog.
Der heutigen Nummer liegt das Verzeichniss für 1857 der Simereien und Pflanzen von Ernst Benary, Kunst- und Han- delsgärtner in Erfurt bei. Indem er dasselbe zur geneigten Durch- sieht empfiehlt, bittet er Aufträge ihm gefälligst bald zukommen zu lassen und werden dieselben in gewohnter Weise prompt und reell ausgeführt werden. DE
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Verlag der Nauckschen Buchhandlung. Berlin.
Druck der Nauckschen Buchdruckerei.
Hierbei das Verzeichniss für 1857 der Gemüse-, Feld-, Gras-, Wald- und Blumen-Sämereien etc. von Ernst Benary in Erfurt.
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Sonnabend,
Mo. 2.
Preis les ergir von 52 Nummern mit 12 color. Abbildungen ! Fllr.,
ohne dieselben Durch alle Postämter des eh öster- reichischen Postvereins sowie auch durch den Buchhandel ohne Preiserhöhung zu beziehen.
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BERLINER
10. Januar.
1557
Mit directer Post übernimmt die Verlagshandlung die Ver- sendung unter Kreuzband gegen Vergütung von 25 Ser für Belgien, von 1 Thlr. 9 Sgr. für England, von 1 Thlr, 22 Sgr. für Frankreich.
Alloemeine Gartenzeilung.
Herausgegeben
vom
Professor Dr. Karl Koch.
General-Secretair des Vereins zur Beförderung des Gartenhaues in den Königl. Preussischen Staaten.
Inhalt: Die Kolokasien und Xanthosomen. Bücherschau: Koch’s Gartenkalender.
Von Karl Koch und Kreutz.
— Die Sibirische Körbelrübe. Von Jühlke.
Die Kolokasien und Xanthosomen.
Vom Prof. K. Koch und Obergärtner Kreutz im Krichel- dorf’schen Garten zu Magdeburg..
dass die Kolokasien. ob- wohl sie schon seit einigen Jahrhunderten kultivirt werden,
Es ist hinlänglich bekannt,
bei uns nicht blühen wollen; es erinnern sich selbst Männer nieht, welche 30 Jahre lang und länger einer eigenen und grössern Gärtnerei vorstanden und alle Anstrengungen machten, um die Pflanze zum Blühen zu bringen, einen Erfolg gehabt zu haben. Bevor wir jedoch weiter berichten,
erlauben wir uns vor allem, wenn auch nur Laien und vertraute Pflanzenlieb- haber, darauf aufmerksam zu machen, dass man aus alter
Gewohnheit meist unter Kolokasia die Calla aethiopica L.
weniger mit botanischen Namen
(jetzt, zumal sie gar nicht in Aethiopien, sondern in Süd- afrika wächst, Richardia afrieana Kth), versteht, wir aber hier die schönen Blattpllanzen, welche früher, und zum Theil noch jetzt, unter dem Linne’schen Namen, „Arum Colocasia“,. nun aber richtiger als Colocasia antiquorum, kultivirt werden, verstanden haben wollen. Jn früheren Zeiten, wo man die Pflanze vielleicht mit mehr Sorgfalt in den Warmhäusern kultivirte, Blü- then hervorgebracht zu haben, als jetzt, wo nur Schott, der Gartendirektor in Schönbrunn bei Wien, blühende Ko-
lokasien gehabt haben will.
scheint sie häufiger
So viel ist jedoch gewiss, dass wir bis auf den heutigen Tag weder eine gule Abbildung
mit den nöthigen Analysen, noch eine korrekte Beschrei- bung besilzen. Wir behalten uns deshalb vor, in einer der späteren Nummern beide nachträglich zu bringen. Um so erfreulicher ist es nun, dass es dem einen Ver- fasser dieser Abhandlung, dem Obergärtner Kreutz, der schönen Garten des Fabrikbesitzers Kricheldorf gelungen ist, endlich einmal wiederum in unserem nordischen Klima eine Ko-
dem in Buckau bei Magdeburg vorsteht, lokasie zum Blühen gebracht zu haben. Zur weiteren und genaueren Untersuehung sind dem Herausgeber dieser Blät- ter 2 Blüthen zur Verfügung gestellt worden.
Die blühende Pflanze stand in dem Boden eines Warm- hauses, worin grösstentheils Palmen und andere Blattpflan- Jn der Mitte desselben ist der Länge nach ein von Mauer eingeschlossenes Beet, was früher mit Schutt und Erde ausgefüllt war, zum Aufstellen der Pflan-
zen kultivirt wurden.
zen angebracht; in ihm befand sich nun mehr nach der einen Seite hin ein kleiner, 4 Zoll ins Quadrat enthaltender Fleck, der zur Aufnahme der für die Wand bestimmten Schlingpflanzen diente und Haideerde, nebst verrottetem Laube und Mist, enthielt. Hier fand ich im Januar des ver- flossenen Jahres — ich weiss nicht, ob früher absichtlich dahin gebracht oder nur zufällig — eine kleine Knolle der Kolokasia mit 2 oder 3 kaum 5—6 Zoll grossen Blättern. Da die Pflanze eben nicht weiter beachtet wurde und auf ihrem Siandorte auch nicht die nöthige Nahrung erhielt. so besass sie ein sehr kümmerliches Ansehen.
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Jm März war ich mit dem Verpflanzen fertig und ging an die Umarbeitung des Beetes. Jch liess Schutt und Erde herausschaffen und dafür Pferdedünger und Gerber- lohe hineinbringen; der oben bezeichnete Fleck des Beetes war jedoch unverändert geblieben. Unter diesen Umstän- den erhielt ich bald eine Bodenwärme von 25 — 30° R.. die der Kolokasie, zum Theil wenigstens, ebenfalls zu
Gute kam. Die Pflanze erhielt schnell ein ganz anderes
Ansehen, wuchs rasch und hatte sehon im Mai Blätter von _
2! Fuss Länge. Nun erst wurde ich auf die immer üppiger
wachsende Pflanze aufmerksam und widmete ihr eine
grössere Sorgfalt. Bis dahin war sie wenig begossen wor- den, was ich jetzt auf alle Weise nachzuholen suchte, so dass sie nun täglich ohngefähr 20 Quart Wasser erhielt. Um sie ferner in ihrem Wachsthume mehr zu unterstützen. mischte ich dem Wasser noch an jedem dritten Tage eine schwache Guano-Lösung — 1 Esslöffel auf eine Giesskanne, welche 12 Quart fassen konnte — bei. Es war in der That wunderbar. wie in noch höherem Grade, die anfangs so ärmliche Pflanze gedieh. Die Wurzeln drangen tief in den anliegenden Pferdedünger. Jn kurzer Zeit hatten sich nach und nach 10—12 bis 5 Fuss lange und über 3! Fuss breite Blätter auf 7 Fuss langen Stielen gebildet.
Ende Juli begann die Kolokasie eine Menge Seiten- triebe zu machen, die aber sämmtlich entfernt wurden, damit alle Nahrung der Pflanze selbst zu Gute kommen konnte. Wie die untern Blätter allmählig abstarben. bildeten sich nach oben neue. Dadurch entstand ein kurzer Stamm, der zuletzt einen Umfang von mehr als 19 Zoll besass. Mitte September waren plötzlich die neuen Blätter kleiner und hatten nur noch eine Länge von 4 Fuss 2 Zoll. Das Wachs- thum war auch träger geworden; während früher alle 8 bis 10 Tage ein neues Blatt hervorkam, dauerte es jetzt ‘fast die doppelte Zeit.
Da zeigte sich plötzlich, ziemlich am Ende der schei- (lenartigen Ränder eines Blattstieles, eine Anschwellung, die täglich grösser wurde und mich bald von der Gegenwart der Blüthen überzeugte. Jn den letzten Tagen des Oktobers trat die erste schon heraus und hatte sich am 1. Nov. vollstän- digentwickelt. Am 6. desselben Monates erschien eine zweite und am 12. eine dritte. Nur die beiden sich vollständig ausgebildet zu haben, sassen auf,noch 1 Fuss
ersten schienen und mehr aus den scheidenartigen Blattstiel-Rändern her- ausragenden Stielen und hatten selbst eine Länge von über 2! Fuss. Spatha) besass eine gelbe, etwas ins Orangenartige gehende Farbe und ersehien leder-
Die Blumenscheide
artig, hatte also eine mehr diekliehe Konsistenz. Jhr unterster
ohngelähr 33 Zoll Länge enthaltender Theil war zusammen- gerollt, besass eine längliche Figur und schloss den Theil des Kolbens ein, der die Stempel und die verkümmerten Staub- gelässe enthielt. Die übrige Blumenscheide war gleich an der Basis. ziemlich bis zu einem rechten Winkel, zu- rückgebogen und kahnförmig. Jm ersten Drittel betrug die Breite der kabnförmigen Vertiefung über 3 Zoll; diese nahm aber nach oben zu allmählig ab, bis die Scheide end- lieh wiederum nach dem obern Ende zu zusammengerollt erschien und nun spitz zulief. So gibt die Blumenscheide auch Rumph in seinem Herbarium amboinense V,109 an, während sie nach Schott und Kunth grade sein soll. Dass sie auch Wright in seinen Icones plantarum Indiae orientalis Tom IH. t. 756 aufrecht angibt. hat wohl seinen Grund darin, dass sie nieht anders auf dem Papiere Platz hatte. Es unter- liegt deshalh wohl auch keinem Zweifel. dass Schott und Kunth, wenn sie bei Colocasia eine Spatha recta un- dulata, bei Alocasia aber eine Spatha cucullata incurva als Unterschiede angeben, nur getrocknete Exemplare vor sich gehabt haben. Dass übrigens die Pflanze mit ihren 3 und vielleicht mehr Blumenscheiden einen hübschen Anblick gewährt, versteht sich von selbst; es soll uns freuen, wenn es nun auch andern Gärtnern gelingen sollte, Kolokasien bei ähnlicher Behandlung ebenfalls zur Blüthe zu bringen.
Colocasia antiquorum und ihre Verwandten, so wie die Xantlıosomen,. welehe man ebenfalls früher unter dem wei- tern Geschlechtsbegrifie „Arum“ auflührte und von denen Linne nur das Arum sagittifolium kannte. sind übrigens bei Weitem noch nicht so häufig kultivirt und in Gärten verwendet, als es doch wünschenswerth wäre.
den Nur ihre \Vürdigung gefunden zu haben. Wir besitzen in der Thai keine andern Blattpflanzen, die ihnen. besonders im Freien zu Gruppen verwendet, an die Seite gesetzt werden könnten. Es kommt noch dazu, dass ihre Behandlung auch keineswegs eine besondere Aufmerksamkeit verlangt und daher gar nicht so schwierig ist. als man sonst von dergleichen tropischen Pflanzen glaubt. Wir wollen daher diese genannten Pflanzen allen Gartenliebhabern angelegent-
in Berlin nnd Potsdam scheinen sie hauptsächlich
lichst empfehlen und deshalb uns sowohl in gärtnerischer, als botanischer Hinsicht noch einige Augenblieke mit ihnen beschäfligen.
Was zunächst ihre Behandlung im Gewächshause an- belangt, so könnte die. wie sie oben angegeben ist, für Kolokasien sowohl, als für Xanthosomen, als Richtselinur angenommen werden. Genannte Pflanzen gedeihen übrigens
in mässig-warmen sowohl, wie in den wärmsten Häusern.
a
verlangen aber im letzteren Falle mehr Feuchtigkeit, denn es sind ursprünglich Sumpfpflanzen. Man kann sie des- halb auch in Töpfen geradezu ins Wasser stellen.
Wichtiger sind sie unbedingt für das freie Land, wo sie in Gemeinschaft mit Draeänen, selbst Musen, Blumen- rohr (Cauna), Panieum suleatum und palmifolium (plicatum), Coix stigmatosa, Andropogon formosum, Riesen- und sonsti- gem Mais, und vielleicht noch anderen Pflanzen Gruppen bilden, die für unseren Norden einen besonderen Zauber haben. Zu diesem Zwecke bereitet man eine etwas schattige Stelle auf die Weise vor, dass man von dem Umfange der an- zulegenden Gruppe eine 3—4 Fuss tiefe Grube macht, diese zu 2 bis $ Höhe mit einem Gemenge von Laub und Dün- ger, denen man auch noch Lohe zusetzen kann, ausfüllt und dann wiederum 1 Fuss kräftige Erde, am Besten aus glei- chen Theilen verrotteten Düngers, verfaulten Laubes und Torferde, sowie aus etwas Lehm bestehend, darauf bringt. Dadurch erhalten die auf diesem so vorbereiteten Flecke gebrachten Pflanzen, wie man sagt, einen warmen Fuss und wachsen selbst üppiger und kräftiger noch als im Gewächs- hause. Es versteht sich von selbst, dass man nie versäumen darf, viel zu giessen, da grade Kolokasien und Xanthosomen, so wie die früher für die Gruppe genannten Pflanzen. mehr Feuchtigkeit verlangen, als viele andere.
Kolokasien und Xanthosomen bilden meist Knollen und ziehen ein, insofern man sie nicht für den Winter absichtlich weiter vegetiren lässt und deshalb das Giessen im Herbste nicht einstellt. Ist das aber geschehen, so stellt man sie, (und zwar wenn sie sich bereits in Töpfen befinden, ohne die Knollen herauszunehmen.) an einen mässig-warmen Ort in irgend einen Winkel des Gewächshauses, wo ilınen stets eine Wärme von gegen 10—12 Grad geboten wird. Wer kein Gewächs- haus, aber einen Garten, wo erdergleichen Gruppen anbringen will, besitzt, kann’ sie irgend wo auch in seiner Wohnung unterbringen. So haben wir sie bei Bekannten in des Win- ters geheizten Schlafzimmern unter den Beitstellen, oder auch in erwärmten Nebenräumen aufbewahrt gesehen.
Mitte oder höchtens Ende März holt man sie aus ihren Winkeln wieder hervor. setzt die Knollen in eine gute Erde und giesst sie. Wenn man sie aber für das freie Land haben will, so beginnt man auf die Weise mit den Vorbereitungen. dass man die Knollen ebenfalls aus den trockenen Töpfen herausnimmt und in andere mit guter kräftiger Erde ver- sehene einpflanzt, um sie im Hause oder in einem. halb- warmen Mistbeete zunächst anzutreiben. Man hüte sich, die Töpfe zu warm zu stellen, weil die Pflanzen daun zu üppig wachsen und dann die bisweilenrauhere Luft im Freien nicht
mehr vertragen Ehe sie ins Freie an Ort und Stelle kommen, was nicht früher geschehen darf, als bis keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, also Mitte oder Ende Mai, müssen die Pflanzen bereits ein kräftiges Aussehen haben und zuersi, um ‚sie weiter an die freie Luft zu gewöhnen, au einen geschützten und schatligen Standort einige Tage und Nächte ausserhalb gestellt werden.
Am Besten ist es, den ganzen Ballen aus dem Topfe herauszuheben und mit diesem die Pflanze in die Erde zu bringen, so dass er bis 3 Zoll und selbst mehr von dieser bedeckt wird. Beim Giessen bedient man sich am Liebsten des einige Tage gestandenen Wassers. Zu viel Um das Wachs- thum und die Ueppigkeit der Pflanzen zu befördern, kann man die oben angegebene Mischung eines flüssigen Guano- düngers oder auch eine andere aus Hornspähnen und Kuh- mist bereitete alle 8 bis 10 Tage dem Wasser zusetzen. Auch befördert man das Wachsthum, sobald man über- haupt in die Erde Hornspähne gethan hat.
Feuchtigkeit wird nicht leicht gegebeu.
Wenn auch in der Regel im Anfange der Finpflanzung, und selbst den ganzen Juni und die Hälfte Juli hindurch, eine solehe Gruppe, namentlich sobald viele regnerische und kalte Tage eintreten, nicht recht gedeihen will, so geschieht dieses doch um so mehr im Hochsommer und im Herbste, wo dann selbst kühlere Nächte den Pflanzen wenig mehr schaden. Das Jahr 1856 war gewiss für alle mehr an Wärme gewöhnte Pflanzen sehr ungünstig; und doch er- freuten sich Kolokasien und Xanthosomen, selbst noch im Oktober, zum Theil eines guten Aussehens.
Sobald der erste Frost die Blätter zerstört hat. nimmt man die Pflanzen aus der Erde heraus und bringt sie, nach- dem die Blätter, jedoch nicht zu tief, abgeschnitten sind, wiederum in Töpfe, um sie an den oben bezeichneten Orten überwintern zu lassen.
Alle Kolokasien und Xanthosomen treiben kürzere oder längere Schösslinge, die man einfach abnimmt und so die Pflanze vermehrt. Da diese Knospenbildung ziemlich leben- dig geschieht, so hat man in der Regel keinen Mangel an den nöthigen Pflanzen und kann sehr leicht noch in Menge abgeben.
Sämmtliche Arten beider Gesehlechter siud nicht allein schöne, Pflanzen, sondern im Vaterlande und überhaupt da in. den Tropen, wo sie kultivirt werden, für den Haushalt des Menschen sehr wichtig, weil sie vorzügliche Nahrungs- mittel sind. Man geniesst nämlich die ausserordentlich mehlreichen Knollen der Kolokasien hauptsächlich geröstet. aber auch sonst auf verechiedene Weise zubereitet. Einige
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Südsee-Jnsulaner leben fast nur von diesen Knollen, welche sie Tarru nennen. Kolokasien gibt es ursprünglich nur in Östindien, besonders auf den grossen Sunda-Jnseln, und sonst auf vielen Eilanden des Stillen Weltmeeres, Xanthosomen aber nur in Amerika. Die erstern sind schon zeitig nach Arabien (wo man sie Kulkas nannle), ganz besonders aber nach Aegypten verpflanzt worden und gedeihen daselbst eben so sehr, als im eigenen Vaterlande, wo man allein auf Java eilf mehr oder weniger unterschie- dene Ab- und Spiel-Arten besitzt. Auch im tropischen Ame rika werden jetzt Kolokasien kultivirt.
Die Xanthosomen oder Westindischer, auch Karaibischer Kohl, sind eine beliebte Speise, hauptsäch- lich auf den Jnseln Westindiens und in Brasilien, wo die Pflanze Tajaoba genannt wird. So scharf der Geschmack und so schädlich der Genuss im frischen Zustande ist, so mild wird der erstere und wohlthuend der letztere, wenn man die Pflanze gekocht hat. Ob übrigens die vielen Arten, welche man in der neuesten Zeit gemacht, nicht vielmehr durch die Kultur entstandene Abarten sind, möchte einer spä- teren Untersuchung, wobei aber Aussaaten gemacht wer- den müssten, anheimgestellt bleihen.
Die Kolokasien unterscheiden sich von den Xan- thosomen schon im äusseren Habitus dadurch, dass sie ersteren schild-, die letztern hingegen herz- und selbst pfeilför- mige Blätter besitzen. Die Nervatur ist bei beiden, so wie bei den übrigen verwandten und zu der Abtheilung der Caladieae gehörigen Arten so eigenthümlich, dass man diese deshalb sehr leicht von allen übrigen Aroideen unterscheiden kann. Die grossen, ganzrandigen und mehr hautartigen, oft sehr zar- ten Blätter besitzen neben der auf der Unterfläche mehr hervortretenden Mittelrippe noch 5—12 starke und ziemlich horizontal-abgehende Seitennerven, zwischen denen sich eine eigenthümliche Aderung befindet. Es gehen nämlich von den letzteren seitwärts Adern in fast horizontaler Richtung nach der Mitte eines zwischen zwei Seitennerven liegenden Feldes ab, biegen sich dann nach der Peripherie des Blattes zu um, wobei sie sich meist direkt oder indirekt mit denen, welche von der andern Seite kommen, verbinden, und behalten dann diese Richtung, worauf sie mehr oder minder mit allen darüber entspringenden und von rechts und links kommenden Adern weitere Verbindungen ein Jn Hauptverbindungs-Ader in der Mitte eines jeden Feldes Bei
gehen. diesem Falle zieht sich auch meist nur eine
von der Mittelrippe nach der Peripherie zu. den
ächten Kolokasien verbinden sich aber: die gegenüber entspringenden Adern nicht, sondern vereinigen sich nach der Umbiegung nur zum Theil mit denen, welche darüber ihren Ursprung haben. Hier gehen immer mehre neben einander liegende Adern von der Mitte aus nach der Pe- ripherie. Auch tritt in diesem Falle ein besonderer, mehre Linien von dem Rande enifernter, sich rings um das Blatt herumziehender Nerv, der alle Seitennerven und Adern zu- letzt aufnimmt, deutlicher hervor. Jm ersteren Falle jedoch, namentlich bei den Xanthosomen, befindet sich noch inner- halb der Maschen eine, aber weit schwächere und nelz- artige, Aderung, die den Kolokasien abgeht.
Hinsichtlich der Blüthe unterscheiden sich die Kolo- kasien von den Xanthosomen dadurch, dass bei den er- steren der Kolben nicht bis an seine Spitze mit Staub- gefässen besetzt ist, was aber bei den letztern der Fall ist.
I. Von den Kolokasien kennen wir mit Bestimmi- heit nur 5 Arten, die sich sämmtlich auch in Kultur be- finden. Die älteste ist:
1) C. antiquorum Schott (Arum Colocasia L.) und schon seit sehr langer Zeit als Kulturpflanze in un- seren Gärten. Sie unterscheidet sich von der sehr nahe stehenden.
2) CE. nymphaefolia Kth durch die kurzen Triebe oder Schösslinge, welche oberhalb des Knollens an der Basis der eigentlichen Pflanze hervorkommen und bei zuletzt genannter Art so verlängert sind, dass sie als ächte Stolonen (Wurzelausläufer) erscheinen. Ausserdem nimmt der oberste, nicht mit Staubgefässen besetzte Theil des Kolbens bei C. antiquorum Schott ohngefähr den dritten oder höchstens den vierten Theil ein, während er bei C. nymphaefolia Kth gegen den übrigen Kolben nur ein Sechstel beträgt.
3) Unter dem Namen C. nymphaefolia brachte, wenn wir nicht irren, zuerst Hofgärtner H. Sello in Sanssouei bei Potsdam eine Pflanze aus Petersburg, welche aller- dings mit jener darin übereinstimmte, dass sie Ausläufer. aber mehr unter der Erde und mit einer knolligen An- schwellung endend, macht; dagegen unterscheidet sie sich im Habitus von der ächten Pflanze dieses Namens hinlänglich. Dieser ist nämlich weit gedrungener, wenn ich auch Exem- plare bei günstiger Kultur gesehen habe, die allerdings selbst 4 Fuss lange, an der Basis jedoch immer verhält- nissmässig diekere Blattstiele mit über 3! Fuss langen Blatt- flächen besassen. Hauptsächlich unterscheidet sich diese aus
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Petersburg eingeführte Art aber durch die blassgrüne Färbung der Blätter und durch die mit einen leicht abwischbaren ‚Reif (Pruina) überzogenen Blattstiele. Aus der zuletzt an- geführten Ursache habe ich der Pflanze den Namen € o- locasia pruinipes d.h. Kolosakiemitbereiftem Blattstiele, gegeben, gewiss ein bezeichnender Name.
Schott behauptet in seinem neuesten Werke: Syn- opsis Aroidearum I. Seite 46, was leider bis jetztnur alsManu- skript gedruckt ist. sich nämlich nicht im Buchhandel befindet, und daher da, wo es sich um Priorität handelt, auch nicht berücksichtigt werden kann, dass diese Pflanze nichts weiter als Colocasia indica Kth (Alocasia Schott‘ sei. Ob sie in der That eine Alocasia ist, d. h. am obern Theile des Kolbens eine durch verkümmerte Staubgefässe entstan- dene labyrinthartige Zeichnung besitzt, kann ich allerdings so lange nicht entscheiden, als mir nicht Blüthen zuge- kommen sind. Es geht deshalb an alle die, welche einmal die Pflanze zum Blühen bringen sollten, die Bitte, mich darauf aufmerksam zu machen, und dieselbe mir freund- lichst zuzusenden. Dass unsere Colocasia pruinipes aber weder Arum indieum Roxb., noch Arum indieum sati- vum Rumph ist, die eben beide Kunth’s Colocasia indica bilden, geht aus jeder einfachen Vergleichung der Be- schreibungen und der Abbildungen hervor. Es ist in der ersteren weder von der auffallend blassen Färbung und von den mit Reif besetzten Blattstielen die Rede, noch hat die Pflanze in der Rumph’schen und in der Wight’schen Abbildung schildförmige Blätter, wie die Kolokasien, wes- halb auch meine €. pruinipes wohl überhaupt nicht zu Alo- casia gehören möchte und bei späterer genauerer Unter- suchung der Blüthen eine Kolokasie bleiben wird. Mit Schott’s Alocasia indiea kann sie nicht vereinigt werden,
Bis jetzt hat man noch keine Versuche gemacht, die Kolokasie mit bereiftem Blattstiele, wie die beiden früher erwähnten, zu Gruppen ins Freie zu verwenden ; sie möchte auch nicht wegen ihres blasseren Aussehens sich so schön ausnehmen, wenn nicht grade eine hellere Farbe mitten im dunkelen Saftgrün eigenthümlich kontrastirte
4) Die vierte und unbedingt schönste Art habe ich wegen ihrer prächtigen dunkelgrünen Färbung „Coloca- sia euchlora, d. i. prächtig-grüne Kolokasie ‚“ genannt. Dadureh unterscheidet sie’sich auf den ersten Blick von ©. anliquorum und nymphaefolia von letzterer ausserdem noch deshalb, dass sie nicht verlängerte Triebe oder Schöss- linge am runden Knollen macht. Ausserdem besitzen die Blätter einen violetten äussersten Rand und sind weit wellen- förmiger als die bei den drei bereits genannten Arten
Endlich haben in der Regel die meist schlankeren Blatt- stiele bei C. euchlora auch eine violette Färbung.
Diese Art führte der Hofgärtner H. Sello, wenn ich nicht sehr irre, aus England ein. Bis jetzt befindet sie sich aber ausser in Sanssouci, so viel ich weiss, nur noch im botanischen Garten zu Neuschöneberg bei Berlin, so sehr es auch zu wünschen ist, dass sie sich einer grösseren Ver- breitung erfreue und dann namentlich auf Gruppen im freien Lande Anwendung erhalte. Jn Sanssouei sah ich Blätter von über 5 Fuss Länge.
5) Was endlich die fünfte Art anbelangt, so zeichnet sich diese sehr leicht vor allen übrigen durch ihre braun- violetten und schlankeren Blattstiele und nicht weniger durch die dunkelgrüne, an den Rändern violett-durchscheinende Färbung der Blätter aus. Das Grün macht aber durchaus nicht den so angenehmen Eindruck als bei C. euchlora; die ganze Pflanze trägt jedoch durch ihre abweichende Färbung zur grösseren Mannigfaltigkeit in den Tinten einer Gruppe viel bei. Hinsichtlich des leichteren Ansehens und der Grösse stimmt diese Art am Meisten mit der zu- letzt aufgeführten überein und macht ebenfalls, wie diese und C. antiquorum, nur sehr kurze Triebe.
Man betrachtete diese Pflanze bis jetzt nur als Abart der gewöhnlichen Kolokasie, kultivirte sie jedoch auch unter dem Namen Caladium colocasioides und violaceum. Was man unter genannten Pflanzen in Paris früher verstanden hat, weiss ich nicht, nach dem aber, was darüber bekannt gemacht wurde, möchten beide nichts weiter als Caladium bicolor sein. Mir ist übrigens in manchen deutschen Gärten eben genannte Pflanze schon unter beiden Namen vorge- kommen. Nach Schott ist Caladium (Arum) colocasioides aber wirklich die eben beschriebene Kolokasie mit gefärbtem Blattstiele. Er nennt sie deshalb nach des Fontaines, der diesen Namen zuerst gab, C. Fontanesii.
(Ueber Xanthosomen in Nr. 3.)
Die Sibirische Körbelrübe. Vom Garten-Inspektor Jühlke in Eldena.
Schon seit sehr langer Zeit sammeln die Eingebornen am Ural und in einigen Gegenden des Altai die Knollen ähnlichen Gebilde einer Pflanze aus der Familie der Dol- denträger (Umbelliferae) auf gleiche Weise. wie es unsere Vorfahren mehr, als unsere Zeitgenossen, mit denen der gewöhnlichen wilden Körbelrübenpflanze, (Chaerophyllum bulbosum), die namentlieh in Mitteldeutschland uud im El- sass an Zäunen, Hecken, an Bergabhängen, in Hainen
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u. s. w. gern wächst, thaten. Der Sibirische Rüben-Körbel besitzt auch im Aeussern eine so grosse Aehnliehkeit mit dem unsrigen, dass die frühern Reisenden in jenen Län- dern, namentlich Falk und Georgi, beide Pflanzen für gar nicht verschieden hielten, während Gmelin sie jedoen in seiner sibirischen Flora unter einem besonderen Namen, nämlich als Chaerophyllum radice turbinata carnosa, aufführt.
So grosse Verdienste auch der botanische Garten in Petersburg sich um die Einführung sibirischer Pflanzen ge- habt hat und noch fortwährend hat, so scheint ihm doch der Sibirische Rüben-Körbel, wahrscheinlich weil man ihn von dem gewöhnlichen nicht für verschieden hielt, als beson- dere Kulturpflanze unbekannt gewesen zu sein.
Ein getrockneter Blüthen- uud Fruchtzweig kam spä- ter aus dem Petersburger Herbar in das des als Botaniker hinlänglich bekannten Engländers Prescott. der seinen Aufenthalt in Bern genommen hat Doldenträger seines Herbariums wiederum dem Verfasser des Prodromus regni vegetabilis, De Candolle Vater in Genf, zur Bearbeitung dieser Familie für genanntes Werk
und seinerseits die
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zur Verfügung stellte. De Candolie sah augenblicklich. dass der Sibirische Rüben-Körbel sich specifisch von dem gewöhnlichen unterscheide und nannte den ersteren Chae- rophyllum Preseottii.
Unter diesem Namen wurde die Pflanze auch später in dem Petersburger botanischen Garten kultivirt, ohne dass man aber von den Knollen ähnlichen Gebilden der Wurzel weiter Notiz nahm. Im Frühlinge des Jahres 1852 erhielt der botanische Garten in Upsala Samen des Chaerophyllum Prescottii. Als der dortige Gärtner. Daniel Müller, im Herbste an den Wurzeln Knollen ähnliche Gebilde fand. kaın dieser zuerst auf den Gedanken, die letzteren kochen und zubereiten zu lassen. Die Knollen wurden schnell weich und besassen einen angenehmen Geschmack. Mül- ler machte diese seine glückliche Entdeckung zuerst in der Hamburger Garten- und Blumen - Zeitung (10. Band S. 245.) bekannt und empfahl die Pflanze als Kulturpflanze, zu gleicher Zeit auf das Liberalsite von dem geärnteten Samen vertheilend.
Auch ich erhielt einige Körner und stellte alsbald Ver-
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suche damit an, die ebenfalls die besten Erfolge lieferten. Seitdem habe ich alle Jahre viel Samen geärntet und die- sen nach allen Seiten hin verbreitet, um die Pflanze mög- lichst schnell bekannt zu machen. Obwohl ich schon mehrfach auf die Nützlichkeit und auf die Vorzüge dieser neuen Kulturpflanze, ganz besonders im 2. Jahrgange (1856) von Koch’s Gartenkaleuder (2. Theil, Seite 90.) und in den Verhandlungen der beiden Jahrgänge 1855 und 18506 des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues aufmerksam ge- macht habe, halte ich es aber doch im allgemeinen Inte- resse nicht für überflüssig, wenn ich auch in diesen Blät- tern von Neuem den Anbau des Sibirischen Rüben-Körbels empfehle, um so mehr, als ich durch eine Abbildung der knollenförmigen Wurzel und durch eine genaue Analyse des Professors Trommer einen Cultur-Beitrag geben kann, der bis dahin noch nicht vorhanden war.
Die ebenfalls in der Regel zweijährige Pflauze der Sibirisehen Körbelrübe scheint im Allgemeinen nicht so hoch zu werden, als die der gewöhnlichen, hat aber ganz dasselbe Ansehen. Der 35‘ hohe Stengel ist gegen die Basis hin mit aufwärts stehenden und. steifen Borsten besetzl. die sich zum Theil allmählig verlieren, so dass er zuletz! ganz glatt wird. Die doppelt -gefiederten und fein zer- theilten Blätter besitzen am obern Theile des Stengels zwar weniger, aber um desto mehr in die Länge gezogene und ganz schmale Abschnitte. Die Dolden haben ebenfalls weisse Blüthen, deren Griffel im Allgemeinen weniger aus- einander stehen, als bei denen der hier wildwachsenden Pflanze. Auch besitzen die Hüllblättehen eine mehr in die Läuge gezogene Spitze; endlich sind die walzenförmigen Achenien (fälschlich gewöhnlich Samen genannt) etwas grösser. Die Sibirische Körbelrübe ist von der gewöhn- lichen in sofern verschiedeu, als sie in ihrer Ausbildung länger wächst und in ihrer Farbe goldgelb erscheint, da- bei aber ebenfalls ein zartes weisses Fleisch besitzt. Wenn diese Rübe durch äussere Veranlassung gezwungen wird, sich zu verzweigen, so entstehen im dritten Jahre, häufig schon im zweiten, knollenähnliche fleischige Ausıreibungen. In der Regel bildet sich die Rübe aber spindelförmig aus, geht senkrecht in die Erde und erreicht in einem kräfti- gen Boden oft schon im zweiten Jahre einen Durchmesser von 1 Zoll und darüber.
Während die gewöhnliche Körbelrübe ihre normale Grösse schon erhalten hat. bevor die Früchte vollständig reifen, so wachsen hier die Knollen noch länger fort und dürfen deshalb auch nieht so früh aus der Erde genommen werden. Sobald im August die Früchte von den allmählig abgetrockneten Stengeln abgenommen sind, werden diese 3 Zoll hoch über der Erde abgeschnitten und am zweck-
mässigsten mit kurzem, in der Verwesung begriffenen alten Mistbeetdünger bedeckt. An der Basis des Rübenkopfes bilden sich dann oft noch starke Knospen, die man eben- falls noch zur weiteren Vermehrung benutzen kann.
Es liegt ein wesentlicher Unterschied darin, dass die Pilanze der Sibirischen Körbelrübe gleich im ersten Jahre Knollen, wenn auch kleinere, ansetzt und man diese ärnten und benutzen kann, daher mag man sie auch getrost im Frühjahre säen; die passendste Zeit der Aussaat bleibt aber auch für sie Schluss August.
Der gewöhnliche Rübenkörbel muss vom August bis Oktober, selbst noch im November, gesäet werden, wenn man im nächsten Jahre im Juli ärnten will, wo das Kraut schon vollständig abgestorben ist. an thut aber auch hier gut, wenn man die Rübchen bis August ruhig in der Erde liegen lässt, weil sie dann ihr frisches Ansehen mehr behalten und nie welken. Will man von dem Sibirischen Rübenkörbel möglichst viel und grosse Knollen haben, so muss man die kleineren und selbst, wenn sie nicht grösser als Erbsen sind, in der Erde lassen oder herausnehmen und dann im Spätherbste wiederum hineinbringen. Vor Allem hat man sich zu hüten, die Knollen zu früh der Erde zu entnehmen. weil sie dann oft treiben, leicht anfau- len und verderben. Am besten nimmt man die Knollen erst Ende August nach dem vollständigen Abtrocknen des Kraules heraus, schlägt sie dann aber wiederum schicht- weise ein. Die gewöhnliche Körbelrübe muss aber stets ausserhalb der Erde und trocken aufbewahrt werden und schmeckt dann am Besten, wenn sie etwas Frost erhal- ten hat. Uebrigens kann man die Sibirische Körbelrübe auch grade so behandeln.
Da diese Sorte viel stärker wird, selbst über 2 Jahre hinauszudauern scheint, so muss man nothwendiger Weise auch bei der Aussaat die Reihen in etwas grössere Ent- fernung bringen, als bei der gewöhnlichen Körbelrübe. Breitwürfige Saaten sind nicht anzuempfehlen, weil man
Am
zweckmässigsten bedient man sich zur Reihenkultur der
dann das Unkraut nicht leicht überwältigen kann.
sogenannten Drillharke mit verstellbaren Schaaren. Man säet den Samen am zweckmässigsten auf ein 4 Fuss brei- tes Beet in 1 Fuss von einander entfernten Reihen; in der Reihe erhalten die Pflanzen einen Abstand von 6—8 Zoll. Für Herbstsaaten kann ich eine Zoll hohe Bedeckung der Sa- menbeete mit altem Dünger nicht genug empfehlen; auch erhält man reichlicheren Ertrag, vorsichtig einige Mal mit Guano-Wasser giesst.
wenn man im Frühjahre
Was die Zubereitung der Rübehen anbelangt, so ist diese ganz dieselbe, wie die der gewöhnlichen und erlaube ich mir in dieser Hinsicht noch die Abhandlung des Hof-
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gärtners Mayer in Monbijou (Berlin) in den Verhandlun- gen des schon erwähnten Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, 1. Reihe 21. Band S. 302 und die des Pfar- rers Stetefeldt in der 2. oder neuen Reihe, 3. Jahrgang, Seite 276, bestens zu empfehlen.
Nach einer Uutersuchung des Herrn Professos Trom- mer in Eldena enthält die Sibirische Körbelrübe 24 Pro- cent feste Bestandtheile und zwar:
17,3 Stärkmehl,
3.2 Proteinsubstanz.
0,6 Fett und Harz,
2.0 Pektin und Pflanzenfaser.,
0,9 Asche.
24,0.
Die gänzliche Abwesenheit von Zucker und Gummi in diesem nützlichen Kultur-Produkt bleibt zwar auflallend, allein ich versichere, dass dasselbe selbst dann noch wohl- schmeckend bleibt. wenn es bereits seinen Samen herge- geben hat.
Im Herbst 1855 wurden von hier aus an 100 Par- tieen Samen nach allen Gegenden vertheili. Ich habe die Kultur der Sibirischen Körbelrübe jetzt erweitert und be- finde mich in der angenehmen Lage, meinen Kollegen und allen sich für diese nützliche Pflanze interessireuden Gar- tenfreunden davon zum bevorstehenden Herbst grössere Samen-Proben anbieten zu können. Die Fortsetzung die- ser Anbau-Versuche bleibt um so wünschenswerther, als einerseits das Urtheil über den wirthschaftlicheu Gebrauchs- werth dieses jedenfalls sehr nützlichen Kultur-Produktes sicherer zum Abschluss zu bringen, wie aueh andererseits das beste Kultur - Verfahren desselben mit vereinten Kräf- ten viel schneller zu ermitteln ist.
Bücherschaw.
Hilfs- und Schreibkalender für Gärtner und Gartenfreunde für das Jahr 1857. Unter Mit- wirkung von Borchers, Karl Bouch£&, v. Fa- bian, Fri@bel, Jühlke, Legeler und Schamal, herausgegeben vom Professor Dr. KarlKoch. 1. 2. Theil. Berlin. Verlag von G. Bosselmann 25 Sgr.
Zum dritten Mal erscheint jetzt dieser Kalender, des- sen Auflage bereits bis zu 3000 Exemplaren gestiegen ist.
Es ist dieses Resultat doppelt erfreulich, denn es bezeugt eines Theils die günstige Aufnahme, welche der Kalender überall durch ganz Deutschland gefunden hat, anderntheils aber auch. dass der Sinn für Blumen und Pflanzen, so wie für Gartenanlagen alle Jahre mehr zunimmt. Wir haben hier um so weniger nöthig, auf seinen innern Werth auf- merksam zu machen, als der Kalender im vorigen Jahre ohne Ausnalıme eine besonders günstige Beurtheilung er- halten hat und gewiss nicht in diesem Jahre nachstehen wird.
Der erste Theil ist wiederum gebunden. Leider konnte dem mehrfach ausgesprechenen Wunsche, anstatt der cha- grinartig-unebenen Deckel flache zu geben, damit es sich besser darauf schreibe, deshalb nieht mehr entsprochen werden, als diese bereits schon fertig waren. Im nächsten Jahrgange wird aber hoffentlich dem Uebe!stande abgeholfen. Dieser Theil enthält zunächst den eigenen Kalender in der Weise, dass immer 2 Tage auf einer Seite stehen. So hat man Raum genug, um sich Notizen einzuzeichnen. Darauf folgen allerhand Tabellen, wie sie der Gärtner und Garten- liebhaber grade braucht; Dünger-. Obst-, Gemüse- und Blumen-Tabellen, Schemata der täglichen Einnahme und Ausgabe und eines wöchentlichen Berichtes für den Gärt- ner, vergleichende Zusammenstellungen der verschiedenen Therometer-Skalen, der Geldsorten, der Maasse und Ge- wichte u. s, w.,. der Werthe der verschiedenen Brennma- terialien, ferner Lohntabellen. Hilfstafel über Dimensionen und Inhalt der Gräben, Auflösnngen verschiedener, Garten- anlagen betreffender Aufgaben, Interessen-Rechnungen, Auf- zählung der Jahrmärkte nach der Zeit u. s. w.
Der nur brochirte zweite Theil bringt uns dieses Mal oben an eine revidirte Uebersicht der deutschen Handels- gärtnereien vom Herausgeber, daun vom Insp. Jühlke in Eldena: Winke und Rathschläge zur Beförderung einer erfreulichen Wirksamkeit der Gärtner auf dem Lande; von Hofgärtner Legeler: Bonition des Bodens; von Inspektor Bouche: über Anlage von Kanalheizungen in den Ge- wächshäusern mit einer Tafel bildlicher Erläuterungen: von dem Kreisgerichtsoffizial Schamal: Wasserkur gegen Gummifluss der Steinobstbäume; von dem Hofgartenmeister Borchers: Behandlung der Obstbäume und Edelreiser nach langer Verpackung; von dem Kunst- und Handelsgärt- ner Friebel: Hyaeinthenkultur im freien Lande; von dem Obristlieutenant v. Fabian: Bericht über die neuesten Gemüse mit Einschluss der Melonen; vom Herausgeber: Auswahl der neueren und neuesten Pflanzen; und endlich von demselben: die Pflanzenfamilien und alphabetisches Verzeichniss der in den Gärten befindlichen Pflanzenge- schlechter. — Durch das letztere ist gewiss allen Gärtnern ein besonderer Dienst geleistet worden, da ihm hier eine Gelegenheit geboten ist, sich selbst zu belehren und zu orientiren. Der Gärtner muss heut zu Tage auch in so weit Botaniker sein, als er wenigstens eine allgemeine Kenntniss von den Familien und den verschiedenen Er- scheinungen in der Pflanzenwelt besitzt.
Verlag der Nauckschen Buchhandlung.
Berlin.
Hierbei das Preis-Verzeichniss von Ambroise Verschaffelt in Gent für Frühjahr und Sommer 1857.
Druck der Nauckschen Buchdruckerei.
Yo. 3.
Preis es Jahrgsags von 52 Nummern mit 12 color. Abbildungen 6 Thlr., ohne dieselben 5 -
Durch alle Postämter des deutsch-öster- reichischen Postvereins sowieauch durch den Buchhandel ohne Preiserhöhung zu beziehen.
Sonnabend, den 17. Januar.
BERLINER
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Mit directer Post übernimmt die Verlagshandlung die Ver- seudung unter Kreuzband
gegen Vergütung von 26 SBn für Beigien, von 1 Thlr. 9 Sgr, für England, von 1’Thlr, 22 Sgr. für Frankreich.
Alloemeine Gartenzeilung.
Herausgegeben
vom
Professor Dr. Karl Koch.
General-Secretair des Vereins zur Beförderung des Gartenhaues in den Königl. Preussischen Staaten.
Anhalt: Die Borsig’sche Orchideen-Sammlung zu Moabit bei Berlin. Von ...... . — Die Kolokasien und Xanthosomen. Von Prof. Karl Koch und Obergärtner Kreutz. II. Xanthosomen. — Ueber die Nomenklatur in den Katalogen der Handelsgärtne- reien. Von Prof. Göppert in Breslau. — De Jonghe’s Speerlilie, Encholirion Jonghüi Lib. — Eine blühende Musa Cavendishii Paxt. (chinensis Sweet). — Bücherschau: P. Fr. und Carl Bouche’s Blumenzucht; Göpperts offieinelle und technisch wichtige Pflanzen; De Jonghe’s Kamellienkultur, übersetzt von Frh. v. Biedenfeld. — Korrespondenz.
Rundschau.
Die Borsig’sche Orchideen-Sammlung zu Moabit bei Berlin.
Von
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Dem Aufschwunge der Industrie ist rasch auch ein freudiges Emporblühen des Gartenwesens gefolgt. Wenn auch England für die Industrie im Allgemeinen sich die grössten Verdienste erworben und für Gartenbau ebenfalls ungemein viel gethan hat, so verdankt doch der letztere unserem Vaterlande vorzugsweise seine jetzige hohe Stufe, und namentlich, dass Blumenzucht im eigentlichen Sinne des Wortes Gemeingut geworden ist. Und wiederum ist es der Norden Deutschlands, und zwar vorherrschend die östliche Seite, welche rühmlichst hier vorangegangen ist. Nicht allein reiche Leute sind es hier, auch Männer mit mässigen Mitteln, wirken und fördern im Interesse des Gartenbaues. Vor Allenı hat die ästhetische Seite, das Land- schaftliche, einen Aufschwung erhalten, wie wir ihn ver- gebens im dieser Weise ausserhalb Preussen und Deutsch- land suchen
Es ist schon oft in verschiedenen Zeitschriften über Gärten und Anlagen gesprochen worden, und grade Schil- derungen sind es gewesen, welche zur Nacheiferung mehr angespormt haben, als vieles Andere; daher ich auch gern der Aufforderung, der Redaktion nathgekommen bin, von den in diesen Blättern von Zeit zu Zeit zu gebenden Schil-
derungen mit einem Garten zu beginnen, der unsere volle Anerkennung um so mehr verdient, als er die Schöpfung seines früheren, leider viel zu früh verstorbenen Besitzers ist und von dem Sohne in gleichem Geiste erhalten nnd immerfort verschönert wird. Es ist dieses der Garten des Fabrikbesitzers Borsig in Moabit.
Der Raum erlaubt mir nicht, eine umfassende Beschrei- bung dieser in der That grossartigen Anlage zu geben, da ich oder ein Anderer) wohl noch oft Gelegenheit haben werde, eine in seinen Theilen ausführliche Schilderung anzu- fertigen. Für diesmal soll nur einer Pflanzenfamilie gedacht werden, da eine solche Sammlung, weniger in der Reichhal- tigkeit der Formen, als um desto mehr in der Beschaffenheit der einzelnen Exemplare, nirgends wohl weiter existiren wird. Ich habe mich oft schon, und mit mir gewiss viele Blumenfreunde von Nah und Fern, an den sauber gehalte- nen, zu jeder Zeit mit prächtigen Blumen geschmückten Glashäusern. an den herrlichen Palmen und Baumfarrn u. s. w. darin innig gefreut und jedes Mal dem Besitzer, der das, was er Schönes hat, nicht etwa egoistisch nur für sich haben will, sondern der mit nicht genug anzuer- kennender Liberalität Jedermann den hohen Genuss gönnt, im Stillen recht sehr gedankt; aber eine solche freudige Ueberraschung, als mir wurde, als ich zum ersten Male in die neuen Örchideenhäuser eintrat, habe ich nur selten gehabt. Möchten nur recht viele Blumen- und Pflanzen- freunde von der Erlaubniss des Besitzers grade im Winter, wo alles um uns todt ist, häufig Gebrauch machen, und
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neben den anderen und bekannteren Glashäusern nun auch die Orchideen-Sammlung sich beschauen.
Wenden wir uns vor Allem zunächst zu dem Hause, in dem diese Sammlung aufgestellt ist. Schon das Aeus- sere macht einen angenehmen Eindruck. Es ist ein Doppel- haus von 150 Fuss Länge und 20 Fuss Tiefe. Der Bau selbst ist, wie man auch gar nicht anders von seinem Be- sitzer erwarten kann, gediegen; Eisen, Stein und Glas sind Gegenstände, die dem Zahne der Zeit lange wider- stehen. Der Winkel des Hauses scheint ohngefähr 28 Grad zu sein, eine Neigung, die, meiner unmassgeblichen Ansicht nach, in unserm Klima für jegliche Glashauspflanzen zuträglich ist. Doppelfenster schützen die Pflanzen gegen etwaigen plötzlich eintretenden Temperaturwechsel. Das Licht, das wichtige Bedürfniss aller lebenden Wesen und vor Allem der Pflanzen, kann in einem Hause mit solcher Breite den ganzen Tag hindurch ungehindert eintreten und seine wohlthätigen Wirkungen äussern. Die Erwär- mung geschieht vermitlelst einer zweckmässig-konstruirten Wasserheizung; es ist ein solcher Erwärmungsapparat für Pflanzen aller Zonen nützlich und nicht genug zu empfehlen. Es wäre wohl zu wünschen, dass sein Besitzer eine genaue, mit Zeichnungen versehene Beschreibung des Hauses der Redaktion freundlichst zur Verfügung stellen wollte.
Das Haus ist in 4 Abtheilungen getheilt. Die erste, weiche schon früher vorhanden war, ist bestimmt, um alles, was grade in Blüthe steht, aufzunehmen. Deshalb beträgt ihre Temperatur immer einige Grade weniger, als in den andern Abtheilungen. Zu gleicher Zeit enthält das Haus auch die Orchideen, welche überhaupt einen geringeren Wärmegrad bedürfen.
Bei meinem letzten Besuche fand ich hier grade blühend:
Cattleya labiata Lindl., ein Riesenexemplar in einem Kübel mit gegen 80 Blüthen.
Aörides suavissimum Lindl. 4 lavidum, ein zweiter Riese gegen 3 Fuss im Durchmesser und 5 Fuss Höhe mit 24 Blüthentrauben.
Cattleya elegans Morr., mit 2 Blüthenstielen.
Cattleya guttata Lindl.
Cattleya maxima Lindl.
Cattleya luteola Lindl.
Miltonia Moreliana Brongn.
Miltonia Russeliana Lindl.
Miltonia eandida Lindl.
Phalaenopsis amabilis Blume, ein sehr schönes Exemplar mit 3 Blüthenstengeln.
Phalaenopsis grandiflora Lindl., gross und reich mil
Blumen besetzt.
Phalaenopsis equestris Rehb fil.
Dendrobium moniliforme Sw., ein Exemplar von gegen 3 Fuss im Durchmesser und mit Huuderten von Blu- men bedeckt.
Dendrobium nobile Lindl., an Grösse der vorigen gleich, an Schönheit aber fast noch übertreffend.
Saccolabium miniatum Lindl., reizende Blüthe.
Preptanthe vestitaRchb. fil. var. rubra mit 12 Blüthensteng.
Cypripedium purpuratum Lindl.. mit vielen Blüthen.
Vanda Roxburghii R. Br. var. eoerulea.
Öneidium Papilio Lindl., var. majus, gross und schön.
Angraecum eburneum Pet. Th., ein riesiges Exemplar mit fünf Blüthenstengeln.
Limatodes rosea Lindl. wunderbar schön.
Die zweite Abtheilung enthält vorzugsweise die Orchi- deen aus dem tropischen Süd- und aus Central- America. Auffallend gross erschienen mir hier:
Laelia anceps Lindl,, da sie gegen 2 Fuss im Durchmesser enthielt und 20 Blüthenstengel besass.
Cryptochilus sanguineus Wall., 1! Fuss Durchmesser.
Cattleya Skinneri Batem., 13 Fuss Durchmesser mit vie- len Knospen.
Laelia Boothiana Rehb. fil. 2 Fuss Durchmesser.
Laelia purpuraseens Hort., sehr grosse Pflanze.
Öneidium phymatochilum Lindl., 2 Fuss Durchmesser.
Oneidium sphacelatum Lindl.. 2 Fuss Durchmesser.
Odontoglossum Bietonense Lindl.. 14 Fuss Durchmesser.
Oneidium hastilabium Lindl.. 1 Fuss Durchmesser.
Triehopilia suavis, 1 Fuss im Durchmesser.
Triehopilia tortilis Lindl.. 15 Fuss im Durchmesser.
- In der dritten Abtheilung sind zum grössten Theil die ostindischen Orchideen enthalten; hier konnte man sich einen Begriff machen, wie diese Art Pflanzen wohl ohn- gefähr in ihrem Vaterlande aussehen ; fast Alles schöne und grosse Exemplare, wie ich noch nie gesehen hatte:
Aörides odoratum Lindl.. war 5 Fuss hoch und 4 Fuss breit. mit vielen Trieben.
Aörides Larpentae Hort.Angl. (falcatum Ldl.), sehr selten.
Aörides Schroderi Hort.. prächtige Pflanze.
Aerides rubrum Hort.
Aerides virens Lindl.. 2 Fuss im Durchmesser und 3 Fuss hoch.
Aörides maeulosum Lindl.
° Angraecum distichum Lindl, 2 Fuss Durchmesser.
Angraeeum caudatum Lindl.
Ansellia afrieana Lindl.. in einem Kübel von 3 Fuss Durchmesser mit 13 Rispen, welche 50 bis 90 Pin- men tragen.
Burlingtonia venusta Lindl., grosses Exemplar.
Coelogyne Lowii Paxt.. 2 Fuss im Durchmesser.
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Arpophyllum giganteum Lindl., 2 Fuss im Durchmesser.
Cymbidium eburneum Lindl., 1 Fuss im Durchmesser.
Dendrobium anosmum Lindl.
Dendrobium chrysanthum Wall., 2 Fuss Durchmesser.
Dendrobium densiflorum Wall., 2 Fuss im Durchmesser.
Schönes Exemplar.
Dendrobium maerophyllum Lindl.
Dendrobium Pirardii Roxb.
Dendrobium Farmerii Paxt.
Saccolabium Blumei Lindl,
Saceolabium Blumei Lindl. 3 majus Hort.
Saceolabium ampullaceum Lndl. (Aörides ampull. Roxb.)
Saecolabium guttatum Lindl.
Vanda Batemanniüi Lindl.
Vanda cristata Lindl.
Vanda furca Blume, 2 Fuss breit und 3 Fuss hoch.
Vanda coerulea Griff., 2 Fuss hoch, bezweigt.
Vanda Jenkinsonii Hort.
Vanda Roxburghii R. Br.
Vanda suavis Lindl., 3 Fuss hoch und 3 Fuss breit.
Die Anecochilus stehen hier in einer nie gesehenen
Fülle und Pracht, so z. B. namentlich Anecochilus interme- dius Hort., Lowii Hort., setaceus Bl., xanthophyllus PI. ete. in grossen, verzweigten Exemplaren. Haemaria discolor Ldl. 8 roseo-lineata, eine neue schöne Form mit rothen Nerven.
In der vierten Abtheilung finden wir, ausser den klei-
neren Orchideen, besonders die Schlauchpflanzen oder Kan- nenträger (Nepenthes) und mehrere neuere Pflanzen, wie Ouvirandra fenestralis Pet. Th., Begonia pieta Hort., Glei- chenia mierophylla Br., und einige sehr interessante Farrn aus Ceylon, welche Joh. Nietner, ein Sohn des Hofgärtners Nietner in Schönhausen, gesammelt hat. Unter diesen be- findet sich Gleichenia dichotoma, Oleandra hirtella Miqu., eine noch unbestimmte Marattia, (Angiopteris?) Cheilanthes farinosa.
Herr Borsig kaufte diese Orchideen-Sammlung im ver- flossenen Jahre in England von einem eifrigen Orchideen- Sammler, Herrn Robert Hanbury, dem es selbst nur im Verlaufe einer langen Reihe von Jahren und bei fortdauern- der Rührigkeit und Aufmerksamkeit, so wie mit grossem Geldaufwande, gelang, dieselbe allmählig zusammenzu- bringen. Die Sammlung erfreute sich wegen ihrer ausge- zeichneten Exemplare auch in England. wo man Orehi- deen mit Vorliebe züchtet, eines grossen Rufes. Sie wurde selbst, nächst der des Herrn Rucker. als eine der besten geschätzt. Die Uebersiedelung war, wie man sich wohl leicht denken kann, mit grossen Mühen und mancherlei Schwierigkeiten verknüpft. Sie wurde durch Borsig’s Obergärtner, Gaerdt, der namentlich allen Mitgliedern des
Vereins zur Beförderung des Gartenbaues durch die herr- lichen Pflanzen, welche er eine lange Reihe von Jahren hindurch ausstellte, und durch seine gelungenen Kulturen hinlänglich bekannt ist, glücklich ausgeführt. So haben wir auch Ursache, uns der freudigen Hoffnung hinzugeben. dass dieser seltene Pflanzenschatz, wie er in ganz Deutsch- land kaum vorhanden ist, in der Folge auch unter dessen nicht weniger geschickten, als sorgsamen Pflege zur Freude seines Besitzers und aller derjenigen, welche den Borsig- schen Garten von Zeit zu Zeit besuchen, gedeihen werde.
Die Kolokasien und Xanthosomen,
Vom Prof. K. Koch und Obergärtner Kreutz im Krichel- dorf schen Garten zu Magdeburg.
I. Xanthosomen.
Die Anzahl der bis jetzt bekannten Xanthosomen beträgt 18, aber nicht alle sind in Kultur. 2 haben einen Stamm und sind bis jetzt noch nicht für Gruppen ins freie Land benutzt worden. Von den übrigen sind haupt- sächlich durch den botanischen Garten in Neuschöneberg bei Berlin nach und nach 7 Arten eingeführt, weiter ver- breitet und zum Theil erst benannt worden; einige stehen noch in Aussicht. Die Xanthosomen sind im Allgemeinen kleiner als die Kolokasien und besitzen nie schildförmige Blätter. Bei Gruppen, wie sie oben angedeutet sind, bringt man sie wegen ihrer geringeren Grösse am Besten am tande an.
Linne kannte, wie schon gesagt, nur eine einzige Art. die er Arum sagittaefolium nannte. Als Synonym zieht er aber sehr verschiedene Pflanzen dazu, wie ich in der Appendix zum Samenverzeichnisse des botanischen Gartens vom Jahre 1854 näher bestimmt habe. Willdenow be- schreibt nach Ventenat die Linne’sche Art als Caladium sagittaefolium, fügt aber später in seiner Enumeratio noch eine zweite Art, C. belophyllum, hinzu. Mit diesem Namen belegt er aber grade die grünstielige Art, während er Cala- dium sagittaefolium die Art mit violettbraunen Blattstielen nennt, welche Schott später als Xanthosoma violaceum beschreibt. Schott trennte nämlich von Caladium, welches Arten mit schildförmigen Blättern und 2fächrigen Frucht- knoten besitzt, die Pflanzen mit pfeil- oder herzförmigen Blättern und 4fächrigem Fruchtknoten und legte ihnen, da eine Art von Jacquin wegen ihres gelben Wurzelstockes Arum xanthorrhizon genannt wurde, den Namen Xan- thosoma d. i. gelber Stengel (eigentlich Leib) bei, obwohl diese Eigenschaft auf fast alle übrigen Arten nicht passt.
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\Was nun die 7 bei uns kultivirten Arten anbelangt, so will ieh sie hier nur kurz charakterisiren, damit trotz der grossen Achnlichkeit der Arten unter einander man sich doch zurecht ‚finden kann.
1) X. violaceum Schott, ein Name der leider in meiner Aufzählung der Xanthosomen in der früher er- wälhnten Appendix übersehen wurde, weshalb der von mir ein Jahr später gegebene Name X. janthinum wieder Diese Art ist leicht an den braunvioletten Blattstielen erkenntlich.
2) X. atrovirens C. Koch et Bouche zeichnet sich durch seine fast schwarzgrüne Färbung der Ober- fläche der Blätter und durch seine abgerundeten Blattohren aus. Auch sind die Blattstielränder, wenigstens zum Theil,
eingezogen werden muss.
schwarzgrün.
Unter dem Namen X. versicolor kultivirt der botani- sche Garten in Berlin noch eine kurze und mehr gedrungene Abart mit nur dunkelgrünen Blättern. aber mit um desto intensiver schwarzgrün gefärbten Blattstielrändern.
3) X. Caracu C. Koch et Bouche besitzt eine glänzende Blattoberfläche und einen weissmilchenden Blatt- stil. Schott zieht diese Pflanze zu seinem X. robu- stum, was aus der allerdings ungenügenden Diagnose nicht hervorgeht, zumal er die eben genannten, wich- tigen und sogleich ins Auge fallenden Merkmahle gar nicht angiebt. Es kommt noch dazu, dass X. robustum aus Mexiko, X. Caracu hingegen aus Venezuela stammt.
4) X. utile ©. Koch et Bouche£; fast noch grösser.
als die vorige, besitzt die Art oben dunkelgrüne Blätter und im Blattstiele einen wässrigen Milchsaft. Das Haupt- kennzeichen ist, dass die Blattohren an den Rändern sich fast decken und das ganze Blatt in der Mitte vertieft erscheint.
5)X. sagittaefolium Kth (nee Schott Aroid.syn. p- 56.) Ju der Blattfärbung dem vorigen gleich, unterscheidet essich durch eine flache, nicht in der Mitte vertiefte Blattfläche mit meist violetten Rändern; die Blattohren stehen ebenfalls sehr genähert und decken sich fast mit den innern Rändern. Die Seitennerven haben nach der Peripherie zu eine fast horizontale Richtung. Jn unsern Gärten kam die Pflanze schon lange als X. Mafaffa vor, ein Name, den Schott als von ihm gegeben in Anspruch nimmt.
6) X. belophyllum Kth. Hat ebenfalls eine flache, nicht vertiefte Blattfläche. aber entfernt stehende Blatt- ohren und weit mehr einen spitzen Winkel bildende Sei- tennerven. Als Abart gehört wohl hierher eine niedrige Pflanze mit violetten Blattstielrändern. die deshalb ebenfalls
als X. versicolor im botanischen Garten vorkommt. von Schott hält diese für das eigentliche X. belophyllum, was aber zu Willdenow’s Beschreibung gar nicht passt, und betrachtet die von mir unter dem Namen earacassanum bezeich- nete Abart für eine gute Art.
der oben erwähnten aber verschieden ist.
Diese unterscheidet sich allerdings durch die grössere Anzahl von Seitennerven, nämlich 10 auf jeder Seite, während bei der Hauptart nur gegen 6 vorhanden sind.
7) X. hastaefolium €. Koch. Die niedrigste Art mit langen, fast spiessförmigen Blattflächen, deren grosse Ohren sehr divergiren. Schon längst unter dem Namen Arum hastaefolium und sagitiaefolium im Berliner botanischen Garten. Schott vereinigte die Art zuerst mit Acontias, machte sie aber später auch zu einem Xanthosoma.
Zu diesen 7, hauptsächlich durch den botanischen Garten zu Neuschöneberg bei Berlin verbreiteten Pflanzen kommt nun:
8) eine Art, deren Einführung man dem Direktor des zoologischen Gartens in Brüssel, Linden, verdankt und die aus- Venezuela stammt. Sie befindet sich ausserdem nur noch in dem Garten des Oberlandesgerichtsrathes Augustin an der Wildparkstation bei Potsdam, kann aber wohl von beiden Gärtnereien bezogen werden, da die Pflanze sich eben so leicht, als die übrigen Xanthoso- men, durch Zertheilung vermehren lässt. Sie ist an der kurzen Behaarung, welche den Blättern eine graugrüne Färbung gibt, kenntlich und hat deshalb von mir in der Appendix zum Samen-Verzeichnisse des botanischen Gar- tens für das Jahr 1855 den Namen Xanthosoma pilo- sum erhalten. Durch die Freundlichkeit des Direktors Linden in Brüssel erhielt ich in diesen Tagen auch eine Blüthe, die keinen Zweifel mehr übrig lässt, dass die Art zu Xanthosoma gehört. Ob sie übrigens ebenfalls zu Grup- pen im Freien verwendet werden kann, muss erst die Er- fahrung lehren.
9) Es bleiben endlich noeh die Xanthosomen mit deutlichem Stamme übrig. Von dieser Abtheilung kennt man 2 Arten, von denen sich aber nur die eine (wenigstens in Norddeutschland) noch in den Gärten be- findet, während zu Jacquin’s Zeit, wie ziemlich deutlich aus dessen Schriften hervorgeht. beide kultivirt wurden. Beide sind sehr schöne Pflanzen. die die bekanntere Alo- casia odora (als Arum oder Caladium odoralissimum meist in den Gärten) an Eleganz übertreffen und eine Zierde der
Sie unterscheiden sich
warmen Gervächshäuser bilden.
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übrigens sehr leicht, indem bei X. xanthorrhizon die Blattohren grade herunter stehen und die Blattstielränder flach sind, diese aber bei X. undipes grade wellenförmig erscheinen, während die Blattohren divergiren. Ob die letztere wie Alocasia odora im Sommer auch ins Freie gestellt werden kann, weiss ich nicht.
Nur die erstere hat Jaequin als Arum xanthorrhizon beschrieben und auch sehr gut in seinem Hortus Schön- brunnensis, tab. 188 abgebildet. Auf sie gründete, wie schon gesagt, später (1832) Schott hauptsächlich sein Ge- schlecht Xanthosoma und nannte die von jenem abgebil- dete Pflanze (Melet. I, p. 19.) X. Jacquini, während er unter demselben Namen aber im dem Garten zu Schön- brunn, (wiees übrigens auch in allen norddeutschen Gär- ten bis jetzt der Fall war,) die andere mit den wellenför- migen Blattstielrändern kultivirte. Eine genaue Verglei- chung der Abbildung mit der Pflanze im botanischen Garten zu Neuschöneberg und in Sanssouei zeigte mir den Jrrihum, und ich beschrieb die letztere zuerst im Jahre 1854, wo mir noch keine Blüthen zu Gebote standen, wegen ihrer Aehnliehkeit mit Alocasia odora, als Alocasia undipes. Ein Jahr später belehrte mich ein stattliches blühendes Exem- plar des botanischen Gartens, dass die Pflanze ein Xantho- soma sei, und machte ich dieses alsbald bekannt.
Nachdem nun Schott in seinen Schriften bis zu meiner Untersuchung der Blüthe des X. undipes unter X. Jaequini die von Jaequin als Arum xanthorrhizon abgebildete Pflanze verstand, erklärt er plötzlich jetzt in seiner eben erschie- nenen Synopsis Aroidearum p. 57, dass er unter seinem X. Jaequini nicht Arum xanthorrhizon Jaeq. Hort. Schönbr. {. 188, sondern A. xanthorrhizon des Schönbrunner Gartens, nit einem Worte also, ebenfalls mein X. undipes, verstanden haben wolle. Dieser von mir gegebene Name muss dem- nach auch bleiben, da X. Jacquini Schott ursprünglich, wie eben gesagt, eine andere Pflanze bedeutet. Konfussion zu vermeiden, ist es überhaupt am Besten, die Benennung X. Jacquini nun ganz fallen zu lassen und den ursprünglichen Beinamen xanthorrhizon für die von Jac-
Um weitere
quin abgebildete Pflanze wieder herzustellen.
Ueber die Nomenklatur in den Katalogen der
Handelsgärtnereien. Vom Professor Dr. H. R. Göppert in Breslau.
Nachdem ich vor 3 Jahren zuerst auf die Nothwen- digkeit der Verbesserung der damals gewöhnlich in höch-
stem Grade nicht etwa in systematischer, sondern vielmehr in orthographischer Hinsicht fehlerhaften Kataloge der Han- delsgärtnereien hingewiesen hatte, berücksichtigten dieses zuerst Herr Geitner in Planitz bei Zwickau, mit ganz besonderer Beachtung der sowohl offieinellen als technisch wichtigen Pflanzen, und fast gleichzeitig Herr Topf in Er- furt. Ihre Kataloge sind auch für Gartendirektoren wich- tig, weil wir seit dem Aufhören des Walpers’schen Reper- torium’s die Namen der neueren Pflanzen in den verschie- densten Werken und Zeitschriften aufzusuchen haben, welche nicht einem Jeden gleich zu Gebote stehen. Die- sem löblichen Beispiele folgten die Herren Kunicke in Wernigerode, ©. H.Beissner in Ludwigslust, Neubert und Reitenbach in Plicken bei Gumbinnen in Östpreus- sen, welche ebenso unter Benutzung der vorhandenen Hülfs- mittel nicht nur die einzelnen Arten auf ächt wissenschaft- liche Weise bezeichneten, sondern auch auf Unterscheidung der Art und Abart die gebührende Rücksicht nahmen. Für einzelne Familien, wie für Koniferen, benutzten die vor- handenen Hülfsmittel: die Handelsgärtner Herr Julius Mohnhaupt in Breslau, für Farrn und Palmen A. N. Bau- mann in Bollwiller, Blass in Elberfeld, für Orchideen schon früher Herr Josst in Tetschen, Schiller in Hamburg, Linden (wie auch für die zahlreichen neuen Einführungen) in Brüssel, Kramer zu Flottbeck bei Hamburg. In den reichen Katalogen der van Houtte’schen und Verschaf- felt’schen Etablissements stehen wenigstens die neuen Ein- führungen in besonderer Beziehung zu den von den Besitzern herausgegebenen Gartenjournalen. Das Verzeichniss der durch Herrn von Sieb old eingeführten japanischen Pflanzen lässt natürlich, wie nicht anders erwartet werden kann, nichts zu wünschen übrig, desgleichen das Preisverzeichniss der Warm- und Kalthauspflanzen zu Herre@nhausen bei Hannover und die so eben erschienene Uebersicht der in dem wahrhaft grossartigen Etablissement des Herrn Ober- Landes-Gerichtsrathes Augustin bei Potsdam kultivirten Pflanzen, in welchem unter der so erfolgreichen Leitung des Obergärtners Lauche so viel Palmen an Zahl der Arten und Individuen, wie noch niemals in Europa irgend- wo, beisammen waren, bestens gedeihen, desgleichen in nicht minder grosser Zahl Farrn, Aroideen, Orchideen, Seitami- neen und andere in medizinischer oder technischer Hinsicht wichtige Pflanzen aus den verschiedensten Familien ange- troffen werden. . Wenn auch alle anderen Handelsgärtner des In- und Auslandes mit Ausnahme eines einzigen eng- lischen, James Cortes, soviel ich wenigstens weiss, zur Zeit noch hinter diesen lobenswerthen, wenn auch nur geringen Zahl von Beispielen zurückgeblieben sind, und auch selbst manche neuere Handbücher der Gärtnerei und selbst Mo-
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nographieen einzelner Zierpflanzen eine genauere Bezeichnung oft noch auf sehr arge Weise vernachlässigen, so ist doch im Allgemeinen eine korrektere Beschaffenheit der Kataloge dieser Art nicht zu verkennen; die wahrhaft schreienden Fehler gegen die Orthographie hinreichend bekannter Na- men kommen in ihnen immer seltener vor, was immerhin Hoffent- Denn wenn sich heut ein
sehon als Zeichen des Fortschrittes anzusehen ist. lich wird es bald noch besser! Jeder bestrebt, an der sich immer weiter verbreitenden Bildung seinen Antheil zu sichern, so ist doch wahrlich nicht abzusehen, warum die Handelsgärtner sich davon ausschliessen und nieht die Hülfsmittel gebrauchen sollen, die ihren ehrenwerthen Standesgenossen in vollkommen ausreichender Zahl in den dahin schlagenden Werken bieten! — Ob meine kleine Schrift zu diesem Zwecke auch etwas beitragen könnte, überlasse ich jedem sachkun- digen Urtheile. |
De Jonghe’s Speerlilie, Encholirion Jonghii Libon.
Seitdem v. Martius (1819) auf steinigen, unfrucht- baren Eilanden des grossen Flusses San Franeiseo in Bra- silien eine prächtige Bromeliacee mit 6—8 Fuss hohen und oben dieht mit bunten Blüthen besetzten Schafte fand, hat nur noch Riehard Schomburgk, 24 Jahre später (1843), auf dem höchsten Sandsteinberge, Roreima, der zu einer aus vielen einzelnen Bergen nur lose zusammenhängenden Gebirgskette des englischen Guiana gehört. eine ähnliche,
aber weit kleinere Pflanze gefunden, die Dr. Klotzsch-
mit jener in einem Gesehlechte vereinigt. V. Martius bildete aus seiner Pflanze das Genus Encholirion. d. h. Speerlilie, gewiss ein passender Name, und nannte die Art selbst wegen ihrer Schönheit Encholirion spectabile, also, die prächtige Speerlilie, während Klotzsch der Schomburgk’schen Pflanze zu Ehren der Prinzessin von Preussen den Namen Encholirion Augustae ertheilte. Die letztere ist übrigens in dem XVII. Bande der Verhand- lungen des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues auf der 2. Tafel abgebildet.
Um so erfreulicher ist es nun, dass der bekannte Reisende der grossen de Jonghe’schen Gärtnerei in Brüssel, Libon, in Brasilien, und zwar in dem sogenannten Diaman- ten-Distrikte von Minas-Geraes, eine dritte Art gefunden hat, die sich der ersteren weit mehr zu nähern scheint, als der letzteren. Aus dieser Ursache muss jeder Gartenliebhaber, besonders von Gewächshauspflanzen, die sieh durch ihre äussere Erscheinung schon auszeichnen, dem überaus thätigen Reisenden Libon sich ganz besonders verpflichtet fühlen,
dass er die von ihm entdeckte Pflanze, welche er Encholirion Jonghii nennt, in kräftigen Exemplaren nach Europa ge- bracht hat, wo sie sich uun in der de Jonghe’schen Gärtnerei bereits in Vermehrung befindet. Schon be- sitzen wir übrigens die Art, und zwar noch dazu in einem ehr stattlichen Exemplare, zu Berlin in dem schönen Garten des Kommerzienraihes Reichenheim.
Bis jetzt hat sie zwar weder hier in Berlin, noch in Bel- sien geblüht, aber es befindet sich bereits in der Jonghe’- schen Gärtnerei ein Exemplar, was schon seit 3 Mona- ten die Blüthe langsam zu entwickeln beginnt. Der Schaft ist jetzt 2 Fuss hoch und streckt sich nun von Woche zu Woche, aber immer nur so wenig, dass es wohl noch 2 und bei ungünstiger Witterung selbst 3 Monate dauern möchte, bevor sich die Blüthen selbst entfalten. Wenn schon an und für sich, wie schon gesagt, die de Jonghe’sche Speerlilie, einen schönen Anblick gewährt, so ist dieses in noch höherem Grade der Fall. seitdem der Blüthenschaft aus der Mitte der Blätter hervortrat. Ohne Zweifel wird die Pflanze aber erst den Glanzpunkt erhalten, wenn die Blüthen vollständig entfaltet sein werden. Wir haben dem Besitzer ersucht, uns den Blüthenschaft zur Zeit freund- lichst zur, Verfügung zu stellen, damit uns möglich wird, in diesen Blättern eine genauere Beschreibung der ganzen Pflanze zu geben. Wir bitten dann noch besonders um Angabe der Kultur, damit die schöne Pflanze möglichst verbreitet werde.
Bine blühende Musa Cavendishii Paxt. (chinensis Sweet.).
In dem Warmhause des Hofbuchdruckers Hänel zu
‚Magdeburg befindet sich eine Banane von seltener Schön-
heit, die wiederum Zeugniss ablegt, wie ganz anders Pflan- zen treiben und wachsen, wenn sie nicht in Töpfen stehen, sondern unmittelbar in ein Beet eingesetzt sind. Ihr Be- sitzer, der selbst eifriger Pflanzenzüchter ist und mit viel Sachkenntniss seinen eigenen Garten, unterstützt von einem tüchligen Gärtner, Dress ler mit Namen, auch leitet, nahm aus dem Garten des Rittmeisters Hermann im Schönebeck, dessen Garten, und namentlich die Gewächshäuser, sich eben- falls mit Recht eines grossen Rufes erfreuen. im ersten, Frühjahre 1855 ein ganz verkommenes Exemplar genannter Banane mit sich, was eben weggeworfen werden sollte. Zu Hause wurde die bis dahin vernachlässigte Pflanze in einen Topf, der den ganz ausserordentlich fruchibaren Elbschlamm enthielt. gebracht, wo sie sich sehr bald er-
holte und rasch wuchs. Zu einem stattlichen Exemplar
herangewachsen, wurde die Chinesische Banane oder Para- diesfeige (Musa chinensis oder Cavendishii) herausgenommen und im Herbste in den freien Grund des Beetes in ein Warm- haus gepflanzt. Die Erde bestand auch hier aus dem eben bezeichneten Elbschlamme, war aber noch mit verrottetem Kuhdünger versetzt. ?
Hier befand sie sich ein volles Jahr, als sich die ersten Anfänge der Blüthen zeigten und auch alsbald der volle Kolben zum Vorschein kam. Noch ein Paar Wochen später bog sich der anfangs 3 Fuss lange Blüthenstand über, um zuletzt ganz und gar tüberzuhängen und damit noch länger (42 Fuss) zu werden.
Er blüht von unten nach oben, also centripetal, bereits über 3 Monate lang und hat noch keineswegs aufgehört. Während unten die feigenähnlichen und in ziemlich dich- ten Büscheln zum Theil an dem allgemeinen Stiel herum- sitzenden Früchte immer länger und dicker werden, löst sich am schweren und kurz kegelförmigen Ende des Kol- bens eins der braunen und dicht übereinanderliegenden Deckblätter nach dem andern und zeigt alsbald die bis da hin völlig eingeschlossenen gelben Blüthen. Sobald die Befruchtung geschehen ist, fallen die in der Regel dickli- chen und einen halben Fuss langen und A Zoll breiten Deckblätter ab. Damit werden nun die der Reife entge- gengehenden Fruchtknoten sichtbar und verwandeln ihre anfangs grüne Farbesallmählig in ein Graubraun.
Die Chinesische Banane hat im Allgemeinen, wie be- kannt, einen etwas kurzen und gedrängten Wuchs, der ihr etwas Schwerfälliges giebt. Denkt man sich nun noch den 13 Fuss unten im Durchmesser enthaltenden. und fast 5 Fuss langen überhängenden Blüthenstand nebst Träger hinzu, so möchte diese Pflanze selbst plumb erscheinen, insofern nieht durch die Kultur das Nöthige gethan wäre, um die einzelnen Theile mehr zu strecken, Das ist hier der Fall, denn die prächtig-grünen, ziemlich aufrechten Blätter haben hier bei einer Breite von 2} bis 3 Fuss eine Länge von 6 und 7 Fuss. Sowie demnach die Pflanze jetzt ist, gewährt sie in der That einen schönen Anblick, zumal noch die übrigen ringsherum stehenden Pflanzen des Beetes sieh sämmtlich in guter Kultur und ziemlich locker von einander befinden.
Von den unreifen Früchten stehen die untersten zu 13 nebeneinander, haben eine Länge von 5! Zoll und eine Breite von $ Zoll. Zum Theil möchten sie später geniessbar
werden. Ihre Anzahl nimmt nach dem obern Ende zu allmählig ab, so dass in der 11. Reihe — bis dahin war der Kolben bereits ohne Deckblätter — sich nur noch 7
Fruchtknoien neben einander befinden. Die Blüthen der nun folgenden Reihen haben zwar zunächst noch dasselbe
Ansehen, aber es scheint bei ihnen keine Befruchtung statt- gefunden zu haben, denn die Fruchtknoten waren welk und werden wohl alsbald abfallen. Jede Reihe wurde hier noch von einem Deckblatte gestützt.
Was die ganze Pflanze anbelangt, so hat sie bis dahin, wo durch das Ineinanderfassen der Blattscheiden eine Art
Stamm gebildet ist, eine Höhe von 6 Fuss.
Bücherschau.
Es sind uns so viel Bücher zugekommen, dass es gar nicht möglich ist, sie sämmtlich in diesen Blättern zu be- sprechen oder selbst nur anzuzeigen. + So weit es Ihunlich ist, soll es gewiss geschehen und werden in diesem Falle immer die gediegeneren Werke den Vorzug erhalten. Wir können uns aber keineswegs verpflichten, die eingesendeten Bücher, sobald sie nicht besprochen werden, immer pünkt- lich zurückzusenden, oder gar, wenn es nicht geschehen sein sollte, sie zu erstatten, wozu übrigens gar keine Berechti- gung vorliegt. Wir ersuchen deshalb alle Verlagshandlun- gen, die dieses verlangen, uns keine Bücher zuzusenden, da wir für nichts stehen. Die Redaktion. Die Blumenzucht in ihrem ganzen Umfange.
Eine praktische Anleitung zur Erziehung und Wartung der Blumen im Freien, in Glas- und Treibhäusern, wieauch im Zimmer, von P. Ir. Bouche, Kunstgärtner, und €. Bouche, In- spektor des botanischen Gartens zu Berlin. 2. ganz umgearbeitete Auflage. 1.—3. Band 1854 bis 1856. Preis 6 Thlr.
Wir begrüssen um so freudiger diese neue Auflage eines schon längst anerkannten Buches, was früher eine Abitheilung der Handbibliothek für Gärtner und Liebhaber der Gärtnerei, einer Sammlung vorzüglicher Werke, bildete, als es ebenfalls endlich Zeugniss ablegt, wie sehr in den letzten Jahren die Liebe zu Blumen und Pflanzen zuge- nommen hat. In einer Zeit, wo alljährlich Hunderte schö- ner Blumen und Blatipflanzen aus den entferntesten Gegen- den der Erde in unsern Gärten eingeführt werden, wo Gärtner und Gartenbesitzer Reisende nach allen Welttheilen entsenden, um dort das Schönste zu suchen. wo junge Leute freudig Opfer der Entbehrungen in fremden, unkul- tivirten Ländern bringen und keine Mühen scheuen, wo aber auch zu Hause im Vaterlande der menschliche Schart- sinn künstlich eiie noch grössere Mannigfaltigkeit in den vorhandenen Formen und Farben bei den Pflanzen hervor- gerufen hat, muss ein Werk. was uns Kunde giebt von dem, was bereits existirt. und uns belehrt, wie man die im Freien. wie im Ge-
einzelnen Blumen und Pflanzen
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wächshause, oder im Zimmer zu behandeln hat, und wie man zum eigenen Bedarfe oder zur Freude anderer selbige vervielfältigen kann, da muss, wie gesagt, ein solches Werk, wenn es, wie vorliegendes, mit Sachkenntniss und Umsicht geschrieben ist, um so willkommner sein, als auch die alphabetische Einrichtung desselben es leicht macht, sich zu belehren.
Der eine der Verfasser, P. Fr. Bouche, der gärtne- rischen Welt ein halbes Jahrhundert rühmlichst bekannt, hat sich grosse Verdienste um die Gärtnerei, namentlich um die Berlin’s, erworben und ist leider am 2. April des vo- rigen Jahres gestorben. Eine Skizze seines interessanten und lehrreichen Lebens befindet sich in dem 4. Jahrgange der neuen Reihe der Verhandlungen des Vereins zur Be- förderung des Gartenbaues, Seite 107.- Carl Bouche hat als Inspektor des botanischen Gartens in Berlin, unbedingt der grossartigsten Institutes der Art auf dem ganzen Fest- lande, hinlänglich Gelegenheit gehabt, sich rasch, und zwar nicht aus Büchern, sondern äus eigenem Anschauen von allem, was an Neuem erscheint, Kenntniss zu verschaffen. Es war deshalb auch Niemand so günstig gestellt, um an einem Werke der Art Theil zu nehmen.
Die offieinellen und technisch-wichtigen Pflanzen unserer Gärten, insbesondere des botanischen Gartens in Breslau, vom Prof. Dr. Göppert. Görlitz 1857. Preis 12 Thlr.
AVir begrüssen dieses Werk in doppelter Hinsicht, in- dem es Zeugniss ablegt, wie sehr man sich neuerdings Mühe giebt, die Wissenschaft zum Gemeingut aller Men- schen zu machen, und dann, weil es uns Anleitung ertheilt, das Utile cum dulei, d. h. das Nützliche mit dem Schönen, zu verbinden. Es ist recht hübsch, dass man an Blumen und Pflanzen seine Freude hat, aber noch hübscher ist es, wenn man zugleich allerhand Interessantes daran anzu- knüpfen versteht. Die bei uns beliebte „Jungfer in Haa- ren oder Gretehen im Busch“ (Nigella Damascena) liefert z. B. Samen, die im Oriente auf Brot gestreut gern ge- gessen werden; die Kolokasie, eine beliebte Blattpflanze, hat eine mehlige Wurzel, welche den Südsee-Insulanern hauptsächlich unter dem Namen Tarru als Nahrung dient, die schöne Warmhauspflanze Tectona grandis liefert das Teakholz, Jacaranda mimosaefolia das Jacarandenholz u. s.w. Der Verfasser setzt alles dieses selbst in der Vorrede sehr gut auseinander und bemerkt ganz richtig, dass eine Sammlung dergleichen wichtiger Pflanzen auch von kultur- historischer Bedeutung ist, indem sie bisweilen möglich
macht, einen tiefern Blick in die innern Verhältnisse der Völker zu thun. Wir vermögen daher das Büchelchen allen Gärtnern, Blumen- und Pflanzenliebhabern gar nicht genug zu empfehlen, indem diese sich hier sehr leicht Ratlıs erho- len können, ob eine von ihnen kultivirte Pflanze in irgend einem Verhältnisse zum Menschen steht.
De Jonghe’s praktische Grundlehren der Kul- tur von Kamellien. Deutsch nach der 2. verbesserten Auflage, verglichen mit der nouvelle Iconographie des Camellias par Verschaffelt u. s. w., von Ferd. Freih. v. Bie- denfeld. Weimar 1856. Preis 15 Sgr.
In einer Zeit, wo die Blumenzucht eine hohe Stufe erreicht hat, musste eine Pflanze, die an und für sich so viel Schönheiten darbietet und dem Gärtner durch die Neigung ihrer Blumen zu allerhand Abänderungen Gelegen- heit giebt, seine Kunst anzuwenden. noch mehr im Vor- dergrund treten, als es früher der Fall war. Um so mehr kann nun auch ein Büchelchen, was für wenige Groschen zu haben und deshalb auch dem, der die Kamellien nur im Zimmer ziehen kann, zugänglich ist, begrüsst werden, zumal wenn man weiss, dass der Verfasser ein tüchtiger Praktiker ist, der uns auch schon durch andere Schriften, und besonders durch seine interessanten, den Obstbau be- treffenden Abhandlungen in Gardener’s Chroniele bekannt ist. Es ist übrigens recht gut, dass der in dieser Hinsichi ausserordentlich thätige Uebersetzer zu gleicher Zeit auch die Kultur-Methode von Lemaire und Paillet. so wie von van de Geert und A. Verschaffelt zur Verglei- chung aufgenommen und endlich ein alphabetisches Ver- zeichniss der vorzüglichsten, bis 1848 im Handel befindlichen Kamellien aufgenommen hat.
Correspondenz. An Prof. G. in Breslau: Der Waschhader Kürbis ist eine neue Poppya und von
mir P. Fabiana genannt.
An den Kunst- und Handelsg. G. in Pl. bei Zwickau: Die eingesendeten Aroideen sind zum Theilneu und werden in den nächsten Blättern beschrieben werden.
An die Handelsg. M. u. S. in Erfurt: Dank für das Eingesendete, was zum Theil schon benutzt ist.
An Kunst- u. Handelsg. de J. in Brüssel: Ihrem Wunsche in Betreff des rascheren Versendens der Gartenzeitung durch die Post wird entsprochen werden.
An Professor L, in Hamburg: Dank für's Buch und wird dasselbe in einer der nächsten Nummern besprochen.
An Direktor L. in Brüssel: Dank für die übersendeten Aroideen, deren Beschrei bung in dem einen der nächsten Blätter ebenfalls erfolgen wird.
An H. in Erfurt : ich werde nächstens Mittheilungan machen.
Verlag der Nauckschen Buchhandlung.
.
Berlin.
Druck der Nauckschen Buchdruckerei.
No. 4.
Preis les Jahrgangs von 52 Nummern mit 12 color. Abbildungen 6 Thir., ohne dieselben 5 .-
Durch alle Postämter des deutsch-öster- reichischen Postvereins sowie auch durch den Buchhandel ohne Preiserhöhung zu beziehen.
Sonnabend, den 24. Januar.
BERLINER
1557
Mit direrter Post übernimmt die Verlagshandlung die Ver- sendung unter Kreuzband
gegen Vergütung von 26 Sgr. für Belgien, von 1 Thir. 9 Sgr. für England, von 1 Thlr. 22Sgr. für Frankreich.
Alloemeine Gartenzeitung.
Heräusgegeben
vom
Professor Dr. Karl Koch.
General-Secretair des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königl. Preussischen Staaten.
Inhalt: Belencita, ein neues Kapparideen-Geschlecht. Von Dr. Hermann Karsten. — Der Verein zur Beförderung des Gar-
tenbaues. — Journal-Schau. — Pflanzen-Ankäufe.
£ Beleneita, ein neues Kapparideen-Geschlecht. Von Dr. Hermann Karsten.
Dignose: Calyx sepalis geminis ortus. Glandu- lae hypogynae quatuor. Stamina 16 quater- natim petalis alterna.
Beschreibung: Calyx oblongus, unilateraliter fissus, apice bifidus; Corollae petala quatuor, ovata, unguieu- lata, apice attenuata, aestivatione imbricato-convoluta; Glandulae quatuor reniformes, petalis alternantes; To -
- rus eylindrieus, stipitiformis. stamina et ovariunı gerens; Stamina ut plurimum »16, quaterna, petalis alternantia, vei 18 hie quaterna, illie quina aggregata, supra petala toro imposita; Stamina libera, filiformia, aequalia, glabra, omnia fertilia, in alabastro ereeta; Antherae introrsae, lineares, acutae, dorso supra basin cordatam insertae, erectae, biloculares: loculis oppositis, longitudinaliter bi- rimosae. Ovarium libernm, supra torum pedicellatum: pedicello filamentorum longitudine, oblongum, placentis geminis oppositis, ad axin confluentibus, biloculare; Ovula plurima. placentis dissepimenti axis longitudi- naliter affıxis. funieulis brevibus imposita, amphitropa; Stigma sessile, orbieulatum, Fruetus baccatus. ova- tus, umbilicatus, corticatus, dissepimento evanescenti de- nique unilocularis, polyspermus; Semina plurima, in pulpa nidulantia, subovoidea, angulata, exalbuminosa; Testa coriacea, straminea; Cotyledones embryonis conduplicati applieativae, complicatae, vadieula brevi. vaga.
Belencita Hageni Karst.
Arbor mediocris, trunco reeto, glabro et coma ramosa, fo- liosa, sempervirente ornata; Folia alterna, petiolata, sim- plieia, integerrima, cordata, acuta, juniora tomento parco, albido furfurata; Stipulae nullae; Flores solitarii, la- terales, breve peduneulati, speciosi, albi, petalis et calyce; extus furfure teeto, deeiduis; Frucetus magnus, viridis, gynophoro longiusculo peduneulatus, pendulus; Semina magnitudine nucis Avellanae majoris. Creseit in vieinitate maris caribaei Columbiae antiquae usque ad 500 peduum altitudinem.
‘ Diesen schönen und diehtbelaubten Baum fand ich am südlicheu Ufer des Antillen- oder Karaibischen Meeres im alten Columbien bis zu einer Höhe von 500 Fuss. Der Fuss im Durchmesser haltende und astlose Stamm erhebt sich gegen 6 Fuss von der Erde bis zur halb-sphärischen Krone, deren gedrängt steliende und in einander verschlun- gene Aeste fast den Habitus unserer Apfelbäume wieder- holen. Seine Höhe beträgt im Durchschnitt 25 Fuss. Die Blätter stehen ziemlich gedrängt an den Spitzen der Aeste; sie haben an der Basis keine Nebenblätter, sind kurz gestielt, lanzettlich, mit fast herzförmiger Basis, ganzrandig nnd in eine, stumpfe Spitze sich verschmälernd. Jung erscheinen sie mil einem gelbliehen, sehr zarten Flaume überzogen, der aber bei der Berührung sich leicht abtrennt; alt sind sie aber lederarlig, kahl und glatt, bis 6 Zoll lang und 4 Zoll breit.
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Aus den Blattachseln entwickeln sich die kurzgestielten Blumen einzeln und sind bis zur Entfaltung in dem ellipsoidi- schen, zugespitzten Kelche eingehüllt; dieser ist aussen, wie die jungen Blätter, zart flaumhaarig, entweder braun oder gelb- lich gefärbt. Er spaltet sich zur Zeit der Entfaltung der Blu- menkrone an der einen Seite der ganzen Länge nach auf, worauf die übergerollten Blumenblätter hervortreten und sich noch um die Hälfte ihrer Länge vergrössern. Ferner ist er durch die Vereinigung zweier Blätter entstanden, theilt sich an der Spitze auch noch in zwei Theile und wird bei der Entfaltung der Blumenblätter zurückgebogen, worauf er dann mit diesen und den Staubfäden abfällt. Die vier Blätter der Blumenkrone sind eirund-lanzettlich, genagelt und zugespitzt; in der vollständig geöffneten Blume decken entweder ihre seitlichen Randtheile einander etwas oder auch diese berühren, wie der übrige Rand, nicht den der benachbarten Blätter. Sie sind fast rein weiss und etwas schwach ins Gelbliche übergehend. Vier nierenförmige Drüsen wechseln mit den Blumenblättern.
Zwischen den Blumenblättern stehen zur Zeit. der Blüthe je vier der 16 Staubgefässe. die oberhalb derselben an dem verlängerten und cylindrischen Fruchtträger angeheftet erscheinen ; ihre weissen, fadenförmigen, glatten, und die halbe Länge der Blumenblätter erreichenden Staubfäden sind je vier einander genähert, jedoch an der Basis nicht verbunden, die linealen gelbgefärbten Antheren aber halb so lang als die Staubfäden und diesen oberhalb der herz- oder pfeilförmig aus- geschnittenen Basis am Rücken angeheftet. Wälrend der Blüthe stehen sie aufrecht, sind jedoch etwas zurückgebogen, wiein derKnospe. Ausnahmsweise findet man an zwei, einan- der gegenüberstehenden Seiten der Blüthe 5 statt der regel- mässigsonst vorhandenen 4Staubgefässe, wodurch.die Anzahl derselben von 16 auf 18 steigt ; 20 wurden nicht beobachtet.
Der ellipsoidische, etwa 3 Linien lange Fruchtknoten steht auf einem langen, fadenförmigen Träger der verlän- gerten Spitze des Blüthenbodens und erreicht so die Länge der Staubgefässe; er ist aus zwei Fruchtblättern zusammen- gesetzt. deren einwärtsgeschlagene und mit einander ver- wachsene Blattränder, die Axe des Fruchtknotens erreichend, diesen in zwei an der Spitze und Basis der Frucht in einander fliessende Fächer theilen und an der Vereinigungs- stelle von oben bis unten mit den amphitropen Eichen besetzt sind, die von kurzen Nabelschnüren getragen werden.
Die Narbe bedeckt scheibenförmig den Fruchtknoten; ist etwas konkay und ihre Zusammensetzung aus zwei Theilen kaum durch eine schwache Furche kenntlich.
Die reife, grüne Frucht hat eine ellipsoidische oder eiförmige Gestalt. hängt an dem verlängerten Fruchtknoten- träger und ist an der Spitze genabelt. Die Fruchtschale ist
ziemlich dick, lederartig, fast hoizıg und öfluet sich nicht, sondern verfault endlich zur Zeit des Keimens der Samen. Diese sind in dem fleischig gewordenen Samenträger ein- gehüllt, der von der Fruchischale sich gänzlich abgelöst hat und in der einfächrig erscheinenden Frucht einen kugelig zusaimmenhängenden Kern bildet. Die Samen sind oval, etwas plattgedrückt und eiweisslos; eine dünne, häutige Sa- menschale umhüllt den gekrümmten Keimling. dessen an- einanderliegende und gefaltete Samenlappen viel grösser sind, als das nach dem Umkreise der Frucht gewvendete kegelförmige Würzelchen.
Die Beleneita wächst an der Nordküste Südamerika’s auf den thonig sandigen Ebenen, die das Meer bis in die Nähe des Fusses der Gebirge umgeben, und zwar in den Provinzen Barzelona, Coro und Barranquilla, fast während des ganzen Jahres, nur durch den geringen Thau und das in der At- mosphäre gelöste Wassergas ernährt; denn in diesen Ge- genden regnet es fast nur im Öctober einige Mal. Höchstens giebt es im Innern einige leichte und schnell vorübergehende Gewitterregen und heftige Regenschauer, die mit den den Boden bis auf 60° erhitzenden Sonnenstrahlen wechseln. Die mittlere Temperatur der Luft und des Bodens ist if diesen Gegenden 27. 5 C. In der Nacht kühlt die Atmo- sphäre sich in der Regel nur bis auf 17.5 —18° ab: eine Temperatur, die nicht hinreicht, die geringe Menge Wasser- gas in derselben zu verdichten.
Ein nie heftig werdender Ostwind weht fast beständig während des ganzen Jahres, bei der fortdauernden Aus- troeknung eine geringe Kühlung verursachend; sehr viele Bäume, die an etwas erhöhten Standpunkten wachsen, ver- lieren gänzlich die Blätter. Sie stehen nackt, wie unsere Laubhölzer im Winter, während eine kurze Strecke davon an einem etwas tiefer gelegenen, vor dem Lufizuge ge- schützten, vielleicht auch etwas bodenfeuchtem Orte die- selben oft ihre Blätter nicht vor der Entfaltung der jungen Knospen abwerfen. Die Beleneita, so wie die übrigen wirk- lichen Capparideen, werden sonst nie ihrer Blätter gänzlich entkleidet, während die neben ihnen wachsenden Burse- raceen, Terebinthaceen, Crotoneen, Leguminosen, Cordia- eeen, Bignonien, Acanthaceen, viele Rubiaceen und Myr- taceen dieselben gänzlich verlieren. Ausser den Pflanzen dieser Familien sind es besonders die Caeteen, die holzigen Convolvulaceen. die Nyetagineen (Pisonia), die Aselepia- deen und Apocyneen, einige Zygophylleen (Guajacum) Xanthoxyleen, Bromeliaceen (besonders die Tillandsien), wenige Örchideen (besonders die Schomburgkien. einige Laelien, Oneidien und Epidendren; die Cyenochen, Bras-_ savolen, Cataseten u. a. verlangen schon eine etwas feuch- tere Atmosphäre und gemässigtere Sonnenstrahlen), die
) in dieser Region der Capparideen, also in der Küstenregion, heimisch sind, wenn auch nicht so charakteristisch wie jene, da sie einerseits in andere Species bis zu der Höhe von 300 Metern in trockene sonnige Gegenden der Gebirge hinaufsteigen, zum Theil auch in den Ebenen jenseits der Ge- birge vorkommen. Hier nehmen die Melastomen unter ähn. lichen Verhältnissen die Stelle der die Küsten bewohnenden Familie der Capparideen ein, wenn sie auch bei weitem nicht so ausschliesslich auf diese Gegend beschränkt sind, wie die eigentlichen beerentragenden Capparideen auf ihr Gebiet, da sie auch bis zu der Höhe von 4000 Metern ansteigen, während jene in der Regel nicht die bis zu 200 Meter hohe Küstengegend verlassen. Nur die krautartige Tovaria steigt, die Cleomen begleitend, fast bis zu einer Höhe von 2000 Metern, die schattigen, feuchten und im Mittel 17° 5 C. warmen Wälder bewohnend.
Zunächst verwandt ist unsere Beleneita einerseits mit der Morisonia Plum., durch die sie der Crataeva sich nähert, anderseits mit der Capparis, von der sie indessen durch den nur einseitig aufgeschlitzten, aus zwei verwachsenen Blättern gebildeten Kelch, durch die vier mit den Blumen- blättern abwechselnden Drüsen. so wie durch die Stellung der in bestimmter Anzahl vorhandenen Staubgefässe sehr abweicht. Von der Morisonia Plum. (Plum. gen. plant. pag. 63 t. 23, Jacg. plant. americana pag. 156 t. 57, Ca- vanilles Dissertationes VI. pag. 300 taf. 163) unterscheidet sich die Beleneita durch die Form und das Oeffnen des Kelches, durch die freien, nicht im Grunde verwach- senen Staubfäden, durch die hautartigen, nicht holzigen Samenschalen und durch die einzelnstehenden, nicht in eine Traube (racemus) vereinigten Blüthen. Von der Crataeva weicht Belenecitaendlich durch den nicht vierblättrigen Kelch, durch die vier Drüsen, die auch die Morisonia nicht besitzt, und durch die bestimmte Zahl und Stellung der Staubge- fässe ab; beide Gattungen wachsen in der Nähe der Belencita, welche von beiden sich schon leicht aus der Ferne durch den Habitus unterscheidet, indem die kleinen Blüthen der Crataeva und Morisonia in einen blaitachselständigen, bei der Crataeva auch gipfelständigen Blüthenstand vereinigt sind, während die grossen und zwei Zoll im Durchmesser hal- tenden Blüthen der Beleneita einzeln aus den Achseln ihrer Blätter sich entwickeln. Die kugcligen und zwei Zoll im Durchmesser haltenden Früchte der Crataeva und Morisonia sind kurzgestielt, während die grossen, eiförmigen, bis 8 Zoll langen Früchte der Belencitaan ziemlichlangen Stielen hängen. Die Krone der Morinsonia ist sehr gedrungen und mit leder- artigen Blättern dicht belaubt, wie die der Belencita; die Aeste der ersteren sind aber gestreckter und bilden eine mehr halb- kugelige, weniger gedrungene und zartbelaubte Krone, deren
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Zweige an der Spitze die pyramidalen Blüthenstände tra- gen, die durch die lang über die Blumenblätter hervor- ragenden Staubgefässe ein zierliches, leichtes, den Cleomen ähnliches Ansehen erhalten.
Die Familie der Capparideen würde für ihre Kultur eine ähnliche Behandlung erfordern, wie die Ananas, welche jedoch wiederum eine weit grössere Bodenfeuchtigkeit er- tragen können, wenn auch dieselbe nicht so sehr Be- dingung ihres Bestehens ist, wie die abwechselnd sehr trockne Bodenbeschaftenheit und Atmosphäre, die die Cap- parideen verlangen. Beide sind lichtbedürfende Pflanzen, Die Ananas, die ich in den unbewohnten und nie angebauten Ebenen von Chiriguana an dem nordwestlichen Fusse des Gebirges von St. Martha in grosser Menge wild fand, wächst nicht in der eigentlichen Capparideen-Region. aber an ähn- lichen trocknen und lehmig-sandigen Orten immer im Um- kreise der Baumgruppen, die in der ausgedehnten und grasbe- wachsenen Ebene parkartig vertheilt sind, in deren Mitte z. B. eine hohe Vitex ihre mit olivenähnlichen Früchten beladenen Aeste weit ausbreitet oder eine Cassia, eine Te- coma oder Persea die kleineren Bäume beschattet und von Ochna, Gomphia, Varronia, Byrsonima, von Myrsinen, strauchartigen Myrtaceen und Cofleaceen, so wie von Melastomen, die wiederum von kletternden Sapindaceen, Dilleniaceen und Malphigiaceen durchschlungen sind, und nach dem Rande der Gruppe hin von kraufartigen Mal- ven- und Euphorbiaceen-Gebüsch umgeben werden. Um diese nun bildet das stachliche Gestrüppe der Ananas ein schwer zu durchdringendes Gehege. In diesr Gegend ist die kegenzeit etwas anhaltender und heftiger wie in der Region der Capparideen. wo in dem einen oder den weni- gen Regenmonaten ein vasch vorübergehender Gewilter- regen mit der Gluth der tropischen Sonne wechselt und bald den kaum durchfeucliteten Boden wieder austrocknet.
Auch den Cacteen sind die Capparideen hinsichts der Kulturbedingungen nicht ganz gleich, wenn auch sehr ähn- lich; diese (besonders die Opuntien nnd Maxillarien) fordern eine abwechselnd etwas grössere Feuchtigkeit und halten die Mitte zwischen Ananassa und den Capparideen. Licht verlan-
gen sie alle im gleichen Maase; doch der trocknen Wärme
bedürfen besonders die beerentragenden Capparideen.
Die klimatischen Erfordernisse theilen mit den Cappari- deen am meisten die Zygophylleen, besonders Guajacum, viele Arten der Gattung Xanthoxylum, die Jacquinien. Diospyros, die Plumierien, die Bonplandien, die Schomburg- kia, Tillandsia, die Cieca, Melococca, das Erythroxylon eumanense und das heilkräftige Croton Malambo. Diese alle vereinigen sich mit den Melocacten, so wie vielen Cereus- Arten auf dem an mineralischen Bestandtheilen fruchtbaren
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Boden der trocknen, heissen und sonnigen Region der tropi- schen Küstengegend als nächste Nachbarn der Strandvege- tation, die sich durch ihre Mangle- und Mangrove-Wälder, durch die Coccoloba uvifera und Hippomane Maneinella characterisirt.
Die an mannigfachen und eigenthümlichen Formen so reiche Gruppe der beerentragenden Capparideen wird mit den ihreklimatischen Erfordernisse theilenden Gewächsen aus den Pflanzenhäusern unserer Gärten so lange ausgeschlossen bleiben, bis wir ihnen nicht nur das Licht und die Wärme, sondern auch die Trockenheit der Luft zu geben uns be- mühen, was in der That keine schwierig auszuführende Aufgabe ist und, ohne grosse Kosten an Brennmaterial, als eine Verbesserung in der Kultur der übrigen Warmhaus- pflanzen und als ein Bedürfniss für die zweckmässige Pflan- zenkultur sicher binnen Kurzem angesehen werden wird.
Wie sehr unsern Warmhauspflanzen die Luftbewegung fehlt, dies fühlt jeder Pflanzenfreund mit schmerzlichem Bedauern, wenn er bei den vielen Epiphyten und Epizoen seine schwächlichen emporgetriebenen Pflanzen gänzlich verkümmern sieht und bedenkt, dass jene nicht sowohl Ur- sache der Krankheit sind als Folge derselben, indem die durch die stagnirende Luft in Stockung gerathenen Säfte zur Entstehung der Epiphyten, wie zur Vermehrung der Epizoen, Veranlassung gaben. Für die einer feuchten und warmen Atmosphäre bedürfenden Tropenpflanzen schlug ich früher vor (S. neue und schönblühende Gewächse Vene- zuela’s Springquellen in den Häusern anzubringen. Man hat sich seitdem von dem Nutzen dieser Zierde der Pflanzenhäu- ser für jene feucht-warmen Gewächse überzeugt. Um die trocken- warmen Pflanzen jedoch in der Kultur aufzuneh- men, ist ein entgegengesetzter Weg einzuschlagen; es steht uns ein eben so einfaches, vielleicht noch leichter und mit weniger Kosten auszuführendes Mittel zu Gebote, nämlich die heizenden Leitungsröhren des Wasserdampfes mit einem an dem einen Ende ausserhalb des Hauses befindlichen, hier zu öfinenden Blechmantel zu umgeben und aus diesem die erwärmte Luft an einer Seite des Hauses in den untern Theil desselben einströmen zu lassen, um sie, wenn es dicht verschlossen ist, an seiner entgegengetsezten obern Seite in das benachbarte Melastomen-, Bromeliaceen-, Palmen- oder Örchideen-Haus einströmen zu lassen und auch diesen die dienliche Luftbewegung und die oft nothwendige mässige Trockenheit der Luft zu vermitteln.
Erklärung der Tafel.
Ein Zweig der Belencita Hagenii mit einer geöflneten Blüthe und einer dem Aufblühen nahen Knospe.
1. Eine Blütlie nach dem Abfalle der Blumenblätter und
Staubgefässe.
2. Der untere Theil des Fruchtträgers und der Blüthen- boden. von dem der Kelch entfernt wurde, um die Drüsen, welche mit den Blumenblättern abwechseln, freizulegen ; m doppelter Grösse.
3. Zwei Staubgefässe aus der an dem blühenden Zweige gezeichneten Knospe.
4. Zwei Pollenzellen.
5. Querdurchschnitt des zweifächrigen Fruchtknotenseiner
geöffneten Blüthe, um die Anheftung der Eichen zu
zeigen; vergrössert. ö le
Eins dieser Eichen stärker vergrössert.
7. Eine kleine reife Frucht, in natürlicher Grösse.
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Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues,
In der am 28. December v. J. abgehaltenen Versamm- tung kam wiederum so viel Interessantes zur Sprache, dass es wohl verdient, wenigstens zum Theil, auch hier mitge- theilt zu werden.
Zunächst stattete der Inspektor des botanischen Gar- lens, Bouche, einen Bericht über die zum Theil erst im Herbste beendeten Gewächshäuser des Kommerzienrathes Reichenheim ab. Derselbe hatte den Vorstand des Ver- eines ersucht, von seinen grösstentheils durch ihn selbst angegebenen oder wenigstens angeregten Einrichtungen- Kenntniss zu nehmen. Es steht immer um Gewächshäuser und Gärten gut, wenn die Besitzer neben ihrer Liebe zu Pflanzen und Blumen auch Interesse für die Kultur und selbst einen gewissen Enthusiasmus kund geben. Der Gärtner findet dann eine grössere Genugthuung und Aner- kennung seiner Leistungen darin; sein Eifer wird gestei- gert. Es erlaubt uns jetzt nieht der Raum auf die in der That praktischen Einrichtungen der Häuser und auf die Pflanzenschätze, welche diese enthalten, näher einzugehen, zumal der Inspektor Bouch& einen ausführlichen Bericht in den Verhandlungen des Vereines geben wird; aber eins möchten wir doch erwähnen, da es von ungemeiner Wich- tigkeit ist. Zwischen den einzelnen Häusern befinden sich nämlich kleine, nieht für Pflanzen benutzte Räume mit diekem Aachener Glase gedeckt. welche oben leicht ge- öffnet werden können, um frische Luft aufzunehmen. ist dieses geschehen. so werden sie in so weit erwärmt, dass die Thüren der beiden rechts und links anstossenden Ge- wächshäuser ohne Gefahr für die dort befindlichen Pilan- zen so lange geöflnet werden können, bis die Luft sich gegenseitig ausgeglichen hat. Für Warm-, und sanz beson- ders für Orchideen-Häuser ist dieses ausserordentlich wich- tig. da sonst ein Oeflnen der Fenster im Winter fast gar
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nieht möglich ist und auch diesen Pilanzen der tropischen Urwälder von Zeit zu Zeit eine Ärneuerung der Luft durch- aus nothwendig wird.
Professor Koch legte mehre Sorten eingedickter Kernobstsäfte, sogenanntes Obst-Kraut vor, welche er aus Lindlar in der Rheinprovinz von dem eifrigen Obst- züchter Höller erhalten hatte. In Gegenden, wo man viel Obst baut, wird dieses noch gar nicht so verwerthet, als es wünschenswerth wäre. Man erhält in guten Zeiten für ein Paar Groschen daselbst oft einen Scheffel, sogar besseren Obstes. Ref. erinnert sich selbst noch Jahre aus seiner Jugend, wo das Öbst hier und da in Thüringen kaum so viel Werth hatte, um es einzuärnten, und wo das Schleehtere zuletzt den Schweinen gefüttert wurde. Ref. empfahl zur Belehrung in dieser Hinsicht auf das An- gelegentlichste das vorzügliche Buch von Lucas, des Garteninspektors in Hohenheim, über die Benutzung des Obstes.
Professor Koch vertheilte ferner Beeren einer Wach- holder-Art, die nur auf der Südküste der Krim wächst und durch v. Steven ihm von daher gesendet wurde. Er selbst hält sie für Link’s Juniperus rufescens, die lange Zeit mit J. Oxycedrus L. verwechselt wurde, wäh- rend v. Steven sie für eine eigene Art unter dem Namen J. Marschalliana erklärt. Bis jetzt befindet sie sich, so viel wir wissen, noch nirgends in Kultur.
Professor Koch legte ferner ein getrocknetes Exem- plar einer neuen Adonis- Art mit schönen, rothen Blüthen von 1 Zoll im Durchmesser vor, welche von Professor Pe- termann in Berlin auf seiner Reise in Mesopotamien gesam- meit war, und bedauerte ungemein, dass letzterer nicht auch Samen mitgebracht hatte, da die Pflanze in diesem Falle eine der schönsten Zierden unserer Gärten geworden wäre.
Auf Veranlassung des erst vor Kurzem von den Kana- vischen Inseln zurückgekehrten Dr. Bolle und auf den spe- eiellen Wunsch des als Botaniker und Gartenliebhaber rühm- lichst bekannten französischen Konsuls, Berihelot auf Teneriffa. hatte Professor Koch Jen Besitzer der Flott- becker Baumschulen bei Hamburg, James Booth, ersucht, eine Reihe unserer besseren Obstsorten nach Tene- riffa zu senden, damit über deren Gedeihen dort Ver- suche angestellt würden.
Der Gärtner der landwirthschaftlichen Akademie zu Proskau in Schlesien, Hannemann, übergab einen Bericht seiner vorjährigen Kartofieikultur. Derselbe hat schon seit mehrern Jahren in dieser Hinsicht vielfache Versuche an- gestellt und alljährlich darüber an den Verein berielitet. Da er stets dieschlechteren Sorten aus seiner Sammlung wieder ent- fernt, so müssen allerdings die nun eıprobten für den grös- sern Anbau von Werth sein. zumal er von allen zu einem im
Verhäliniss billigen Preis, nämlich die Metze zu 5 Sgr., ab- giebt. So kann Jedermann sich selbst in kurzer Zeit die besten Kartoffeln verschaffen.
Ueber die von dem Professor Petermann aus‘ dem Oriente mitgebrachten Gurken-, Melonen- und Kür- bis - Sämereien stalteten der Obristlieulenant v. Fabian in Breslau, über die von dem Landesökonomie -Kol- legium erhaltenen Samen von Bohnen, Erbsen, Lupinen und Mais hingegen eben derselbe, Lehrer Im- misch in Magdeburg, Kunst- und Handelsgärtner Krü- ger in Lübbenau und der Vereinsgärtner E. Bouche Bericht ab.
Die Kunst- und Handelsgärtner Moschkowitz und Siegling in Erfurt legten Blätter des Gummibaumes (Fieus elastica L., Urostigma elastieum Miqu.) vor, welche schwarze Flecken besassen. Diese waren Ursache gewe- sen, dass die Blätter bald abfielen und dass zuletzt die ganze Pflanze zu Grunde ging. Nach Inspektor Bouche und Kunst- und Handelsgärtner Demmler kommt diese ürscheinungdes Erkrankens auch hier vor, und zwar haupt- sächlich, wenn die Pflanzen erst sehr warm gestanden haben und dann plötzlich kühler gestellt werden, also durch plötzlichen Temperaturwechsel, und dann durch faule Wurzeln, die gewöhnlich durch freie Säure in der Erde hervorgerufen werden; im letzteren l’alle muss man umsetzen. Nach Professor Koch hilft in beiden Fällen nichts so sehr, als melrmaliges Giesen mit bis 50° er- wärmten Wasser in Zwischenräumen von 4 u. 5 Tagen.
Der Vorsitzende, Geheime Oberregierungsrath Kette, berichtete, dass der Materialien- Inspektor Neumann in Breslau aus selbst gezogenen Pllanzen des Pyrethrum roseum und carneum sehr gutes Persisches In- sektenpulver bereitet habe. Prof. Koch, der das Pul- ver auf seiner ersten Reise im Kaukasus und in Georgien kennen lernte und es in Deuischland zuerst mit den Mutter- pllanzen bekannt machte, hält es für sehr wichtig, ein- heimisches Pulver sich zu verschaffen, da bei dem grossen Bedürfnisse darnach es jetzt selbst im Vaterlande, was übrigens gar nicht Persien, sondern Transkaukasien ist, ganz allgemein mit den Blüthen einer dort sehr gemeinen Pflanze, inthemis rigescens Willd., verfälscht werde. Bei uns geschehe es mit den Blüthen der gewöhnlichen Kamille. Gutes Pulver besitze aber einen sehr schwachen Geruch. Das Wirksame darin sind nach Professor Koch die Blumenstaubkörner, welehe sich (im Mikroskop ange- sehen) durch ihre stachliche Oberfläche sehr leicht von denen der übrigen Kamillen-Arten (Anthemideen) unter- scheiden. Uebrigens hat schon Ref. vor 4 Jahren ächten Samen direkt bezogen und diesen zu Anbau - Versuchen, namentlich in Schlesien. an Gulsbesitzer vertheilt. So
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wird die Pflanze besonders auf dem Gute des Geheimen Kommerzienrathes Treutler bei Waldenburg ebenfalls in grösserer Menge gezogen. In Transkaukasien wächst sie meist nur auf kalkigen Vorbergen bis zu einer Höhe von 5 und 6000 Fuss.
Die Ausstellung war dieses Mal schwach besetzt. Von Interesse erschienen die Amaryllis-Formen, welche der Vereinsgärtner E. Bouche ausgestellt hatte, so wie der nur Fuss hohe Gummibaum mit Blüthen m den Blattwinkeln, von dem Stadtrathe Franke. Obwohl mit kleinen weissen Blüthen über und über bedeckt, so möchte doch die bis jetzt, wenigstens in Berlin, noch nicht kulivirte Sonerila zeylanica Arn. für den Blumen- liebhaber, und demnach auch für den Gärtner, von keinem grossen Interesse sein. Der Hofgärtner Nietner in Schön- hausen hatte sie geliefert. Einen hübschen Anblick bot die aus blühenden Maiblumen angefertigte, 2} Fuss hohe Pyramide, welche von blühenden Due van Tholl umgeben war. Endlich erregten der abgeschnittene Blüthenzweig der ostindischen Rubiacee Luculia gratissima Sweet durch sehr angenehmen Geruch, so wie die grossen Blü- thenköpfe der bekannten Blüttneriacee: Astrapaea Wal- lichii Lindl., wegen ihrer Schönheit die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Die erstere hatte der Obergärtner Pa- sewaldt im Danneel’schen Garten geliefert, wäh- rend die andere vom Inspektor Bouche mitgetheilt war. Ein stattliches Exemplar der letzteren, welche in Gewächs- häusern wegen ihrer schönen und grossen Blätter gern ge- sehen wird, blüht jetzt im botanischen Garten. Die Blüthen unterscheiden sieh hier übrigens von denen der abgebil- deten Pflanze durch eine maltrosenrothe Farbe der Blu- menblätter. Die Zahl der fruchtbaren Staubgefässe, welche sonst zu 20 angegeben wird, beträgt auch mehr, nämlich 25—28.
Journal-Schau.
Unter dieser Rubrik sollen von Zeit zu Zeit, wie sich eben interessantes Material darbietet, aus andern Journalen Berichte über neuere Pflanzen, über Kultur-Methoden und über allerlei Gegenstände, welche in gärtnerischer, und damit zusammenhängend, auch in botanischer Hinsicht unser Jnteresse in Anspruch nehmen, gegeben werden. Dass die Berichte kurz sind, ist wegen des Mangels an Raum nothwendig. Es werden deshalb abgebildete Pflan- zen aus den verschiedenen Journalen nur dann mit Angabe des Orts erwähnt, wenn sie wirklich neu sind, bis jetzt noch nicht abgebildet waren oder sonst ein Interesse haben. Die Journale, welche Abbildungen geben, sollten sich die- sen Grundsatz ebenfalls mehr aneignen und nicht, wenn es
ihnen an Material fehlt, Pflanzen bringen, welche vielleicht schon vorher sehr viel Mal — wie es in der That erst vor Kurzem mit einer ausländischen der Fall war — und zum Theil selbst weit schöner und instruktiver abgebildet waren. Bisweilen haben sogar solche wiederum aus der Rumpel- kammer hervorgeholten Pflanzen kaum ein bolanisches, geschweige denn ein gärtnerisches Interesse.
Wir beginnen mit dem Journal: Belgiquehorticole VID. annee, 1. livr. Abgebildet sind auf einer Tafel die bekannte Campanula peregrinaL. aus Syrien und Al- gerien, wegen ihrer häufigen Verwechslung mit einer an- dern Art aus Portugal, C. primulaefolia Brot., die Hoff- mannsegg und Link als C. peregrina L. beschrieben haben, und Salvia porphyrantha Dne (porphyrata Hook.) aus Texas. Wie Morren richtig bemerkt. ist die letztere nicht von S. Roemeriana Scheele verschieden, Dieser Name muss auch als der zuerst (im Jahre 1849) von Scheele in der Linnaea (22. Band, $. 586) gegebene bleiben, da Decaisne erst 1854, also später, die Pflanze in der Revue horticole, (4m eser. tom. III, p. 301) als S. por- phyrantha beschrieb und abbildete. Wir verdanken die Einführung dieser Art dem Professor Röm er in Breslau, des- sen Namen sie auch trägt und der Samen von seiner Reise nach den Vereinigten Staaten Nordamerika’s mitbrachte.
Für Obstzüchter theilen wir mit, dass auch von der köstlichen Beurre de St. Amand eine Abbildung ge- geben ist.
Nicht weniger interessant ist der Bericht Remy’s, einer der Mitarbeiter von Gay’s Flora von Chili, über die riesige Konifere Kalifornien’s, welche nun der Reihe nach 4 Namen (Taxodium sempervirens Lamb., Sequoja gigantea Endl., Wellingtonia gigantea Lindl. und Washingtonia der Nordamerikaner) erhalten hat. Wie alle grossen Thiere nur einen beschränkten Verbreitungsbezirk besitzen, so scheint es auch mit den riesigen Pflanzen der Fall zu sein. Sequoja gigantea — das ist der beizubehaltende Name — wächst nur auf einem ohngefähr 1 Meile im Durchmesser enthaltenden Distrikt der Sierra Nevada, den die Einge- bornen Mammuth-Grund nennen, in der Nähe der Quellen desStanislaus-Flusses. Es sind 84 Bäume vorhanden, deren kleinster immer noch 15 Fuss im Durchmesser besitzt. Einer mit einer Höhe von 300 Fuss und an der Basis des Stammes mit einem Umfange von 95 (engl.) Fuss wurde gefällt und brauchten 5 Menschen nicht weniger als 25 Tage dazu. Ein Rinden-Cylinder dieses Baumes ist ing England für Geld gezeigt. Drei ähnliche Bäume stehen so dicht beisammen, als wenn sie aus einer Wurzel stamm- ten ; der mittlere von ihnen beginnt erst bei 200 Fuss sich zu verästeln. 2 andere Bäume, welche man das Ehepaar nennt, weil sie oben sich zusammenneigen, sind 250 Fuss
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hoch und haben einen an der Basis 60 Fuss Umfang ent- haltenden Stamm. 26 dicht beisammenstehende Bäume heissen bei den Eingebornen die Familiengruppe. Der Fa- milienvater hat leider dem Zahne der Zeit unterliegen müs- sen; er besitzt einen Stamm mit 110 Fuss Umfang, wäh- rend die noch aufrechte Mutter unten 91 Fuss Umfang hat und ihr Haupt bis zu einer Höhe von 327 Fuss erhebt. Ein Baum steht ganz allein und hat deshalb den rauhen Winden weniger widerstanden, daher seine Krone zerfetzt und seine Aeste zum Theil zerbrochen sind. Man nennt ihn deshalb die alte Jungfer.
Die Riesen-Konifere ist jetzt in den Gärten ziemlich all- gemein verbreitet und scheint sehr rasch zu wachsen. Sie lässt sich durch Stecklinge ausserordentlich leicht vermehren. In der Landesbaumschule beiPotsdam wuıden schon von der einjährigen Samenpllanze durch den Öbergärtner Th. Nietner Stecklinge mit Erfolg gemacht.
Illustration horticole, redige par Ch. Lemaire IV. vol., livr. 1. Die schon in der Revue horticole II, t. 14 und in Flore des Serres (nouv. ser. tom. I, t. 1137) abgebildete Weigela (nicht Weigelia) Middendorfiana wird hier auf der 115. Tafel dargestellt und für Trautvetter’s Benennung Calyptrostigma Middendorfianum eine neue „Wagneria Niddendorfiana“ vorgeschlagen. Da aber schon die erstere nicht angenommen zu werden scheint, möchte auch die zweite auf sich beruhen, weil das alte Genus Wei- gela Thunb., was übrigens manche Botaniker, vielleicht mit Recht, sogar mit Diervilla L. vereinigen, ausreicht.
Ein Gewinn für unsere Gärten ist auf der 117. Taf. ein neuer Blundling von Clematis coerulea var. grandiflora und €. Viticella flore purpureo, den de Guasco in Luxem burg aus Samen erzogen hat und der von Mackoy als €. Guascoi verbreitet wurde. Uebrigens kommt eine sehr ähn- iche Form in der Nähe von Brussa wild vor und wurde mir getrocknet von Dr. Thirk, dem jetzigen Leibarzte von Ömer-Pascha, mitgetheilt. Auf jeden Fall gehört sie zu ©. Viticella mehr als zu coerulea.
Von in der That seltenen Schönheit ist die auf der 118. Tafel abgebildete remontirende Rose Marie Aviat, welche Verschaffelt von Dubuy-Jamain aus Paris erhielt. Auf der 116. Tafel sieht man eine prächtige Wein- traube, gezüchtet von der schwarzen Hamburger mit der Sweet-Water, durch Busby, Gärtner zu Stockwood-Park in Bedfordshire. Sie erhielt den Namen Hambourg dor& de Stockwood.
Pflanzen - Ankäufe,
Seit mehrern Jahren befinden sich 2 Gärtner, Karl Ferdin. Appun und Joh. Heinr. Horn, in Venezuela,
also in einem Lande des tropischen Amerika, was arm und wüst es in einigen Distrikten auch erscheint, in andern aber wiederum eine ganz besonders üppige Vege- tation und einen seltenen Reichthum an schönen Pflanzen zeigt, wie wenige andere Länder. Seit langer Zeit haben sich grade unsere Gewächshäuser aus Venezuela mit Neu- heiten versehen. Tüchtige Reisende, Botaniker und Gärt- ner — wir wollen nur auf den jetzt nach Sjähriger Ab- wesenheit sich in Berlin befindlichen Dr. Karsten, auf den unermüdlichen v. Warszewicz, der endlich auch nach langjähriger Anwesenheit im tropischen Amerika nach Europa zurückgekehrt ist und jetzt die Stelle eines In- spektors am botanischen Garten in Krakau einnimmt, fer- ner auf Moritz, Wagener, Libon, welche letztere drei noch dort befindlich sind, u. w. s. aufmerksam machen — haben uns eine grosse Reihe von wahrhaft. schönen Pflanzen, ganz besonders von Orchideen, Farın und Pal- men, für unsere Gewächshauser geliefert.
Für die Sammler ist es ganz besonders vom Werth, dass ein mit fast undurchdringlichen und im Innern von der üppigsten Vegetation strotzenden Urwäldern dicht be- decktes Gebirge, Cordilleras von Carabobo, sich grade im Norden dicht an der Küste westlich von dem See Mara- caibo bis östlieh über Caracas hinaus hinzieht und allent- halben gute Häfen in der Nähe sind, die den Transport erleichtern. Welchen Schwierigkeiten und nicht weniger Kosten aber grade der Transport im Innern eines unkul- tivirten, gewöhnlich noch von wüsten Distrikten unter- brochenen Landes hat, kann man sich in Deutschland, wo die Kommunikation so ausserordentlich erleichtert ist, gar nicht denken. Man höre nur auf die Berichte des Dr. Karsten und v. Warszewicz und man wird die Ausdauer und Opferfreudigkeit der Männer bewundern, welche nur von dem regsien Interesse für die Wissenschaft und Gärtnerei beseelt, mit seltenem Enthusiasmus und mit einem keın- gesunden, allen Mühen und Entbehrungen trotzenden Kör- per sich in das Innere eines Landes wagten, wo neben einer allerdings grossartigen Natur,“ wenn auch nicht im- mer das Verderben selbst, so doch allerhand Gefahren, selbst bösartige Krankheiten und blutgierige Wilde, auf Wir sollten solchen Männern, und zwar um so mehr, dankbar sein, als das,
den harmlosen Naturforscher lauern.
was sie einsenden, allen Gartenbesitzern und Blumenlicb- habern Freude macht und Genuss gewährt, aber auch die Wissenschaft sehr fördert.
Doch zurück zu den Anerbietungen der beiden Rei- senden Appun und Horn, welche sich jetzt in der Nähe von Neu-Valeneia ziemlich in der Mitte des grossen Küstengebirges befinden und ihren letzten Aufenthalt be- nutzt haben, um Sammlungen lebender Pflanzen und Sä-
mereien zu veranstalten. besonderen Schreiben, was der Bruder des einen, der Buch- händler Karl Friedrieh Appunin Bunzlau (Schlesien), versendet hat, allen Gewächshausbesitzern um sehr billige Preise an. Es kommt noch dazu, dass der Käufer auf seine allerdings feste Bestellung keinerlei Risiko, hat; er bezahlt für den Centner von 100 Pfund Fracht von Vene- zuela bis Hamburg den ausserordentlich niedrigen Preis von 3 Thalern, ohne für die gewiss nicht so unbedeutende Emballage noch irgend etwas in Anrechnung zu erhalten. Damit die Pflanzen auf der weiten Reise so wenig als möglich leiden und in den europäischen Häfen — wie es leider nur zu häufig geschieht — sich nicht zuerst Unberufene
Diese bieten sie jelzt in einem
eine Einsicht in die angekoımmenen Pflanzen verschaffen und bei deren weitem Gewissen nicht das Bessere und Sel- tenere für sich behalten, wird der eine der be’den Reisen- den, Appun, den Transport begleiten und selbst an Ort und Stelle bringen. Die Abfahrt von Puerto Cabello, dem nächsten Hafen von Valencia, soll gegen Ende April ge- schehen, so dass das Schiff, insofern nicht vorhergesehene Hindernisse entgegentreten, Ende Juni in Deutschland ein- ireffen kann.
Für direkte Bestellungen nach Venezuela möchte es wohl zu spät sein. Da aber wahrscheinlich ausser dem, was bestellt ist, die beiden Reisenden von den meisten Pflanzen mehr mitbringen und deshalb wohl Manches noch ablassen können, sohaben wir nicht gezögert, auch jetzt noch eine Anzeige in diesen Blättern aufzunehmen und darauf auf- merksam zn machen. Der Buchhändler Appun in Bunz- lau wird übrigens allen denen, welche darauf reflektiren, gewiss ausserdem die gewünschte Auskunft geben.
Betrachten wir nun die Pflanzen, welche die Reisenden Appun und Horn anbieten, etwas näher und beginnen mit den Orchideen, so sind es hier 111 der neuern und schönern Arten, welche wir sonst zum Theil nur mit sehr hohen Preisen in den Verzeichnissen, namentlich englischer, Handeisgärtner, angezeigt sehen. Der höchste Preis ist hier hingegen 10 Thlr., den nur das seltene Selenipedium caudatum Rehb. fil. besitzt, während Cattleya Trianaei Lind., Odontoglossum eucopterum Lind. et Rehb. fil., Sobralia tuckeri Lind. und Uropedium Lindenii Lindl. zu 6, Odonto- glossum gloriosum Lind. et Rehb. fil., Peseatorei Lind. und triumphans Rehb. fil., so wie Selenipedium Sehlimii Lind. et Rehb. fil. zu 5 Thlr. angeboten werden. Orchideen kosten nur zwischen 2 u. ö, mehre sogar nur 1 Thlr., so: Aspasia epidendroides Lindl.. Gongora cupreo-
Die meisten
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und albo-purpurea Lind., Lyeaste aurantiaca Lind.. Onei- dium bieolor Lindl. u. s. w.; ja Ornithidium sanguinolentum Hort. und Bletia ocannensis Lind. sind zu !, Camaridium purpuratum Lindl. hingegen zu ; Thlr. zu beziehen.
Palmen werden 35 Arten angeboten und zwar als 4 Fuss hohe Pflanzen oder als Samen. 100 Stück der Cocos butyracea Mart. Kosten z. B. nur 16 3, 12 hingegen 3 Thlr.; 100 Sämlinge der Iriartea altissima Kl. uud Arague n. sp. kosten 25, 12 aber 4 Thir.; ferner Trithrinax mauritiaefor- mis Hort. 12 Sämlinge 3}, aber 100 nur 20 Thlr., Oenocar- pus Batana n. sp., caracassanus Lodd., und utilis Kl. 12 Säm- linge 2!, aber 160 nur 15 Thlr. Die Preise für die Samen sind nicht angegeben, sollen aber billig berechnet werden.
Baumfarrn sind 22 Arten von 1—8 Fuss Höhe angebo- ten und wird der Fuss mit 3 ihlr. berechnet. Unter ihnen befinden sich: Alsophila caracassana Kl., Humboldtü Kli.. Cyathea aculeata Willd, elegans Hew., Dieksonia Lindenii Hook.. Diplazium giganteum Karst., celtidifolium Kze, He- mitelia horrida R. Br., Klotzschiana Karst., Lotzea diplazioi- des.Kl. u. s. w. Krautlarrn werden in ansehnlicher Grösse 25 Arten zu S, und 12 Arten zu 4 Thlr. gegeben.
Was endlieh die Sämereien anbelangt, so gehören diese ‚nicht allein schönen Blattpflanzen, sondern zum Theil auch in irgend einer Hinsicht interessanten Gewächsen an. So Anacardium occidentale L., deren Nuss, Acajou ge- nannt, gegessen wird und das Gedächtniss stärken soll; mehre Arten des Flaschenbaum’s (Anona), deren Früchte iu allen Tropenländern allgemein gegessen werden, namentlich von A. Cherimolia Mill., squamosa L. und mu- ricata L.; der Brotbaum (Artocarpus ineisa L. fil.). von dem ein Paar Bäume ausreichen. um Jahr aus. Jalır ein eine ganze Familie der Südsee-Insulaner zu ernähren; Bombax CeibaLl., aus dessen Samenwolle jetzt in Eng- land die feinsten Kastor-Höüte gemacht werden: der Kuh- baum (Brosimum Gaiactodendron Don). mit einem Mileh- safte, der sich kaum von ächter Kuhmileh unterscheiden lässt; Poineiana (Caesalpinia) pulcherrima L.. deren Blüthen im Vaterlande wegen ihrer strahlenden Schön- heit den Namen „Paradiesblumen“ erhalten haben: Sapota Achras Mill. und Lucuma mammosaL.. deren Milch- saft giflig ist, wälırend die Früchte so gesund und wohl- schmeckend sivd, dass sie in Amerika gewöhnlich ., Ei- gelb. Pflanzen-Ei oder auch Natur - Marmelade“ genannt werden. Melicoceea bijuga L.. deren Früchte wegen ihres angenehmen Fleisches im Vatetlande Honigirüchte heissen; die Birn- und Apfel-Guajaven (Psidium pyri- und pomiferum L.) liefern das Obst für alle Tropenländer; der acaobaum (Tleobroma Cacao L.); Jatropha Cur- cas L. hat Samen, welche früher unter der Benennung Höllen- Feige (Semina Rieini majoris h. Fiens infernalis) als ein im holen Grade purgirendes und Brechen erregendes Mittel in den Apotheken gebraucht wurden.
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Verlag der Nauckschen Buchhandlung.
Berlin.
Druck der Nauckschen Buchdruckerei.
Hierbei 1) die illuminirte Beilage Belencita Hagenii Karst. für die Abonnenten der illustr. Ausgabe der Allg. Gartenz. 2) der Auszug aus dem Haupiverzeichniss von Christi. Deegen in Köstritz.
io.
Preis des Jahrgangs, von 52 Nunimern mit 12 color, Abbildungen } Thlr., «ohne: dieselben
Durch alle Postämter des a: öster- reichischen Postvereins sowieauch durch den Buchhandel ohne Preiserhöhung zu beziehen.
Sonnabend, den
BERLINER
1857
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gegen Vergütung von 26 Sgr. für Belgien, von 1 Thir. 9 Sgr. für England, von 1Thlr, 228er. für Frankreich.
31. Januar.
Allgemeine Gartenzeilung,
Herausgegeben
IE. , i vom
er: ‘Professor Dr. Karl Koch.
‚Ih 332 General-Secretair des Vereins zur Beförderung des Gärtenhaues in den Königl. Preussischen Staaten.
12)
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q Inhalt: Einiges über Schmarotzer-Blumen, besonders Rafflesien. Vom Professor Karl Kick" Cryptomeria japonica Don "und Böobbii Hoit. angl. Vom Hofgärtner Fr. Biehwdiaeh — Die Veredlung des Epiphyllum truncatum Lk auf Pereskia aculeata Plum. Vom Kunst:uhd Handelegärtner a Beränannelg Verzeiihlisselsänl@kse "und Meitte,
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Einiges über Schmarotzer- Blumen, besonders Rafllesien.
nal, Vom Professor Karl Koch,
‘Durch den Dr. Seemann, den llerausgeber der bo- tanischen Zeitschrift „Bonplandia“, erfuhren wir zuerst, dass es»dem Obergärtner des botanischen Gartens in Buiten- zorg, (der’botanischen Welt-als Hortus Bögoriensis hin-
länglich bekannt,) Teysmann, gelungen sei, die Riesen-
blume: (Rafflesia Arnoldi ’R. Br.) aus Samen zu er-’
zielien; «diese Bekanntmachung erregte mit Recht in der ganzen ‚gärtnerischen Welt Aukpehen und Freude; denn wir können uns nun der Hofinung hingeben, diese höchst in- teressanle Pflanze ‚mit ihrer schönen grossen Blume viel- leicht bald auch in unsern Gewächshäusern zu haben. Seit- dem ist, ein Brief'von-Teysmann selbst an de Vriese im Leiden: in Hooker’s Journal of botany and Kew garden miscelany, Tom. VII, p. 371 veröffentlicht und auch bereits in.der erst: zu Ende Januar’s veröffentlichten 49. Nummer des letzten Jahrganges der allgemeinen Gartenzeitung von Oito und Dietrich übersetzt worden.
Es ist dieses in der That ein Ereigniss, was von gros- sen Resultaten sein kann. ‘Wie wichtig und erfolgreich zunächst.es für die Wissenschaft sein muss, wenn der Bo- taniker, und zwar hauptsächlich hier der Physiolog, in den Stand gesetzt ist, das Leben der noch lange’nicht erforschten Schmarotzer, besonders derer, die in den Tropen wachsen,
einer genaueren Untersuchung zu unterwerfen, wird Je- dermann begreifen; dass es aber dem Gärtner, der in den letzten 10 Jahren so Vieles mit Erfolg. erreicht ‚hat und tiefer als je in die Geheimnisse des Lebens der Pilanzen gedrungen ist, gelingen werde, auch die räthselhaften Ge- stalten einiger. Holz- Schmarolzer, wo die ganze Pflanze Ge- wächshäusern zu kultiviren, muss .für.. ‚Jedermann, der Liebe zu Pflanzen und Blumen hat und vielleicht: selbst kultivirt, von höchstem. Interesse sein. Mit. diesen Schma- rotzer-Blumen erhielten wir für unsere. bereits.schon: we- gen Schönheit der Blüthen oder Blälter kultivirten Pflan- zen einen sehr erfreulichen neuen. Zuwachs. Schmarotzer, und zwar zunächst unsere einheimischen.
nur eine riesige Blüthe zu sein, scheint, in ‚unseren
sich keineswegs durch besondere Blattformen oder Schön- heit der Blüthe sich auszeichnenden Arten, wurden. zwar schon seit einigen Jahrzehenden, physilogischem Interesse, kultivirt; namentlich unterstützten
aber nur aus.botanisch-
botanische, Gärtner die Untersuchungen der Botaniker, in- dem sie meist das nöthige Material zur Verfügung stellten. So sind mit unserer Mistel, (Viscum album Linne.) schon seit längerer Zeit mehr oder weniger gelungene Versuche angestellt, aber doch hat man nicht, soviel ich weiss, die jungen Pflänz- chen in ihrem fernern Wachsthume mit ‚der nöthigen Aus- dauer verfolgt, dass es auch gärtnerische Resultate gelie- fert hätte. Man brachte die Samen zum Keimen und er- zog sogar kleine Pflänzchen, welche man aber leider
die Samen zum Keimen zu bringen;
nach gemachten Beobachtungen ihrem Schiksale überliess. So gingen sie bald»wieder zu Grunde. Ob dieses in Folge der Vernachlässigung g eeschah? oder ob es dem Gäkner und Botaniker nicht gelang, ‚sie länger zu erhalten? erfähktinfan nicht. Faktiseh ist jedoch, dass Gärtner in Thüringen sich in ihrem Obstgarten aus Samen Misteln erziehen, um später _
zu ihrem Vogelleim _ die höthigen. Beeren. zu häben. 7
Interessant/ist es, dass) nach einen Beobachtungen. |
Mistelsamen, welche: ‚den Darnkabal \der die Mistelbeoren. liebenden Drosseln unverdaut durchgangen sind, schr ni keimen. Wahrscheinlich wird die Mistel, deren Samen
keineswegs durch Winde weiter geführt werden! kann, hauptsächlich auch durch Drosseln und andere deren Bee- |
ren liebende Vögel oft weit hin verbreitet. Die eh (Cuscuta IAtten) Keifien)
nach den gegebenen Berichten ‚sehr, ] leicht ‚ohne. Ni ährpflan- .,
zen im Boden in Form yon fadenförmigen Stengeln, ; gehen _ m
aber bald zu Grunde, wenn; ‚sie; nicht eine. nn
finden, an der«sie, sich anhelten, und, der. sig,spälen, Nah-, rung entziehen können. Mit, ihren, en :halten sie sich an jungen und kraularligen- Pilanzentheilen so fest an, dass man den Schmarotzer nur mit der rössten Mühe und Aufmerksamkeit Wegzübfingen" vermäg. "an der freien Natur kann 'man die lnchöseiden auf "Kullirpfanzen in der Regel gar nicht verlilgen; man ist, namentlich auf Klee- feldern gezw ungen, ‚die Nährpflänzen selbst mit, (Stroh ab- zubrennen, so dass Ark Kleestengel und in ‘Folge davon auch die schinarolzenden Flachsseiden zu Grunde Cuscuta Epithymum L. ist bereits, a und da in Süd- deutschland zufällig in die Gewächshäuser geralhen, um ein keineswegs’ angenehmer "Gast So sind ferner mit tropisch- ainerikänischen Pflänzen auch. dort ein- lieitnische Flachsseiden ebenfalls neuerdings. in “den. Ge- wächshäusern eingeführt 'yr orden. In dem Berliner bota- nischen Garten wird seit. ‚mehrern Jahren” schon eine tro- pische Art, ‚Cuseuta verrucosa Engs Im., kultivirt. EN
Seit einigen Jalte en sind unter Zu Leitung, des Inspektors Boöuche im botanischen Garten zu Neu- Schöne- berg bei Berlin Versuche mit den "Pflauzenwi ürgern oder SörpH anchen gemacht worden und haben diesel- ben zu gläcklichen Erfolgen, geführt. Der, Obergärtner Tittelbach bei Moskau‘, der damals sich im Änn Garten befand und dem die Kultur. der Orobanchen über- tragen war, hat im 1. Bande der neuen Reihe der Ver- hiandlungen des. Vereines ZUr Beförderung des Garten-
gehen.
zu werden.
baues 3% 383 eine dankenswerthe Abhandlung 'veröflent,
‚Von ‚Dr. =;
licht, in der er sein Verfahren ‚bekannt macht. Caspary, jetzigen Privatdozenten in Bonn, damals in. Kenn sind eine Reihe geschichtlicher und ‚physiologischer,
| 34 | . 5 | DH » re \ +" =
das Keimen betreffender Notizen als Anhäng dazu ‚geliefert ‚worden, die namentlich dem Botaniker Interesse darbieten. Nach, Seemann und Lindley soll zwar auch schon, \ früher Professor Bartling in Göttingen ebenfalls gelun- gene Versuche, Orobanchen zu IN gemacht haben; da aber nichts bekannt geworden ist, so fehlt uns E Nähere darüber. & ER BE A Durdh Titte lbach Er‘ wir zunächst, dass die "Orobanchen ein- juhdl mehrjähri 'iß sind, je afkakm ihre “ Nährpflanzen‘ eine ein- oder mehrjährige Dauer haben. Bei beiden ist die Zucht aus Samen im botanischen Garten "gelungen, während aus dem wilden Zustande eingepflanzte ‚alte Exemplare steis schon zeitig zu Grunde gingen. Die Samen für einjährige Arten wurden gleichzeitig mit denen ilirer Nährpflanzen oder kurz nachher, und zwar in gleiche Tiefe des Bodens, ohngefähr einen Zoll ‚unter der Erde, _eingestreut, während die der ausdauernden am Leichtesten ‚Keimen, yyenn sie gleich nach ihrer ‚Reife. im Spätsommer :‚oder im,Herl bste auf .die. Würzelehen einer kräftigen Nähr- Pflanze gehr acht! worden sind. -Thul;man.es im Frühjahre, — sekeimen zwar-tie Samen ebenfalls, aber die Pflanzen er- halten nicht mehr ihre vollkommene Ausbilduug und brin- geu keinen keimfähigen: Samen hervor.) I) | |
Tittelbach machte „Versuche im freien Tadde u in Töpfen. Im letztern’ Falle tut man am Besten, wenn gleich beim Einsetzen 'der Nältrpflanze" die De Samen bei ‚einer Tiefe .von,,2, Zoll mehr(gegen den Rand des Ballens hin ausgestreut werden, denn hier bildet sieh in der Regel yon,.der., Nährpflanze , schon bald ' ein ‚dichtes Netz von. feinen: W ürzelehen, ‚auf denen nur-allein Oro- banchen- Samen keimt.., Alle Versuehe in Spalt-und Schnitt- | wurzeln, älterer Nährpflanzen/Orobanchen ziin- Keimen zu! bringen, ‚sind missglückt, , Bei,der Aussaat | in Töpfe: hat man noch ‚Gelegenheit, ‚durch. zeitweiliges Herausnehmen des Ballens sich von (der: Art des Keimens' Gewissheit zu verschaflen und, die ‚weitere Entwickelung der Pflänzchen zu: verfolgen.
Die nen keimen in der Regel’ schon Kalle Zeit ‚nach ihrer, Aussaat und bedürfen. dann: Zu -ihrem Wächsthuame eine. gleichmässige | Feuchtigkeit. Es gehen aber mehre Wochen, ja selbst Jahre vorüber, ehe>die Pflanzen über der ‚Erde, erscheinen, ‚Eine Orobanche: Hederae Dub. ge- brauchte nach Tittelbach.it BO sie aus der Erde heraustrat.
. Wir, hahen dreierlei Sehmanaängr aus dem Bereiche der ‚höheren, Pflanzen: :Holz=-.. Wurzel- und Lianem- Sehmarotzer,. Zu den: letzteren gehören die bereits: besprochenen | Flachsseiden (Cuse uteae). während.die Wurzelschmarotzer, welche nur, auf jugendlichen, noch
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keineswegs-holzigen Würzelehen sich entwiekeln , durcli die Or-obandheen vertreten sind. Zu den »Holzselima- rotzern gehören'die Viseum-und Loranthus.- Arten, mit Einschluss aller der neueren Genera, welche man: spä- ter, ‚besonders’ Martiass (Flora, XI. Band, Seite 97) und Blnme (Rlora'Javae, Loranthaceae,) daraus gebildet haben. Die Mist el- oder‘ Viseum- Arten möchten wohl kaum eiimal)'eim "gärtnerisches Interesse in Anspruch «nehmen, da selbst-die tropischen’ der’ Alten: Welt; so: zahlreich sie aueh vertreten sind, bei ilmer Aehnlichkeib im Blüthenbau und’auch!in -Gestält »mit unserem‘ einförmigen: und. .un- scheinliehen'Viseum album wohl: nie Anspruch auf Schön- heit'imachen werden. Desto mehr. nehmen aber die Rie- menbbumen -.der'deutsche‘Namen fürı Loranthus => insere Aufmerksamkeit in Anspruch, denn sie besitzen Blumen , zwar ähnlich unserem immerblühenden Jelänger- jelieber oder Geisblatt (Lonicera 'sempervirens L., Caprifo- lium sempervirens'Mich.), sind aber weit feuriger gefärbt. Sie bilden’ den'Schmuek des’tropischen Gebüsches'und zum Theil der Wälder, auf deren Gehölzen: sie. vorkommen. Während diese-als hohoUrwaldsbäume selten blühen oder nur 'ünscheinliche Blüthen besitzen,‘ so’ thnen es die tropi- schen "Woranthus-Arten um desto» häufiger; ihre ‚Blüthen stehet!' atich' meist”gedrängt’ und ‘haben in der Regel eine mehr "als’Zoll lange’ Blumenröhre. : Reisende schildern oft in’ülren Beschreibungen iden--prächtigen Anblick solcher nit Riemenblumen besetzten’ Bäume und Sträucher, wenn sie'auch oft in’der Meinung 'sind', als wären 'es.die. Blü- then des’ Gehölzes selbst ünd nicht fremde Schmarotzer.
su Sollte es ins nun gelingen ‚diese‘ Pflanzen ebenfalls inünseth Gewächshäusern zu ziehen, so. hätten wir, wie. gesagt, "eine nicht! unbedeutende Bereicherung erhalten. Wollen wir 'deninach’ hoffen, !dass die von’ Seiten vielen praktischen Mitglieder des’ Vereiies ‘zur Beförderung des Gärtenbaues jetzt stattfindenden Versuche: mit Samen vun- serer Mistel zu. einem glücklichen Resultate’ führen; (d. h.
dass die Samen nicht nur keimen; sondern ‘auch’ die‘Pllan-:
zen sich “erhalten; den dann können’ wirmit Erfolg auch der Kultur der Loranthus-Arten mit feuerrothen Pe entgegenschen. )
""Die-Schmaretzer ‘aus dk Femiliei ‚der: 1: je thaceen (der Loranthus: und‘ Viscam-Arten) verhalten: sich zu ihren Nährpflanzen ‘grade »so,: wie das: Pfropfreis zur Unterlage, d. h. es ist keinerlei Art von Wurzelgebilde vorhanden, mit dem sie aufsitzen, sondern die Zellen des Holzschmarotzers schieben sich einfach zwisehen die’ der Nährpflanze und bilden eine mehr oder weniger’innige Verbindung. Da dieses nun der Fall ist, so wäreies auch möglich, dass die erstern auf die letztern gepfropft eben-
fallsiiweiter wüchsen; » Versiehe ‚iin dieser Hinsicht wären höchst! wünsehenswerth>und würden. „wwenn sie ‚gelingen sallien,: der Einführung der Riemenblumen als Zierpflanzen in. unseren, Gätlen!, einem Inichbısunbedeubenden: Vorschub leisten! «Es gehto.daher. au alle Gärtner, und: Blumenlieb- haberıdie ‚Bitte, mit; unserer Mistel/, Pfropt-Versuche, und zwar möglichst vielseilige, anzustellen. und die ‚Resultate der, Redaktion: gefälligst; späterizakommen zu lassen, damit diese wiederum in diesen! Blähiesti veröffentlicht werden können: Ich»glaube, dass,Obst-, hauptsächlich. Apfelbäume weit »mehvıals andere: Gehölze,:ısauf, denem'diesMistel bis jetzt gelünden/ist; izu dergleichen! Versuchen! passen. Ist es: is sersb einmalsmitider Mistel‘ gelungen, :so wird es auch mit den. Lorantkus+Arten.der, Fall’ sein. Es könnten dann selbst Reiser';ausı den Tropen gesendet und in unsern Gewächshäusern mit «Erfolg \angewendet: werden.
Hinsichtlich‘, der: Art und Weise,.der innigen Verbin: dung des Schmarotzers mit’der Nährpflanze: durch in einan- der 'gescliobene‘ Zellen und selbst Gefässe: schliessen sich die sogenannten Wurzelblumen: oder Rhizantheen ah. | Es sind ‘dieses eine Reihe ganz eigenthümlicher Pflan- zeh „»ıwrelehe inmitten der Rinde holziger Wurzeln‘: oder am’ unter Theile «eines) Stammes höherer Pflanzen, ganz besonders von: Cissus = Arten, in Form kleiner. Knöllehen entstehen: und sich‘ vergrössern, 'bis' sie zunächst die’ Cam- bialsehicht erreichen, ‚sich. daselbst festsetzen und :mit' dem Holze: innige: Verbindungen eingehen. '-So scheint! es we. nigstens;bei denen .der Fall zu. sein, deren Entstehung man ziemlich »weif zurück verfolgen 'konnle.. Einige von ihnen bilden 'auf»der Nährpflanze, besonders:'wenn die WVurzeln, denen sie aufsitzen, ‘sehr ‚dünn 'sind, eine Art 'Wulst, ganz ähnlich dem, wie er sich auf den Nähr- Würzelchen «ler Orobanchen vorfindet.
Man » hat botanischer 'Seits 'aus den en len Wurzelblumen (Rhizantheen)'4 Familien gemacht: Raf- flesiaceen,! Hydnoreen,»Cytiween und’ Balano- phoreen., Die-Rafllesiaceen scheinen nur aus einer einzi- gen grossen Blüthe zu ‘bestehen, die einem kurzen, schwamm- artigen Gebilde aufsitzt. . Die. erste Pflanze entdeckte der Gouverneur Öslindiens Rraffbes, der im Jahre 1818 mit-seiner Frau und dem Dr. Arnold von'Bencoolen aus eine Reise in’s Innere Sumatra’s machte» und‘ plötzlich‘ an einem Baum- stamme‘nahe dem Boden: eine;riesige''Blume ’von über 3 Fuss Durchmesser » fand, die‘ sonderbarer Weise fast gar keinen Stamm hatte. Der unglückliche’Dr. Arnold, der leider: bald darauf an den :Strapatzen dieser’ Reise in’s In- nere der ungastlichen Insel starb, schreibt in einem 'Pri- vatbriefe ganz erstaunt über die, ‚riesige Grösse der sonst auch sonderbaren -Blüme.
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Die. Blülhe‘ oder ‘vielmehr die fast nur aus dieser bestehenden Pflanze wurde unserem grössten, jetzt noch lebenden Botaniker, Rob. Brown, zur Verfügung gestellt. Indem 15. Bande der Verhandlungen der Linn@’schen Ge- sellsehaft (Transactions of the Linnean society) in London erschien alsbald eine Abhandlung darüber (an account of a new genus of plants, named Raflesia, by Rob. Brown, Esqu., Juni 1830), welche nebst einer Abbildung in natürlicher Grösse eine genaue Beschreibung und Analyse lieferte. Rob. Brown nannte die Pflanze zu Ehren ihrer Ent- decker, des Generalgouverneurs 'Raffles und des un- glücklichen Dr. Arnold: Rafflesia Arnoldi, und hat dadurch ‚beiden auch um die Pflanzenkunde verdienst- vollen Männern ein bleibendes Denkmal gesetzt.
Später sind noch einige Arten, aber minder grosse
entdeckt ‚worden; ebenso erhielt Rob. Brown weit spä-
ter (1843) erst eine weibliche Pflanze der Arnold’schen Rafllesia und gab," ebenfalls wiederum in den Verhand- lungen‘der Linne’schen Gesellschaft zu London des Jahres 1545 (XIX. Band, S. 215), eine genaue Beschreibung. Zu gleicher Zeit machte ernoch 2 neue Arten: R. Horsfiel- dii und Cumingii bekannt, von denen die erstere der englische Botaniker Horsfield, der in ‘den Jahren 1802 bis!1818 auf Java lebte, auf genannter Insel entdeckte. Die zweite fand Hugh Cuming auf Samar, einer‘ der Philip- pinen, und wurde schon vor Rob. Brown durch Tasche- macher in der Boston Zeitschrift für Naturgeschichte (Bo- ston Journal of natural history, Tom. IV. p. 63.) als Raffesia Manillana beschrieben und abgebildet. Da die Pflanze aber bis jetzt garnicht in der Nähe von Manilla, der Haupt- stadt von Luzon, ja selbst auf der ganzen Insel, nicht wächst, so glauble Rob. Brown zur Umänderung des Namens be- rechtigt zu sein.
Auch: Blume, jetzt Direktor des Reichsherbariums it Leiden, früher Jange Zeit auf Java, entdeckte eine neue Art und beschrieb sie unter dem Namen R. Patına in seiner Flora jayanica als eine Zwitterpflauze. Später (1850) fan- den Binnendijk und Teysmann, Beamte'des botanischen Gartens zu Buitenzorg auf Java, vom Neuen Exemplare der R. Patma, die (Nat. Tijdschr. of Nederl. Indie I, p. 425,), von ilinen beschrieben und 'später von:de Vriese (Mem. sur les Raffl. Rochussenii et Patma): auch abgebildet wurden. ‚Nach deren Untersuchungen ist die Pflanze aber
ebenfalls, wie die anderen Fesen, ER HEIER freschleohis
und. zwar zyveihäusig.
Mit R..Patına Bl. -wurde- endlich «aber von Henselbbh Beamten des botanischen Gartens in Buitenizorg. noch. eine
fünfte Art entdeckt, welche sie’ zu Ehren des früheren -
General-Gouverneurs und Staatsministers Rochussen: :R.
Rochussenii nannten (Bijdr. tot de kemniss der-Bloeni of Raffl. Rochussenii in Tijdschr. voor Nederl. Indie 2. Band.) Auch’ diese hat de Vriese inoben eitirter Schrift noch näher untersucht und abgebildet.
Drei Arten: R. Abtioldi, Patma und Rochusseni, be: finden sich schon seit längerer Zeit in mehrmals genannten Garten in Kultur, ja die beiden letztern ‘werden sogar auf Cissus in den botanischen Garten zu Leiden lebend kulti- virt. Ihre Kultur ist demnach bereits in europäischen Ge- wächshäusern gelungen; ‘ihrer ferneren Behandlung dürften keine wesentlichen Hindernisse entgegenstehen. Die Schwie- rigkeit liegt nur noch daran, die Pflanzen lebend ‚aus ihrem Vaterlande' zu erhalten... Gelingt es uns, sie aus Samen gleich hier in Deutschland auf den .ihnen. nothwendigen Nährpflanzen heramzuziehen, so dürften ihrer grössern Ver- breitung kaum noch Hindernisse entgegenstehen. Um so dankbarer müssen wir demnach Teysmann sein, dass er Versuche anstellte, die zu Resultaten führten-
Zu diesem Zwecke machte er einen Einschnitt in die Rinde der diekern Wurzeln und streute in die Oeflnung einige Samen der Rafflesia Arnoldi R. Br., welche num mit ein wenig Erde und einigen Blättern bedeekt wurde. Die Wunde schloss sich allmählig durch Ueberwallung. Erst nach lauger Zeit. beobachtete Teysmann.in der Nähe des frühern Einschnittes, aber auch entfernter, ‚einige junge Raflesien von der Grösse einer Erbse, die bis. dahin, wo der Brief geschrieben ist, die Grösse eines Hühner-Eies erlangt hatten. Es scheint demnach, als wenn das Würzel- chen des Embryo sich dureh: das übrige Rindengewebe, und
zwar keineswegs senkrecht, sondern zum Theil sehr schief,
bis zur'Cambialschicht durehgezwängt hätte, um dann mit der jungen Holzschicht, dem Splinte, eine innige Verwachsung einzugehen. Vielleieht hängt die grössere oder geringere Entfernung der jungen Pflanzen von der mehr oder minder schiefen Lageder ausserordentlich feinen undzartenSamenab?
Die übrigen Rhizantheen haben weniger grosse Blüthen, aber doch ebenfalls gefärbte Blüthenstände. Die rothe und braune Farbe /herrscht bei ihnen vor. . Ein Theil von ihnen und zwar der'grösste, ist: getrennten Geschlechts, während nur sehr wenige ächte Zwilter darstellen. Zu. den letzte- ren; gehören die’ beiden Hydnoren Südafrika’s, denen man noch eine dritte, äber gewiss nicht, hierher gehörige Art’aus Amerika hinzugefügt: hat. : Rob. Browal bildet die Familie der Hydnor&en daraus.
‚ Ihnien\schiliessen sich die beiden Gytinus- Arten.an, von, denen eine! Art in: Südeuropa und Nordalvika ‚wächst, während.-die. zweite; mit 'einigen’anderen! nahe veryandten Arten nursime;tropischen "Amerika vorkommt; Aus‘ihnen ist: die Familie, der Cytineen gebildet.
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Die vierte und grösste Familie der Wurzelblumen oder Rhizantheen sind dieBalanophoreen d.i. Eichelträ- ger, so, genannt, weil die. an der Spitze zu einer ‚kopf- förmigen Aehre zusammengedrängten Blüthen in der Ju- gend die Form einer Eichel besitzen. Nachdem Griffith in den Verhandlungen der Linn@’schen Gesellschaft (AX. Band, Seite 93) eine vorzügliche Abhandlung über das in Ostindien mit Einschluss (der Inseln vorkommende Genus Balanophora gegeben ‚hat, erhalten wir dureh IL. D. Hoo- ker:in’denselben Verhandlungen (XXI. Band, 1. Theil, S.1—69) eine Monographie sämmtlicher Balanophoreen mit 16. Tafeln Abbildungen, ‚die';über‘ Entwickelung und Zu- stände (der Pflanzen; ‚so wie über ihre systematische Stel- lung sehr dankenswerthe Aufklärungen giebt... Namentlich in letzterer Hinsicht,;war: wohl auch Niemand so befähigt, als I. D..Hooker,. dem bei so gediegenen Kenntnissen eine solche Fülle systematischen Materials zu Gebote steht. Mit, sehlagenden Gründen weisst Hooker alle frühe- ren Behauptungen ‚einer Verwandtschaft bald mit den Pil- zen, oder mit,den Moosen, bald mit den Gymnospermen entschieden zurück. Eben so wenig dürfen die, Balano- phoreen den Monokotylen, und zwar in der Nähe! der Aroi- deen, angereihet werden, da ‚die deutlichen Gefässbündel einiger Arten ihnen ‚einen Plalz in der grossen, Abtheilung der Dikotylen, und zwar unter den epigynischeu Calyeillo- ren, anweisst: Dort stehen sie nach I. D. Hooker in der Nähe der Halorageen, einer Familie, die ebenfalls in ihrer äussern Erscheinung viel Abweichendes besitzt. und noch mehr Gurnnera: haben einen schr ähnlichen Blüthenbau. Auf die ausserordentlich‘ einfache Struktur der Eichen, worauf so viele Botaniker einen grossen Werih legen, giebt I: D. Hooker mit Recht gar nichts, da diese zerstreut in vielen andern Familien vorkommt.
Wenn auch die Mehrzahl der 28 beschriebenen Ba- lanophoreen wohl nie ein, gärtnerisches Interesse erlangen werden, so sind doch einige Arten darunter, die we- nigstens eben so, sehr, als viele andere Pflanzen, welche wir in unsern. Gewächshäusern kultiviren, so z.,B. Ouvi- randra fenestralis' Pet, ‚Th.,. Cephalotus follieularis, Labill. u. s. w., unsere Aufmerksamkeit in. Anspruch nehmen möch- ten. So z.B. die 3 tropisch-amerikanischen Lophophytum- Arten, welche die Gestalt eines.aus der Erde, unmittelbar hervorkommenden grossen Zapfens besitzen, Rhopalocnemis phalloides Jungh,. ( Phaeocordylis 'areolata Grifl.),. zumal diese in dem Himalaya’ bis zu einer Höhe von 8000 Fuss vorkommt, und endlieh die ‚neugranadischen: Corynaeen; welche in den diehten Befaria-, Thibaudia- und Crataegus-
Hippuris
Wäldern Neugranada’s und Peru’s vorkommen.
Eryptomeria ‚Japonica Don und Lobbii Hort. ang].
Vom Hofgärtner Fr. Schneider in Oranienbaum bei Dessau,
Seitdem im Jahre 1836 durch den bekannten englischen Sammler in China, Fortune, die Kryplomerie in Enropa eingeführt wurde, hat wohl keine Konifere vor- und. nach- her eine so rasche Verbreitnng erhalten, als grade _sie. Es möchte aber auch in der That nicht ein zweiles Gehölz exisliren, was so viele und mannigfache Vortlieile bietet, denn ‚die Kryptomerie lässt sich ‚einmal leicht kultiviren, dann ist sie gar nicht empfindlich und endlich wächst sie verhältnissmässig sehr. rasch. Dabei besitzt sie ein schönes Ansehen und stellt, namentlich im Sommer im Freien, ein stattliches Gehölz. dar. nerischer Seits um so mehr das Unserige thuen, um auch
Aber eben darum müssen wir gärt-
möglichst schöne Pflanzen heranzuziehen und sie noch mehr zu verbreiten, als es bis jetzt geschehen ist.
Trotz aller dieser Vorzüge in der Kultur sieht man doch eigentlich nur wenig Exemplare, die so aussehen, als sie sollten. Oft hat die Pflanze gar nicht den schlanken Wuchs und man sieht ihr auf den ersten Augenblick die Vernachlässigung und die unnatürliche Behandlung an; bald’ sind die Zweige auf der einen Seite mehr entwickelt als auf der andern, nicht selten sogar, namenilich am un- tern Theile des Stammes, ganz verkümmert, ball besitzen die eigentlich nach allen Seiten hin ihre Aeste gleichmässig ausstreckenden Quirle gar nicht mehr ihre natürliche, so wohlgefällige Gestalt und man erkennt kaum die Pyrami- denform, welche ‚die Pflanze doch besitzen sollte, heraus.
Obwohl von England aus von tüchtigen. Handelsgärt- nern, besonders in Gardener’s ‚Chronicle,' die Behauptung aufgestellt ist, sehöne Kryptomerien liessen sich nur aus Samen: erziehen, so möchte ich doch dieser Behauptung keck 'entgegentreten, da die von mir aus Stecklingen er- zogenen Pflanzen in ihrer äussern wohlgefälligen‘ Form gewiss gar nichts zu wünschen übrig lassen und jedem aus Samen erzogenen Exemplare gleichkommen. \Venn, wie behauptet wird, die Stecklinge den Charakter von Seitenzweigen annehmen, sa ist. es eben Ungeschicklichkeit des Gärtners, der sie gemächt hat‘). Ob sie eine gleiche Höhe erhalten, so lange: existiren und so festes Holz be- sitzen, als aus Samen erzogene Pflanzen, weiss’ich aller- dings nicht: aus Erfahrung, sehe aber gar keinen physiolo-
*) Schöne aus Stecklingen erzogene Exemplare von Kryptome- rien aus: der.Hand des Hofgärtners Schneider sieht man in der Auguslin’schen Gärtnerei san der Wilklparkstation bei
Potsdam, welehe die Behauptung des Verfassers vollständig bestätigen. E Anmerk. d. Red:
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sischen- Grund ein, warunes nieltoso''seinrsollteyyTa Gewächshäusern möchten auch diese „Behauptungen gar keinen Werth haben, da wir ‚an und für sich keine Kryptomerien von 100 Fuss Höhe darin gebrauchen kön- vet und wir doch das Holz’ nicht zu’Meubles'tnd andern Zwecken benutzen werden. "Einen sehr grossen Vortheil besitzt die Vermehrung durch Stecklinge’ aber noch ‚da: durch, dass man schon sehr zeitig, ‘weit früher als aus Samen, schöne und grosse Pflanzen erhält.
Da ich nicht zu denen gehöre, ‘welche dürch Zufall oder durch genaueres Studium "erlangte Vortheile in’ der Kultur einzelner Pflanzen ängstlich zurückhalten und nur im eigenen Interesse Anwendung davon machen, sondern ich mich im Gegentheil freue, ‘wenn auch andere’ damit vertraut werden und gute Pflanzen sich heranziehen , so gebe ich auch gern hier mein Verfahren der Oeffentlichkeit und wünsche nur, dass es recht nr in REEL ge- bracht werde.
Ich schneide in den ersten Wochen des Februar fuss- lange Zweige von einer gesunden‘ Pflanze ab und stecke diese in einen tiefen Topf, der über die‘ Hälfte mit' Scher- ben angefüllt ist. Darüber bringe ich sandige Nadelerde, die wiederum mit weissem’Sande bedeckt wird, und stelle
eine, aber gut schliessende Glasglocke, wie man'sie gewöhn-
lich zu diesem Zwecke gebraucht, darauf.
Der Topf mit den Stecklingen wird mässig warm 'ge- stellt und behandelt, wie sonst Stecklinge. "Nach: drei Woehen fangen diese an, sich ‘zn bewurzeln und» nach weiteren 14 Tagen kann man die Glocke herunternehmen, um die Pflanzen''nun in lange," sogenannte‘ Palmentöpfe zu bringen und sie bis Ende Juni in’ein Mistbeet zu’setzen, wo sie keinen Schatten erhalten. "Auf: diese’Weise bekom-
men sie schon“ im ersten’ Jahre ' eine‘'Höhe. von! 3 Fuss. Man darf jedoch nicht versäumen, ihnen. einen Stab zu’
geben und die Töpfe von Zeit zu Zeib'"ebwas zu drehen, damit die Entwieckelung nach 'allen Seiten sleichmässig geschehen kann. n3 eei Im Winter müssen die Pflanzen einen etwas sonnigen Standpunkt im Kalthause. erhalten. . Verpflanzt ' werden
sie im Februar, wo sie wiederum‘in tiefe Töpfe, im die‘ » Eine‘ lockere Nadelerde mit etwas Hornspähnen gemischt; hat miriimmer |
man 'als Unterlage Scherben thut, kommen:
gute Dienste geleistet; auch kann mam im Sommer: einige Mal mit einem Aufgusse von Hornspähnen'giessen. tigkeit verlangen sie im Winter sehr wenig, deste mehr in.der warmen Jahreszeit. Wie bekannt, findet man Kryptomerien ‘in ; Baglinätt im Freien. Auch in Deutschland hat man Versuche Setnächt, die aber grösstentheils nicht gut abgelaufen sind. Nur in
Feach-
Kröllwit2® in der‘Nähe ‘won'“Halle-in: den Keferstein’- sehen ‘@arten'und hi Magdeburg bei dem Hofbuchärucker Himle haben sich meines‘ Wissens’ maeh'die' in’s Freie gepflanzten, äber im Winter gut'gesehützten Kryptomerien bis jetzt erhalten‘ Kräftige "und! starke Exemplare möch: ten am Besten den Winter überdauern 5; auchwürde ©. Lobbii Hort., die weit mehr Kälte aushält, eher dazu 'ge- eignet sein, als C. japonica Don. zu lilioen |
Ob €. Lobbii und 'jap'onica Adtıin oder Abarten sind, vermag’ich nieht zu entscheiden. ‘In den’ Blüthen! und Fruchttheilen möchte" kaum ‘ein Unterschied gefunden werden. Sonst ist ©. Bobbii ‘Hort: im Allgemeinen’ gel drungener und bringt’ weit eher Blüthen und Früchte. Die Nadeln sind auch an der 'Basis' ‚etwas ‚breiter und: besitzen eine dunklere Farbe. ‘Diese Art',oder Abart wächst'nur in Japan, wo 'sie’allgemein“ verbreitet sein soll, und wurde durch v. Siebold nach Java geschickt, wo sie!im botä- nischen Gärten von Buitenzorg''gedieh. Als der:englische Reisende Lobb in Java war, sendete er Samen'der dort kultivirten Kryptomerie:nach England zu Veitch in Exe: ter, der diese aus den eben angegebenen Gründen für'ver- schieden hielt und als €. Lobbii in den Handel:brachte.'
Dan. Hooibrenk behauptet (Wiener Journal f. d. ges. Pflanzenr. I, S. 22), dass C. Lobbi, ‘weil sie japanische Pflanze ist, auch als die’ ächte Cupressus japoniea R. fil., die später als Cryptomeria japoniea von Don beschrieben wurde, betrachtet werden müsse, dass Cryptomeria’japoniea der Gärten hingegen, da diese von Fortune von Tsehusan,also: aus China, eingesendet wurde, als eine chinesische Pflanze ihren Namen nicht‘ behalten 'könne> 'Erschlägt deshalb für die letztere die Benennung €. Fortunimi (was übrigens, da der genannte ‘englische Gärtner-und‘ Reisende nicht Fortunin, sondern Fortune, heisst, wenigstens in €. 'For- tunei'umgewandelt werden müsste) vor. 'Da wir aber noch gar nicht wissen, ob wir zwei Speeies vor uns haben, und ob nicht eben so gut ‘die von Fortune eingesendete Pflanze in Japan allgemein verbreitet ist, als die über Java bei uns eingeführte Kryptomerie, so ‘ist es: durchaus zu wünschen, dass ‘die Namen nun einmal ’bleiben,, "wie sie sind. ' Aus des jüngeren Linne’s Worten möchte‘ auch keineswegs mit’ Bestimmtheit' herauszubringen sein,‘ welche : von "beiden Arten er eigentlich‘ gekannt hat. sılslaw .
In der neuesten Monographie » der Koniferen von El. Carriere -(traite general’ des Coniferes) wird übrigens Cry- ptomeria Lobbii nicht einmal’ als Abart' oder Form aufge- führt, sondern’ als Synonym'zu €. ‘japonica gebrachtiv.
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Die Veredelung des‘ ‚Bpiphylium truneatum' Haw: 'auf Pereskia 'acnleäta Plum: > Von. dem Kunst- und Handelsgärtner Jul, Hoffmann in Berlin.
\ Bei ..der/vou Jahr zu. Jahr; überhandnehmenden, Liebe. zu Pflanzen, und Blumen, jauch.der Personen, ‚die nicht ‚ein- mal in.den ‚Besitz eines noch. .so kleinen Gärtchens kommen können „ist es‘ durchaus .nothwendig,., dass Gärtner: auch. darauf sinnen,, Planzen herauszufinden, welche in der Form und in dem Grün. der Blätter. etwas:, Anziehendes ‚haben oder sich ‚dusch Fülle und.Schönheit,der Blülhen auszeich- nen und ‚doch' geeignet sind, Fenster, und. Zimmer, wenn auch nur ‚kurze; Zeit „;zu schmücken. ‚Die „Zahl )soleher Pllanzen hat. zwar; in; den.;letzten, Jalırzehenden nicht un- beträchtlich, zugenommen, aber jei.grösser die Mannigfal-. tigkeit ist, um sp, mehr ‚werden auch Blumenliebhaber sieh bestimmen Mur ‚die Zahl Ne Binmmpfanren, zu. ver- mehren. läld sozisır Jassd
this gab ‚eine "Zeit, wo man| ee aastihn, TER disteln,, wiesdie;Kakteen,aueh.heissen, theils wegen, ihrer sonderbaren Gestalten, ‚theils ‚wegen ihrer:prachtvollen, Blüthen, auch; in ‚Zimmern viel! gezogen‘ 'hat;! einige; der- selben, "besonders Caetus.alatus (der ‚Gärten jmicht Swartz, (jetzt. Phyllocaetus ‚phyllanthoides. Lk); Acker- manni (jetzt Phyllocacius Ackermanni Lk); speciosissi-. m us (jetzt, Cereus speciosissimus.DC.) und.grandiflorus (jetzt Cereus grandiflerus ‚Mill.), so wie ‚endlich, der ‚ver- schieden geformte und als Caetus speciosus, trigonus, qua- drangularis, hexangularis u. s. w. kultivirte Cereus va-
riabilis Pfeiff. erhielten, wie Nelken, Rosen, Volkame-,
rien u. a. m. eine solche ‚Verbreilung, dass ‚sie, „wenigstens in Mitteldeuischland, sogar ziemlich häufig i in kerähnliähen Bauerhäusern gefunden wurden: »Eine Menge Privaten-mit geringeren Mitteln, namentlich Beamte und Pfarrer, legten sich sogar grössere Sammlungen an und ;überwinterten. diese in,Kasten oder in Eiern use
In der neuesten Zeit fängt man an, nachdem die Fackel- disteln Jahre lang fast ganz jaus der Mode gekommen waren, wiederum inehr Geschmack ’an ihnen zu bekommen. Es sind aber jetzt vorherrschend die Arten mit prachtvollen Blüthen. Man hatte schon früher gefunden, dass man mit Erfolg Kreuzungen machen kann nnd dass selbst reine Samen, ausgesäet, nicht selten‘ neue Formen oder Farben in der Blüthe geben; das war Grund genug, um mannig- fache Versuche anzustellen und eine nicht geringe Reihe von Formen und Blendlingen ins Leben zu rufen. Andern- theils versuchte ‚man einigen niedrigen Arten dadurch ein besseres Ansehen zu geben, dass man sie auf andere mit höheren Stämmen pfropfte. den Epiphyllen der Fall.
Es war dieses namentlich mit
„b Wenn»Epüiphyllum trumeaibe m, Links schon an und für),sich‘ mit’ seinen:am der> unteren» Hälfte ‚blassrosa gefärbten; an der oberen aber dunkel fleischfarbigen Blülhen siehisehr gut 'ausnimmit, so gewinnb es ‚doeh noch mehr, wenn. esıhoch‘ steht, namentlich „ wenn) es auf ‚ereus- Opuntia- ‘oder: Pereskia-Arten veredelt: wird. Essisbidieses keineswegsr etwas' Neues;ısondern «wurde. schon vor länger als 30: Jahren’ ällgemein in England‘ausgeführt, »kanv jedoch später ganz und gar wieder in Vergessenheit. Am Liebsten nahm man dort Cereus speeiosissimus DC: ünd setzte Zweige oder nur die blattärtigen ‘Glieder ' des Bpiphylium (darauf. Es\; geschah dieses» in der Regel im: März. Den‘ ganzen Frühling und ‘Sommer hindurch blieben‘! die‘. veredelten Pflanzen in einem »Warmhause; im Herbste »hingegen wur- den 'sie kalt, und’ zwar oft) 'so» lange: als es die’ Witterung noch erlaubte,;sogar heraus'ins:Freie, aber immer iw Schutz und auf die’Südseite, gestellt. . Häufiger thatıman sie’'aber in lirgend «ine-"kalte 'Abiheilung eines "Gewächshauses. Bis.dahin hatte manıdie Pflanzen mässig gegossen; wie aber derx Winter eintrat; «wurde von: Dag'zw Tag weniger Wasser gegeben, bis man sie zuletzt ganz trocken stelien hess«' Dieses dauerte so lange; !bis:man die Pflanze antreiben wollte. "Das gesehah:meisbt im Frühjahre. 8 u
«0 Zu diesem Zwecke brachte man did vensdelteti Pilaezenl in einen Treibkasten! oder Auch in einWärmhans; vvo sich nun die eingesetzten Edelzweige oder Glieder ‚rasch ent- wiekelten und schon bald eine’ ansehnliche Grösseterhielten. Damit nalim man sie wiederum heraus und setzte sie imnier kühler, ‚bis sie zubetzb einen: Platz in irgend einem offenen Theile des Gartens erhielten. | Hier'zeigten sich schon bald am, (Ende der "Zweige Knospen. Jetzt? wurden (sie vom Neuen in: ein mittelwarmes Haus’ gebracht, wo sie Anfangs ÖOktober,blühten. Wollte man dieses erst später haben, so musste man sie natürlich noch länger ‘zurückhalten.: Auf diese: Weise konnte man den ganzem. Winter ‘hindureh bis zum ‚Frühjähre blühende Epiphyllen haben.
Das ist die Art und Weise, wie mam früher in England verfuhr, ein :Verfahren,. "was mit einigen Abänderungen, die dem: dortigem besseren 'Klima Rechnung getragen werden müssen, auch in Deutschland hier und da in Anwendung gekommen ist. Die kürzeste Zeit, um auf diese’ Weise blü- hende Epiphyllen zu haben, dauerte immer 18 Monate.
Seit mehrern Jahren habe auch ich, und zwar in der letzten Zeit durchschnittlich jährlich gegen 1000 Stück Epiphyllen veredelt, aber ein verschiedenes, gewiss vortheil- hafteres und, wie es mir wenigstens scheint, auch dank- bareres Verfahren angewendet. Meiner Meinung nach. pas- sen die dicken: und stachlichen Cereus-Arten zwar besser als die unförmlichen Opuntien, die man, wie oben gesagt, ebenfalls in Deutschland und England verwendete, sie stehen
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aber wegen ihres schwerfälligeren Ansehens gewiss den glattrindigen Pereskien nach, die ich zu meinen Veredelungen
nur gebrauche und mit denen ich stets schöne Pflanzen er=,
zogen habe. ‚Wegen der in der That strotzenden Blüthen- fülle und wegen des dem Auge angenehmen Ansehens haben diese bei allen Blumenfreunden, die sie gesehen, volle Aner- kennung gefunden, weshalb ich gar keinen Anstand nehme, auch meinerseits das Verfahren zu veröffentlichen. *)
Ich nehme von dem bekannten Cactus Pereskia L. (jetzt Pereskia aculeata Plum.) einige Exemplare und mache in Scha- len oder Töpfe Steklinge, um später die nöthigen Stämme zum Veredeln mirzu erziehen. Es geschieht dieses im August oder auch erst später im März. Die Stecklinge wurzeln, in ein lau- warmes Beetöderin ein Ananas-Haus gebracht, sehrleichtund raschan. ‚Hier bleiben sie im erstern Falle bis zum Frühjahre,
im letziern hingegen vielleicht bis im April oderbis zu An- fang Mai, um nun einzeln in 2} Zoll weite Töpfe gepflanzt zu werden: “ Durchaus nothwendig ist es, dass die Pereskia-
Stämmchen, damit sie grade wachsen, immer vom Neuen an- | gebunden werden. Den Sommer über habe ich die Pflanzen im Mistbeete oder im Ananashause.
Die Veredelung beginnt im Anfange des RER. Die Pereskien werden grade in der Höhe, wie man sie braucht, abgeschnitten; ieh benutze sie > bis 3 Fuss lang. Von den Epiphylien nehme ich zum Veredeln ältere Exemplare und drehe einzelne Glieder, die aber doch nicht zu jung sein dürfen, heraus. Man kann auch ganze Zweige mit mehrern Gliedern abdrehen und wird dann finden, dass diese grade so leicht ianwachsen, als die einzelnen Glieder. Das Veredeln, dessen ich mich bediene, ist das Ablaktiren. Zu diesem Behufe schneide ich zunächst die Unterlage oben in schräger Riehtung an und thue ein Gleiches am unteren Ende des Epiphyllum - Gliedes, doch so, dass die breite Seile angelegt und zu diesem Zwecke von der Mittelrippe aus schief nach dem Ende geschnitten wird. Nun werden beide Scehnittflächen angepasst und dann mit Baumweoll- fäden in ihrer Lage erhalten.
Die veredelten Stämme bringe ieh hierauf in'einen verschlossenen Raum, z. B. in einen abgetragenen Kasten, und deeke ‚diesen mit Fenster. Man muss sie hier: gehörig beschatten und vor Allem vermeiden, dass Feuchtigkeit an die Veredelungs:Stelle kommt, weil dann die Verwachsung
*, Wir haben uns mehr als einmal von der ausserordentlichen Schönheit der auf Pereskien veredelten Epiphyllen in der
Hr DI ’ . . Hoffmann’schen Gärtnerei überzeugt. Die Redaktion. :
Verlag der Nauekschen Buchhandlung.
Berlin.
schwieriger und selbst; gar niclit-gesehieht. . Nach 14 Tagen oder höchstens ‚3 Wochen ist „diese. schon ‚so weit ge- schehen, dass die Baumwollfäden abgenommen werden können. Damit erhalten erst die Pflanzen von Zeit zu Deit Luft und kommen bald’ darauf in ein "Warm- oder Ananashaus, wo’ sie den ganzen übrigen Winter'und Früh- ling verbleiben. ° Während ‘des Sommers kann man sie auch in einem Beete unter Fenster haben. Auf diese Weise wird man ‘sich im Oktober und November die schönsten blühenden Exemplare herangezogen haben.
Ob Epiphyllum truncatum Haw. (Cactnsi trun- catus Lk, Cereus truncatus DC.) uud E. Altensteinii Pfeifl. (Cereus truncatus Altensteinii Hort. Berol.) Arten oder Abarlten sind, ist nöch nicht bestimmt; es möchte aber wahrscheinlich sein, dass letzteres aus ersterem erst hervorgegangen ist. Pfeiffer behauptet allerdings das’ Gegentheil und bildet Epipbyllum Altensteinüi in seinen Abbildungen und Beschreibungen blühender Kakteen im 1. Bande auf der 28: Tafel ab. Allerdings unterscheidet es sich schon im ganzen Wuchse und im Baue der Glie-' der. ’Die letzteren 'sind viel’länger, auch schmöler (2 Zoll lang und 8 bis 10 Linien breit), sonst fleischiger, hellgrü- ner und ‘an der Spitze nicht abgestutzt, sondern tief aus- gebuchtet und auf beiden Seiten mit hervorragenden Spiz- zen versehen. Die Pllänze blüht auch in der Regel früher. Für Veredelungen ist immer E. truncalum Lk vorzuziehen, da es reichlicher blüht, als ‘E. Altensteinii Pfeifl,, und auch besser anzuwachsen scheint.
x
Verzeichniss der neuesten und schönsten Georginen, montirenden Nelken, Fuchsien, Pelargonien u. s, w in Charlottenburg bei Berlin.
Zu den. ultesten Gärtnereien bei Berlin gehört die Ohse’sche und ist ir der langen Zeit ihres Bestehens sich gleich geblieben, d. h. beschränkt zwar auf die oben genannten Zierblumen, aber hier'stets sich durch die besten der neuesten Züchtungen erneuernd, Reich ist die Sammlung namentlich an Georginen uhd haben die tüchtigsten Züchter Beiträge geliefert, Für Liebhaber ist, die An- gabe der Höhe der Pflanze 0 des Baues, sowie der Farbe der Blume wichtig. Nicht weniger reich ist die Zahl der so belieb- ten’ remontirenden Rosen, denen. sich ‚auch andere, ‚als Noisette-, Bourbon- u. s. w. anschliessen. Die Redaclion.
Rosen, re- von Ohse
Samen-Oflerte.
Das diesem Blatte beiliegende Preis-Vierzeichniss von Heinr. Mette, Samen-Kultivateur in "Quedlinburg, ‚über Gemüse-, Oeko- nonsie-, Gras-, Holz- und Blumen- Sämereien etc. empfiehlt der- selbe zur geneigten Beachtung und bittet ergebenst, ihm Aufträge auf seine Produkt e per Post zugehen zu lassen.
Druck der D Nauckschen Buchdruckerei.
Hierbei 1) das Verzeichniss:der neuesten und schönsten Georginen, Rosen etc. von Ohse in Charlottenburg. 2) das, Preisverzeichniss von Gemüse-, 0ekonomie-, Gras-- Holz- etc. Sämereien von Heinrich Mette in Anealinburg-
ao. 6.
Preis les Jahrgangs von 52 Nummern mit 12 color. Abbildungen 6 Thlr., * ohne dieselben 5 - | Durch alle Postäuter des deutsch-öster- reichischen Postvereius sowie auch durch den Buchhandel olıne Preiserhöhung zu beziehen.
Sonnabend, .den 7. Februar.
BERLINER
1557
Mit direkter Post übernimmt die Verlagshandlung die Ver- ‘sendung unter Kreuzband gegen Vergütung von 26 Sgr. für Belgien, von 1 Tlilr. 9 Sgr. für England, von 1Thlr. 22 Sgr. für Frankreich.
Allgemeine Gartenzeitung,
Herausgegeben
Y0D il x
vom
hai | Professor Dr.
rtKbeh.
General-Secretair des Vereins zur Beförderung des Gartenhaues in den Königl. Preussischen Stäaten,
Inhalt. Argyranthemum pinnatifidum Webh (Anthemis semperflorens der Pariser Gärten). Vom Professor Koch und Ober-
rn
gättner Pasewaldt. — Micranthella lanceolata Naud. und Chaetogastra Geitneriana Schlecht. Vom Obergärtner Metz. — Cha- 'tieis heterophylla Cass., flore roseo,. ‚die Anmuthsblume ‚mit -Rosastrahlen. — Die :Nelken von! Appelius und Lorenz in Er-
fart, — Fischguano. — Der pomologische Kongress zu Lyon. Briefliche Mittheilung ‚von de Jonghe in Brüssel. — Rundschau: ' der Garten des Komimerzienrathes Linau in Frankfurt a. Ö — Bücherschau: Revisio Potentillarum iconibus illustrata, auctore ' Lehmann ; die vier Jahreszeiten von Rossmässler; Kultur der Schwarzen Malve von Dochnahl. — Korrespondenz.
"" Aroyranthemum pinnatifidum Webb. (Anthemis semperflorens der Pariser Gärten, .... Chrysanthemum pinnatifidum; L. äl.)
Von dem Professor. Karl Koch und Öbergärtner Pasewaldt im Banneel’schen Garten zu. Berlin.
Unter dem Namen Anthemis semperflörens erhielt zuerst Herr Fabrikbesitzer Danneel in Berlin eirie strauch- artige Pflanze, mit weissen, denen der grossen Wücher- blume (Leucanthemum vulgäre Lam.) ähnlichen Blüthen aus Paris, wo sie in. grosser Menge von den Handelsgärt-
nern gezogen und auf den Markt‘ gebracht wird, und kul: _
kultivirte sie zuerst in: Töpfen des Kalthanses, :wo sie fast das ganze Jahr. hindurch blülite. : Der Inspektor des bo- tanischen Gartens, ©. Bouch&, brachte sie im 'verflossenen Sommer’in’s freie Land. Auch hier gedieh sie prächtig und blühie nicht weniger reichlich. ‘Da'sie sieh, wie wir gleich sehen werden, sehr leicht‘ vermehren lässt und grade im Spä’herbste, wo‘ am und für sich ‘eine 'blumenarme Zeit ist, weiter blüht. so bildet:isie für "unsere Handelsgärtner nicht weniger, 'als für die Pariser, eine’ nicht genug zu be- rücksichtigende Marktpflanze, 'weshälb wir sie ganz beson: ders empfohlen‘ haben wollen.
Bei genauerer Untersuchung überzeugte ich mich bald; dass’ Anthemis’semperflorens'einen falschen Namen besitze Der gänzliche Mangel 'an Spreublättehen (Paleae) auf dem Blüthenlager (Clinanthium) sprach’ gleich anfangs
—
gegen das Geschlecht Anthemis. Eine Pflanze mit grossen, weissen Strahlenblüthchen, die anstatt einer ächten Haar- krone (Pappus)'ein sogenanntes Krönchen (Coronula) au! dem 'Fruchtknoteh besitzt, konnte nur ein Pyrethrum, ein Leueanthemum oder Argyranthemum, eine Matricaria oder ’endlich- eine 'Chamomilla sein; m der That stellte es sich bald heraus) dass ich eine jener strauchartigen \\ ucher- blumen, welche den Kanarischen und Azorischen Inseln, sowie der Madeira-Gruppe, eigenthümlich sind, vor mir hatte, und zwar Argyranthemum pinnatifidum Webb.
Die eben genannten Geschlechter stehen sich sehr nahe. Wenn sich auch Argyrantemum Webb. durch den strauchartigen Habitus der meisten Arten im Allgemeinen sehr leicht erkennen lässt, so besitzen wir doch auch ei- nige Pyrethrum-Arten mit holziger Stengelbasis. Das Haupt- kennzeichen bilden die verschieden gestalteten Achenien oder ’Samen, wie man im gewöhnlichen Leben die Früchte der Körbehenträger (Compositae) fälschlicher Weise nennt. Die am Rande stehen, sind nämlich mit 3 oder 2 grossen hautarligen Flügeln versehen, während die übrigen in deı Mitte befindlichen höchstens nach innen zu einen schmalen flügelartigen Längsstreifen besitzen.
' Atısser dieser Art, welche sich übrigens schon früher einmal häufiger in den Gärten vorfand, kultivirten bisher mehr botanische, als Lustgärten noch: A. grandiflorum., Broussonetii, frutescens, anethifolium und foe- niculaceum, die aber gewiss auf gleiche Weise verwendet
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werden könnten., Im hiesigen botanischen Garten blülhen genannte Arten den ganzen Sommer hindurch, wenn sie in’s freie Feld gehtellt wurden.
Ob übrigens diese 5 Arten und das sechste A. pinnati- fidum, denen der gelehrte Kompositen-Kenner Dr. Schultz
in Deidesheim noch ein Paar andere, bisher nur als Formen
betrachtete, hinzugefügt hat, ‚wirklich gute Arteh sind, muss“
weiteren Untersüchüngen durch. Aussaaten anheimgestellt bleiben.» Der Inspektor des, botanischen Gartens, Carl Bouche&, hat Versuche ängestellt, die wenigstens das Re-
sultat gaben dass die Beer unter den Slhizen Namen kulti-
virten Pflanzen in Blatt- und Achenienform ausserordentlich ändern. ganz schmalblättrige. Eben so scheinen die Flügel und Krönchen, besonders der Randachenien, wahrscheinlich je nach dem Raume, der diesen zufällig in ihrer Entwicklung geboten wird, schmal und breit zu sein, ja selbst ganz zu verkümmern. Ob demnach Dr. Schultz Bip. recht. ge- habt hat, ausser dem gut begründeten Genus Argyranthe- mum, noch 2 aus obigen Arten gebildete: das neue Stigma- totheca und, die früher schon aufgestellte. Ismelia an- zunehmen, möchte zweifelhaft sein. Meiner individuellen Ansicht nach über den Begriff „Genus“ sind sie nicht stich- haltig, selbst wenn die von ihm angegebenen Merkmale beständig sein sollten. Nicht jedes, wenn auch noch so konstante, Merkmal der Blüthe oder Frucht, darf uns be- stimmen, gleich ein neues Genus zu bilden, insofern nicht noch allgemeine Gründe vorhanden sind. Am allerwe- nigsten ist bei der Aufstellung Inkonsequenz ‚zu rechtferti- gen. Eine Reihe von auf einander folgenden Geschlechtern mit 1 und 2 Arten und dann wiederum eins mit 100 und mehr Arten, wo man dann alles hinthut, was man sonst nicht unterbringen kann, widerspricht jeder gesunden Logik.
Dr. Bolle in Berlin ist eben von seiner letzten Reise nach Madeira und den Kanarischen Inseln zurückgekehrt und hat dem botanischen Garten sowohl, als auch dem Vereine zur Beförderung des Gartenbaues die Samen von fast allen Argyranthemum’s, die auf den genannten Insel- gruppen vorkommen, mitgetheilt. Nach ihm unterscheiden sich allerdings die meisten Argyrantıemen schon in der Art und Weise des Wachsthumes, was bei denen, welche wir kultiviren, allerdings nicht der Fall ist. Es ist deshalb wohl möglich, dass, da schon vor länger als 2 Jahrhun- derten die genannten Pflanzen nach England und Frank- reich gebracht und daselbst fortwährend viel kultivirt wurden, sieh durch. die Kultur, vielleicht auch durch zu- fällige Kreuzung, Formen gebildet haben, die sich erhielten, während die reinen Arten zufällig verloren gingen. Auf diese Weise erklärte sich der Widerspruch, der in den
Von Samen einer Pflanze erhielt er breit- und‘
Beobachtungen Bouche’s und Dr. Bolle’s liegt. 1oflent- lich sind wir durch die Samen des letziern in den Stand gesetzt, später ein Endurtheil abgeben zu können.
. Alle Argyranthemum- Arten waren von den älteren Systematikern zuerst unter Chrysanthemum aufgeführt ; später wurden sie zu Matricaria, von- anderen zu Pyrethrum
Pr Dracnz Dass CH. Sch ultz aus Deidesheim "das Genus
in 3: Ar yr anthemum, Stigmatotheca und Ismelia, theilt, ist ‚selion erwähnt. Dass aber ausserdem Abarten, und selbst nur in den Gärten entsfändene, zu . Hauptarten
gemacht und ebenfalls mit Namen belegt worden sind, ver-
Man braucht sich des- halb gar nicht zu wundern, dass Steudel in seinem No- menklator allein von Argyranthemum grandiflorum nicht weniger als 15 Synonyme aufführt. Sollten nun doch noch einige der in der neuesten Zeit aufgestellten Arten sich nicht als konstant herausstellen, so hat man das leider nicht einzig dastehende und keineswegs erfreuliche Bei- spiel in der Systematik, dass eine einzige Art der Reihe nach gegen 20 verschiedene Namen, unter denen dann ein Handelsgärtner beliebig wählen kann, erhalten: hat. Unter solchen Umständen kann man es allerdings Gärtnern und Gartenliebhabern nicht verdenken, wenn sie sich gegen neue Namen im Allgemeinen sträuben, und lieber eine alte, ob- wohl oft ganz unrichfige Benennung beibehalten, da ihnen doch ne dafür steht, dass der neue ebenfalls schon in kürzester Zeit wiederum in die Rumpelkammer der Sy- nonymie geworfen wird.
Doch nun noch einige Worte über Kultur der Silber- blume — das bedeutet der Name Argyranthemum — und die Art und Weise, diese zu vermehren. Für die Töpfe nimmt man eine kräftige, mit Sand vermischte Mistbeet-Erde und sucht im Freien der Pflanze wenigstens eine gute Garten- erde zu verschaflen. In jedem Kalthause durchwintern alle Arten sehr leicht und bedürfen nur eine Wärme von 4—6°; doch wollen sie in der Nähe der Fenster stehen. Auch dürfen sie nur wenig begossen werden; desto mehr aber im Sommer, besonders wenn man sie im Freien und auf der Sonne ausgesetzten Stellen hat.
Will man die Pflanzen vermehren, so thut man am Besten, Stecklinge zu machen, was so ziemlich zu jeder Jahreszeit geschehen kann. ‚Grade deshalb hat aueh unsere fiederspaltige Silberblame, Argyranthemum pinnatifidum, einen Vorzug vor vielen anderen Pflanzen und kann allen Handelsgärtnern gar nicht genug empfohlen werden. Ob- wohl sie reichlich Samen ansetzt und dieser auch reif wird, so ist die Vervielfältigung ‚durch Aussaaten nieht anzura- then, da man hier nur ‚länger. warten muss, bevor man blühbare Exemplare erhält.
mehrte die Synonymie nicht wenig.
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Mieranthella lanceolata Naud. und Chaetogastra Geitneriana Schlecht. Von dem ®bergärtner Metz in Planitz bei Zwickau,
Zu den häufigsten Bewohnern der Urwälder in den drei kolombischen Republiken gehören die Melastoma- teen, von denen wir nach und nach nicht weniger als 1500 Arten kennen gelernt haben. Die meisten zeichnen sich durch eine Fülle von Blüthen aus, (ich erinnere an Centradenia, Heterocentron u. s. w.), während andere, wo diese mehr einzeln hervorkommen, sie um desto grösser besitzen. Ich nenne in letzterer Hinsicht hauptsächlich Medinilla und ganz besonders die stattliche M. magnifica Lindl. Die weisse und rothe Farbe mit allen Nuaneirungen von dem hellsten Rosa bis zum dunkelsten Roth, weniger Gelb, herrschen in den Blüthen vor.
Was aber den Melastomateen noch einen besonderen Reiz giebt, das ist der gedrängte, buschige Bau des Sten- gels mit den Zweigen und das saflige Grün der Blätter; es kommt noch dazu, dass wenige Pflanzen so rasch wach- sen und blühen, so wie sich auch leicht vermehren lassen, als grade wiederum die Glieder dieser auch botanisch im- teressanten Familie. Sie sind daher fast ohne Ausnahme unseren Gewächsbäusern zu empfehlen und werden auch in der That seit einigen Jahren noch mehr gezogen, als früher. Viel mag die vorzügliche Monographie, welche Naudin in der 3. Reihe der Annales des Sciences natu- relles mehre Bände hindurch geliefert, beigetragen haben. Aus ihr ersieht man erst recht, was wir noch Alles aus dieser Familie für unsere Gewächshäuser erwarten können. Reisende haben in der neuesten Zeit ebenfalls den Mela- stomateen ihre Aufmerksamkeit seitdem mehr zugewendet, und so steht zu erwarten, dass von Jahr zu Jahr ihre An- zahl in unsern Gewächshäusern um so grösser wird. Zu diesen Bereicherungen gehören nun auch die beiden Pflan- zen, welche die Geitner’sche Gärtnerei in Planitz bei Zwickau direkt aus Kolombien erhalten hat.
"um IBis vor 'kurzer Zeit wurden. die Melastomateen als Bewohner der tropischen Urwälder Amerika’s nur in den Warmhäusern ängstlich kultivirt; seitdem man aber weiss, dass auch ‘andere Pflanzen der Tropen keineswegs immer eine‘ sehr ‘grosse: Wärme ‘verlangen, sondern im Gegentheil im Freien oft mehr gedeihen, und dass auch manche Melasto- mateen in höhern und also auch kühlern Regionen ihres Va- terlandes wachsen, ist man auch’ bei uns nicht mehr so sorg- sam mit ihrer Kultur. Wir haben selbst angefangen, schon mehre im Sommer ins Freie zu bringen und sie daselbst zu Gruppen zu verwendeu. Wegen ihres saftigen Grünes, des buschigen Wuchses und der den ganzen Sommer hindurch
ohne Unterbrechung fortdauernden Blüthenfülle möchten auch wenige Pflanzen sich so dazu eignen, als unsere beiden Arten.
Der Anfang, Melastomateen ins Freie zu bringen, wurde meines Wissens nach mit den Heterocentren gemacht, von denen die eine Art unserer Gärten roth, die andere weiss blüht. Beide hatte man gewöhnlich als Melastoma (oder wohl auch Rhexia) purpurea und alba kultivirt, bis der Di- rektor des botanischen Gartens zu Berlin, Professor Braun, ilmen die Stellung anwies, welche sie schon längst hätten einnehmen sollen, und sie in der Appendix zum Samenver- zeichnisse des Berliner botanischen Gartens vom Jahre 1851 als Heterocentron roseum und subtriplieinervium beschrieb. Die zuletzt genannte Art hatte nämlich schon Link unter dem Namen Melastoma subtriplieinervium auf der 24. Tafel seiner Abbildungen neuer und seltener Gewächse aufgeführt.
Den Heterocentren schliessen sich in dieser Hinsicht, ‚wie gesagt, unsere beiden Pflanzen und wahrscheinlich noch andere Mieranthellen und Chätogastren, mit denen die erste- ren früher vereinigt waren, an, haben aber dieselbe Nerva- tur auf den Blättern, nämlich 3 oder 5 von der Basis aus entspringende und der Spitze des Blattes zulaufende Ner- ven, wie sonst die Melastomateen fast durchgängig besitzen, und nicht nur einen Mittelnerv mit Seitenästen, wodurch sich Heterocentron in dieser Familie auszeichnet. Micran- thella lanceolata und Chaetogastra Geitneriana blühen übrigens in den Häusern grade in einer Zeit, im December und Januar, wo diese besonders arm an Blumen sind, und haben deshalb wiederum einen um so grössern Werth
für uns.
1. Micranthella lanceolata Naud. Chaetogastralanceolata DC.
Diese schöne Art wird bis 3 Fuss hoch, verzweigt sich aber gleich von unten auf sehr regelmässig, so dass sie gleich‘ ‚einen hübschen pyramidalen Busch darstellt. Im Deeember und Januar ist dieser förmlich mit Blüthen, die, wenn sie auch klein sind, doch in solcher Menge auf- treten, dass die Enden der Zweige ganz weiss erscheinen, und gegen das Grün der Blätter um so mehr in die Augen fallen. Dadurch erhält die ganze Pflanze etwas Eigenes, ich möchte sagen, Imposantes.. Die schönen Blätter besitzen eine feine Behaarung, sind Janzeltförmig-zugespitzt. und haben eine Länge von 4, aber eine Breite von 2 Zoll. Ihre hellgrüne Farbe harmenirt mit dem reien Weiss der Blüthen, in denen: sich göoldgelbe Staubbeutel befinden.
Wie alle Melastomateen, so hat auch diese Art ein äusserst schnelles Wachsthum und vermehrt sich sehr leicht durch Stecklinge, die im Februar gemacht, am besten an-
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wurzeln. Ausserdem bringt sie aber auch leicht. und reichlich Samen hervor, die, im März ausgesäet, ‚schon bis zum Herbst schöne, kräftige und selbst blühbare Pflanzen liefern. . Sie liebt einen leichten Humus-Boden, und Feuchtigkeit wäh- rend ilırer ‚stärkeren, Vegetation, , also im Sommer. In. die- ebenfalls. in’s. Freie stellen und auf Gruppen auspllanzen,. wo sie mit ihren hübschen Blättern immer Eflekt machen werden.
Das Einpflanzen verträgt diese Art sehr gut, und blü- hen im Freien gewesene Exemplare um so reicher in den lläusern.
ser Zeit kann, ;man | sie, ‚wie gesagt,
Im Winter muss, sie in ein gemässigtes Haus kommen, wo sie schon ‚bald anfängt, eine Zierde zu wer- den und im. Stande: ist, manche Lücken. auszufüllen, in einer Zeit, ‚wo.es, wie gewöhnlich in Monaten December und Januar,,so, ausserordentlich wenige Pflanzen in Blüthe giebt.
Macht man im: Heshste Stecklinge davon, so erhält man allerliebste, veichblühende Miniaturpflänzehen. _
Iun.der Geitn er’schen Gärtnerei zu. Planitz bei Zwickau ist : bereits soviel ‚Vermehrung ‚vorhanden.; dass die Pflanze sogar zu, 1 Thaler abgegeben: ‚werden kann.
Chaetogastra Ben Schlecht.
Eine verwandle Art, welche ebenfalls aus Columbien stammt und unter denselben Verhältnissen gedeiht. Nür ist sie etwas kleiner, ‚da sie höchstens 2 Fuss hoch ‚wird, und auch ‚etwas zärtlicher. Die Blätter. haben .ebeufalls eine lanzettliche Form, zeichnen sich. aber hauptsächlich durch einen röthlichen Anflug aus. Die Blüthen sind, nur wenig grösser als bei der vorigen Art, haben aber.keine weisse, sondern eine rosarothe Färbung; die Antheren sind aber, wiederum gelb.
Ausser diesen beiden Melastomaieen sind in der G eit- nerischen Gärtnerei in der neuesten Zeit noch mehre an- dere Arten eingeführt, welche jetzt schon durch Blattformen und durch die verschiedensten Färbungen sieh auszeichnen. Da sie aber noch nicht geblüht haben, bin ich auch ‘nicht im Stande, Näheres und Bestimmteres über: sie anzugeben. Ich ‘werde mir erlauben, später ‘darüber zw berichten.
Charieis heterophylla Cass. flore roseo, die An- muthsblume mit Rosastrahlen. (Kaulfussia amelloides N. v.E.)
Der Samen dieser Blume wird von englischen Handels- gärtnern für 1 Pfd. St. (also 7 Thlr.) das Loth empfohlen. Wir erinnern uns nicht, eine rosenrothblühende Abart gesehen zu haben, doch wird sie in Verzeichnissen deutscher Han-
delsgärler. Zweidigen Groschen-beveits: ebenfalls angeboten; wir sind aber schon vorher überzeugt, dass die ursprüng- liche Form mit blauen Straklenblüthchen doch schöner ist. Inter&&&nt mag sie aber immer Bleiben.”
Die. Anmutlisblume .— ‚denn dieses bedeutet der
griechische ‚Name, Charieis, — wurde durch den Königl.
botanischen Garten zu Berlin, der bereits im Jahre 1518 direkt Samen vom Vorgebirge der Guten. Hoffnung erhielt und schon im: Jahre 1819 blühende Pflanzen hatte, verbreitet... ‚Sie bringt ihre ursprünglich blauen Blüthen in der Regel erst im Spätsommer und im Herbste hervor, kann aber auch äls zweijährige Pflanze überwintert: wer- den, wenn man im’ nächsten Frühjahre schon zeitig Blumen haben will. Am besten‘ thut man, um wenigstens schon im'Juli diese zu besitzen, den Samen etwas frühzeitig in ein Mistbeet zu säen und ‘dann die jungen Pflänzchen in die, Töpfe‘ oder gleich: auf Rabatten zu piquiren. Da sich
.die Blume sehr gut zu Einfassungen passt, kann! man sie
auch gleich an Ort»und. Stelle säen; aber in diesem Falle - Yiur an sonnige und warme. Stellen und nicht vor Ende April‘ oder »Anfang Mai. Es ist immer gut, wenigstens einige Töpfe von.den frühzeiligen Aussaaten zur Samen- fi gewinnung zu reserviren, da die im freien Lande. befind- lichen Pflanzen, wenn ein schlechter Herbst eintritt, oft fehl schlagen.
Die Blumen besitzen dadurch noch einen besonderen Reiz, dass sie in: der, Knospe eine mehr gelbliche Farbe haben, welche sich allmählig mit Blau vermischt, bis dieses bei der völligen Oeflnung, wenigstens bei den Strahlen- blüthehen, als das schönste Himmelsblau erscheint. Man hatte aber auch ausserdem noch durch die Kultur verschie- dehe Färbungen in den oflenen Blüthenkörbehen exzielt, nämnlieht: bei.den bald breiten, bald schmalen Strahlenblüth- chen die himmelblaue und weise Farbe, bei den in der Mitte oder Scheibe stehenden Röhrenblüthchen hingegen die blaue oder‘ gelbe. » Um nun das Farbenspiel bei dieser Pflanze in noch grösserer Abwechslung zu besitzen, bleibt es, wie gesagt, doch’ interessant, dass: wir jetzt auchleine Abart mit rosafarbigen: Strahlen- oder Randblüthehen kultiviren. .
‘» Der Name'Chärbeis’hetero phylla wurde schen im Jahre 1817 von Cässini, d&r getrocknete, vomdem Astronom Lecaille in: Südafrika gesammelte -Pllanzen vor sieh hatte, gegeben, während Kaulfussia: (benannt nach ‚dem. :1830 gestorbenen: Professor der Naturgeschiehte in Halle, Kaul- fuss, der; sich um die Farrn sehr: verdient ‘gemacht hat) erst 1820. von. dem Präsidenten der. Karolinisch - Leopol- dinischen Akademie zu Breslau, Neesvon Esenbeck, der obigen Namen;noch nieht ‚kannte, aufgestellt, aber spä- ter ‚selbst in seiner Monographie der Asternartigen Pflanzen ;
Key.
‚Blüthehen als
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wiederum eingezogen wurde. Die ı Benennung Charieis heterophylla Cass. muss demnach ‚als die ‚ältere. bleiben. Cassini, unterschied später die Abart mit durchaus blauen Charieis eoerulea; es ist dieses; ein Name, den darauf wiederum Nees von Esenbeek Kür alle Formen gebraucht hat.
Wasnun die systematische Stellung des nur aus einer kapischen Pflanze bestehenden Geschlechtes Chärieis aube- langt, so. bildet. dieses mit Agathaea ‚Cass., von dem be- sonders A. coelestis Cass. (die alte Linne’sehe Cineraria amelloides) in unseren Kalthäusern bekannt und beliebt ist, eine kleine Gruppe der Asternartigen Pflanzen (Asteroi- deae), welche sich durch (wenigstens am untern Theile der Pflanze, wenn nicht durchaus) gegenüberstehende Blätter auszeichnet. Es ist ausserdem noch interessant, dass die Haarkrone der Scheibenblüthehen gefiedert ist, ‚die der Strahlenblüthehen hingegen fehlt oder bisweilen nur aus einer einzigen Borste besteht, was beides bei Agathaea nicht der Fall ist.
Die Nelken von Appelius und Lorenz in Erfurt.
Es gab leider 'einmal eine Zeit, wo die Nelken gar nicht mehr die Beachturg fanden, als’ sie es doch in so hohem Grade: verdienten. Höchstens waren es die: chme- sischen, welchen man noch einige Aufmerksamkeit zuwen- dete. Um so erfreulicher ist es nun, dass diese nicht min- der schönen und mannigfachen, als angenehm duftenden Blumen, die fast so lange in Europa kultivirt werden, als wir daselbst eine Geschichte kennen, hauptsächlich durch das Verdienst deutscher, und ganz besonders Erfurter, Gärt- ner wiederum —.um mich eines vulgären Ausdruckes zu bedienen — Mode ‘geworden sind. ‚Während'früher die eigentliche Gartennelke (Dianthus Caryophyllus; L.)»'es hauptsächlich war, der man seine Kunst zuwendete, um bei der Neigung der Blüthe zum Gefülltwerden und zum Farbenwechsel zahllose Abarten und Formen 'zu erziehen, so hat ınan in der neuesten Zeit auch’ noch andere Arten, und zwar nicht allein die, welche früher; aber mehr zu Einfassungen und auf Rabatten, gebraucht‘ wurden, 'son- dern auch’die, welche man erst seit wenigen Jahren für die Kultur in Anspruch 'nahm, ‘vielfach benutzt, ‘um Blend: und Mischlinge in der mannigfaltigsten Gestalt. hervorzu- rufen. In welcher Grossartigkeit’ dieses’ jetzt betrieben wird, davon kann man sich nur einen Begrifl'machen, ‘wenn man in Erfurt z. B. auf einmal ein grosses Sortiment der verschiedensten Nelken erschaut. Das ganze Farben-Spek- trum- wiederholt sich; mit Ausnahme des Grünen und, son- derbarer Weise auch, des sonst so häufig vorkommenden
Blauen in den Blumen, der’ Nellsen. Ein solcher Farben- reiehtbum existirt sonst nirgends weiter.
Es liegen uns zwei Nelkenkarten vor, die uns Gele- genheit geben sollen, die Leser dieser Zeitschrift auf diese Blumen aufmerksam zu machen. Wir dürfen um so we- niger über dem Schönen und Vorzüglichem, was wir jähr- lich aus {remden Ländern erhalten, das überschen, was wir haben, zumal es auch die weniger Bemittelten in den Stand setzt, Geld ihren Garten mit schönen Blumen auszuslatten.
Die eine Nelken - Karte ist Manuseript uhd' "uns" von ihrem Besitzer, dem Kunst- und Handelsgärtner Appelius
Derselbe kultivirt allein über 400
für wenig
in Erfurt, eingesendet. Formen der gewöhnlichen Garten-Nelke (Dianthus Caryo- phyllus) und bietet somit eine seltene Auswahl dar Um diese zu erleichtern, hat er bezeichnende Blätter der Blu- men gut getrocknet und selbige auf starkem Papier auf- geklebt. Er sendet auf Verlangen, jedem Liebhaber das Büchelchen, in dem die sämmtlichen Papiere mit den Blu- menblättern sich befinden, auf kurze Zeit zu. Name und sonstige Angaben finden sich geschrieben neben dem auf- Dll.bies Blumenblatte. Jede Sorte kostet nach beliebiger Auswahl 5, nach seiner hingegen nur 4. Sgr.
Die zweite Nelkenkarte liefert ein Schema zur Ein- theilung‘, der Nelken und gehört einem Schriftchen an, was der Ve tfasser, der längst in dieser Hinsicht bekannte Nelkenzüchter Christ. Te in Erfurt, zum besseren Verständniss aller Nelkenliebhaber selbst geschrieben hat. Da hauptsächlich darin nur die eigenen Erfahrungen nie- dergelegt sind und Lorenz schon seit sehr langer Zeit die Nelken emsig hegt-und pflegt. so muss es Jedermann willkommen sein, der die prächtigen Blumen liebt.
Die Nelken verlangen in der Kultur sehr viel Auf- mierksamikeit,' wenn man in der’ That Freude an seiner Zucht haben und sich Vorzügliches erziehen will. Man kann sieh immer fort die‘schönsten Sorten anschaffen und beherzigt nicht‘ die Winke, welche der Verfasser in seinem Büchelehen giebt, ‘so. wird: man doeh'nicht das erhalten was man 'wünschle” ft glaubt man dann noch, dass man von Seiten des Gärtners nicht ordentlich bedient sei: Wir empfehlen deshalb ganz besonders :das Schriftehen,; was für wenig Groschen in ‚jeder Buchhandlung und von Lorenz selbst zu beziehen ist: Als Anhang erhält manvein Ver- zeichniss der von ihm kultivirten Sorten, nieht weniger als 1008. Er‘ verkauft 12: Sorten nach eigener Auswahl für 2, nach seiner für 14 Thlr., 100: hingegen nach eige- ner Auswahl für 16, nach seiner für 12 Thlr.
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Fisch - Guano.
In dem Journale für Landwirthschaft, 5. Jahrgang. (1857) Seite 29. befindet sich ein interessanter Aufsatz über Fisch- Guano, von Dr. Wicke in Göttingen. Dass künstlicher Dünger für Gärtner ausserordentlich wich- tig sein kann, haben in Paris vielseitige Versuche nach- gewiesen; leider wollen aber dergleichen bei uns immer noch nicht Eingang finden. Ursache mag allerdings auch die häufige Verfälschung des Guano sein, so dass die Re- sultate sich natürlicher Weise widersprechen können. Um so lobenswerther sind die Versuche in Deutschland, künst- lichen Dünger der vielleicht schlechter ist, auf den man aber sich mehr verlassen kann, zu fabriziren.
Mit Fischen, wurden schon früher in England Ver- suche zu Guano angestellt, die aber zu weiter keinem Re- sultate führten. Jetzt bereitet nun ein Fabrikant, Denker in Varel, aus den beliebten Garneelen oder Granaten Guano. Wenn Feinschmecker hierin vielleicht eine Beeinträchtigung finden, so werden sie sich wohl beruhigen, sobald sie er- fahren, dass in einzelnen Jahren diese Fischehen in so un- geheuren Mengen vorkommen, dass beim Fangen ein Theil wieder ins Wasser geworfen werden muss. Der obige Fabrikant setzt sie, um Guano daraus zu erhalten, einer so hohen Temperatur aus, dass der Eiweissstoff gerinnt, wo- rauf man sie presst. Nun kommen sie auf eiserne, bis 64°R. erhitzte Platten, um so hart zu werden, damit sie gemah- len ein Pulver geben. Dieses Fabrikat, Granat-Guano genannt, hat namentlich, mit drei Mal so viel Knochenmehl vermischt, bei Kulturensich sehr günstig gezeigt.
Der Pomologische Kongress zu Lyon. Briefliche,Mittheilung des Kunst- undHandels- gärtners de ee in Brüssel.
Es wird Ihnen bekannt sein, dass der genannte Kon- gress sich in’ der Mitte September v. J. zuerst in Lyon versammelte und dass er in diesem Jahre wahrscheinlich zum zweiten Male zusammenkommen wird. In der ersten Versammlung waren die Birnen Gegenstand der Verhand- lungen, während bei der nächsten nun der Reihe nach die Aepfel, Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen, Aprikosen, Wein- trauben u. s. w. einer besondern Aufmerksamkeis gewür- digt werden sollen.
Der Kongress hat sich. dabei die Aufgabe gestellt, die Resultate der Verhandlungen in einem besonderen Werke zu veröffentlichen und ist der Meinung, dass diese dann ohne Weiteres von jedem Lande und von jedem Obst- züchter angenommen werden müssten. Leider hat man
aber in dem, was mir vorliegt, gleich gegen das erste Erfor- derniss einer so gewichtigen Arbeit, gegen die Nomenklatur, sehr gefehlt, indem man sich um die alten, ursprünglichen Namen gar nicht bekümmerte, sondern ohne Weiteres neue gab oder die alten auf eine Weise verstümmelte, dass sie gar nicht mehr zu erkennen sind. Unter solchen Umstän- den, wo man gleich im Anfange den Anforderungen einer richtigen Benennung so wenig nachkommt, kann man olın-
‚möglich Resultaten entgegensehen, welche in der That die
für die ganze Volkswohlfahrt so gewichlige Obstzucht und die wissenschaftliche Obstkunde, die Pomologie, fördern werden.
Rundschau.
Der Garten des Kommerzienrathes Linau in Frankfurt a. d. ©.
Wenn schon Frankfurt mit seiner so freundlichen Lage jedem Reisenden auf der sonst zum grossen Theil sehr einföormigen Tour von Berlin nach Breslau auffällt. so ist unbedingt wiederum der genannte Garten für Frankfurt ein Lichtpunkt; es möchte kaum dort noch ein andrer Ort gefunden werden, wo sich eine solche Aussicht darbietet. Da der Garten von dem General-Direktor Lenn& angelegt ist, so darf man wohl auch erwarten, dass die Anlage mit dem Uebrigen harmonirt. Doch ich will, wo es Winter ist, nicht die Anlagen, so schön sie sich auch selbst in dieser Zeit präsentirten, beschreiben, sondern mich dieses Mal nur den Gewächshäusern zuwenden.
Für die Azaleen- und Rhododendren - Flor, durch die sich der Garten schon seit sehr langer Zeit ebenfalls vor- theilhaft auszeichnet, war es noch zu früh; ich wende mich deshalb sogleich dem Hause zu, wo die Orchideen gezogen werden. Grade in dieser an blühenden Pflan- zen so armen Zeit sind die Orchideen hauptsächlich der Schmuck unserer Gewächshäuser. Nicht weniger als 42 Arten waren im Linau’schen, nur für diese Pflanzenfamilie besimmten Hause blühend vorhanden oder fingen wenigstens an, ihre Knospen eben zu entfälten. | |
Gleich voran stand ein prächläges Exemplar des Phajus intermedius Hort. angl. aus 7 Stengeln, die aus:4 Sehein- zwiebeln hevorkamen und weit über 100 Blüthen trugen, bestehend. Nicht weit davon stand Phajus Wallichii Lindl. Von den 10 in Blüthe begriffenen Oneidien nenne ich nur: Oncidium maeulatumLindl. (Cyrtochilum macnlatum Lindl.), cornigerum Lindl. und albo-violaceum Lindl., von den 10 Dendrobien aber: Dendrobium nobile Lindl., coerulescens Lindl., macrophylium Lindl.. moschatum Wall. (Calceolaria
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Hook.), fimbriatum Wall., transparens Wall. und Ruckerii Lindl. Ausserdem verdienen wegen Schönheit oder Selten- heit noch genannt zu werden: Ansellia africana Lindl., Bletia florida R. Br., Vanda Roxburghü,R. Br. (Epidendron tessellatum Roxb.), Odontoglossum constrietum Lindl., und pulehellum Batem., Cattleya granulosa Lindl. 3. Leopoldi und Miltonia euneata Lindl.
Bücherschau.
Revisio Potentillarum, iconibus illustrata; auctore Br. Christ, Lehmann. _Vratislaviae et Bonnae MDUCCLVI.
Schon seit mehrern Jahren sah die botanische und zum Theil auch die gärtnerische Welt dem Erscheinen dieser Schrift entgegen. Sie-bildet einen ziemlich starken Quart- band von 230 Seiten, mit 5 pflanzengeographischen Tabellen und 64 Tafelu nicht illumnirter Abbildungen, der eigentlich ein Supplement zum 23. Band der Verhandlungen der Leo- poldinisch - Karolinischen Akademie der Naturforscher ist. Wer sich je mit dem schwierigen Geschlechte Potentilla, wo nur sehr seiten gleich in die Augen ' springende Cha- raktere, dagegen aber viele Ucbergänge, oft ‘sogar ein gros- ser Formenkreis, sich darbieten, nur-einmal beschäftigt hat, wird gewiss dem Verfasser Dank wissen, dass er seit 30 Jahren nicht aufgehört hat, diesen so schwierigen Arten seine specielle Aufmerksamkeit zuzuwenden und immer von Zeit zu Zeit seine Erfahrungen und Beobachtungen der Oeffentlichkeit zu übergeben. 204 Arten sind beschrie- ben, aber das Register bringt uns weit über 1000 Namen, von denen der bei Weitem grösste Theil der Synonymie angehört. Das Buch ist mit Ausnahme der Diagnosen in deutscher Sprache geschrieben.
Wie wichtig die Potentillen in pfanzengeographischer Hinsicht sind, kann man aus den 5 pflanzengeographischen Tabellen des Professor Koch, die dem Texte folgen, er- sehen. In ästhetischer Hinsicht bieten sie weniger dar, obwohl einige Arten, besonders des Himalaya, weniger Si- birien’s und Nordamerika’s, auch gärlnerischer Seits schon längere Zeit mit Aufmerksamkeit kultivirt wurden.. Da diese ausserdem sehr leicht Vermischungen eingingen, (so hatte man dieses benutzt, um eine Reihe von Blendlingen von denen in der That die eine hübscher als die andere ist, hervorzurufen. Gewöhnlich wurden diese Blendlinge als selbstständige Arten in die Welt geschickt. Es dürfte deshalb grade hier nicht ohne Interesse sein, dieselben, so weit Lehmann sie selbst als solche mit beiderseitigen Aeltern erkannt hat, der Reihe nach aufzuführen, so wie
auch die, welche Formen oder gar nur Synonyme sind, gleich anzuschliessen.
Kultivirt werden nur: die beiden holzigen Arten, P. dahurica (davurica) Nestl. und frutieosa L., die haupt- sächlich in Sibirien wachsen, letztere aber ausserdem mit eincm grossen Verbreitungsbezirk bis einerseits zum Hima- laya, andernseits bis zu den Pyrenäen, aber immer nur vereinzelt, vorkommt; ferner die nordamerikanische P. Hip- piana Lehm. und die drei Himalaya-Arten: nepalensis Hook., argyrophylla Wall. und atrosanguinea Lodd.
Blendlinge, Abarten oder nur Formen, resp. Syno- nyme sind:
1. P. bieolor Lindl.: Blendling ‘von der: P. atrosan- guinea Lodd. und der argyrophylla Royle # insignis.
2: P. colorata Lehm.: Form der P. nepalensis Hook.
3. P. Fintelmanni Otto: Blendling von der P. atro- sanguinea Lodd. und der argyrophylla Royle.
4. P. floribunda Wats. et Hort.: grossblühende Abart der P. fruticosa L.
5. P. formosa Don: Synonym der P. nepalensis Hook.
6. P. glabra Lodd.: Synonym der P. dahurica Nestl.
7. P. grandiflora Hort.: grossblühende Abart der P. fruticosa L.
8: P. Hopwoodiana Lindl.: Blendling der P. nepa- lensis Hook. und der erecta L.
9. P. insignis Royle: Abart der P. argyrophylla Wall.
10. P. leucochro&-atrosanguinea Morr.: Blendling der P. argyrophylla Wall. und atrosanguinea Lodd.
11. P. Mackayana Sweet: Blendling der P. nepalensis Hook. und der opaca L.
12. P. Maenabiana van H.: Blendling der P. argyro- phylla Wall. und der atrosanguinea Lodd.
13. P. Mayana Hort., Linn. 1844 p. 508, unbekannt.
14. P. Mentziessii Lem.: Blendling der P. argyro- phylla Wall. und der atrosanguinea Lodd.
15. P. Russeliana Lindl.: Blendling der P. atrosanguinea Lodd. und der nepalensis Hook.
16. P. Smoothii van H.: Blendling der P. atrosangui- nea Lodd. und der argyrophylla Wall.
17. P. tenuifolia Willd. et Hort.: Abart der P. fru- ticosa L.
18. P Wallichiana Gouan: Synonym der P. atrosan- guinea Lodd.
Die vier Jahreszeiten von (, A Rossmässler. Volksausgabe. 1.—4. Heft. Gotha 1856. Preis 1 Thl.
Der geistreiche Verf. giebt uns wieder ein Mal ein Buch vaterländischen Inhalts. Es ist recht schön in unsern Gärten und Gewächshäusern, und muss es auch wohl sein,
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denn wir ‘haben ja das Schönste zusammengetragen, was sonst die Natur auf der grossen weiten Erde hervorgebracht hat. : Darüber dürfen wir aber des Heimischen nicht ver- gessen, wo .ebenfalls'so' manches 'Vorzügliche geboten wird. Unser Eichbaum ‘möchte kaum bei’ uns ‘durch ein fremdes Gehölz : vertreten‘ werden. : So majestätisch und kräftig auch ser’an und für»sich aussieht, so! bleibt ‘er doch für alle unsere Anlagen wohl nur deshalb: besonders gewichtig, weil'er das’ Vaterländische‘ und‘ den: deutschen Charakter in jeglicher Hinsicht: vertritt! ; Den reich mit ‘allerhand Blumen geschmückten Wiesenteppich' suchen wir vergebens in Italien und ausserdem.
Mitten durch:Wiesen und Wälder, durch Sümpe und Brüche''nach dürrem:' Haideland: führt: uns’.der. Verfasser und:macht uns »auflalles das,; worauf es ankommt; aufmerk- sam.; ‚Grade deshalbi/empfehlen' wir: das wehlfeile Büchel- chen, hauptsächlich‘ «dem:Landschaftsgärtner; damit.er über dem. Ausländischen nicht das Vaterländische' vergisst, und nebenbei lernt, wie die Natur Anlagen: macht. . Der Land- schaftsgärtner: soll 'eben so wenig. als; der Landschaftsmaler seiner Phantasie freien’ Lauf lassen; es liegt beiden .ob, das Schöne, was hier: ind «da: verborgen Jiegt; im der Natur aufzusuchen und in seiner Anlage oder in. seinem’Bilde zu einem harmonischen: Gänzen ‘zu verknüpfen.’ «Wir empfeh- len aber auch überhaupt: jedeny der Sinh für: die Natur hat. das Buch: ; ‚roh jet si
Vorliegende Volksausgabe enthält «einige Vegetations- Ansichten: weniger'als die früher erschienene; anstatt far- biger Tondrücke von Blättern sind auch: nurschwarze vor-
handen. Trotzdem ist die Ausstattung immer noch viel hübscher, als bei'den meisten: für: das Volk.bestimmten Büchern. i |
Die Kultur der Schwarzen. Malve oder das