<$<>><$<5<$<5<&3><$<$<>^^ The University of Chicago Library ' y ingel- und Geistervorstellungen des Korans., Inaugural* Dissertation . zur Erlangung der Doktorwiirde der hohen philosophischen Fakultat der Universitat Rostock vorgelegt l . von . Wilhelm Niekrens ' cand. theol. . aus Gnoien i/M. ROSTOGK. Universitats-Buchdruckerei von Adlers Erben, Q. m. b. H. 1906, e'~ Referent: Professor D. Koberle. 1669376 Meinen Eltern und GroBeltern in dankbarer Liebe gewidmet. Einleituiig. Man nennt den Islam gern die Religion des strengen Monotheismus, und auch mit Recht. Denn die Erhabenheit und Einzigkeit Allahs, zusammen- gefaftt in die bekannte Formel ,,/a 'ilaha ' illa-llahu" , sind das Fundamentaldogma des islamischen Glaubens- bekenntnisses, und beide werden schon im Koran noch durch eine Reihe von Attributen *) inhaltlich naher charakterisiert, so dafo die scharfste Grenze gezogen ist zwischen Allah und allem andern, was er geschaffen hat Mit dieser scharf ausgepragten monotheistischen Neigung des Islam aber blieb dennoch wohl vereinbar die nicht nur den semitischen, sondern man kann wohl sagen alien Religionen gemeinsame Vorstellung von einer Geisterwelt, von Mittelwesen zwischen Gott und den Menschen. Denn alle die Pradikate, welche man allein Allah beilegen zu konnen glaubte, hoben ja die Existenz von Geistern neben Allah nicht auf, sondern zeigten nur, welcher Unterschied und Abstand selbst zwischen ihnen und ,,dem Erhabenen" vorhanden x ) cfr. Hubert Grimme: Muhammed, Munster 1892. II. Teil : Einleitung in den Koran. System der koranischen Theologie, pag. 41 u. 42. ist. So kennt denn auch der Koran noch eine ziemlich entfaltete und bunte Welt von Engeln und himmlischen Geistern. Diese Vorstellungen nun zu einer einheit- lichen Darstellung zu bringen, soil die Aufgabe der vorliegenden Arbeit bilden. Sie greift damit zwar nicht unmittelbar in die Zentralgedanken der koranischen Theologie hinein, dafiir aber geniefit sie den Vorzug, daft sie es mit konkreten und lebendigen Qestalten zu tun hat, denen Muhammed selbst fur sein eigenes Leben eine nicht geringe Bedeutung beigelegt hat 1 ). ,,Das schwerste Problem aber fur den Koranforscher, von dem jede tiefere systematische Erkenntnis der muhammedanischen Lehre abhangt, ist die Anordnung der 114 Suren zu einer chronologisch richtigen Kette" 2 ). Obgleich nun dies Problem vor der Hand bei den groBen Abweichungen in den Resultaten der groBten Forscher Weil 3 ), Muir 4 ), Noldeke 5 ), Sprenger und Grimm e als noch durchaus offen und ungelost betrachtet werden muB, so miissen wir doch fiir unsern Zweck die Datierung der Suren, deren nahere Berikksichtigung aus dem Rahmen .unserer Arbeit herausfallt, als geschehen voraussetzen, und zwar J ) cfr. 4 und 9, 2 ) Grimme a. a. O., pag, 24. cfr. Hartwig Hirsch- f el d, Beitrage zur Erklarung des Korans, Leipzig 1886, pag. 5. 3 ) Weil, Historisch-kritische Einleitung in den Koran, pag. 42 ff. 4 ) Muir, life of Mohammed. 5 ) Theodor Noldeke, Geschichte des Qorans, Gotiingen 1860. pag. 52174. werden wir uns an die neueste Datierung halten, wie sie von Grim me aufgestellt ist: Muhammed, II. Teil: Einleitung in den Koran, pag. 1829. Als Quelle benutzen wir, wie die Fassung des Themas es andeuten soil, ausschlieBlich den Koran. Dadurch ist es natu'r- lich nicht absolut ausgeschlossen, daB wir hier und da Notizen und Erklarungen der Kommentatoren bei- fiigen, wenn sie uns fur das Verstandnis des Korans vonWert zu sein scheinen, oder auch insofern, als sie deutlich zeigen, wie die Spateren die einfache und nachstliegende Interpretation einer Koranstelle auf- gegeben und sie ungebuhrlich und phantastisch erweitert haben 1 ). Haben wir somit unsere eigentliche Absicht ge- nu'gend gekennzeichnet, so mag auch hier gleich eine Nebenabsicht der vorliegenden Arbeit ausgesprochen werden. Bei der notorischen Abhangigkeit des Islam vom Judentum 2 ), speziell auch in der Geisterlehre 3 ), 1 ) Unter diesem angegebenen doppelten Gesichtspunkt wird vornehmlich verglichen: Dr. Freiherr Hammer- Purgstall: Die Geisterlehre der Moslimen, Denkschrift der Kaiserlichen .Akademie der Wissenschaften, philos.-histor. Klasse. Wien 1852. III. Bd. pag. 189225. 2 ) Vgl. hier vor allem die grundlegende Schriit von .Abraham Geiger: Was hat Muhammed aiis dem Judentum aufgenommen? Bonn, 1833. 3 ) Geiger, a. a. 0. pag. 8185. Hirschfeld, a. a. 0., das Nahere siehe Exkurs 7. J. Wellhausen: Reste arabischen Heidentums, gesammelt und erlautert, 2. Ausg. Berlin, 1897, pag. 157 und Anm. 3. will namlich die Arbeit noch einige religionsgeschicht- lichen Parallelen aus der jiidischen Geisterlehre bei- bringen, aber ohne auf diese Ausfiihrungen einen besonderen Akzent zu legen, und ohne in ihnen irgendwie Vollstandigkeit oder quellenmaftiges Studium zu beanspruchen, da dies uber die der Arbeit gesteckten Grenzen weit hinausfiihren wiirde. Es sollen vorlaufig nur die bei der Vorarbeit bemerkten, in der Literatur hier und da schon hervorgehobenen Parallelen aus der jiidischen Geisterlehre, soweit sie nicht in die Darstellung selbst hineingezogen werden, in einem Exkurs gesammelt vorgetragen werden, eben in der Oberzeugung, daB jeder Beitrag, der auf diesem Gebiet geliefert wird, sowohl fur die vergleichende Religions- wissenschaft, wie ebenfalls fur das voile Verstandnis des Korans stets von Wert sein wird. Als die hauptsachlichsten Koraniibersetzungen l ) finden Beriicksichtigung: von den alteren Nerreter 2 ) und Sale 3 ) (in der deutschen Bearbeitung von Arnold), von den neueren Ullmann 4 ) und Grigull 5 ). Als Text !) cfr. Weil, a. a. 0. pg. XVII XX, 2 ) David Nerreter, Neu eroffnete muhammetanische Moschea, Ntirnberg 1703. 3 ) George Sale, Der Koran, aus dem arabischen Original in das Englische iibersetzt; aufs treulichste wieder ins Teutsche verdolmetscht von Theodor Arnold, 1746. 4 ) L. Ullmann, Der Koran aus dem Arabischen wort- getreu ubersetzt, 8. Aufl. Bielefeld-Leipzig 1881. 5 ) Theodor Fr. Grigull, Der Koran (Otto Hendel) Halle. _ 9 benutzen wir die Ausgabe des Koran von Fliigel 1 ). Bei der Transskription bedienen wir uns der von Brockelmann in Socins arabischer Qrammatik an- gewandten Typen. Ankniipfend an das, was bisher iiber unsern Gegenstand gesagt, respektive ausgemacht ist 2 ), wollen wir unsere Aufgabe selber losen, indem wir nach- einander die Vorstellungen des Korans untersuchen I. von den Engeln, II. von den Qinnen, III. vom Saitan und den Saitanen 3 ). 1 ) Coranus arabice. Rec. Flugelianae text, recogn. iterum expr. curavit G. M. Redslob, Leipzig 1881. 2 ) Grimme, a. a. O. pag. 4850 und 6171. Sprenger: Leben und Lehre Muhammeds, Berlin 1861, Bd. II, pag. 238251. Otto Pautz: Muhammeds Lehre von der Offenbarung quellenmafiig untersucht, Leipzig 1898. cfr. 2 und 8. 3 ) cfr. Die Anordnung der Geisterlehre bei den Muslimen: Purgstall, a. a. O. pag. 189, Anm. 1. Cap. I. Gie Vorstellungen des t^oratis von den Engeln. 1. Die Engel als die dietiende Umgebtmg Allans. Als eine fest umgrenzte Kategorie von himmlischen Wesen betrachtet der Koran zunachst die Engel, sing. malakun 1 ); S. VI. 8; 9; 50. S. XI, 15; 33. S. XII, 31. S. XVII, 97. S. XXV, 8. S. XXXII, 11. S. LIII, 26. S. LXIX, 17. S. LXXXIX, 23., plur. san. (einmal) malakuna: S. VII, 19., sonst plur. .tract, mala'ikatun S. II, 28; 29; 32; 92; (96); 156; 172; 206; 249; 285. S. Ill, 16; 33; 37; 40; 74; 81; 120; 121. S. IV, 99; 135; 164; 170. S. VI, 93; 111; 159. S. VII, 10. S. VIII, 9; 12; 52. S. XIII, 14; 23. S. XV, 7; 8; 28; 30. S. XVI, 2; 30; 34; 35; 51. S. XVII. 42; 63; (80); 94. S. XVIII, 48. S. XX, 115. S. XXI, (13); 103. S. XXII, 74. S. XXIII, 24. S. XXV, 23; 24; 27. S. XXIX, (55). S. XXXIV, 39. S. XXXV, 1. S. XXXVI, (25). S. XXXVII, 150. S. XXXVIII, 71; 73. S. XXXIX, 76. S. XL, (7). S. XLI, 13; 30. S. XLII, 3, S. XLIII, 18; 53; 60. S. XLVII, 29. S. LIII, 28. S. LXVI, 4; 6. S. LXX, 4. S. LXX1V, 31. S. LXXVIII, 38. S. LXXXI, (21). S. XCVH, 4. cfr. 7, Exk. 1. I !j Schon dieser aufiere Uberblick gewahrt im voraus eine AnsChauung davon, welche Bedeutung die Engelvorstellung im Koran einnimmt. Zum andern erhellt diese Bedeutung deutlich aus der Tatsache, daB der Glaube an die Engel vom Koran mit in das orthodoxe muslimische Qlaubensbekenntnis eingerechnet wird. Denn S. II, 172 lehrt: Das ist Frommigkeit, wenn man glaubt an Allah, an den jiingsten Tag, an die Engel, an das Buch und an die Propheten, und S. .11, 285: Alle Qlaubigen glauben an Allah und seine Engel . . . ., oder negativ ausgedruckt S. IV, 135: Wer nicht glaubt an Allah und seine Engel . . . ., der irrt weit ab vom rechten Pfade. Untersuchen wir jetzt die Engelvorstellungen des Korans im einzelnen, so werden wir ohne tiefer gehende, charakteristische Abweichungen derselben Auf- fassung von den Engeln begegnen, wie im Judentum. Die Engel sind die Geschopfe Allans. Das versteht sich zunachst auch fiir den Koran von selbst und braucht garnicht hervorgehoben zu werden 1 ). Sie sind l ) In S. XXXVII, 11 ist zu dem Relativsatz ,,Dle wir erschaffen haben" als Beziehungswort nicht die Engel" zu erganzen (Sale, Nerreter, Grigull), sondern mit Sprenger v t (Bd. II pag. 245) ,,Die Ginnen", oder besser noch ,,Die ^ Saitane." Wahrend der Koran bei den Ginnen (cfr. 8) v und beim Saitan (cfr. 11) die Materie angibt, aus der beide erschaffen wurden, so fehlt betreffs der Engel eine 12 nun aber weiter gedacht als die besonderen Geschopfe, die mit Allah zusammengehoren. Deshalb die Ausdrucks- weise: alldhu uamala'ikatuhu S. II, 92; 285. S. IV, 135. S. XXIII, 42; 57. Die Engel bilden seine nachste Umgebung. Deshalb nennt sie der Koran aiich ohne Hinzufiigung von mald'ikatun kurz: 'alladina *inda rabbika S. VII, 205. S. XLI, 38, man ''indahu S. .XXI, 1 9, man haulahu S. XL , 7 . Oder . (almalafikatu) almukarrabuna *) S. IV, 1 70. Derselbe Gedanke wird auch so ausgedriickt, daG gesagt wird, die Engel stehen rings urn den Thron 2 ) Allans, almala'lkatu haffina min hauli-Farti S. XXXIX, 75, und der Thron selber wird von Engeln getragen. Deshalb heiBen sie dann auch 'alladina iahmiluna-l ^ arta S.XL, 7 cfr. S. LXIX, 17. Die Engel werden dann weiter als solche vor- gestellt, die in bestimmter Ordnung stehen 3 ), als gunudun 4 ), Soldaten. Denn den Heeren, die auf Erden fur die Religion AHahs kampfen, entsprechen (hiilfsbereite) Heere des Himmels: gunudu-ssamaiiati diesbeziigliche Angabe. Die Engel werden aber im Koran gedacht als M rein geistige Wesen" (Geiger, pag. 82), oder doch ,,feiner organisiert als die Erdenwesen (Grimme, pag. 48), weshalb sie weder unter den Begriff ddbba d. i. Wesen, noch unter taqal Korperwesen, namlich Menschen und Genien, eingereiht werden", die beide S. LV, 31 auch als assakaldni-= die beiden schweren Wesen bezeichnet werden. *) cfr. 7, Exk. 2. 2 ) Sprenger, a. a. O. Bd. II, pag. 236 und 37. 3 ) S. XXXVII, 1. S. LXXVIII, 38. 4 ) S. XXXVI, 27. 7, Exk. 3 a. 13 ual'ardi S. XLVIII, 4 und 7, den sichtbaren entsprechen unsichtbare: gunudun lam tarauha S. IX, 26; 40. S. XXXIII, 9. Die Engel sind nun aber durchaus Allah unter- geordnet, denn ihm gehort, was im Himmel und auf Erden ist 1 ), und Allah selbst ist von seiner Um- gebung vollig unabhangig und unbeeinfluBt. Denn die Engel durfen ihm nicht mit der Rede zuvor- kommen, keine Fiirsprache einlegen, auBer fiir wen es ihm wohlgefallt 2 ) und nur auf seinen Befehl hin ihre Taten ausfiihren 3 ). Sobald sich jedoch einer gar erheben wiirde zu Allah neben Allah, in dem Augen- blick wiirde ihm auch die Holle zum Lohne werden 4 ). Die Engel sind eben nur Allans Boten, rusulun S. VI, 61. S. VII, 35. S. XI, 72;. 79; 83. S. XVII, 97. S. XXXV, 1 Oder marsuluna S. XV, 57; 61. S. LI, 31 und Allans Diener, 'ibadun S. VI, 61 ; S. XXI, 26. S. XLIII, 18 5 ) und er, der Allherr, ist auch .ihr Allbezwinger, uahuua-lkahiru fauka ^ibadihi S. VI, 61. Die Engel nun ihrerseits verspiiren auch gar nicht derartige Geliiste, sich gegen Allah zu erheben und sich ihm an die Seite zu stellen. Sie. sind namlich durchaus nicht hochmutige Geschopfe,. la iastakbiruna (S. IV, 170). S. VII, 205. S. XVI, 51. S. XXI, 19. S. XLI, 38, vielmehr fiirchten sie Allah, ja zittern aus Furcht vor ihm 6 ). Nur einmal bei der Erschaffung a ) S. XXI, 19 eft. 7, Exk. 3b. 2 ) S. XLII, 3. S. XXI, 29; 30. 3 ) S. XXI, 27. 4 ) S. XXI, 30. 5 ) cfr. 7, Exk. 4 a. 6 ) S. XIII, 14. S. XVI, 52. S. XXI, 29. 14 des Menschen werden sie eifersiichtig und wagen gegen Allah einzuwenden: ,,Willst du auf Erden einen ein- setzen, der dort Unheil anrichten und Blut vergielkn soil?" Als ihnen abef die Antwort zuteil wird: ,,Ich wei!5, was ihr nicht wifit", da bleiben sie demutig und bekennen: ,,Preis sei dir! Wir wissen nur, was du uns gelehrt hast. Denn du bist der Allwissende und Allweise" 1 ). Ihre ganze Demut vollends beweisen sie dadurch, daB sie sich Allah unterwerfen, dafo sie an ihn glauben 2 ). Und das konnen sie ja auch, denn ,,der Koran befindet sich beiGott und wird vonEngeln gehiitet: S. LIH, 1315 Hochgeehrte Rollen erhabene, feine in den Handen von edeln, ffommen Schreiben. S. LVI, 7778 . . . das Buch das nur die Reinen beriihren" 3 ) und sie lesen die Ermahnung 4 ). Ja, die Engel sind echte Moslims, sie bekennen und bestatigen den rechten Glauben: la 'ildha "ilia kuua*). Wozu Menschen zu stolz sind 6 ), dazu sind sie nicht zu stolz: Sie heiligen 7 ) Allah und beten ihn an 8 ). Sie riihmen seine Ehre 9 ) und preisen sein Lob, nusabbihu bihamdika, bihamdi rabbihim S. II, 28 (30). S. VII, 205. S. XXXIX, 75. *) S. II, 2832. cfr. 7, Exk. 4b. 2 ) S. XL, 7. 3 ) cfr. Grimme, a. a. O. pag. 44. Sprenger, a. a. O. Bd. II, pag. 451 ff. u. B. I, pag. 58. 4 ) S. XXXVII, 3. 5 ) S. Ill, 16. 6 ) S. XLI, 38. 7 ) S. II, 28. 8 ) S. VII, 205, 9 ) S. XIII, 14. ~ 1 o ~~~ S. XL, 7. S. XLI, 38. S. XLH, 3. Ja, sie loben und preisen ihn Tag und Nacht, und nie werden sie dessen uberdriissig und niemals dessen miide 1 ). So zeigen sich die Engel als die aufrichtigen Diener Allans. In ihrer Bezeichnung als f ibadun liegt nun aber nicht sowohl ihre ethische Beschaffenheit, als vielmehr ihre spezielle Aufgabe ausgedrikkt. Denn Allah als der arrabbu muB natiirlich auch < ibadun besitzen, die seine Befehle ausfiihren 2 ), und das sind eben die Engel. Auch in dieser Hinsicht sind sie nun vorbildliche Geschopfe. Denn sie sind willige und gehorsame Diener. Mit je zwei, drei oder yier Fliigel- paaren versehen 8 ), schwingen sie sich durch dieLiifte 4 ) und nie versa' umen sie ihre Pflichten 5 ). Die Anschauung . nun, daB die Engel als 15 Menschen, die den Ver- 1 ) S. L, 20. Baid. : Das sind zwei Engel, von denen der eine die Stelle eines Schergen vertritt und jeden Menschen vor den Richterstuhl bringen wird, und der andere die eines Zeugen, der fur oder wider ihn zeugt. Andere meinen, dafi der erstere der Schutzengel sei, der die bosen Werke, und der andere derjenige, der die guten aufgezeichnet habe. cfr. 7, Exk. 14. 2 ) S. L, 21 und 22. 3 ) S. IV, 164. 4 ) S. VII, 35; S. VI, 130. 5 ) S. VII, 35. G ) S. XXIX. 55. 7 ) S. L, 23. 8 ) cfr. Meyer a. a. O. Die Hollenwachter, pag. 13 15 und die Hiiter der Gehenna und ihreHollenwache, pag. 70 74. 9 ) S. LXVI, 6. 29 dammten in der Holle nicht gewachsen waren, ,,und ihre Anzahl nur zur Priifung der Unglaubigen so fest- gesetzt" 1 ). Ob nun die S. XCVI, 18 erwahnte zabaniiaiun (Hollenwache) 2 ) mil diesen neunzehn Hollenwachtern identisch ist, Oder mit den spateren Auslegern als eine besondere Schar (untergeordneter) Hollengeister von ihnen unterschieden werden muB, ist bei der Knappheit des Ausdrucks kaum zu entscheiden.- Immerhin ist das Erstere wahrscheinlich, da sonst iiber derartige dienstbare Hollengeister gar nichts verlautet Jedenfalls hat diese Wache dieselbe Aufgabe wie jene Engelschar, denn sie wird gerufen, damit sie den Verworfenen fortschleppe (Baid) 3 ). J ) Diese kleine Zahl wurde von manchem zum Gegen- stande des Spottes gemacht, so von Abu Gahl, cfr. Meyer, pag. 72. Die spa'teren Ausleger steigern ihre Zahl .ins Ungemessene und fassen die Neunzehn auf als Aufseher fiber die nach Tausenden zahlenden Hollengeister. Ebenso malen sie die den Hollenengeln S. LXVI, 6 beigelegten Pradikate weiter aus, und legen ihnen eine Leibesgrofie und Seelenharte bei, die fiber das Mafi menschlicher Vorstellungen weit hinausgehen, cfr. Meyer, pag. 70 und 71. 2 ) cfr. Purg stall, pag. 210: Die Folterengel der Holle: Die Folterengel (Subanijet) sind in der Holle keinem schneller zur Hand als den lasterhaften Koranlesern, von denen sie sich dann zu den Gotzendienern wenden. Die Gepeinigten sagen: ,,Warum beginnt ihr mit uns vor den Dienern der Gotzen"? Und die Folterengel antworten: ,,Die, so wissen, sind zurechnungsfa'higer als die, so nicht wissen". 3> ) cfr. Meyer, pag. 14. 30 Der Koran kennt nun auch noch den Obersten dieser Hollenwachter, namlich Malik 1 ), doch ohne iTin weiter besonders wirksam hervortreten zu 'lassen. DieWachter nehmen nun die Unglaubigen an den Toren der Holle in Empfang und fragen auch ihrerseits, ob nicht Warner zu ihnen gekommen sind, Gesandte mit klaren Beweisen, Boten, die die Zeichen Gottes vor- lasen und an das Eintreffen des. Tages ermahnten. Dies alles mussen die Unglaubigen alsdann auch hier bejahen . und so nochmals ihren Unglauben, ihren Ungehorsam, ihre Heuchelei und ihre Auflehnung wider Gott bekennen 2 ). Darauf werden sie von den Wachtern in Ketten gelegt und ins Feuer geworfen 8 ). ,,Die Verdammten bitten nun die H liter, Fiirbitte fiir sie bei Gott einzulegen, damit er auch nur fiir einen Tag ihnen die Feuerqual erleichtern moge. Allein die Hiiter fordern die Bittenden auf, Gott selber anzurufen, da er ihnen durch seine Gesandten offen- bare Zeichen habe zukommen lassen, erklaren aber ihre Bitten zum voraus fiir nutzlos 4 ). Zuweilen wird auch an Malik allein 5 ) der Hiilferuf gerichtet, aber er antwortet: ,,Ihr bleibt fiir immer darin" 6 ). !) S. XLIII, 77. Nach Ibn Hisam ist Malik ,,Herr der Holle" schlechthin, der allein auch ihren Abgrund auf- und zudeckt. Entsprechend den Hollenengeln ist auch die Gestalt Maliks von der Tradition aufs schaurigste aus- gemalt worden, cfr. Meyer, pag. 72. 2 ) S. XXXIX, 71. S. XL, 52 ff. S. LXVII, 8 ff. 3) S. LXIX, 30 ff. 4 ) S. XL, 52 ff., cfr. S. XLIII, 74. 5 ) S. XLIII, 77. 6 ) cfr. Meyer; pag. 14. 31 Nachdem wir so die Vorstellungen von den Engeln kennen gelernt haben, die in dem Begrift* ibddun ein- geschlossen sind, bleibt uns nun noch iibrig, auch die Vorstellungen zu charakterisieren, die der Koran mit ihrer Bezeichnung als rusulun verkniipft. 4. - Die Engel als Boten Allahs. Wie Gott von Zeit zu Zeit Boten aus den Menschen auserwahlt hat, um diesen ,,Offenbarung und Er- mahnung" zuteil werden zu lassen, so wahlt er sich auch Engel zu rusulun aus 1 ). Sie iiberbringen dem Menschen dann direkt, jedoch nur ausnahmsweise, eine gottliche Botschaft Denn es kennt der Koran nur vier derartige direkte Sendungen von Engeln an die Menschen, na'mlich die paarweise zusammengehorigen an Abraham und Lot 2 ), um diesen aus Sodom zu erretten und jenem die Geburt Isaaks zu verheiBen, und die an Zacharias und Maria 3 ) betreffs der Geburts- ankiindigung von Johannes und Jesus. Es sind also die Engel Boten in ganz besonderem Sinne, und sie werden eben nur gesandt bei vorliegender Notwendigkeit wie in den erwahnten Fallen 4 ); sonst diirfen sie nicht J ) S. XXII, 74. 2 ) S. XI, 72 83; S. XV, 51 ff.; S. LI, 24 ff., cfr. Genesis, cap. 18 und 19 und Geiger, a. a. O., pag. 132. 3 ) S. Ill, 33 ff. und 37 ff.; S. XIX, 1 ff. -und 16 ff., cfr. Luc. I, 11 ff. und 26 ff. und C. F. Gerock, Versuch einer Darstellung der Christologie des Koran, 1839, pag. 32 ff. 4 ) cfr. S. II, 249. erwartet werden 1 ). Das konnen die Unglaubigen natiirlich nicht begreifen, und so haben sierzu alien Zeiten von den Qottesgesandten gefordert, ihre Wahrhaftigkeit durch mitfolgende Engelbotschaft zu bestatigen. -Schon zu Noahs Zeiten haben sie es getan: ,,Solches haben wir von unsern Vorfahren nie gehort, das kann nur ein wahnsinniger Mensch sein; wenn es Gott Ernst ware, wiirde er gewifi Engel gesandt haben 2 )". Ebenso versagten die Stamme * Ad und Thamud den Boten Allahs den Glauben: ,,Wenn unser Herr uns ha'tte warnen wollen, hatte er Engel hinabgesandt 3 )". Auch Pharao bestarkte sein Volk im Unglauben gegen Moses, indem er sagte: ,,Sind ihm denn Goldspangen angelegt worden, oder die Engel in seinem Gefolge gekommen 4 )?" Dieselbe Forderung ist nun auch wiederholt von seiten der Unglaubigen an Muhammed gerichtet worden 5 ). Denn nicht eher wollen sie glauben, als bis er vor ihren Augen ein Wunder vollbringt, namlich aus der Erde eine Wasser- quelle stromen oder einen Garten aufsprieBen la'Bt mit Palmen, Weintrauben und Bachen, oder bis dafi er ein goldenes Haus hat und mit einer Leiter zum Himmel steigt, oder bis daB er, wie er gedroht, den Himmel auf sie herabfallen la'Bt, oder aber auch endlich !) S. XV, 8. ' 2 ) S. XXIII, 2425. 3 ) S. XLI, 13. 4 ) S. XLIII, 53. 5 ) S. II, 206; S. VI, 8; S. XI, 15; S: XV, 7; S. XXV, 8; S. XXV, 23. 33 die Engel als Biirgen herbeibringt 1 ). Aber diese alte Forderung der Unglaubigen ist anormal. Ja, wenn die Engel auch die Bewohner der Erde waren, dann konnten sie billiger Weise Engel als Boten verlangen 2 ). Doch jetzt wiirden sie, wenn sie wirklich zu den Menschen herabgesandt wiirden, ebenfalls nur in menschlicher Gestalt erscheinen 3 ). Diese Forderung ist von Seiten der Unglaubigen auch nur ein Vorwand. Die Sache selbst ist entschieden 4 ). Sie glauben nicht, auch wenn alle Dinge vor ihnen versammelt wiirden 5 ). Dagegen sind nun die Engel stets zu den aus- erwahlten Dienern mit der Offenbarung ,,la 'ilaha 'illa-lldhu UQ } herabgestiegen, und der Koran zeigt nun besonders, wie Muhammed selber seine Offenbarungen durch Vermittlung eines Engels erhielt 7 ); und zwar ist es der Engel Gabriel, dem er diese Vermittlung zuschreibt S. II, 91. er (Gabriel) hat ihn (den Koran) auf Allans Befehl auf dein Herz herabgebracht . . . . 8 ). >) S. XVII, 9294. 2 ) S. XVII, 97. 3 ) S. VI, 9. 4 ) S. VI, 8. . 5 ) S. VI, 111. 6 ) S. XVI, 2. 7 ) cfr. Pautz, a. a. O. 2, Die Ubermittlung der Offenbarung. 8 ) cfr, S. XVI, 104 und S. XXVI, 193. 3 34 Zweimal 1 ) berichtet nun der Koran na'her eine solche Vermittlung der Offenbarung: S. LIH, 610. 6. Da stellte er sich gerade bin. 7. Er war am hochsten Horizont 2 ). 8. Sodann naherte er sich und war nahe, . 9. so daB die Entfernung zwei BogenschuBweiten betrug oder weniger. 10. Da offenbarte er (Gabriel) seinem (Gottes) Knecht (Muhammed), was er (Gabriel) offenbarte 3 ). Der Bericht tiber die zweite Erscheinung Gabriels findet sich S. LIH, 1318. 13. Er sah ihn bereits bei einem andern Herabstieg 14. bei dem Lotusbaum der Grenze, 15. bei welchem sich der Garten des Aufenthaltes befindet, 16. als ihn bedeckte, was ihn bedeckte. 17. Da wandte sich nicht ab der Blick, noch schweifte er umher. 18. Er sah von dem Zeichen seines Herrn das GroBte. Auf Grund solcher Erscheinungen, die Muhammed in Wirklichkeit zu sehen glaubte 4 ), ist er dann auch 1 ) cfr. 7, Exk. 15. 2 ) cfr. S. LXXXI, 23. ^ So bestimmt Baid. die im Texte nicht genau be- zeichneten Personen. Nach einer andern von ihnen er- wahnten Erklarung beziehen sich die Pronomina alle auf Gott, cfr. 7, Exk. 15. 4 ) cfr. Pautz, pag. 41 und S. LIII, 11. von der unerschiitterlichen Wahrheit seiner Offen- barungen iiberzeugt, so daB er behaupten kann: S. LHI, 26. ' 2. Nicht hat sich euer Gefahrte (Muh.) geirrt und nicht hat er sich getauscht, 3. und nicht spricht er aus seinem eigenen Willen. 4. Es ist nur Offenbarung, welche geoffenbart wird. 5. Qelehrt hat ihn der an Kraften starke, 6. von groBer Tiichtigkeit (namlich Gabriel) 1 ). ,,Muhammed leitet also die Einzigartigkeit seiner Offenbarung von der einzigartigen Wiirde und hohen Stellung ab, welche Gabriel, der Vermittler derselben, bei Gott inne hatte" 2 ). 5. Die Engelnamen. Da im Koran betreffs der ^famengebung der Engel eine anerkennenswerte MaBigung und Niichtern- heit herrscht, und sich deshalb das hierhergehorige Material als auBerst beschrankt erweist, so legen wir dies zunachst unserer Darstellung zugrunde. Zu Malik S. XLHI, 77, cfr. 3. Assigillu S. XXI, 104 a: An dem Tage werden wir den Himmel zusammenfalten, katai-ssigilli-lilkutubi. Nerreter, Sale, Grigull iibers.: wie Assi|il die Biicher zusammenrollt, doch ungenau wegen des li, s ) cfr. S. LXXXI, 1920. 2 ) Pautz, pag. 40. 3* 36 desgl. ungenau U llm an n: wie man ein beschriebenes Pergament zusammenrollt "' ' Richtig deshalb iibersetzt Sprenger, Bd. II, pag. 445: wie das Zusammenfalten des Briefes zum Siegeln. Gema'B dieser Ubersetzung fallt die Annahme eines Engelnamens in unserer Stelle von selbst fort. Baid. laftt die Deutung offen: Unter Assigill wollen die einen den Engel verstehen, der das Buch der guten und bosen Taten bei Gott fiihrt, andere einen Schreiber Muhammeds, wieder andere halten das Wort fiir ein appellativum, welches bedeutet ,,Buch" oder ,,beschriebenes Stuck Pergament". So hat sich denn auch die Gestalt eines Assi^ill auf Grund dieser Koranstelle in der spateren Theologie, obgleich sie doch die Engelnamen des Koran stark erweitert hat, nicht erhalten respektive durchsetzen konnen (cfr. Purgstall). Zwei anderen Engelnamen, Harut und Marut begegnen wir S. II, 96: . . .Die Saitane waren unglaubig, sie lehrten die Menschen Zauberei und was herabgesandt war auf die beiden Engel in Babel, Harut und Marut, und nicht lehren sie beide eher, als bis sie gesagt haben: ,,Wir sind eine Versuchung". So sei nicht unglaubig. Und sie erlernten von ihnen beiden, wodurch man Uneinigkeit stiftet zwischen Mann und Weib, aber sie vermogen niemandem zu schaden, auBer mit Gottes Zulassung ... Die hier angedeutete Erzahlung von Harut und Marut fallt nach dem Urteil von Paul de Lagarde 1 ) und Geiger 2 ) in das Sagengebiet vom Herabsteigen der Engel und ihrer Vermischung mil den Menschen- tochtern, wie es bekannt ist aus Gen. 6. ,,Wir finden die Sage spater in zwei bedeutenden Varianten. Nach der einen Variante (Gen. 6, I. Hen., Jub.) steigen die Engel, zweihundert an derZahl, unter zwei Anfiihrern Semjasa und Asasel, in offener Emporung den Himmel verlassend, herab, urn mit den Menschentochtern in geschlechtlicher Gemeinschaft zu leben. Nach der andern -Form der Sage (II. Hen.; Clementinische Homilien IX, 1120) steigen die Engel vom Himmel herunter, um die Menschenkinder zu bessern und kommen bei diesem Wagnis zu Fall. Nach spatester judisch 3 )-arabischer 4 ) Tradition geraten sie in dasNetz einer Buhlerin, die ihnen die geheimnisvolle Zauber- formel, vermoge deren sie wieder in den Himmel auf- steigen, entlockt. Nun schwingt sich jene zum Himmel auf, und diese miissen auf der Erde bleiben. In der arabischen Uberlieferung sind nun diese Engel Harut und Marut 5 )." Diese Sage war auch vor Muhammed x ) Paul de Lagarde: Gesammelte Abhandlungen, Leipzig 1886, pag. 15, 10. 2 ) Geiger, pag. 107109. 3 ) cfr. Midrasch Jalkut, Kap. 44, bei Geiger, pag. 107 u. 108. 4 ) cfr. Purgstall, pag. 193. 5 ) W. Bo us set, Die Religion des Judentums im neu- testamentlichen Zeitalter, Berlin 1903, pag. 363 u. 364. 38 hinlanglich bekannt, und Anspielungen auf sie sind bei den vorislamischen Dichtern 1 ) ungemeiff ha'ufig. Namentlich werden dieGrubchen inWangert und Kinn des Qeliebten mit jenem Brunnen im Lande Babel verglichen, in denen Harut und Marut gefangen sitzen und den Zauber Babels lehren. In den beiden Engeln Harut und Marut sieht nun Lagarde die persischen Ameshas-Spentas Haurvatdti und Ameretdti. Zum SchluB weisen wir noch darauf bin, dafi diese beiden Engelnamen auch schon im Henoch vorliegen in Orioch und Marioch (II. Hen. Rec. B. 33) 2 ). Das zweite und letzte Engelpaar desKorans bilden v Qibnlu und Mikalu. Von ihn handeln S. II, 9192: 9.1. Sprich: Wer dem Gabriel ein Feind ist denn er hat ihn (den Koran) auf Gottes Befehl auf dein Herz herabgebracht als Bestatigung dessen, was vor ihm (geoffenbart wurde), als Leitung und Ver- heiBung fiir die Glaubigen, J ) Saidf II, 213a 8; 229b 3; 244a 10; 258a 16; vgl. Q. II 203, 18 ff., nach Lagarde a. a. O.; vgl. dazu Purgstall, pag. 194. 2 ) Vgl. zu Harut und Marut in der spateren Tradition Purgstall, pag. 211 und zu dem ganzen Sagengebiet: M. Griinbaum, Beitrage zur vergleichenden Mythologie, Zeitsdir. d. deutsch.-morgenland. Gesellschaft (Z. D. M. G.) 31, 183359. 92. wer Gott, seinen Engeln, seinen Gesandten Gabriel und Michael ein Feind ist, so ist Gott den Unglaubigen ein Feind 1 ). S. LXVI, 4: . . : und wenn ihr euch zusammentut wider ihn (Muhammed), dann furwahr ist Allah sein Schutz, und Gabriel, der Rechtschaffene unter den Glaubigen und die Engel stehen ihm bei. Gabriel tritt von den beiden in den Vordergrund, weil er Muhammed die Offenbarung vermittelt (S. II, 91) 2 ). Dies kommt besonders zum Ausdruck S. LXXXl, 1921: 19. Siehe er (der Koran) ist fiirwahr das Wort eines verehrungswiirdigen Gesandten (rusuli karfmi), 20. welcher bei dem Inhaber des bestandigen Thrones Macht besitzt, 21. welchem gehort wird (unter den Engeln), und der dprt (bei der Offenbarung) treu ist. Beide Suren aber, in denen Gibrll genannt wird, sind medinensisch. In der mekkanischen Periode ist der Uberbringer der Offenbarung der ruh\ S. XVI, ^ Vgl. zur Obers. Pautz, pag. 37, Anm. 2. 2 ) Vgl. 4. , 3 )0berden nth vgl. Sprenger, Bd. II, pag. 229 3,5: Der heilige Geist. Grim me, Mittlerlsche Hypostasen der Gottheit, pag. 50 54. Bousset, a. a, O., Die Hypostasen- Spekulation, der Geist, pag. 342 343. Ferdinand Weber, Jiidische Theologie auf Grund des Talmud und verwandter Schriften, Leipzig 1897, Kap. XIII. Mittlerische Hypostasen. 40 der heilige Geist, pag. 190194. _ 40 - 104 genannt: ruhu-lkudusi und S. XXVI, 193: arruhu- f I'aminu. Der Ausdruck ruhu-lkudusi ist vorTMuhammed der christlichen Terminologie entlehnt worden 1 ). Die Identifizierung Gabriels mit dem heiligen Geist.liegt aber dem neutestamentlichen Sprachgebrauch. durch- aus fern. Denn hier redet Gabriel vom irveujxa ofyiov als von etwas von sich selbst durchaus Verschiedenem. So spricht er zu Zacharias, Luc. 1, 15: Johannes wird mit dem heiligen Geist erfii lit sein von Mutterleibe an, und zu Maria Luc. I, 35: Heiliger Geist wird uber dich kommen. ,,Doch die Identifizierung Gabriels mit dem heiligen Geist mag gerade auf dem MiBverstandnis solcher Stellen beruhen" 2 ). Bemerkenswert fiir diese Frage ist jedenfalls auch der Hinweis, daB im spateren Judentum die Auffassung des Geistes als eines Engels voriiber- gehend zu finden ist, namlich in der Ascensio Jesaiae Kap. 4, 21; 9, 39 und 40; 10, 4; 11, 4. Die Namen der beiden Engel Gibrilu und Mikalu stammen nun mit Sicherheit aus dem Judentum. Doch auch hier ist der Ursprung ihrer Namen keineswegs klar, sondern bildet, wie die jiidischen Engelnamen iiberhaupt, noch ein ungelostes religionsgeschichtliches Problem 3 ). Michael und Gabriel bilden nun auch im : ) cfr. Sprenger, Bd. II, pag. 229. Hirschfeld, a. a. O. pag. 39. Koberle, NKZ 1902, 345 f. 2 ) Pautz, pag. 37. 3 ) Vgl. Alexander Kohut: Uber die jiidische Ange- lologie und Damonologie in ihrer Abhangigkeit vom Parsismus. (Abhandl. f. d. Kunde des Morgenlandes Bd. IV, 41 Judentum ein zusammengehoriges Engelpaar. Beide treten zuerst im Buche Daniel auf. Hier spielt Gabriel eine bedeutende Rolle (cfr. Kap. 8, 16 und 9, 21; 10, 411 und 12, 6 7; 10, 21). ,,Ja, es scheint, als wenn Gabriel urspriinglich der hochste Engel war" 1 ). Dann aber hat er seinen Platz an Michael abtreten miissen. Denn Michael ist schon im Danielbuch der Schutzengel des israelitischen Volkes (Kap. X, 13, 21; XII, 1), und infolge dessen ist seine Bedeutung immer mehr gewachsen. Er spielt eine entscheidende Rolle im Gericht, gilt hier und da als der Gesetzgeber, war beteiligt bei der Weltschopfung und ist der Geleiter der einzelnen Seele nach dem Tode 2 ). Sein Amt trennt sich allmahlich immer mehr von dem Amt Gabriels, er gilt als der Reprasentant der Gnade, der Giite und des Friedens 3 ), Gabriel als der Reprasentant der Strafe und der Rache 4 ). Beide stehen an der Spitze der Engel 5 ), doch Michael ist zuletzt als das Haupt be- zeichnet worden 6 ). Nr. 3. Leipzig, 1866). Michael und Gabriel, pag. 24 bis '33. Desgl. Eberhard Schrader, Die Keilinschriften und das Alte Testament (K. A. T.), pag. 376; 404; 512 u. 624. ') Bousset, a. a. 0. pag. 322. 2 ) Bousset, pag. 321. Das gesamte Material iiber Michael befindet sich iibersichtlich zusammengestellt bei Lueken: Michael, 1898. 3 ) Kohut, a. a. 0. pag. 26 und 27. 4 ) Kohut, pag. 30 und 31. 5 ) Weber, a. a. O. pag. 168. 6 ) Weber, pag. 170. 42 Der Koran hat, wie wir gesehen, die Stellung der beiden Engel umgekehrt, und zwar nach Baidawf 1 ) im Gegensatz zum Judentum. Es nimmt Gabriel als der Offenbarungsengel die erste Stelle ein, und ent- wickelt sich allmahlich, wie Michael bei den Juden, zum Nationalengel der Araber 2 ). 6. Muhammeds Polemik gegen die Auffassung der Engel als Tochter Allahs 3 ), und seine "Polemik gegen die Engelanbetung. Die Quelle der koranischen Engelvorstellungen ist, wie wir schon 1 im voraiis bemerkten und jetzt auf Grund .unserer bisherigen Entwickelung sehen konnen, die spatjiidische, talmudische Engelvorstellung (cfr. 7). Diese Anschauungeri hat Muhammed sich ohne wesentliche Abanderungen 4 ) zu eigen gemacht, und es la'Bt sich ferner behaupten, daB am Schlusse der mekkanischen Periode Muhammeds Vorstellungs- bild von den Engeln im Ganzen fertig war, und daB es in der medinensischen Periode nur geringfiigig ge- andert resp. erweitert worden ist. So gehoren schon !) Baid zu Sur. II, 91 bei Pautz, pag. 38 und 39. 2 ) Kohut, pag. 30, Anm. 2, Purgstall, pag. 207210. 3 ) Von dieser Polemik handeln folgende Stellen: S. LII, 3839. S. XXXVII, 149154. S. XLIII, 1421. S. XXI, 26. S. XVII, 42. S. XVI, 5961. S. VI, 101. 4 ) cfr. Die Rangverschiebung zwischen Michael und Gabriel 5. 43 bestimmte termini wie malaku-lmauti S. XXXII, 11, zabaniiatun S. XCVI, 18 (LXXIV, 30 f.), malikun S. XLIII, 77 der mekkanisehen Periode an, wahrend sich als speziell medinensisch nur erweisen la'Bt die V, Vertauschung von Gibril und ruh, sowie die Engelnamen uberhaupt (cfr. 5) und die Einreihung der Engel in das islamische Glaubensbekenntnis 1 ). Die koranische Engelvorstellung hat demnach so, wie wir sie ent- wickelt haben, einen durchaus fertigen und abgerundeten Charakter und ist von Muhammed ohne innere Schwankungen dem jiidischen Vorbilde gema'B re- produziert worden. Eine Modifikation wurde erst von den heidnischen Mekkanern in diese Vorstellungen hineingebracht, indem sie namlich die Engel als 'indtun, weibliche Wesen, Oder als banatu-lldhi, Tochter Allans, ansahen, gegen welche Anschauung aber Muhammed, wie der Koran aufs klarste zu erkennen gibt, eine nachdriickliche Polemik eroffnete. Es handelt sich nun darum zu erklaren, wie die eben angegebene heidnische Qleichsetzung von Engeln und Tochtern Allans von den Mekkanern gemeint worden ist. Die na'chst- liegende Auffassung ware nun die, in dieser Anschauung von den Engeln als Tochtern Allans ein altmekkanisches, heidnisches Dogma zu sehen, das also Muhammed zu bekampfen und zu korrigieren suchte. So Pautz, pag. 182, Doch stutzt sich diese Auffassung auf das Zeugnis der Muslimen 2 ), das aber durchaus un- J ) cfr. 1 und Grimm e, pag. 121. 2 ) cfr. Pautz, pag. 182, Anm. 3. Noldeke, Geschichte des Qor&ns, Gottingen, 1860, pag. 57, Anm. 1. . 44 zuverlassig 1st. Denn sie verstehen durchaus nicht auf das Wesen anderer Religionen einzugehen und fa'rben sie alle islamisch *). Beachtet man nun aber allein die Bezeichnung der Engel als 'indtun und banatu-llahi, so wird man hierin eine bestimmte Beziehung der Engel zu den weiblichen Qottheiten, den Tochtern Allans 2 ), anerkennen mtissen. Diese Beziehung zwischen den Engeln und weiblichen Gottheiten der Araber hat nun Grimm e na'her auszufuhren und wahrscheinlich zu machen gesucht, pag. 66 68: Nach Grimme ist davon auszugehen, daB Muhammeds urspriingliche Stellung zu den drei vornehmsten, weiblichen Gottheiten Mittel- arabiens Allat, el-Osza und Manat, obgleich in der jetzigen Form des Korans die Spuren verwischt sind, sich mit Hiilfe der Tradition rekonstruieren la'Bt, so daB S. LIII, 1926 zuerst gelautet haben 8 ): Was haltet ihr von Allat, und el-Ozza und Manat als Dritten? Diese sind die hochsten Gurnaiqe 4 ), und auf ihre Furbitte kann gehofft werden. Aber wird dem Menschen alles zuteil, was er sich erfleht? Nur Allah gebietet ja iiber das Jenseits und Diesseits; und sogar wie viele von den Engeln gibt es im Himmel, deren Fiirsprache nichts niitzt! x ) Noldeke an derselben Stelle. Wellhausen: Reste arabischen Heidentums, Berlin 1897, pag. .24, Anm. 1. 2 ) . vgl. Wellhausen, a. a. 0. pag. 24 und Noldeke, a. a. 0. (pag. 57, Anm. 1). 3 ) cfr. Pautz, pag. 182 ff. 4 ) Zu diesem Ausdruck vgl. Pautz, pag. 183. _ 45 Damit waren die Gottheiten aus dem Kindheits- verhaltnis zu Allah herausgehoben und in das einer ehrenvollen Dienstbarkeit versetzt; doch immerhin waren sie auch noch so den Arabern als verehrungs- wiirdig belassen worden. Zugleich aber waren sie mit dieser Veranderung ihrer Stellung zu einer Art von Himmelswesen umgebildet worden, die zwar von den Engeln nicht mehr verschieden war, aber doch von ihnen unterschieden werden sollte. Somit wird die Folge nun gewesen sein, daft man beide Gruppen gleichsetzte, und da!5 man bei dieser Gleichsetzung das weibliche Geschlecht der Gurnaiqe, an das die Araber gewohnt waren, auch als Eigentumlichkeit der Engel betrachtete. Hiergegen mufite aber der Koran Einspruch erheben, wenn anders der Himmel nicht ganz wieder den Charakter des heidnischen Olymps annehmen sollte, und dieser Kampf beschaftigt nun Muhammed an den oben angefiihrten Stellen wahrend der zweiten mekkanischen Periode 1 ). Wir lassen aber hier von jenen Stellen nur S. XLIH folgen, da wir namlich in ihr die von Grim me vermutete Identifizierung der Engel und weiblichen Gottheiten zu erkennen glauben, indem namlich v. 1418 von den Engeln, 1921 dann von dem alten Kult der weiblichen Gottheiten reden. S. XLIII, 1421: 14. Und sie haben ihm einige von seinen Dienern zu Sprofilingen gemacht Siehe der Mensch ist offenbar undankbar. x ) cfr. Grimme, pag. 25. 46 15. Hat er etwa von dem, was er schuf, Tochter fiir sich genommen und euch mit Sohnen bevorzugt? 16. Wenn einem von ihnen solches verkiindet wird, wie er es dem Allerbarmer zuschreibt, gleich ver- finstert sich sein Antlitz und er spricht voll Arger: 17. Was? So ein Wesen, das in Putz aufwachst und vor Qericht keine Stimme hat! 18. Und sie machen aus den Engeln, welche Knechte des Allbarmherzigen sind, weibliche Wesen (inatun). Waren sie bei ihrer Erschaffung zugegen? Es soil aufgeschrieben werden ihr Zeugnis und sie sollen zur Rechenschaft gezogen werden. 19. Und sie sprechen: Wenn es der Allbarmherzige nicht gewollt hatte, hatten wir ihnen nicht gedient. Aber sie haben hiervon keine Kenntnis, sondern sprechen nur Liigen aus. 20. Haben wir ihnen vordem keine Schrift gegeben, und haben sie eine solche in Verwahrung? 21. Nein. Sie antworten: Wir fanden unsere Va'ter bei diesem Glauben, und siehe wir sind in ihre FuB- tapfen geleitet worden. Da aber das heidnische BewuBtsein sich mit solcher Macht an das weibliche Geschlecht der Gurnaiqe und Engel festklammerte, so blieb Muhammed nichts weiter iibrig, als die Existenz der Gurnaiqe iiberhaupt zu leugnen. Und dies tat er durch die Anderung der betreffenden Stelle in S. LHI wahrscheinlich am Schlusse der mekkanischen Periode, obgleich die Tradition bemuht ist, diese Anderung viel friiher zu 47 setzen 1 ). Denn jetzt in der Form wie uns der Koran vorliegt, beantwortet Muhammed die Frage nach Alldt, el-Ozza und Man&t ganz anders wie zuvor: S. LHI, 21 23. 21. Gehort euch das Mannliche und ihm das Weibliche? 22. Jenes ware dann eine ungerechte Verteilung. 23. Sie sind nur Namen, mit welchen ihr und eure Vater sie genannt habt, wozu Qott keine Erlaubnis herabgesandt hat. Sie folgen nur der Meinung und dem, was sie wunschen, und schon 1st von ihrem Herrn die Leitung zu ihnen gekommen. Damit war der Auffassung der Engel als weiblicher Wesen und Tochter Allahs der Boden ent- zogen, so daB auch in der medinensischen Periode diese Polemik verstummen konnte. Noch schwieriger jedenfalls als die Aufhebung dieses Engeldogma war fur Muhammed die Aufhebung des mit diesem Glauben verbundenen Engelkultus. Doch scheint Muhammed hier auBerordentlich vor- sichtig zu Werke gegangen zu sein. Wahrend namlich die Polemik gegen das Engeldogma sich auf dieses beschrankte und den Engelkultus zunachst beiseite lieB, ging doch eine nur ganz anders geartete Polemik gegen diesen neben jener parallel. Denn mehr als der Glaube, will der Kultus eines Volkes geschont sein. Als eine Polemik gegen den Engelkultus aber haben wir nun die Erzahlung Muhammeds von der Schopfung cfr. Grim me, pag. 67, P^utz, pag. 184. 48 Adams aufzufassen 1 ), die Muhammed gleichzeitig mit jener Polemik gegen das Engeldogma siebenmal wiederholt. Denn in dieser Erzahlung fallt offenbar der Nachdruck auf den Satz 2 ): Der Herr befahl den Engeln sich vor Adam niederzuwerfen. Und sie warfen sich nieder insgesamt mit Ausnahme des *Iblis, so daB Muhammed hiermit seiner Urrigebung die Un- gereimtheit ihres Tuns vor Aiigen fiihren will, wenn sie die Engel anbeten, die doch alle selbst sich beugen muBten auf Allahs Befehl vor dem Stammvater des menschlichen Geschlechts. Unter einem ganz anderen Gesichtspunkt redet von der Engelanbetung eine in diese selbe Zeit fallende Offenbarung. S. XXXIV, 3940: 39. Am Tage, da Gott sie alle auferweckt, wird er zu den Engeln sprechen: ,,Haben diese euch angebetet?" 40. Sie werden antworten: ,,Preis sei Dir! Du bist unser Verbiindeter und nicht sie. Nein, sie beteten die Ginn an, und die meisten von ihnen glaubten an sie." Denn dieser Ausspruch will sagen, daB mit jeder Anbetung iiberhaupt nicht die Engel, sondern die v Ginnen verehrt werden. Muhammed verwirft hiermit also den Gotzendienst, indem er ihn nicht wie die Mekkaner, und wie an sich moglich ware als *) cfr. Sprenger, Bd. II, pag. 240. 2 ) cfr. S. XV, 29 und 30; S. XXXVIII, 72 und 73; XX, 115; S. XVIII, 48;.S. XVII, 63; S. VII, 10. S. II. 32. _ 49 Errgeldienst, sondern als Ginnendienst definiert: Hinter den Gottern stehen nach Muhammeds Ansicht nicht die Engel, sondern die Ginnen *). Auf Grund dieses Verhaltnisses der Ginnen zu den Gottern scheint nun bisweilen auch ahnlich wie bei den Engeln und Gottinnen die Stellung der Gotter auf die Ginnen iibertragen zu sein, indem man auch sie in genealogi- schen Zusammenhang mit Allah setzte: S. XXXVII, 158. . ' v Und sie setzen zwischen ihm und den Ginnen Stammverwandschaft .... S. VI, 101. v Sie haben Allah die Ginnen zu Genossen gemacht, obgleich er sie geschaffen hat .... Doch erreichten solche Vorstellungen keine weitere Bedeutung, weil eben wie die Ginnenvorstellung iiberhaupt so auch die Vorstellung, daB hinter den Gottern die Ginnen stehen, von Muhammed durch die andere ersetzt wurde, daB hinter den Gottern der v ....-' Saitan steht 2 ), und somit der Gotzendienst Dienst des Saitans wird. (vgl. 13). * o n /. Exkurs. 1. malakuH; pi. malafikatun, hebr. mal'ak, ist, worauf der : plur. fractus, hinweist, athiopischen x ) Vgl. Grimme, pag. 69. W. Robertson Smith, Die Religion der Semiten, fibers, von R. Stube, 1899, pag. 85. . 2 ) Vgl. Wellhausen, a. a. O, pag. 157. 4 . 50 j^ Ursprungs. Vgl. A. Dillmann, Lex: ..ling. Aeth. pag. 48. Hirschfeld, a. a. O. pag. 45. 2. Zu S. IV, 1 70, wo die Engel almukarrabuha genannt werden, erinnert Spre'nger, Bd. II, pag. 506, Anm. 2 an die jiidischen Kerubim. Indessen habe Muhammed die phantastischen Ideen der Juden uber die Kerubim nicht in den Islam wenigstens nicht in den Koran iibertragen, und almukarrabuna bedeuten bei ihm bloB diejenigen Engel, die Qott seiner Majestat am nachsten gestellt hat. DaB aber beide Worte in Zusammenhang gebracht werden diirfen, muB wohl als ausgeschlossen betrachtet werden, da die Ableitung des hebr. Kerub von V qarab, dem darin das arab. karaba entsprechen wiirde, selber sehr problematisch ist Dagegen vgl. zu der Vorstellung, daft der Thron Allahs von Erigeln getragen wird, in S. XL, 7 und S. LXIX, 17 die seit Ezechiel dem Judentum gelaufige Vorstellung von den vier Kerubim, den Throntragern Gottes. cfr. Belege fur das Zeitalter der Apokryphen und Pseunyigraphen bei Bousset, a. a. 0. pag. 320, fur das Zeitalter der Midraschim und Talmude bei Weber, a. a. O. pag. 169. 3 a. Zu der Vorstellung der Engel als gunudum vgl. die alttestamentliche Bezeichriung derselben als seba' hassdmaiim (im N. T. oTp, aus- brechen: .-;.- . S. XXV, 3031. O weh mir, hatte ich doch nimmer einen solchen zum Freunde genommen. Er hat mich von den Ermahnungen des Herrn abgelenkt, nachdem sie zu mir gekommen war. Denn der Saitan 1st treulos gegen die Menschen. Voll HaB und Ingrimm gegen ihren Verfiihrer richten sie nun noch an Allah die einzige Bitte: Herr, verdopple dem, der dies iiber uns gebracht hat, die Strafe des Hollenfeuers J ) und alsdann werden sie samt und senders in den Abgrund gestiirzt 2 ). 14. V V Der Saitan und die Saitane 3 ). * . s AuBer dem Saitan kennt nun der Koran auch noch Saitane: 5a#5 S. XV, 17. S. XXII, 3. S. XXXVII, 7. S. XLIII, 35. S. XXXI, 25, meist plur. Aiio/fw. S. II, 13; 96. S. VI, 70; 112; 121. S. VII, 26; 28. S. XVII, 29. S. XIX, 69; 86. S. XXI, 82. S. XXIII, 99. S. XXVI, 210; 221. S. XXXVII, 63. S. XXXVIII, 36. S. LXVII, 5. Die Saitane sind dem Saitan unter- geordnet. Sie werden naher als sein Heer vorgestellt. Doch sind diese Gedanken im Koran nicht weiter !) S. XXXVIII, 61. 2 ) S. XXVI, 9495. S. LVIII, 20 u.. 6. 3 ) Vgl. Purgstall, pag. 211316 und 16, Exk. 8. - 83 - ausgefuhrt, sondern sie sind nur in einigen kurzen Stellen angedeutet: S. VII, 26. huua (assaitdnu) uakabiluhu (er und seine Schar). S, XVII, 66. ...... Und verfuhre, wen du kannst von ihnen, mit deiner Stimme und beliste sie bihailika uaraglika (mit Deiner Reiterei und Deinem FuBvolk). S. XXVI, 95. gunudu 'ibtisa (Herscharen des 'IbUs\ Im iibrigen sind der Saitan und die Saitane fiir den Koran zwei Begriffe, die ziemlich promiscue gebraucht werden. Der Charakteristik Saitans und :-- V seines Wirkens entspricht die Charakteristik der Saitane fast aufs Wort. Doch tritt die Vorstellung vom V .. Saitan bei weitem in den Vordergrund, so daB neben > . - . ' . ' " V . ' - - > : ihm die Vorstellung von den Saitanen als ziemlich abgeblaBt und kraftlos erscheint Wie der Saitan so fiihren atfch die Saitane den Beinamen maridun S. XXII, 3 und S. XXXVII, 7 und ragimun 1 ) S. XV, 17 und S. LXXXI, 25 und ihr Hauptstreben ist gleicher Weise darauf gerichtet, die Menschen vom rechten Wege abzubringen und irre zu' leiten 2 ). Sie tun das ebenfalls vermittelst Einfliiste- rungen 3 ), durch welche sie den Menschen das Diesseits !) cfr. 16, Exk. 5. 2 ) S. VI,: 70. 3 ) S. XXIII, 99. .-rr 84 und Jenseits durch falsche Begriffe ausschmiicken x ). Der Glaubige nimmt nun auch vor ihnen seine Zuflucht zu Allah, so daB sie ihm nicht zu schaden vermogen 2 ). Wer sich jedoch von den Ermahnungen des All- erbarmers abwendet, fur den ist ein besonderer Saitan bestimmt 8 ). So haben die Unglaubigen die Saitane zu Genossen und Beschiitzern 4 ) und wahnen dabei, von ihnen recht geleitet zu.werden 5 ). D.och die Saitane reizen die 'Unglaubigen nur zur Siinde 6 ) und verleiten sie mit den Glaubigen zu streiten 7 ). Aber die, welche V ' jedem widerspenstigen Saitan folgen-, streiten ohne Kenntnis 8 ), und werden irregefiihrt zur Strafe des Hollenfeuers 9 ). Am Gerichtstage werden den Un- glaubigen iiber ihre Freunde die Augen aufgehen und sie werden sagen: Ware doch zwischen mir und dir die Entfernung zwischen Osten und Westen. Ein verruchter Gefahrte warst du 10 ). Aber nichts kann an jenem Tage helfen. Sie miissen an der Strafe teil- nehmen li . !) S. XLI, 24. >2 ) S. XXIII, 99. ; 3 ) S. XLIII, 35, vgl. die entsprechende Vorstellung. von den Schutzengeln der Glaubigen. *) S. VII, 28. 5 ) XLIII, 36. 6 ) S. XIX, 86. i) S. VI, 121. 8 ) S. XXII, 3. 9 ) S. XXII, 4. w ) S. XLIII, 37. , : ...;.-.; ; ; ^ u ) S. XLIII, 38. S. .XIX, 69. S. XXVI, 94 95. 85 - .::: <:..:',-: ::', , 15., . y ":'* -'' Die Saitane iind die Ginrien. - AflB'er den eben aufgezeigten Ziigen der Saitane, V " ' durch welche sie gahz 'dem Saitan wesensgleich er- scheinen, schreibt ihnen der Koran noch zwei weitere charakteristische Ziige zu, durch die sie v sichtbar dem Ginnengeschlecht verwandt werden. : . v - . ' - . ' Wie die Qinnen namlich, so spielen auch die v - - . Saitane zunachst die Rolle von zauberhaften Weseri, die dem Konig Salomo dienstbar waren. Die hie'r in Betracht kommenden Stellen sind folgende: - - : S. XXI, 82, '- -' (Wir unterwarfen Salomo) einige Saitanei die- fur ihn im Meere (nach Perlen) tauchen muBten und sonstige Dinge zu verrichten. batten, wobeiwir sie bewachten. S. XXXVHI, 36-38,: > '.--..: ; v 36. (Wir machten dem Salomo^ dienstbar) die Saitane allesamt als Baumeister und Taucher, 3.7. andere in Banden gefesse.lt . : . ; ; .<; 38. (mit den Worten): Das ist unsere Gabe. Sei frei- gebig oder sparsam damit. Denn Rechenschaft brauchst Du nicht abzulegen. S. II, 96. Sie folgen dem, was die Saitane' gegen das Reich Saldmos efsonnen batten 1 ). Salomo aber war ^ Als die Saitane durch Gottes Zulassung, den-Salomo vergeblich versucht hatten, bedienten sie t sich ; einer.List, um seiner Ehre einen Schandfleck anzuhangen. Sie: schrieben 86 kein Unglaubiger, sondern die Saitane waren un- glaubig, und sie lehrten die Menschen Zauberei und das, was den beiden Engeln Baese Harut und Marut herabgesandt war ... Der zweite ginnenhafte Zug der Saitane ist der, daft sie als Horcher am untersten Hirnmel angesehen werden. Dieser Zug eignete urspriinglich wohl den v Ginnen 1 ), ist aber bei ihnen nicht weiter ausgepragt v worden 2 ), sondern ganz auf die Saitane iibertragen. Diese Vorstellung von den Saitanen findet sich in folgenden Stellen: S. XXVI, 210212. 210. Nicht sind die Saitane mit ihm (dem Koran) herniedergestiegen. 211. Es gebiihrt sich weder fur sie, noch konnen fc> v sie es. 212. Denn sie sind zu weit entfernt, als daB sie zu horen vermochten. Biicher der Magie und Zauberkunst und versteckten sie unter des Konigs Thron. Nach seinem Tode sagten sie zu den vornehmsten Hauptern, wenn sie wissen wollten, durch welche Mittel Salomo zu solcher Gewalt uber Menschen, Geister und Winde gelangt ware, sollten sie unter seinem Thron nachgraben. Da glaubte die grofie Menge an Salomos Schuld, bis Gott durch Muhammed mit dieser Oifenbarung die Unschuld des Konigs bekannt machte. cfr. Die Komment. bei Sale.^ $.'*>, <*.&. ; *) cfr. Grimme, pag. 70, Anm. 1. 2 ) cfr. 8 und 9. 87 . . S. ; XXXVH, 6 10. . . 6. Fiirwahr, wir haben den untersten Himmel mit dem Schmuck der Sterne verziert . 7. und einen Wachter gegen alle widerspenstigen Teufel aufgestellt, 8. auf daB sie nicht die erhabensten Fiirsten be- lauschen. Denn sie sind von alien Seiten fort- ; gewiesen^ 9. und einige Strafe ist ihnen bestimrnt. 10. Hochstens, daB einer ein einzelnes Wort erhaschen kann. Aber dann verfolgt ihn eine alles dureh- bohrende Sternschnuppe. Desgl. S, XV, 16-18, S. XXVI, 21, S. XLI, 11 und S. LXVII, 5. Fassen wir zum SchluB die mannigfachen, im Laufe der Darstellung aufgezeigten Beziehungen zwischen dem Saitan, den Saitanen und den Ginnen noch einmal zusammen und veranschaulichen sie uns * - . . " chronologisch, so ergibt sich fur uns folgendes Bild: I. mekkan. Periode: Saitan: S. 114. Saitane: S. 81. .V ! ' ' . ' - '- Ginnen: S. 114. In der ersten mekkan. Periode sind alle drei Gruppen bekannt, treten aber naturgema'B zunachst nicht weiter hervor. Ubergangs- und II. mekkan. Periode: Saitan: S. 15. 22. 14. 41. 38. 36, 35. 31. 29. 28. 27. 25. 20. 43. 19. 18. 17. 16. 12. 7. 6. Saitane: S. 15. 22. 38. 37: 67. 26. 23. 43. 21. 19. 17. 6. . Ginnen:.S. 55. 51'. 15. 46. 72. 41. 37. 34. :;.' :' 32. 27. 18. 17: 11. 7. 6. In der Ubergangs- und in der II. mekkan. Periode treten alle drei Vorstellungen stark hervor. -Die Ginhen teilen'sich S, 72. in gute und hose. Infolge- V dessen iibernehmen die Saitane die Rolle 1 der Horcher, Saitan die des Verfuh'rers. ' " .: In der medinensicshen Periode: Saitan: S. .2: 22. 47. 8.; 24: :3. 29. 4. 57. 58. 5. Saitane: S. 2. V. - ' Qinnen: : : . ..'..' In der medinensischen Periode verschwinden die v Qinnen ganz und sihd ihrer Bedeutung nach in die Vorstellung vom Saitan und den Saitanen aufgegangen- v -v ebenso die Saitane, da ihre Bedeutung neben Saitan von vornherein gering war. Es konzentriert sich somit die : koranische Vorstellung von den bosen Qeistern v zuletzt im Saitan. 16. Exkurs. .t. Bei saitdnun = Sck\ar\ge hat ein bereits vorliegendes Wort eine neue, nicht fernliegende Bedeutung erhalten: Vgl. das Na'here Sprenger, Bd. II, pag. 242, Anm. 2, und Z. D. M. G. Bd. 39, 1885 pag. 583. , : .' / . / 2. 'iblisun enfstanden aus , diabolos. cfr. Geiger, pag. 100. Sprenger, Bd. II, pag. 242, Anm. 1. 89 Vergl. dagegen: J iblis nicht aus diabolos ent- standen, da in diesem Falle das Verschwinden des d unerklarlich ware, sondern ist 7/^7-Form von ]/" balasa, Pautz, pag. 69, Anm. 3. 3. Vgl. zum Ursprung der Erzahlung von Saitans Ungehorsam Geiger, pag. 100; zum Gebrauch von saiianun und J ibtisun vgl. Geiger, ibid, und Sprenger, pag. 243. 4. cfr, Weber, pag. 253. 5. ragfmun gewohnlich erklart als /0V/-Bildung von ragama steinigen. . Vgl. Caspari, Arab. Gramm. 233, Anm. b. Nach anderer Auffassung ist es identisch mit athiop. regum (Part. Pas. von ragama) und bedeutet ,,verilucht". cfr. A. Miiller, Der Koran. Im Auszuge iibersetzt von Friedrich Riickert. Frankfurt 1888, pag. 440. Vgl. auch Dillmann, Lexikon linguae Aethiopicae, pag. 316 und Grimme, pag. 70, Anm. 1. 6. Muhammed verwechselt den Baum des Lebens mit dem der Erkenntnis des Guten und Bosen. cfr. Geiger, pag. 102. 7. Auch in der spatjiidischen Theologie spielt die Befriedigung der sinnlichen Lust das Hauptmotiv bei der Verfiihrung des Menschen. cfr. Weber, pag. 219. 8. Vgl. zu den Vorstellungen des Korans vom Saitan V und den Saitanen die spatjiidischen von den Damonen, Weber, pag. 251259. 9. Ober den hier vorliegenden Sagenstoff vgl, 10, Exk. 3. Meinem verehrten Lehrer, Herrn Professor D. Koberle, spreche ieh fur die Stellung des Themas, sowie fur die allzeit freundliche Unterstiitzung, die er der Arbeit hat zuteil werden lassen, auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank aus. Inhaltsubersieht. Seite Einleitung '....":. 5 Cap. 1. Die Vorstellungen des Korans von den Engeln ... 10 1. Die Engel als die dienende Umgebung Allahs 10 2. Die Engel und die Glaubigen 21 3. Die Engel und die Unglaubigen . . . . . .25 4. Die Engel als Boten Allahs . . . . . . . .31 5. Die Engelnamen ........... 35 6. Muhammeds Polemik gegen die Auffassung der Engel als Tochter Allahs und seine Polemik gegen die Engelanbetung 42 7. Exkurs .49 Cap. H. Die Vorstellungen des Korans von den Ginnen . . .54 8. Die menschlichen Ziige der Ginen ..... 55 9. Die geisterhaften Ziige der Ginnen 59 10. Exkurs .65 Cap. HI. Die Vorstellungen des Korans vom Saitan und den Saitanen 68 11. Saitan ein Ginn, sein Ungehorsam und Stellung zu den Menschen .68 12. Saitan und die Glaubigen 75 13. Saitan uud die Ungla'ubigen 78 14. Saitan und die Saitane . 82 15. Die Saitane und die Ginnen ....... 85 16. Exkurs 88 UNIVERSITY OF CHICAGO